13.09.2018: Rückblende (49) zum 13. September 1918 – C.F. Schroeder dementiert Daimler-Ansiedlung

Eberhard Schroeder mit Tochter Herta neben einem Auto in Hückeswagen im Jahr 1925.

(nob) Gerüchte sind für einige Zeitgenossen in einer Stadtgesellschaft das Salz in der Suppe, zum Beispiel um sich wichtig zu machen. Andere sehen darin ein Mittel zur Rufschädigung oder sogar mehr. Wie Gerüchte genau zustande kommen, ist oftmals geheimnisvoll und unergründlich, doch versuchen wir es im Fall von C.F. Schroeder trotzdem einmal. Unter anderem haben bereits Ingo Schaffus und Hella Krumm (beide BGV) sowie Wolfgang Schuler, ein Urenkel des Firmengründers, Informationen zu C.F. Schroeder in diversen Publikationen zusammengetragen, die nun hilfreich sind.

Zunächst zum Gerede: Am 13. September 1918 erscheint eine bemerkenswerte Anzeige in der Bergischen Volkszeitung. Das Unternehmen C.F. Schroeder tritt in diesem Inserat Gerüchten entgegen, wonach ihr im Jahr 1914 errichteter Neubau in Kobeshofen durch die Daimler-Motoren-Gesellschaft Stuttgart-Untertürkheim erworben worden sei. Auch habe sich das berühmte Werk aus Süddeutschland nicht am Unternehmen beteiligt, zudem erfolgte der verdeutlichende Hinweis: „Alleiniger Inhaber ist Eberhard Schröder“.

Um das zu verstehen, müssen wir uns die Geschichte des Unternehmens etwas genauer anschauen. Bei C.F. Schroeder handelt es sich um eine Firma mit zunächst einem, später zwei Zweigwerken in Hückeswagen. Der Hauptsitz befand sich in Volmarstein. Firmengründer ist Carl Friedrich Schroeder jun. (1838-1892), wobei der Sohn Eberhard (1879-1958) in seine Fußstapfen trat und später in Hückeswagen in der Villa Clarenbach in Kleineichen ansässig wurde. Im Jahr 1906 wurde zunächst in Tannenbaum die Tuchfabrik H.W. Kipper, R. Schnabel & Edelhagen angemietet. Sie wird gemäß dem Hauptprodukt von C.F. Schroeder in eine Schlossfabrik umgewandelt, eine Bezeichnung, die sich im Volksmund durchsetzt und Namens gebend für eine Straße wurde. 1914 errichtete das Unternehmen in Kobeshofen einen Neubau. Dieser war nötig geworden, da die Fabrik in Tannenbaum mit mehr als 100 Beschäftigten ausgelastet war. Allerdings stockte die Inbetriebnahme aufgrund des Ersten Weltkrieges, so dass im Neubau zunächst eine Gesenkschmiede eingerichtet wurde, in der für die Reichsbahn Teile des Oberbaus von Eisenbahngleisen gefertigt wurden. Der Aufbau des neuen Werkes in Kobeshofen gelang durch Hinzuziehung von Fachkräften aus Volmarstein. Neben anderen Produkten wurden auch Eisenteile für die Wagenbauindustrie gefertigt.

Und hier dürfte die Grundlage für diese Gerüchte liegen: Fachkräfte, die plötzlich von außen kommen in Kombination mit einer Planänderung in Form eines neuen Fahrzeug-Produktes. Und dann ist da noch der Autoliebhaber und Firmenleiter Eberhard Schroeder, der sich gerne in schönen Autos zeigt. Also ist es doch vollkommen klar: Daimler kommt nach Hückeswagen! Nun, Daimler kam nicht in die Schloss-Stadt und 1929 ist mit dem Konkurs eine knapp Vierteljahrhundert dauernde Unternehmens-Saga zu Ende.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 13.09.2018.

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