29.03.2018 – Leser-Info: Facebook- und Twitter-Account abgemeldet

Liebe Leser, seit heute können Sie meine Beiträge nur noch über diesen Blog einsehen, ich habe meinen Facebook- und Twitter-Account deaktiviert. Die aktuelle Diskussion um den Datenmissbrauch ist nur der Auslöser, schon länger habe ich mich in den Sozialen Medien sehr unwohl gefühlt. Der Grund liegt in den Nutzerbeiträgen und -reaktionen, die in ihrer Art und von ihrem Niveau her für mich nicht mehr tolerierbar waren. Die Sozialen Medien sind aus diesem Grund und aufgrund der versuchten politischen Einflussnahme außer Kontrolle geraten. Politische Beiträge jeder Colleur waren wird mich unerträglich geworden, der Missbrauch dieses Mediums durch Politiker haben ein Maß erreicht, das mich nun in die Flucht geschlagen hat. Als Medienschaffender sind die Sozialen Medien eine große Enttäuschung für mich und erfordern zu viel Zeit und Kraft, diese richtig zu händeln.

Ich bin mir bewusst, dass dieses eine große Einschränkung der Reichweite von Beiträgen bedeutet. Aber der Preis (Einflussnahme und Überwachung) ist mir persönlich zu hoch. Natürlich werde ich kritisch beobachten, wie sich die Sache weiter entwickelt, aber eine Rückkehr zu den Sozialen Medien erscheint mir zunächst einmal nicht in Sicht.

29.01.2018: Rückblick und Ausblick zu Geschichtlichem aus Hückeswagen – Ausgabe 01/02/2018

Liebe Geschichtsfreunde, im Monat Januar 2018 hatte sich so einiges getan: Zum Einem gab es insgesamt vier statt der sonst gewohnten drei Rückblenden, zum Zweiten ist zum ersten Mal die Online-Kolumne „Foto des Monats“ erschienen, die in Kooperation mit dem Fotografen und Filmemacher Karl-Heinz-Eißner entsteht.

Schon direkt zu Beginn des Jahres, am 1.1.2018, blickten wir auf zehn Jahre Bürgerbad gGmbH zurück. Es war ein neuartiges rechtliches Konstrukt für das Hallenbad, das letztendlich das Überleben des Bades sicherstellte. Das ist sicherlich unabhängig von der Frage zu sehen: Wie viel darf und soll man Ehrenamtlern aufbürden? Dahinter steht letztendlich immer die Grundsatzfrage: Soll ein Stück Angebot für den Bürger erhalten bleiben oder muss es wegfallen, weil es die Stadt nicht mehr bezahlt werden kann. Die Frage, was eigentlich grundsätzlich aus Haushaltsmitteln bezahlt werden soll, muss aber die Politik beantworten. Am 5.1.2018 erinnerten wir an den 75. Todestag des „Rosenprofessors“ Ewald Gnau. In Hückeswagen wenig diskutiert und bekannt sind die Umstände seiner letzten Lebensjahre, wo die Nationalsozialisten ihn aus politischen Gründen von seinem Lebenswerk, dem Rosarium in Sangerhausen, getrennt hatten. Am 20.1.2018 war das Möbelgeschäft Happel 50 Jahre in Hückeswagen ansässig. Man zog ins altehrwürdige Haus Zach, das ja heute ein Kulturzentrum ist. Markant sicher Adolf Happel als Kaufmann von altem Schrot und Korn, der kurzerhand eine Todesanzeige für eine Geschäftsstraße schalten ließ, als durch die Baustelle vor dem Haus der Kundenstrom gefährdet war. Am 22.1.2018 schließlich blickten wir auf ein Stück Technikgeschichte: Kfz-Hövel errichtete die erste Autogas-Tankstelle in der Schloss-Stadt. Es gab große Erwartungen an diesen Antrieb, die sich aber nur zum Teil erfüllte hatten, wie uns Dirk Hövel berichtete. Also „Foto des Monats Januar“ fiel die Wahl auf den Abriss des Hauses Hartmann. Es ist zweifelsfrei das markanteste Ereignis im ablaufenden Monat gewesen, hier wird tatsächlich ein Stück Geschichte eingerissen. Allerdings muss man betonen: Die Zeit des Gebäudes war gekommen, zumal es nicht unter Denkmalschutz stand. Und die neue Eigentümerin schlägt nun ein neues Kapitel „Schnabelsmühle“ auf.

