10.02.2018: Rückblende 10. Februar 1968 – Eier-Sortiermaschine „Liliput“ versetzt Berge

v.l.: Wilhelm Rüter, Ilse Rüter mit den Kindern Manfred in Ingrid. Fotograf war Theo Dörpinghaus, der die Familie Anfang 1968 bei der Arbeit an der Maschine ablichtete. Wilhelm Rüter war zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Besuch aus dem Westfälischen, da er dort zusammen mit dem Sohn Ernst Rüter einen Hof hatte. Der Hof in Buchholz, wo das Foto entstand, gehörte Manfred Rüters Mutter Ilse, die eine geborene Wirth war.
v.l.: Wilhelm Rüter, Ilse Rüter mit den Kindern Manfred in Ingrid. Fotograf war Theo Dörpinghaus, der die Familie Anfang 1968 bei der Arbeit an der Maschine ablichtete. Wilhelm Rüter war zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Besuch aus dem Westfälischen, da er dort zusammen mit dem Sohn Ernst Rüter einen Hof hatte. Der Hof in Buchholz, wo das Foto entstand, gehörte Manfred Rüters Mutter Ilse, die eine geborene Wirth war.

Es war genau der 10. Februar 1968, als eine kreative Schlagzeile in der Bergischen Morgenpost die Aufmerksamkeit der Leser erregte: „Liliput versetzt Berge – Eiersortiermaschine erleichtert die Arbeit“. Auf einem Foto waren vier Mitglieder der Familie Rüter zu sehen, wie sie auf ihrem Hof in Buchholz an der neuen Maschine arbeitete, abgelichtet durch den BM-Journalisten Theo Dörpinghaus. Diese „neueste technische Errungenschaft“, wie es hieß, war mit einer geeichten Waage ausgestattet und sortierte die Eier nach sieben damals geltenden Gewichtsgruppen. Die Eier wurden zuvor auf einem Band liegend unter einer Leuchtröhre geprüft, so dass die mit den unappetitlichen – aber nicht lebensgefährlichen – Blutgerinnseln sowie kleinen kaum sichtbaren Beschädigungen aussortiert werden konnten. Es war eine immense Arbeitserleichterung für alle Mitarbeiter.

Als kleiner Junge ist Manfred Rüter auf dem Bild zu sehen. Heute, 50 Jahre später, führt er selber den Hof, doch diese Szenerie sieht er nun mit ganz anderen Augen. „Letztendlich war die Einführung dieser Maschine Teil eines stetig andauernden Prozesses der Rationalisierung, dem die Landwirtschaft unterworfen ist“, sagt er. So stand man damals wie auch später vor der Frage: „Wie können die eigenen begrenzten Ressourcen effektiver eingesetzt werden?“ Und genau dieser Aspekt erklärt die weiteren Veränderungen auf dem Hof. Die Sortiermaschine war bis in die 1990er-Jahre in Betrieb, anfangs auch noch kurzzeitig ein Eier-Verkaufsautomat. „Dann löste zunächst die Milchviehwirtschaft die Geflügelwirtschaft ab und seit dem Jahr 2011 haben wir nur noch Ammenkühe“, beschreibt Rüter die weitere Entwicklung.

1968 zum Zeitpunkt des Artikels war ein wichtiger Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft bereits erfolgt: Aus der alten Agrarfrage „Wer wird die Scheunen füllen?“, so beschreibt es der Autor Ulrich Kluge in einem wissenschaftlichen Fachbuch zur Geschichte der Landwirtschaft, entstand die Frage „Wer wird die Scheunen leeren?“. Alle Zeichen standen auf Expansion, insbesondere bei der Veredelungswirtschaft, beispielsweise bei der Rinderhaltung. Und so war es auch auf dem Hof Rüter. Der ständige Druck zwang die Betriebe zur weiteren Spezialisierung, bis man irgendwann eine Grenze kam, die nicht überschritten werden konnte, so dass man umdisponieren musste.

„Gegenwärtig kommt hinzu, dass wir eine hohe Reglementierung und Bürokratisierung haben. Der Landwirt ist zum mittelständischen Unternehmer geworden“, so Rüter. Zunehmend entfremde sich der Konsument auch von den landwirtschaftlichen Prozessen, denn so der Landwirt weiter: „Alle wollen kaufen und essen, einen Schlachthof will aber keiner mehr sehen.

Erschienen in leicht gekürzter Fassung in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 12. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/eier-sortiermaschine-liliput-versetzt-berge-auf-hof-in-buchholz-aid-1.7385759

20180212-bm-eier-sortiermaschine-liliput-versetzt-berge

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