20.08.2018: Rückblende (47) zum 20. August 2003 – Pilot stirbt nach Flugzeugabsturz in Hambüchen

Flugzeugabsturz am 20. August 2003 in Hambüchen, Foto Nico Hertgen für die Bergische Morgenpost, erneut publiziert am 28.08.2018 im Rahmen der BM-Rückblende.

(nob) Diesen Mittwochnachmittag im August des Jahres 2003 werden die Zeitzeugen soll schnell nicht vergessen. Es war gegen 14.45 Uhr, als einer von ihnen, der Anwohner Dieter Wurth auf dem Dierl, mit Arbeiten an seinem Haus beschäftigt war. Plötzlich tauchte ungewöhnlich dicht über dem Dach ein Kleinflugzeug mit einem Segler im Schlepptau auf. Nur zirka 20 Sekunden später war es auch schon passiert: Er hörte einen Knall. Nachdem er aufs Dach gestiegen war, sah er auf einem Feld in Hambüchen eine schwarze Rauchwolke emporziehen.

Vor 15 Jahren ereignete sich der bislang einzige in Hückeswagen bekannte Flugzeugabsturz zu Friedenszeiten. Der 73-jährige Pilot Heinz Spies verlor dabei sein Leben, und hinterließ trauernde Angehörige und Kameraden des Luftsportvereins Wipperfürth. Unterwegs war der Radevormwalder mit einer Maschine vom Typ „Robin DR 400/180R Remorqueur“. Er hatte zudem 600 Stunden Flugerfahrung, wobei er zirka 700 Starts absolvierte. Er wollte einen Segler, einen Amateurbau vom Typ „Condor IV/2“, in die Lüfte ziehen, wobei beide Maschinen aber kaum an Höhe gewannen. Nach dem Absturz des Motorflugzeugs auf einem Feld bei Hambüchen – der Segler hatte sich zuvor ausgeklinkt – brannte die Maschine aus und der Pilot starb am Unfallort. Die Feuerwehr war bereits wenige Minuten später zur Stelle, konnte aber nicht mehr viel ausrichten, da das Flugzeug im Wesentlichen aus Holz und Leinen bestand und so die Flammen schnell Nahrung fanden.

Spies gehörte einer Seniorengruppe des Vereins an, die sich in regelmäßigen Abständen traf. Er war in der Regel derjenige, der mit dem Motorflugzeug den Segler in die Höhe zog.

Auch die Tage danach wurde über die Ursachen des Absturzes gerätselt. Einen Notruf hatte der Pilot zumindest nicht abgesetzt. In der Zwischenzeit waren Sachverständige herbeigeeilt, um die Überreste der Maschine in einer Halle in Wipperfürth zu untersuchen. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vermerkt später in seinem Bericht, dass der Pilot plötzlich an Höhe verlor und das Flugzeug unkontrolliert in Rückenlage aufschlug. Die eigentliche Unfallursache wird aber auch in diesem wohl abschließenden Report nicht erwähnt.

Im Segelflieger saß ein 64-jähriger Mann aus Leichlingen. Dieser hatte eine so genannte Außenlandung nahe der Neye-Kapelle vollzogen, nachdem ihm klar wurde, dass das Fluggerät nicht genügend Thermik für einen normalen Landeanflug in Neye bekommen würde. Ein solches Flugmanöver wird von Segelflugpiloten regelmäßig trainiert.

Bei den Anwohnern löste der tödliche Absturz indes Besorgnis aus, nicht nur in Dierl, sondern auch in Kobeshofen oder Stahlschmidtsbrücke. Allerdings handelte es sich bei dem Kurs der Unglücksmaschine damals nicht um eine normale Route. Der Pilot wich nur deswegen ab, weil er nicht genug an Höhe gewann.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 28. August 2018.

05.06.2018: Rückblende (39) zum 4. Juni 1968 – Pfingstchaos an der Bever und ein geschlachtetes Rind

(nob) Ein scheint eine Art „Hückeswagener Naturgesetz“ zu sein: Immer an schönen Sommertagen und besonders zu Feiertagen bricht an der Bevertalsperre das Chaos aus. Zwar konnte eine im September 2004 gegründete „Ordnungspartnerschaft Bever-Talsperre“, an der der Wupperverband, die Städte Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth, das Regionalforstamt Bergisches Land, der Oberbergische Kreis, die Feuerwehr und die Polizei beteiligte sind, die Situation in den vergangenen Jahren entschärfen, doch immer noch bleibt genug zu tun.