Was können wir nun im Monat Februar 2018 erwarten? Zu viel verraten will ich noch nicht, schließlich erschienen die Rückblenden exklusiv in der Bergischen Morgenpost und so muss es auch sein. Es wird nochmals um Technikgeschichte gehen, worauf sich alle Freunde der heimischen „Glotze“ freuen können, bei denen es fortan „bunt“ zuging. Dann manchen wir einen Ausflug in die Landwirtschaft und blicken auf einen Hof in Hückeswagen. Vordergründig geht es auch hier um Technik, die allerdings nicht immer nur positive Auswirkungen hatte. Und dann haben wir etwas für alle Freunde des Karnevals vorbereitet: Wir werden über einen markanten Schreibfehler lesen und über eine Feierkultur, die unterzugehen droht. Ende des Monats kommt dann das zweite Foto des Monats. Was es ist, wissen wir noch nicht, da es erst immer kurz vor Ultimo gewählt wird. Es kann ein historisches Foto sein, aber auch ein aktuelles.

20.10.2017: „Fidele Brüder“ kegeln seit 70 Jahren – Kegeln als Wirtschafts- und Kulturgut

20170921-guenter-hartmann-und-pokale-fidele-bruederHans Böhl, Klaus Lorse, Gernot Göhlich, Fritz Wehberg oder Horst Flosbach: Was sich wie das „Who’s who“ aus dem öffentlichen Leben des 20. Jahrhunderts in Hückeswagen anhört, ist tatsächlich der Mitgliederliste eines ganz besonderen Clubs entnommen. Er heißt „Fidele Brüder“, ist ein Kegelclub und feiert in diesem Jahr das 70-jährige Bestehen.

Dass sich eine Gemeinschaft dieser Art derartig lange halten kann, ist schon bemerkenswert genug, dürfte aber nicht zuletzt auch dem engagierten und aktuellen Präsidenten Günter Hartmann zu verdanken sein. Diese Gemeinschaft von außergewöhnlichen Leuten hält zusammen, obgleich Hartmann nun in einem BM-Gespräch durchblicken lässt, dass der Zahn der Zeit seit der Gründung 1947 nicht spurlos an ihnen vorübergegangen ist.

20170921-fidele-brueder-urkundeBlicken wir kurz zurück auf ein Stück deutscher Sportgeschichte: Am 31. August 1960 schreibt der „Fidele Bruder“ Horst Flosbach im Olympiastadion von Rom ein Stück Leichtathletik-Geschichte. Nach 14:08 Minuten läuft er vor dem Ungarn Iharos beim 5.000 Meter-Vorlauf als Sieger über die Ziellinie. Günter Hartmann und der Club haben nun ihre ganz eigene Art, derartige Dinge oder auch Charaktereigenschaften ihrer Mitstreiter festzuhalten. „Als ‚Löper Horst‘ ist er bekannt, viel reist er durch das ganze Land. Immer

eifrig, selten da, doch kegeln kann er, das ist wahr“, liest Hartmann das von ihm selbst verfasste und in den Vereins-Annalen festgehaltene Gedicht vor, von dem er dann ganz beiläufig sagt: „Das habe ich dann auch gesungen!“

20170921-pudelbrueder-urkundeDie „Fidelen Brüder“ gründeten sich noch unter dem Namen „Geselligkeit“ im Haus Hartmann, das seiner Zeit von Günter Hartmanns Onkel Paul geführt wurde. 1960 nach einer Fusion mit den „Tennisspielern“ erfolgte die Umbenennung, wobei später noch mit den „Pudelbrüdern“ eine weitere Gruppierung den Club verstärkte. „Ich war ungefähr 20 Jahre alt, als mich mein damaliger Chef Fritz Wehberg in die Runde holte“, erinnert sich Hartmann. Sicher, es sei ein Herrenclub gewesen, prominent besetzt und nicht alle waren Heilige, so lässt der Hückeswagener mit Hinweis auf die eine oder andere Anekdote schmunzelnd durchblicken. Doch bei aller Geselligkeit stand immer das Kegeln im Mittelpunkt. Auch die jährlichen Fahrten waren keine „Sauftouren“, wie er betont, sondern abwechslungsreiche Touren mit Kulturprogramm. Es bestanden auch kurzeitig Überlegungen, aus dem Club einen richtigen Kegelverein zu machen, doch später wurde diese Pläne aufgrund der dann drohenden Bürokratie verworfen. Und trotzdem war man im Kegeln erfolgreich: Unter anderem zwei Wanderpokale von den Stadtmeisterschaften stehen in der Vitrine von Günter Hartmann und zeugen von einem gewissen Ehrgeiz der „Fidelen Brüder“.

