28.04.2018: Rückblende (35) zum 28. April 1938 – Gründung einer Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) in Hückeswagen

Eine SGV-Jahreshauptversammlung im Jahr 1977 unter der Leitung von Werner Scheider. Foto: Kübach/Archiv SGV.

(nob) Es ist ein Phänomen in der Geschichtsschreibung über Vereine in Deutschland und war oft eine der ersten Fragen von Neumitgliedern: Warum gibt es außerhalb des Sauerlandes eigentlich Abteilungen des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV)? Dem Mitbegründer des Vereins, dem Forstrat Ernst Ehmsen aus Arnsberg, gelang es ab 1890 auf Dienstreisen in kurzer Zeit wichtige Persönlichkeiten aus anderen Städten zu einer Abteilungsgründung zu bewegen. Schon damals stand der Fremdenverkehr im Zentrum des Interesses der Aktiven, heute würden wir es Struktur- und Tourismusförderung nennen.

Schnell verbreitete sich diese Idee, die auch das Anlegen und Pflege von Wanderwegen oder die Ortsbildpflege enthielt, und es gelang sogar SGV-Ableger in Berlin und Warschau zu gründen. 1891 gab es bereits 44 Abteilungen, trotzdem sollte es zu einer Gründung in Hückeswagen noch bis 1938 dauern. Diese und auch andere Gründungen jener Zeit gingen jedoch auf Kosten der Naturfreunde, der großen Wanderbewegung der Arbeiter, die den Sozialisten nahestand. Diesen Strukturen wollten die Nationalsozialisten etwas entgegensetzen, was ihnen nach der Machtübernahme Hitlers und der Gleichschaltung der Vereine ungleich leichter fiel.

In Hückeswagen hatten die Naturfreunde zunächst eine Hütte, später ein Haus, auf der so genannten Himmelswiese im idyllischen Wiebachtal (heute Staugebiet der Wuppertalsperre). Kurzerhand zerschlugen 1933 Nazischergen die Inneneinrichtung. Fünf Jahre später trieb in Hückeswagen der NSDAP-Gefolgsmann und von den Machthabern eingesetzte Bürgermeister Albert Gimbel die Pläne für die Gründung einer SGV-Abteilung voran und lud für den 28. April 1938 zur ersten Versammlung ein. In den Chroniken und den sich darauf berufenden Texten und Jubiläumsankündigungen wird immer der 28. März 1938 angegeben, was jedoch auf eine missverständliche Notiz der Gründer im Protokollbuch zurückzuführen ist. Im Übrigen wurde das Vereinshaus im Wiebachtal ebenfalls vom SGV übernommen.

Gründungsmitglieder des SGV Hückeswagen waren Menschen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, unter anderen der Sparkassendirektor Otto Schmitz, Hugo Stöcker, Hermann Heupel, Carl von Polheim, Eduard Schoppmann und Rektor Emil Stosberg. Den Aktiven vor Ort ging es in erster Linie, soweit es die Protokolle und Berichte erkennen lassen, um das Erleben der Natur, die Pflege des Ortsbildes und der Schaffung einer Infrastruktur zum Wandern. Erster Vorsitzender wurde Walter Kruse, prägend war danach vor allen Arnold Schmitz, der ab 1946 genau 30 Jahre den Verein führte.

Bis zur Auflösung der Abteilung am 31. Dezember 2012 wurde das Mitgliedsbuch akribisch geführt, zuletzt von Helga Bonell. Der Nachlass mit vielen Dokumenten aus den ersten Jahren ist mittlerweile gesichert und wird zurzeit geordnet und später dem Stadtarchiv Hückeswagen übergeben.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 3. Mai 2018. URL: www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/abteilung-des-sauerlaendischen-gebirgsvereins-entsteht-aid-1.7551595

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