Was allerdings der BM-Journalist Peter W. Schroeder an Pfingsten 1968 von der Bever berichtete, ist schon abenteuerlich genug obwohl „die große Invasion“, so der BM-Titel, aufgrund des durchwachsenen Wetters ausgeblieben war. Bereits am Samstag vor Pfingsten meldeten die Polizeibeamten an die Funkstreifenleitstelle der Kreispolizeibehörde: „Nichts geht mehr!“ Schuld war „das Nadelöhr Bundesstraße 237 in der Ortsdurchfahrt Hückeswagen“, dass für einen Rückstau bis hoch nach Kammerforsterhöhe sorgte. Nachdem der Verkehr auf eine Kreisstraße umgeleitet wurde, bekam die Polizei die Situation nach guten zwei Stunden in den Griff. Dass die Menschen damals im Straßenverkehr rücksichtsvoller gewesen wären als heute, kann man nach den Schilderungen Schroeders kaum glauben. So hagelte es gegenseitige Anzeigen von Fußgängern und Autofahrern, die sich wechselweise Rücksichtslosigkeit vorwarfen. In zwei weiteren Fällen musste sich jeweils ein Fußgänger auf dem Zebrastreifen mit einem Hechtsprung in Sicherheit bringen, weil es wartenden Autofahrern in der Autoschlange nicht schnell genug ging und zu rasanten Überholmanövern ansetzten.

Auch für die Diebe war die Bevertalsperre ein El Dorado: An einem parkenden Auto vor einer Gaststätte wurden kurzerhand die Halogenscheinwerfer abmontiert. Weiterhin liefen bei der Polizei Meldungen ein, wonach Vandalen Autoantennen und Scheibenwischer abbrachen.

Ein nahezu unglaublicher Zwischenfall ereignete sich an einem Hückeswagener Bauernhof, der in der Nähe der Bever lag. Unbekannte waren mit ihrem Fahrzeug dicht an das Gehöft herangefahren, stellten es dort ab und schlichen sich in die Stallungen. Unbemerkt führten sie ein sechs Monate altes Rind ins Freie, schlachteten das Tier noch auf dem Hof und verluden dann das Fleisch in ihren bereitstehenden Wagen! Wenige Minuten später waren sie in dem dichten Verkehrsgewühl zu Pfingsten, was die Viehräuber offenbar bewusst ausnutzten, verschwunden.

Diese Ereigniskette an einem leicht verregneten Pfingsten lässt erahnen, was in dieser Zeit los gewesen war, wenn es Kaiserwetter gab, vor 50 Jahren.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 5. Juni 2018, URL: https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/pfingstchaos-an-der-bever-und-ein-geschlachtetes-rind_aid-23216771

08.04.2009: Immer hart an der Grenze – Georg Hartmann wohnt in der ehemaligen Bahnhofswirtschaft Hämmern

Weit hat es Georg Hartmann wirklich nicht, um in die Nachbarstadt zu gelangen. „Ich muss aus meinem Gartentor raus, wenige Meter bis zur Fußgängerbrücke über die Wupper, und dann bin ich auch schon in Wipperfürth“, erzählt der Hückeswagener, und auf seinem Gesicht zeigt sich ein hintergründiges Lächeln. Der 80-Jährige ist sozusagen ein „Grenzgänger“ zwischen zwei Welten. Seit dem 28. Juli 1957 lebt Hartmann unmittelbar an einer kommunalen Grenze, die mehr ist als nur ein imaginärer Strich auf der Landkarte. Die Grenze trennt Wipperfürther „Baulemänner“ und Hückeswagener „Wittchessäcke“. Ehemalige Hansestädter mit Münzprägerecht leben auf der einen, das freiheitsliebende Hückeswagener Grafenvolk auf der anderen Seite.

Nach Bayern hatte es den gebürtigen Schlesier nach dem Zweiten Weltkrieg verschlagen. „Es gab wenig Arbeit in Bayern, und da habe ich mich bei der Bahn in Wuppertal beworben“, erinnert sich der Pensionär. Die hatte ihn direkt genommen und ihm eine Stelle in der Bahnmeisterei Wipperfürth zugeteilt.