Und die Geschichte des Clubs ist noch nicht zu Ende. Erst vor kurzem wurde aufgrund eines Pächterwechsels bei Haus Hartmann als neues Stammlokal Oberröttenscheid gewählt. Dort trifft man sich nun jeden Montag von 19 bis 22 Uhr, um im Kegelbuch eine neue Seite aufzuschlagen.

Kegeln als Wirtschafts- und Kulturgut in Hückeswagen
Als der Kegelclub „Geselligkeit“, die Urzelle der Fidelen Brüder“, 1947 im Haus Hartmann gegründet wurden, gab es noch die Reichsmark. Heute, zwei Währungen und sieben Jahrzehnte später, versetzen uns viele Gewohnheiten und Rituale des regen Vereinslebens in Erstaunen.

20170921-fidele-brueder-pokale

Es beginnt schon mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Kegelns: So fanden in Hückeswagen in den 1950er-Jahren und später viele Firmenfeste im Saal von Haus Hartmann statt, wo die Aktivitäten auf der Kegelbahn fester Bestandteil war. „Von der Heyden, Feintuche Kotthaus, Schnabel, alle waren sie da“, erinnert sich Günter Hartmann. Doch die Zeiten haben sich geändert und nun fürchtet der Präsident des Kegelclubs, dass diese Freizeitbeschäftigung aussterben könnte. Nur allzu schwer las-se sich Nachwuchs finden.
Kegeln war auch immer ein Wirtschaftsfaktor. Noch bevor er um 1956/57 in den Club eintrat, verdiente er sich sein erstes Taschengeld als „Kegeljunge“. Gemeinsam mit Horst Flosbach musste er nach jedem erfolgreichen Wurf der Kegler die Holzpinne wieder aufstellen und die Kugel in die Rücklaufrinne einlegen. „Da kam was zusammen, wir hatten immer Geld, aber es war eine Plackerei“, erinnert sich Hartmann. Für die Gastwirte schien sich die Sache zu lohnen, denn die machten trotz der Bezahlung der Kegeljungs ihren Schnitt. Heute stellen sich die Pinne automatisch auf, die mittlerweile genauso wie die Kugeln aus Kunststoff bestehen.

Und schließlich: Kegeln ist und war ein Träger für Sozio-Kulturelles. So werden an den Kegelabenden Lieder gesungen und Rituale gepflegt. „Einmal im Jahr findet ein Königskegeln statt. Der Sieger erhält die Königskette und wird als solcher mit einer Art Vorbeimarsch inthronisiert“, erläutert Hartmann. Der neue König muss sich zuvor dem Ritual des Nackenrasierens unterziehen. Er stellt sich auf einen Stuhl und muss am Hals eine (harmlose) Rasur über sich ergehen lassen.

Immer zu einem bestimmten Zeitpunkt im abendlichen Spieleablauf wird ein Vereinslied nach der Melodie des Frankenliedes gesungen. Weitere Bestandteile sind das Kegelbuch, in der seit 1956 alle Ergebnisse eingetragen werden, handgefertigte Nadeln, kunstvolle Urkunden und zeitweise sogar ein Programmheft. Günter Hartmann fertigte weiterhin liebevolle Reiseberichte mit Skizzen und Gedichten an. Alles zusammengenommen ermöglicht uns heute 2017 einen unschätzbar wertvollen Einblick in ein Vereinsleben, das vom Aussterben bedroht ist.

Der Artikel ist (in leicht gekürzter Fassung) erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 20.10.2017 unter der URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/fidele-brueder-kegeln-seit-70-jahren-aid-1.7154545
(„Fidele Brüder“ kegeln seit 70 Jahren) … und…

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/das-kegeln-als-wirtschafts-und-kulturgut-aid-1.7154547
(Das Kegeln als Wirtschafts- und Kulturgut)

BM-Artikel vom 20.10.2017: "Fidele Brüder" kegeln seit 70 Jahren
BM-Artikel vom 20.10.2017: „Fidele Brüder“ kegeln seit 70 Jahren

12.10.2017: „Wo bleibt die Menschenwürde“ – Ein Gespräch mit dem Bundesverdienstkreuz-Träger Friedel Pfeiffer

Friedel Pfeiffer am 21.09.2017. Foto: Jürgen Moll für die Bergische Morgenpost.
Friedel Pfeiffer am 21.09.2017 mit dem Archivfund aus dem Jahr 2009 aus Lübtheen. Foto: Jürgen Moll für die Bergische Morgenpost.

