31.10.2017: Rückblende (16) zum 31. Oktober 1852 – Die Stadtsparkasse Hückeswagen wird gegründet

Städtische Sparkasse Hückeswagen im Jahr 1940, Bild Stadtarchiv.
Städtische Sparkasse Hückeswagen im Jahr 1940, Bild Stadtarchiv.

(nob) Es ist ein Blick in eine längst untergegangene Finanzwelt: Wie muss man sich eine Stadtsparkasse in Hückeswagen des Jahres 1852 vorstellen? Selbige nahm, so berichten die Chroniken, am 31. Oktober 1852 in der Stadtgemeinde seine Geschäftstätigkeit auf (die Landgemeinde Neuhückeswagen folgte erst 1889). Es war eine Zeit, in der das erste Luftschiff von Henri Giffard mit Dampfkraft von Paris aus zur ersten Fahrt startete. Und die Gründung des Allgemeinen Turnvereins Hückeswagen (ATV) war gerade einmal zwei Jahre her.

Schon der Blick auf die Öffnungszeiten ist verblüffend: Die Stadtsparkasse war nur sonntags zugänglich und zudem nur morgens eine Stunde lang. Die Kunden konnten während der Sommerzeit zwischen 8 und 9 Uhr und während der Winterzeit von 9 bis 10 Uhr ihr Geld hinbringen oder abholen. Allerdings drängte eine übergeordnete Behörde auf eine Änderung dieser Regelung, so dass ab 1855 der Samstag zum Kassentag wurde.

Zwei Personen mussten anwesend sein: Zum einen ein so genannter Rendant (Kassenwart) und dann ein Mitglied des am 2. Juli 1852 gewählten Verwaltungsrates. Die Liste der Nachnamen liest sich wie das „Who´s Who“ der Hückeswagener Wirtschaft: Schnabel, Johanny, Troost oder Bockhacker hießen die Vertreter.

Die Gelder und Papiere der Kasse wurden in einer mit zwei Schlüsseln verschließbaren „sicheren Kasse“ verwahrt. Einen Schlüssel hatte der Vorsteher, der zweite der Rendant. Offenbar musste der Schlüssel zu den jeweiligen Öffnungsstunden vom Vorsteher an das entsprechende Mitglied des Verwaltungsrates weitergereicht werden, da man ansonsten die Geldgeschäfte nicht hätte tätigen können. Allerdings schweigt sich zu diesem konkreten Problem die Chronik aus. Jedenfalls gehörten zum Team der ersten Tage neben dem Vorsteher noch zwei Administratoren, drei Verwaltungsratsmitglieder und eben besagter Rendant. Letzterer war im Übrigen noch bis 1874 im Ehrenamt tätig, so dass er dafür eine Aufwandsentschädigung bekam.

Bei der Frage, wie sich die Stadtsparkasse in den ersten 30 Jahren entwickelte, mussten die Chronisten eines Rückblicks auf das 75-jährige Bestehen im Jahr 1927 passen. Es waren nur Angaben aus den Jahren 1863, 1864 und 1866 überliefert. Ende 1863 waren jedenfalls 45.031 Taler und 13 Silbergroschen angelegt.

Wo befand sich nun die „erste“ Sparkasse? In der Eröffnungs-Bekanntmachung von Bürgermeister Julius Wirth ist davon die Rede, dass die Entgegennahme des Geldes „einstweilen in dem hiesigen Bürgermeister-Amte-Lokal“ erfolgen würde. Der ehemalige BGV-Vorsitzende Karl Reiner Illgen († 2009) vermutete den Standort in der längst abgerissenen katholischen Volksschule am Kamp (auch „Russische Botschaft“ genannt). Erst Anfang der 1870er-Jahre ist dieser Standort zweifelsfrei nachweisbar.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 27.10.2017 (leider ohne Bild), URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/stadtsparkasse-hueckeswagen-wird-gegruendet-aid-1.7169218

20171027-rueckblende-stadtsparkasse-hueckeswagen-wird-gegruendet

 

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