Hartmann zog in eine Werkswohnung in Heide ein, die eine ganz besondere Geschichte hat. „Es handelte sich bei dem Haus um die ehemalige Bahnhofswirtschaft der Haltestelle Hämmern“, erläutert er. Bis 1956 hatte die Familie Metzler hier nahe der Wupper eine Bahnhofswirtschaft betrieben und dann an die Bahn verkauft.

Spuren aus der alten Zeit als Wirtschaft sind längst keine mehr zu finden, wohl aber lebt die Erinnerung an den Bahnbetrieb auf der Strecke zwischen Marienheide und Lennep weiter. „Hier sind die Schulkinder ein- und ausgestiegen; das war sehr schön“, erzählt Maria Hartmann. Die geborene Biskup lernte ihren späteren Mann 1954 in Bayern kennen und zog zusammen mit ihm drei Jahre später ins Bergische.

Auch die Post für das Postamt in Hämmern, so berichtet der 80-Jährige, wurde am Bahnhof immer ein- und ausgeladen. Und dann erinnert sich der zehnfache Großvater und zweifache Urgroßvater an die Milchfahrer. „Die Bauern sind von Hämmern hier über die Brücke an den Bahnsteig gekommen und haben ihre Milch auf eine Rampe gestellt. Dann kam der Zug, die vollen Kannen wurden mitgenommen und die leeren Kannen abgesetzt.“

Eine Zeit lang zweigleisig
Vor dem Zweiten Weltkrieg, berichtet Hartmann, sei die Strecke einmal zweigleisig gewesen. „Zwei Signale, zwei Weichen und ein Überholgleis muss es hier gegeben haben“, weiß er aus Erzählungen.
Noch ist es ruhig an der still gelegten Bahnstrecke. Manchmal hört Hartmann nachts das Rauschen der nahen Wupper, wenn das Wasser um die eingehauenen Pfähle spült. Sauerstoff sollen die Fische so bekommen. Und dann zeigt er ein letztes Mal auf die Gleise. „Hier kommt bald ein Radweg hin, der bis nach Hückeswagen führt. Die Zeiten ändern sich.“ Und wieder lächelt er hintergründig.

06.12.2008: Traumreise auf Gleisen – Draisinenfahrt zum Nikolaus

Der achtjährige Colin traut seinen Augen kaum: Das Auto muss mitten auf der Eisenbahnstrecke zwischen Hückeswagen und Wiehagen stehen bleiben, denn es steht ein Nikolaus auf den Gleisen um dem Jungen einen kleinen Sack mit Geschenken zu überreichen. Dieser so Beschenkte freut sich und bei der Rückfahrt winkt der Nikolaus Colin freundlich zu und ruft ein „Fröhliche Weinachten“ hinterher.

Was sich wie die Schilderung eines phantasievollen Traumes eines kleinen Jungen anhört, ist wirklich so passiert. André Holznagel war am Wochenende mit seinem umgebauten VW-Golf auf seiner Premierenfahrt unterwegs. Die Reise geht fast bis zum Tunnel in Wiehagen nahe der Karquelle. „Wow, ist das cool“, ruft Colin immer wieder begeistert aus und seine Mutter Bettina Soares sitzt daneben, und freut sich mit.

Zu Beginn der Fahrt geht es leicht bergan und das Auto beschleunigt auf gute 40 Stundenkilometer. Die Eisenräder rappeln so laut, dass man im Innenraum des Volkswagens kaum sein eigenes Wort nicht versteht. „Jetzt dürfen wir nicht anhalten, sonst kommen wir nicht mehr vom Fleck“, ruft André Holznagel mit lauter Stimme. Der 27-jährige Landschaftsgärtner aus Solingen ist einer der Draisinenpioniere in der Schloss-Stadt. Währenddessen hüpft Colin vor Begeisterung auf dem Rücksitz auf und ab.

Und auch für die Erwachsenen gibt es auf der Fahrt etwas zu sehen. Nach einer Kurve öffnet sich in einer Lichtung der Blick auf die Wupper-Vorsperre, einen Anblick aus einer Perspektive, wie ihn nur die wenigsten kennen. Und dann steht da auch noch kurz vor dem Ziel der Nikolaus.