Friedel Pfeiffer, Urgestein Gründer der Gefährdetenhilfe Scheideweg, wendet sich im Vorfeld der Bundestagswahl nun mit eindringlichen Worten zu Wort. Anlass ist ein Archivfund aus dem Jahr 2009 verbunden mit schmerzlichen Erinnerungen an die NS-Zeit.

Alles hat seine Zeit – diese Worte markieren für Christen eine fundamentale Bibelstelle aus dem Buch der Prediger. Friedel Pfeiffer, ausgezeichnet mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und Gründer der Gefährdetenhilfe Scheideweg, ist Christ und nicht nur aus diesem Grund war für ihn nun die Zeit gekommen, auf ein für ihn ganz besonderes Dokument öffentlich hinweisen. Bekommen hat er es bereits im August 2009: Die ihm bekannte Archivarin Marlies Bünsch aus dem Gemeindearchiv Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern übersandte ihm die Kopie eines Zeitungsartikels vom 14. März 1932 mit dem profanen Titel „Drei Tote in Hückeswagen“. „Es war ein schlimmer und schwieriger Fund für Frau Bünsch“, erinnert sich Pfeiffer. Und auch ihn persönlich ließ dieser kurze Artikel nicht kalt. “Es kamen Rückerinnerungen an eine böse Zeit. Da ich 1935 geboren wurde, war die Nazizeit Bestandteil meines Lebens“, so Pfeiffer weiter.
Der Grund für die Reaktionen beider wird deutlich, wenn man sich das zeitgeschichtliche Ereignis vergegenwärtigt. Der Artikel schildert die Kommunistenmorde in Hückeswagen vom 13. März 1932, bei denen im Rahmen politischer Auseinandersetzungen Bruno Blumberg, Johann Fries und Wilhelm Mondre von einem Nationalsozialisten erschossen wurden. Das Ereignis sorgte in Hückeswagen für Aufruhr und schlug auch überregional große Wellen. Alleine der Trauerfeier für die drei Kommunisten wohnten 15.000 Menschen bei. Noch jüngst im November 2016 wurden an der Peterstraße, dem finalen Ort der Auseinandersetzung drei Stolpersteine verlegt.
„Als ich den Artikel 2009 zum ersten Mal las, war mir der konkrete Vorgang neu, aber meine Erinnerungen wurden wieder geweckt. Ich war zudem erschüttert, dass sich in dem sonst so schönen und beschaulichen Hückeswagen schon 1932 solche Dinge entwickeln konnten“, sagte Pfeifer.
Und hier schließt sich der Kreis zur Gegenwart. Friedel Pfeiffer sah sich im Angesicht des Wahlkampfes und der Bundestagswahl am 24. September genötigt, nochmals von dem Dokument zu berichten. „Damals saßen die Menschen am Volksempfänger und sprachen sinngemäß: „Still, der Führer spricht. Er hat auch von Vorsehung gesprochen.“. Das System der Einflussnahme in dieser Form hat für Pfeiffer einen tiefen Schrecken. So war es die Mutter gewesen, die ihre vier in Scheideweg aufwachsenden Kinder vor den Nazis bewahren wollte. „Sie hat uns den Umgang mit der HJ verboten, deren Prunk wir aus einiger Entfernung von einem Zaun aus manchmal beobachten konnten.“
Friedel Pfeiffers unausgesprochene aber deutliche Warnung vor Fehlentwicklungen ist dabei nicht nur auf extreme Parteien gemünzt, wie man angesichts der aktuellen Diskussion meinen könnte. Seine Sorge gilt den Geschundenen, egal ob er verfolgter Kommunist, Zwangsarbeiter im Dritten Reich oder Strafgefangener in der Mongolei ist. “Es ist unsagbar, wie Menschen manchmal mit Menschen umgehen! Ich habe auch viel in Gefängnissen gesehen. Ich frage mich manchmal: Wo bleibt die Menschenwürde?“

