04.10.2018: Rückblende (51) zum 4. Oktober 1993 – Frühschwimmer retten das Hallenbad

Die Mitgliederentwicklung der IG Frühschwimmer vom 4.10.1993 bis zum 04.10.2018.

Unter Aufbruchstimmung wählten 25 Mitglieder Horst Hellerling zum ersten Vorsitzenden des Vereins. Es begann eine Erfolgsgeschichte, die bis in die Gegenwart andauert. Heute würdigen alle Seiten die IGF als wichtige Säule des Bades, doch der Erfolgsdruck ist nach wie vor groß.

(nob) Die Schlagzeile in der Bergischen Morgenpost in der Ausgabe vom 5. Oktober 1993 liest sich bereits wie eine Bilanz: „Private retten das Hallenbad“. Berichtet wird im Folgenden über die Gründungsversammlung der IG Frühschwimmer am Tag zuvor, bei der „25 feste Mitglieder“ zugegen waren. In der ansonsten faktischen Schilderung der Hintergründe gibt zumindest die Unterschrift unter einem Foto, das Menschen auf der Versammlung zeigt, eine kurze Auskunft über die damalige Gefühlslage der Akteure, so ist von „optimistischer Aufbruchsstimmung“ die Rede. Ein Indiz für die hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ist die Tatsache, dass an diesem Abend des 4. Oktober bereits Namen von 150 Interessenten vorlagen, die sich in dem Verein aktiv oder passiv engagieren wollten.

Wie wir heute wissen, sollte der Verfasser der damaligen Schlagzeile Recht behalten. Das Hallenbad, das damals noch Willi-Daume-Bad hieß, würde vorläufig gerettet werden, wenngleich es im Jahr 2008 noch einmal zu einer finanziellen Krise kam. Vor zehn Jahren schuf man dann die Bürgerbad gGmbH, da die Defizite der Einrichtung erneut in die Höhe schossen (Die BM blickte Anfang des Jahres darauf zurück).

Doch zurück zur Gründungsversammlung: Die Vorgehensweise, zu der sich die Versammlungsteilnehmer 1993 entschlossen, war zumindest auf Ebene des Deutschen Schwimmverbandes einzigartig. Deshalb berichtete der frisch gebackene Gründungsvorsitzende Horst Hellerling noch auf dem Treffen von der Absicht des Verbandes, dieses Verfahren als neue Idee überall publik machen zu wollen. Sie bestand im Kern darin, einerseits die öffentlichen Schwimmzeiten zu reduzieren, um so laufende Kosten zu sparen, womit vor allem die Personalkosten gemeint waren. Andererseits sollte den Menschen trotzdem ein Zugang zum Bad ermöglicht werden, in dem sie als Mitglied eines Fördervereins in eigenen Zeitfenstern unter vergünstigtem Eintritt schwimmen konnten. Auf die Mitgliedsbeiträge waren die IG Frühschwimmer in-sofern angewiesen, da die Aufsicht führenden Übungsleiter, aber auch die Versicherung für alle Schwimmer finanziert werden mussten. Eines dieser Zeitfenster war montags zwischen 7 und 8 Uhr, womit sich der Begriff „Frühschwimmer“ von selbst erklärt.

Über Auslöser und Motive zu dieser Art des Vorgehens berichtete Hellerling rückblickend in einem BM-Interview aus dem Jahr 2013. So kam der eigentliche Anstoß vom damaligen Stadtdirektor Hans-Jürgen Pauck und der damaligen Badleiterin Andrea Poranzke. Denn: „Es lag de facto ein Schließungsbeschluss vor und man fragte uns Schwimmer, ob wir nicht etwas zur Rettung des Bads unternehmen können“, so Hellerling. Hintergrund war eine Anordnung der Bezirksregierung, die aufgrund des großen städtischen Defizits erfolgte und zwingend Einsparungen vorsah.

Aus heutiger Sicht war die damalige Gründung der Rettungsanker für die Einrichtung und die Idee genau die Richtige. Thomas Cosler, aktueller Vorsitzender der Frühschwimmer, stellt heraus: „1900 Mitglieder der IGF stehen gemeinsam mit dem Stadtsportverband für die Idee eines Bades in Bürgerhand.“ Aus den anfänglich 25 Wahlberechtigten und 150 Interessierten ist einer der größten Vereine der Stadt geworden und stellen so eine „unmittelbare Überlebenshilfe für das Bad“ dar, wie Cosler weiter betont.

Bürgermeister Dietmar Persian, der bereits seit 1975 bei der Stadt arbeitet, hat persönlich keine Erinnerung an die Gründungsversammlung, ist jedoch selbst Mitglied bei den Frühschwimmern. „Dieser Verein war elementar für das Hallenbad und ist es nach wie vor“, stellt Persian heraus. „Ohne das persönliche Engagement der Menschen wäre eine Rettung undenkbar gewesen.“

Mitgliederentwicklung der IG Frühschwimmer:

  • 4.10.1993: 25 Menschen wählen den ersten Vorstand, noch 150 Interessierte vor der offiziellen Eintragung als Verein
  • 15.12.1993: mehr als 200
  • Ende 1997: 600
  • Anfang 2002: 800
  • 4.10.2003: 900
  • Januar 2005: 1000
  • Oktober 2008: mehr als 1200
  • Anfang 2012: 1406
  • Heute: 1900

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 10.10.2018.

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