04.11.2017: Rückblende 4. November 1917 – Feierlichkeiten zu 400 Jahre Reformation im Ersten Weltkrieg

100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg: Die Ev. Kirchengemeinde begeht das Reformationsjubiläum u.a. mit einer Ausstellung in der Pauluskirche.
100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg: Die Ev. Kirchengemeinde begeht das Reformationsjubiläum u.a. mit einer Ausstellung in der Pauluskirche.

In diesem Jahr war in Deutschland der Reformationstag am 31. Oktober erstmals ausnahmsweise ein gesetzlicher Feiertag. Schon vor 100 Jahren war man sich solcher „runden Jubiläen“ bewusst. Allerdings fiel dieses in ein denkbar ungünstiges Umfeld, war doch der November 1917 ein Kriegsmonat. Der Erste Weltkrieg forderte immer mehr Opfer und die Not auch in Hückeswagen war groß.

Umso faszinierender ist ein Bericht in der Bergischen Volkzeitung vom 5. November 1917, in dem der Journalist umfassend die Festivitäten in der Schloss-Stadt beschreibt. Gefeiert wurde damals im Wesentlichen an zwei Tagen: Am Mittwoch, dem 31. Oktober mit einem Festgottesdienst und darüber hinaus mit einer Festversammlung am Sonntag, dem 4. November.

Bereits am besagten Mittwoch muss die Stadt prächtig geschmückt gewesen sein. Den besten Eindruck vermittelt ein längeres ungekürztes Zitat: „Glockengeläute von beiden Kirchen läutete den großen Erinnerungstag an. Ein Bläserquartett ließ vom Turm der Pauluskirche Choräle erklingen. Reichster Fahnenschmuck, besonders auf der Marktstraße, gab der Feier auch äußerlich ein festliches Gepränge. Zum Festgottesdienst strömten die Gemeindeglieder in solchen Scharen zusammen, dass die große, 1200 Sitzplätze fassende Kirche bald überfüllt war. Im feierlichen Zug schritten die Herren des Presbyteriums und der Repräsentation, die vollzählig gekommen waren, vom Gemeindesaal an der Kölner Straße zur Kirche. Altar und Kanzel waren mit Girlanden, Lorbeerbäumen, Kränzen und Blumen geschmückt, von der Kanzel her grüßte ein Lutherbild.“

Interessanterweise erfahren wir etwas über die Anzahl der Besucher, die mit 1.200 Personen immens hoch war. Weiter lesen wir, dass sich 1917 der Gemeindesaal an der Kölner Straße befand. Wo dieser ganz konkret zu finden war, ist noch ungeklärt. Jedenfalls beschließt 1904 die Gemeindevertretung den Ausbau der Johanneskirche zu einem Gemeindehaus. Allerdings kommt der Beschluss gemäß Wilhelm Blankertz nicht zur Ausführung, wohl aber wird die Johanneskirche 1907 grundlegend renoviert. 1912 spendet Kirchmeister Arnold Hueck erneut 10.000 Mark für den „späteren Bau eines Gemeindehauses“ und auch noch 1917 wird hierüber diskutiert.

Der 4. November 1917 ist schließlich der Tag der Festreden. Es sprechen ein Professor Schmitz aus Münster, der damalige Mittelschullehrer Wilhelm Blankertz sowie Pfarrer Friedrich Julius Stiehl. Den Abschluss bildete die Aufführung eines Lutherfestspiels im Händelerschen Saale (heute Gaststätte Zum Alten Markt). Ein Riesenerfolg, denn: „Es war ein lebensgefährlicher Andrang. Es mussten die Gemeindeglieder aus der Stadt gebeten werden, den überfüllten Saal zu verlassen.“ Eine Woche später wurde das Festspiel dann auf vielfachem Wunsch erneut aufgeführt.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 30. Oktober 2017. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/feierlichkeiten-zu-400-jahren-reformation-im-ersten-weltkrieg-aid-1.7176307

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