Zur „Grenz-Zeitung“:
Kurzmeldungen in Zeitungen, die von Ereignissen weit entfernt vom Erscheinungsort berichten, deuten alleine schon aus diesem Grund auf eine gewisse Relevanz hin. So war es auch in dem Fall von Friedel Pfeiffer. Die „Grenz-Zeitung“, die zuvor Lübtheener Nachrichten hieß und im heutigen Mecklenburg-Vorpommern regional begrenzt erschien, greift einen Vorgang aus dem weit entfernten Hückeswagen auf. Der Zufall wollte es nun, dass im Jahr 2009 der Archivarin Marlies Bünsch diese Meldung auffiel, weil sie langjährige Kontakte zur Gefährdetenhilfe, zu Friedel Pfeiffer und somit auch zu Hückeswagen pflegte. Der kurze Artikel datiert vom 14. März 1932 und trägt die Schlagzeile „Drei Tote in Hückeswagen“. Er berichtet von einem schweren Zwischenfall, der sich einen Tag zuvor ereignet in der Schloss-Stadt hatte. Um dem Leser von 1932 den Ort Hückeswagen in seiner geografischen Lage näher zu bringen, benutzt der Journalist die Formulierung „Hückeswagen bei Elberfeld“. Offenbar war die Stadtbezeichnung Wuppertal den Zeitge-nossen noch nicht sehr geläufig, da erst kurz zuvor 1929 Elberfeld und Barmen zu einer Stadt fusionierten. Bemerkenswert ist auch der Hinweis in der Meldung, dass es sich bei dem Täter um einen „auswärtigen Nationalsozialisten“ handelt, so als ob dieser Umstand für den Leser in Lübtheen eine Rolle spielen würde. Fazit: Das Dokument ist für die regionale Geschichtsschreibung insofern bedeutend, da es die weiträumigen Schockwellen aufzeigt, die dieser Vorfall in Hückeswagen ausgelöst hat.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 12. Oktober 2017:
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/wo-bleibt-die-menschenwuerde-aid-1.7137676.amp („Wo bleibt die Menschenwürde“)

und

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/schockwelle-aus-dem-bergischen-aid-1.7137675.amp (Schockwellen aus dem Bergischen)

01.10.2017: Rückblende 1. Oktober 1997: Hauptamtlicher Bürgermeister fürs Rathaus

Manfred Vesper 2009
Manfred Vesper 2009

Die neue Zeit in Hückeswagen begann mit einem kleinen Drama. Weil ein Elektriker bei Reparaturarbeiten im Schloss eine Sicherung auswechselte und der Stromfluss kurzzeitig unterbrochen wurde, fiel die Programmierung der ultramodernen Kaffeemaschine des neuen hauptamtlichen Bürgermeisters Norbert Jörgens aus, so dass dieser seinen ersten Arbeitstag am 1. Oktober 1997 mit kaltem Kaffee beginnen musste. Alles andere als kalter Kaffee waren jedoch die wichtigen Dinge, die sich im Rathaus abspielten. Gemäß der neuen Kommunalverfassung 1994 sollte der Bürgermeister im September 1999 erstmals direkt vom Volk gewählt werden und nicht mehr durch den Stadtrat. Doch die Abschaffung der „Norddeutschen Ratsverfassung“ hatte noch weitere Folgen. So sollte eben spätestens bis zu diesem Stichtag auch die „kommunale Doppelspitze“ abgeschafft werden. Einen Stadtdirektor, der bisher die Verwaltung leitete und neben dem vom Stadtrat gewählten Bürgermeister die Geschicke der Stadt leitete, gab es nun nicht mehr.

In Hückeswagen erfolgte die Wahl des hauptamtlichen Bürgermeisters schon zwei Jahre zuvor am 1. Juli 1997 durch den Stadtrat, sein Amtsantritt dann drei Monate später am 1. Oktober. Wie war das möglich? Da die Kommunalverfassung bereits 1994 in Kraft trat und der Wahltermin 1999 gesetzt war, konnten die Kommunen nun selbst entscheiden, wann der genaue Zeitpunkt für den „System-Übergang“ erfolgen sollte. Da der bisherige Stadtdirektor Hans-Jürgen Pauck zum 1. Oktober 1997 in den Ruhestand ging, hätte theoretisch für eine Übergangszeit von knapp zwei Jahren ein neuer Stadtdirektor gewählt werden müssen. In der Schloss-Stadt machte man Nägel mit Köpfen: Zeitgleich mit der Pensionierung Paucks verzichtete Bürgermeister Manfred Vesper auf sein Amt, so dass der Weg für die Wahl eines „neuen Hauptamtlichen“ frei war. Da die Direktwahl jedoch noch zwei Jahre hin war, übernahm der Stadtrat am 1. Juli 1997 diese Aufgabe und entschied sich mit 30 von 37 Stimmen für den Wermelskirchener Norbert Jörgens. Dieser trat drei Monate später mit der Pensionierung Paucks sein Amt an. Vesper ist in der Rückschau zufrieden mit dem Systemwechsel. „In den größeren Städten gab es durch die manchmal unklaren Machtverhältnisse ein großes Konfliktpotenzial. Zwar war das bei uns kein Problem, doch in einer Befragung durch das Land stimmten wir kleinen Städte auch für die Reform“, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister. Für Politik und Bürger hätte dieser Wechsel jedoch Vor- und Nachteile. Einerseits hätten die Bürger mit dem „starken Bürgermeister“ als Ansprechpartner nun einen klaren Verantwortlichen, andererseits sei der Einfluss der Parteien und des Stadtrates gesunken. Vesper: „Insgesamt ist der heutige Zustand eine bessere Lösung.“