Für die zwei Kilometer lange Strecke braucht das ungewöhnliche Gefährt nur ein paar Minuten. Wieder am „Bahnhof Aldiparkplatz“ angekommen, steigt André Holznagel zufrieden aus dem Fahrzeug. Jetzt ist erst einmal Mittagspause angesagt. Aber die nächsten Passagiere warten schon, sie ha-ben die sechs Euro teure Fahrkarte schon gelöst. „Wir haben eine durchweg positive Resonanz auf unser Angebot, freut er sich.

Wer die Fahrten am Rande des Weihnachtsmarktes verpasst hat, muss sich jedoch nicht ärgern. Es wird bald ein regelmäßiges Angebot geben. „Wir wollen an den Feiertagen und wenn Zeit ist, auch an den Wochenenden hier auf dieser Strecke fahren“, kündigt Holznagel an. Schließlich soll sich die Plackerei an der Bahn-strecke – sechs Leute hatten an zwei Wochenende die Gleise wieder freigeschnitten – auch gelohnt haben. Deutet man die Reaktionen der Passagiere vom Wochenende jedenfalls richtig, ist es durchaus möglich, dass Hückeswagen seit dem Wochenende um eine Attraktion reicher sein könnte.

16.04.2009: Hans-Leo Nassenstein unterwegs: Ein Teilstück Hückeswagener Eisenbahngeschichte

Die Hückeswagener Wupper von Hämmern in Richtung Kleineichen zu laufen, das sei doch kein Problem. Man müsse doch nur auf den Schienen entlang gehen. Diesen einfachen und verblüffend einleuchtenden Gedanken hatte jüngst Hans-Leo Nassenstein aus Hämmern. Es ist die Reaktion eines Wupper-Anrainers auf eine Anmerkung, dass kein Wanderweg unmittelbar entlang der Wupper verläuft. Die Bahnstrecke wurde in dem besagten Teilstück fast parallel zum Fluss gebaut und schon Ende 2009 wird der neue Radweg diese Idee für jeden erlebbar machen.

Wann aber hätte Hans-Leo Nassen-stein nun seinen ersten Spazier-gang auf den Gleisen machen können? Ab dem 22. Dezember 1876 hätte er es tun können, doch da war der Wipperfürther noch lange nicht geboren und außerdem lagen die Schienen auf den Grundstücksparzellen der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft. An diesem besagten Tag fuhren nämlich die ersten Güterzüge von Hückeswagen nach Wipperfürth, im Januar des Folgejahres folgten dann auch die Personenzüge.

Zwei Haltepunkte gab es auf dem Teilstück: einen in Hämmern (sie-he Serien-Artikel „Der Grenzgänger“) und der zweite in Kleineichen. Die Zwischenstation trug die offizielle Bezeichnung Bever-Talsperre und macht so die Bedeutung des nahen Stausees deutlich. Allerdings wurde der Haltepunkt erst zwischen 1952 und 1955 eingerichtet und lediglich von den neu eingeführten Schienenbussen genutzt.

Die Station in Kleineichen hat übrigens eine Vorgeschichte, die bis in das Jahr 1898 zurückreicht. Damals – und noch einmal elf Jahre später – bat der Bürgermeister von Neuhückeswagen die Bahngesellschaft, in Kleineichen eine Zwischenstation einzurichten. Als Begründung gab er die Attraktivität der Bever-Talsperre für Touristen an. Doch seine Bitte wurde abgelehnt.

Eine absolutes Unikum ist auch ein Stück Eisenbahn-Planungsgeschichte aus dem Jahr 1914. Damalige Entwürfe sahen vor, eine Eisenbahnlinie zwischen Wipperfürth und Bergisch Gladbach zu bauen. Die geplante Strecke hätte mit einer Abzweigung in Höhe des Flugplatzes Neye begonnen. Sie hätte dort die Wupper überquert und danach durch Hilgersbrücke geführt. Doch der Erste Weltkrieg und später die Weltwirtschaftskrise beendeten die Pläne vorzeitig.

Wenn ab Ende 2009 die ersten Radfahrer auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Hämmern und Kleineichen fahren, werden diese von der lebhaften Geschichte der Eisenbahn nur noch einen Hauch erahnen können. Nur in den Erinnerungen von Menschen wie Hans-Leo Nassenstein, der diese Schienen auch mal entlang gelaufen ist, leben sie weiter.

Bezeichnung der Strecke: Kursbuchstrecke 412 der Deutschen Bahn (so zuletzt), Streckennummer 2707, genannt „Wippertalbahn“ von Bergisch Born über Hückeswagen und Wipperfürth nach Marienheide
Länge: 31 Kilometer
Anzahl der Haltepunkte: Bis zu 13 Stationen
Spurweite: Normalspur (1435 Milli-meter)
Eröffnung (des ersten Teilstücks): 12. Mai 1876
Stillegung: 31. Mai 1986

20.05.2009: Unternehmensporträt TSR Recycling – Alte Schienen fürs Stahlwerk

Meterhoch türmt sich ein Berg aus Eisenbahnschwellen und –schienen auf dem Firmengelände der TSR Recycling GmbH & Co. KG. Fünfmal am Tag bringt ein Lkw Nachschub und lädt weitere 15 Tonnen des wertvollen Metalls auf dem Hof an der Industriestraße ab. Die Fahrzeuge pendeln dabei zwischen der alten Bahntrasse Wipperfürth-Hückeswagen und Wiehagen hin und her. Und am Fuße des Metallberges steht ein Mitarbeiter von TSR mit einem riesengroßen Schneidbrenner. Seine Aufgabe: Er muss die bis zu sechs Meter langen Schienen auf 1,50 Meter kürzen. „Wir müssen sie auf das Chargiermaß kürzen, damit sie von den Stahlwerken angenommen werden“, erläuterte Sebastian Lehnen. Er ist Niederlassungsleiter des Standortes Hückeswagen. Sechs weitere Mitarbeiter unterstützen ihn bei seiner Arbeit, unter anderem Thomas Böckmann, der für die Logistik und die Administration zu-ständig ist.

Ein kleiner Auftrag ist die Entgegennahme der alten Thyssen-Krupp-Eisenbahnschienen, die teilweise noch aus dem Jahr 1935 stammen und nun dem neunen Radweg weichen müssen, beileibe nicht. „Wir peilen einen Umsatz von 5000 Tonnen im Monat an, alleine die Eisenbahnschienen wiegen zusammen 1000 Tonnen“, sagt Lehnen. Von Hückeswagen aus gehen die Eisenbahnschienen, je nach Bedarf der Stahlwerke, entweder in Richtung Ruhr, Luxemburg, Frankreich oder aber über die firmeneigenen Wasserläger Richtung Rotterdam und dann in den Export beispielsweise in die Türkei.

In Hückeswagen war auf dem Firmengelände einst die Firma Adolphs tätig. 2007 erfolgte dann der Wechsel. Die Remondis AG mit Sitz in Lünen übernahm 60 Prozent der Anteile an der TSR-Gruppe, die sich auf das Stahlrecycling spezialisiert hat. Was nur wenigen in der Schloss-Stadt bewusst ist: Mit der TSR hat sich ein wahrer Unternehmensriese in Hückeswagen niedergelassen. Die GmbH & Co. KG ist ein führendes Unternehmen auf dem europäischen Markt für das Stahlschrott-Recycling. In über 90 Niederlassungen in Deutschland, den Niederlanden, Tschechien und der Slowakei arbeiten über 2000 Mitarbeiter. Seinerzeit fiel die Wahl auch auf Hückeswagen, weil so TSR eine Lücke im Netz der großen Sammelstationen schließen konnte.

„Wir hatten im Jahr 2008 natürlich ein Boomjahr mit hohen Weltmarktpreisen. In diesem Jahr lie-gen diese bei nur noch einem Drittel“, sagte Lehnen. Und trotzdem, so betont der Niederlassungsleiter, sei die Nachfrage da. Die Entsorgung von Grünabfällen oder Bauschutt – wie noch das Vorgängerunternehmen – praktizieren die TSRler nicht mehr. Stattdessen steht die Verwertung von Stahlschrott und Buntmetallen wie Aluminium, Kupferkabel oder Zink im Vordergrund.