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 2. Oktober 2017, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/hauptamtlicher-buergermeister-fuers-rathaus-aid-1.7117694

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09.08.2017: Besprechung der Kurzgeschichte „Die Porzellanmalerinnen“ von Irmgard Hannoschöck

cover-morde-und-andere-gemeinheitenMit diesem Beitrag möchte ich gerne eine Kurzgeschichte besprechen, die in dem Buch „Morde und andere Gemeinheiten“, herausgegeben vom Juhr-Verlag 2015, erschienen ist. Irmgard Hannoschöck hat diese geschrieben und trägt den Titel „Die Porzellanmalerinnen“. Sie ist ausdrücklich als Beitrag aus Hückeswagen gekennzeichnet, da der Band noch zwölf weitere Geschichten enthält, die jeweils in einer anderen Stadt oder Gemeinde des Oberbergischen Kreises spielen. Auslöser für diese Rezension ist eine Zufallsbegegnung am 8. August diesen Jahres auf dem Etapler Platz in Hückeswagen. Ich traf die Autorin, die in Hückeswagen arbeitet, und wir kamen im Laufe des Gesprächs auf die Geschichte zu sprechen. Zwar war mir diese als solches schon bekannt, als sie 2015 erschienen war, bisher hatte es jedoch noch keinen Anlass gegeben, das Werk näher zu besprechen.

Bevor ich auf die Story selbst zu sprechen komme, möchte ich drei Vorbemerkungen machen. Erstens: Ich bin in erster Linie Historiker und freier Journalist, weniger jemand, der Rezensionen oder Bücherkritiken schreibt und in Literaturgeschichte ausgebildet ist. Da es sich aber um einen historischen Stoff handelt, der u.a. von mir recherchiert wurde und die Autorin an meiner Meinung interessiert ist, sehe ich mich als Mitautor eines Werkes über den historischen Hintergrund, der in der Kurzgeschichte auch erwähnt wird, durchaus in einer Position, ein paar Zeilen dazu zu schreiben. Zweitens musste ich einen inneren Widerstand überwinden, mich der Geschichte zu nähern. Ich bin grundsätzlich als Historiker der Meinung, dass fiktive Geschichten, die einen realen historischen Hintergrund allzu deutlich aufgreifen – was hier der Fall ist -, die Überlieferung der wahrhaftigen Geschichte verwässern. Nach dem Motto „Es bleibt immer etwas hängen“ vermischen sich Wahrheit und Legende, was bei dem vorliegenden Stoff eine besondere Rolle spielt. Schon bei der Recherche der Historie war es für uns als Autoren des Hintergrundwerks sehr schwer, Fiktion und Wirklichkeit zu trennen. Hätte man mich vorher gefragt, hätte ich mich aus den eben genannten Gründen gegen ein solches Projekt ausgesprochen. Ich betone aber ausdrücklich, dass es das Recht der Autorin ist, dieses so zu tun, auch wenn es einige Historiker möglicherweise anders sehen. Hier wäre ein schöner Anknüpfungspunkt für eine grundsätzliche Diskussion zwischen Historikern und Literaten. Drittens besteht die Gefahr, dass ich aufgrund meiner Vertrautheit mit dem Stoff allzu genau auf die Details achte. Bei einer fiktiven Geschichte ist diese Exaktheit jedoch nicht unbedingt notwendig und für den Leser oftmals auch nicht relevant, wenngleich der historische Hintergrund natürlich korrekt dargestellt werden sollte.