Firmenhistorie der TSR – The metal company:

1890: Gründung der Thyssen Sonnen-berg GmbH
1906: Gründung der Klöckner Roh-stoff Recycling
1996: Die Thyssen Handelsunion übernimmt beide Unternehmen
1998: Einstieg und 2000 komplette Übernahme der SHV (Steenkolen Handels Vereeniging), Niederlande
2007: Remondis über 60 Prozent der TSR-Firmenanteile

24.09.2011: Huserland – „Achtung, Achtung…nächster Halt ‚Zur toten Katze‘!“

Es gibt private Gartenbahnen in Deutschland, die sind groß. Manche unter ihnen sind noch etwas größer, und es gibt das Huserland. Immer wenn der Radevormwalder Michael Huser seine Anlage für seine Gäste öffnet, pilgern hunderte von Eisenbahnenthusiasten aus ganz Europa nach Kottmannshausen. Und dann stehen sie auf dem Gelände der alten Getreidemühle und blicken fasziniert auf einen Teil der Anlage. Mit einem Blick ist sie nämlich nicht zu erfassen: Alleine der verwinkelte Rundkurs, im Fachjargon auch „aufgewickelter Hundeknochen“ genannt, hat eine Länge von 400 Metern. „Die Gesamtstreckenlänge beträgt 1300 Meter“, sagt Michael Huser in einem Tonfall, als ob diese Größenordnung der Normalfall sei.

Normal ist an dieser Anlage kaum etwas, außer dass die Spurweite von fünf Zoll (oder 127 Millimetern) einem europäischen Standard entspricht. Gleise, Kreuzweichen, Gleisbett oder Brücken: Alles hat Michael Huser gemeinsam mit Günther Meierruth geplant und gebaut. „Wir haben viele Jahre daran gearbeitet und Tonnen von Schotter aufgebracht“, erinnert sich Michael Huser.

Der „Lückenschluss“ und somit die Fertigstellung des Rundkurses erfolgte am 31. August 1997. „Genau an diesem Tag ist Lady Diana gestorben“, so Huser weiter. Mittlerweile gibt es auf der Anlage drei Haltestellen: „Kottmannshausen Hbf.“, „Huserland Mitte“ und „Ponyhof“. Hinzu kommt der Haltepunkt „Zur toten Katze“. Genauso ungewöhnlich wie der Name ist seine Entstehungsgeschichte. Als Michael Huser und sein Team wieder einmal auf der Baustelle tätig waren, ereignete sich ein mehr als ungewöhnlicher Zwischenfall. „Plötzlich landete eine tote Katze mitten auf der Baustelle“, erinnert sich der Familienvater. Des Rätsels Lösung: Das arme Tier wurde auf einem benachbarten Feld aus Versehen mit dem Mähdrescher erfasst und dann erst einmal „aus dem Weg geräumt“. Dass das Tier ausgerechnet vor die Füße der Eisenbahnfreunde fallen würde, ahnte der Landwirt damals wohl nicht. Doch das ist Vergangenheit – und für den Verursacher ist es schon Strafe genug, wenn diese Geschichte noch heute auf diversen Dorffesten zum Besten gegeben wird.

Um das Huserland ranken sich in den fast 25 Jahren seit Bestehen unzählige Anekdoten und Erlebnisse. Alleine die Fahrt über einen Vorgraben der Getreidemühle vorbei am riesigen Baumhaus seiner mittlerweile erwachsenen Kinder oder entlang des Beverbaches würden ausreichend Stoff für historische Betrachtungen liefern. Doch das Wichtigste ist für Michael Huser der Fahrspaß. „Ich wollte schon als kleines Kind Lokführer werden. Diesen Traum habe ich mir dann später verwirklicht“, räumt er ein. Und diesen Spaß gibt er an die vielen Kin-der, die ihn im Familienverbund besuchen, weiter. Und während Kind und Kegel an sommerlichen Fahrtagen mit der Picknickdecke auf der Wiese sitzen, lebt Michael Huser bei den Rundfahrten für seine Gäste seinen Traum vom Lokführer weiter.

Fuhrpark:  Zum Fuhrpark gehören unter anderem eine Dampflok, eine Elektro-Lok und die Waggons für den Transport der Passagiere. Bis zu 20 Erwachsene kann die Bahn transportieren.

Dampflok: Die Funktionalität der Modell-Dampflokomotive entspricht dem Original. Vor Fahrtbeginn muss die Maschine abgeschmiert und angeheizt werden. Dabei vergeht etwa eine Stunde.