Nun zur Kurzgeschichte selbst. Anfangen möchte ich mit einer Kritik an einer Formalie des Buches. Zwar wird auf der Einband-Rückseite kurz erklärt, dass das Buch 13 Kurzgeschichten aus dem Krimi-Genre enthält und auch die Namen der Autoren erwähnt, doch es fehlt ein Vorwort mit einer weiteren Einordnung. Der Leser erfährt im konkreten Fall also nichts über das Buchprojekt, nichts über die Autoren als Persönlichkeiten und im speziellen Fall von „Die Porzellanmalerinnen“ auch nichts über die Frage des realen historischen Hintergrunds. Dieser Umstand bekräftigt meine grundsätzlichen Bedenken, die ich eingangs kurz erläutert habe.
„Die Porzellanmalerinnen“ besteht aus einer kurzen Einleitung über eine halbe Seite, es folgen dann 25 Buchseiten mit der eigentlichen Geschichte. Die Rahmenhandlung der Kurzgeschichte ist schnell erzählt: Die Hauptprotagonistin ist die Autorin selbst, die in der Ich-Perspektive erzählt. Auf Seite 64 nennt sie sich mit der Formulierung: „Denk nach, Frau Hannoschöck, denk nach“ sogar selbst beim Namen. Sie schildert dann in der Geschichte, wie sie bei einem Physiotherapeuten zufällig das Gespräch einer Mitpatientin namens Frau Hasenclever mit dem Therapeuten belauscht, in dem diese über alte Zeiten aus dem Hotel Haus Hammerstein in Hückeswagen erzählt. Sie wird neugierig und will mehr erfahren, so dass sie sich für einen Porzellan-Malkurs in Lennep anmeldet, wo Frau Hasenclever ebenfalls malt. Frau Hasenclever hat noch zwei weitere Freudinnen, die ebenfalls in Haus Hammerstein angestellt waren und die genauso diesen Kurs besuchen. Die drei unterhalten sich permanent über alte Zeiten, zur Sprache kommt dabei auch das Verschwinden der Angestellten Rosa, wobei unsere Protagonistin schnell ein Verbrechen vermutet. Sie will der Sache auf den Grund gehen, kauft sich Hintergrundliteratur und besucht die Orte des Geschehens. Dabei trifft sich zufällig auf eine alte Frau. Nach einem ersten gescheiterten Anlauf gelingt ihr es, mit der alten Frau näher ins Gespräch zu kommen. Es stellt sich heraus, dass sie sowohl die verschwundene Rosa als auch die drei Damen aus dem Porzellanmalkurs kennt, da sie alle zusammen in dem Ort Dürhagen, benachbart zu Haus Hammerstein, gewohnt haben. Die alte Dame berichtet schließlich über die Dinge, die sie von Rosa weiß. Mit diesem Wissen und eigenen Vermutungen ausgestattet besucht sie nochmals den Porzellanmalkurs und provoziert die drei Damen und Mitmalerinnen mit ihrer eigenen Malerei, indem sie einen Mord an Rosa bildlich andeutet. Über das Ende des Kurzkrimis schweige ich natürlich an dieser Stelle.

Der historische Hintergrund von Haus Hammerstein und dem Kriegsgefangenenlager wird sozusagen in einer zweiten Erzählebene eingeflochten. Die Autorin lässt Frau Hasenclever bei ihren Besuchen in der Physiotherapie und dem Porzellanmalkurs immer wieder Geschichten erzählen, die zum Teil auf dem beruhen, was die AG Hammerstein der Bergischen Zeitgeschichte erforscht und später veröffentlicht hat. Aus diesen fragmentarisch vorhandenem Wissen über das Leben und die Ereignisse rund und die ehemalige Luxusherberge Haus Hammerstein, die durch Befragung vieler Zeitzeugen zusammengetragen wurden, webt Hannoschöck eine neue Geschichte, deren historischer Hintergrund zwar authentisch, aber ansonsten in dieser neuen Komposition fiktiv ist.
Außerordentlich gut gefällt mir die Art und Weise, wie Hannoschöck handwerklich vorgeht. Das Verweben der Erzählebenen und vor allem die Idee, mit der sie diesen historischen Stoff in einer zeitgenössischen Erzählung wieder an die Oberfläche bringt, sind sehr gelungen. Dass ältere Damen beim Physiotherapeuten oder in Porzellanmalkursen von alten Zeiten berichten, ist durchaus realistisch. Um daraus einen Krimi zu machen, setzt sie sich in die Rolle einer Ermittlerin und hat somit für den weiteren Verlauf der Geschichte freie Hand.

Umso erstaunlicher ist dann die große Schwäche der Geschichte. Hannoschöck versäumt es, die idyllische Landschaft und die außerordentliche Lage der Friedenskapelle und des Friedhofes in Voßhagen näher zu beschreiben. Es gelingt ihr einfach nicht, das „Kopfkino im Leser“ anzuwerfen. Sie schreibt zwar, dass es ein „Märchenschloss“ sei, benutzt auch auf Seite 55 die Vokabeln „imposant“ und „unfassbar“, beschreibt sie aber nicht. Warum ein Märchenschloss? Was ist die Landschaft so imposant? Dies hat zur Folge, dass die zweite Handlungsebene zum Haus Hammerstein „merkwürdig steril“ bleibt. Auch versäumt sie, die Orte zueinander in Beziehung zu setzen. Wie weit mussten die Angestellten, die in Dürhagen wohnten, wohl gehen, um nach Hause in ihre Pension zu kommen? Und wo war denn eigentlich das Lager, und wo war die Wupperschleife? Ernst ganz am Schluss wird klar, dass Haus Hammerstein am Wasser gelegen haben muss, als die Protagonistin die Porzellanmalerei zwecks Provokation ihrer Mitmalerinnen angeht.
Nun muss man sagen, dass eine Kurzgeschichte nicht alles berücksichtigen kann und dass der historische Hintergrund für die Autorin schon wegen seines Umfanges ein dicker Batzen war, an dem jeder Autor zu knacken gehabt hätte. Insofern ist es fast schade, dass der an sich brauchbare Stoff in einer Kurzgeschichte „verbrannt“ wurde. Die Story wäre ein ganzes Buch wert gewesen.

Nun noch eine Anmerkung als Historiker: Bis auf wenige Kleinigkeiten, z.B. hieß der Bahnhof „Kräwinklerbrücke“ und nicht „Kräwinkel“, und bis ein paar Formulierungen im Detail hat Hannoschöck das ihr vorliegende Material treffsicher und gut verwertet. Das sage ich als jemand, der sich mit anderen zusammen jahrelang mit dem Thema auseinandergesetzt hat, und als Historiker, die bekanntlich immer etwas zu meckern haben. Wenn man das bewusst Fiktive vom historischen Hintergrund trennt, gibt es keinen einzigen Patzer der Autorin, der für mich erkennbar wäre. Über die Tatsache, dass im Prinzip nur die Namen der Hotelbesitzer und einiger Protagonisten verändert wurden, die Originalschauplätze aber so benannt werden, will ich kein Urteil fällen, da die Technik von jedem Autor anders angewendet wird.

Als Gesamtfazit kann ich also ziehen: Aufgrund meiner allzu großen Nähe zum Thema ist mir diese Besprechung nicht leichtgefallen. Trotzdem konnte ich Stärken und Schwächen aus meiner subjektiven Sicht entdecken und benennen. Die gute Erzähltechnik steht im Kontrast zur schwachen atmosphärischen Beschreibung, war aber der gewählten Form geschuldet sein könnte. Ein großer Roman wäre hier besser gewesen als eine Kurzgeschichte. Es wird nicht die letzte Story gewesen sein, die ich von der Autorin lesen werde, ich bin gespannt, wie die Entwicklung verlaufen wird.

12.07.2017: Waldbrände – Die Menschen in Ashcroft und Cache Creek (Kanada, BC) brauchen Hilfe

Erschreckende Nachrichten erreichten mich gestern, den 11. Juli 2017, aus Kanada. Frau Roden, Redakteurin des Ashcroft Cache Creek Journals (eine Zeitung, die mir persönlich durch einen Besuch bekannt ist) berichtete mir, dass durch die großen Waldbrände eine kleine Ansiedlung zwischen Cache Creek und Ashcroft mit 60 Häusern zum größten Teil zerstört ist. Auch Häuser des Ashcroft Indian Reserve sind betroffen. Sie schrieb: „Several homes on the Ashcroft Indian Reserve… were destroyed, and a small community between Ashcroft and Cache Creek was almost completely destroyed, with sixty homes lost.“ Frau Roden und andere schrieben, dass das Rote Kreuz eine gute Adresse sei, um Geld zu spenden und so den Menschen Hilfe zukommen zu lassen. Es ist ein schönes Land mit sehr freundlichen Menschen wo wir willkommen waren. Wir haben uns daher entschlossen, den Menschen etwas zurückzugeben.

Es wurde extra eine Spendenseite eingerichtet. Die Adresse lautet: http://www.redcross.ca/

 

Der Spendenvorgang ist sehr einfach gehandhabt, nach dem Ausfüllen des Formulars und den Angaben zur Art und Höhe der Zahlung ist der Spendenvorgang erledigt.