Elektrolok: Diese wird mit einem Akkumulator betrieben, der seine Energie aus dem Stromnetz bezieht.

26.03.2017: Das Martyrium des Johann Heinrich Jung-Stilling von 1762

Gestern ist mir ein Tweet von Benutzer „EiserfeldWolf“ (Herrn Thomas Wolf, Kreisarchivar) aufgefallen, der einen Blogbeitrag der Archive im Kreis Siegen-Wittgenstein weiterverbreitet, in dem auf die Ausstellung „200 Jahre Todestag von Johann Heinrich Jung-Stilling (1740 bis 1817)“ hingewiesen wird. In diesem Zusammenhang ist mir in Erinnerung gekommen, dass sich der Lebensweg dieser Persönlichkeit einmal mit meiner alten Wahlheimat Hückeswagen im Bergischen Land gekreuzt hat.

Hier geht es zum Beitrag: Das Martyrium des Johann Heinrich Jung-Stilling von 1762

21.12.2016: Als Sroufe und Reynolds nach Ashcroft kamen. Von der Gründung einer Zeitung in British Columbia im Jahr 1895

Beim Text Als Sroufe und Reynolds nach Ashcroft kamen. Von der Gründung einer Zeitung in British Columbia im Jahr 1895 handelt es sich um einen überarbeiteten Auszug aus dem am 18. Dezember 2016 vorläufig fertiggestellten, aber bisher noch unveröffentlichten Aufsatz „The Journal – Eine Traditionszeitung aus Ashcroft“. Zu feiern gibt es gleich zwei Premieren: Es ist meiner erster Aufsatz, den ich im Open Access publiziere und auch der erste, der im Themengebiet Nordamerika angesiedelt ist. Es ist ein spannendes Stück Zeitungsgeschichte und konzentriert sich im Wesentlichen auf die Darstellung der Lebenswege des US-amerikanischen Mediziners Dr. Frank Stewart Reynolds des Herausgebers und Redakteurs A.H. Sroufe (ebenfalls ein gebürtiger US-Amerikaner) sowie der entsprechenden Begleitumstände.

Im Gegensatz zum Gesamtaufsatz, der aufgrund seiner erheblichen inhaltlichen Lücken noch lange nicht reif für eine Veröffentlichung ist, liegt mir bezüglich Reynolds und Sroufe eine Materialmenge vor, die im Wesentlichen die Jahre 1893 bis 1895 umfasst und eine erste rudimentäre Publikation zulässt. Nach einer kurzen Darstellung der Quellenlage stelle ich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Region vor, die zu dieser Zeit herrschten. Es folgt eine kurze Darstellung der Geschichte der Zeitung, danach leite ich auf die mir bekannten Fakten aus beiden Lebenswegen über. Zum Ende folgt dann ein kleiner Ausflug ins Druckerwesen, bei dem kurz das Equipment vorgestellt wird, mit dem die beiden 1895 in Ashcroft die erste Ausgabe der Zeitung herausgebracht haben.

Aus der Sicht eines sicherheitsorientierten Westeuropäers des 21. Jahrhunderts fällt auf, wie flexibel die Menschen zur Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert im Westen Kanadas sein mussten, um ihre Existenz zu sichern. Ein Beispiel dafür ist Reynolds, der noch 1901 ein Haus in Ashcroft errichten ließ, bereits ein Jahr später jedoch nach Vancouver aufbrach, um dort eine Zeitung zu gründen. Sowohl Sroufe als auch Reynolds überschritten 1895 Landesgrenzen, als in den Vereinigten Staaten eine Rezession, im kanadischen Ashcroft dagegen aufgrund der Eisenbahn eine Blütezeit herrschte. Offenbar kurzfristig wurde die Druckerei verfrachtet, um mit dieser in einem anderen Land neu anzufangen. Wir erfahren von 11.000 Chinesen, die ihr Land verlassen hatten und eine weite Reise über den Ozean machten, um im kanadischen Westen ihr Glück zu versuchen. Als diese ihre Aufgabe im Eisenbahnbau erledigt hatten, folgten staatliche Repressionen. Willkommen waren die Immigranten offenbar nicht. Und wir erfahren zudem von einer Äußerung eines Journalisten in einem seiner Artikel, der zum angeblichen Wohle der Gesellschaft Menschen den Tod wünscht, egal ob die Indianer oder Alkoholiker gemeint waren.

 

14.12.2016: Heinrich Lübke – Aufsatz im Sammelband „Westfälische Erinnerungsorte“ erschienen

„Wer als [Historiker] gegenwärtig Heinrich Lübkes sauerländischen Geburtsort Enkhausen besucht, muss fast zwangsläufig zu dem Schluss kommen: Enkhausen ist Lübke und Lübke ist Enkhausen. Fast omnipräsent sind auch heute noch die Spuren der zweifelsohne wichtigsten Persönlichkeit dieser Region. Immerhin war Lübke nach Theodor Heuss der zweite Bundespräsident der damals noch jungen Bundesrepublik.“

(nob) Mit den oben angeführten Zeilen beginnt mein Aufsatz in dem von Dr. Lena Krull herausgegebenen Sammelband „Westfälische Erinnerungsorte“, in dem ich als einer von 42 Autoren einen Beitrag zur Frage leisten durfte, ob bestimmte Personen, Orte oder auch Ideen ein Erinnerungsort im Generellen und ein westfälischer im Besonderen sei. Meine Themenwahl fiel auf Heinrich Lübke, dessen Museum ich vor vielen Jahren einmal besuchen konnte. Nachdem mein Vorschlag erfreulicherweise im Rahmen eines Seminars von Dr. Krull aufgegriffen wurde, machte ich mich sogleich ans Werk. Entstanden ist ein kürzerer Aufsatz, der sich in erster Linie auf die Rezeptionsgeschichte konzentriert. Es sollte nicht das x-te Kurzporträt Lübkes erscheinen und es sollte auch keine Bewertung seines Wirkens vorgenommen werden. Wenn der Aufsatz beim Leser den Eindruck erwecken sollte, dass „wieder mal nur die negativen Dinge“ im Blickfeld stehen, hat dieses mit der öffentlichen Rezeption zu tun, die durch mächtige Player der damaligen Meinungsbildungslandschaft dominiert wurde. Politische Interessen in der Nachkriegszeit und der Kampf um die Meinungshoheit im Ost-West-Konflikt haben die Wahrnehmung Lübkes stark beeinflusst. Wie hoch der Eigenanteil Lübkes am entstandenen Bild ist, wäre eine weitere Frage. Noch immer klingt bei mir die Klage des Museumsleiters Gerhard Hafner nach, für den die politischen Leistungen Lübkes nicht ausreichend gewürdigt werden. Doch wie bereits erwähnt, war das nicht meine Aufgabe.

Im Ergebnis musste ich – auch dem Hinweis von Dr. Krull folgend – feststellen, dass Lübke eher ein lokaler und ein bundesweiter, weniger jedoch ein westfälischer Erinnerungsort ist. Manchmal drängte sich mir der Eindruck auf, dass im Falle Lübkes das Westfälische im tiefsten Westfalen gar nicht stattfand! Zwar war Lübke einer von ihnen, doch wenn er mit der Staatslimousine und dem Sicherheitstross in Enkhausen einfuhr, war er eben der Bundespräsident an erster Stelle und der Enkhauser Jung an zweiter Stelle, aber eben nicht der Westfale. Zum Westfalen wurde er meiner Auffassung nach erst in dem Moment, als man versuchte, die Stereotype des angeblich hinterwäldlerischen Sauerländers auf ihn anzuwenden, um ihn zu diskreditieren. Seine Herkunft wurde damit zum Spielball der tatsächlichen und vorgeblichen Meinungsführer der jungen Republik. Spannend wäre die Frage, ob diese veröffentlichte Meinung dann wiederum das Bild des Sauerländers in Westfalen beeinflusst hat. Doch diese Antwort kann der Aufsatz schon alleine aus Platzgründen nicht liefern, wäre aber ein interessanter Untersuchungsgegenstand für weitere Forschungen.

Das Buch „Westfälische Erinnerungsorte“ ist im Verlag Ferdinand Schöningh erschienen, kostet 34.90 € und ist über den Verlag oder im Buchhandel erhältlich.

Empfohlen sei in diesem Zusammenhang auch der Blog von Dr. Lena Krull, mit dem Titel: „Westfälische Erinnerungsorte“: Aus einem Lehrprojekt an der Universität Münster.