29.11.2018: Rückblende (56) zum 29. November 1968 – Die Versehrtensportgemeinschaft wird gegründet

Der RBS auf einer Jahreshauptversammlung am 5. April 2010 im Haus Kleineichen. Auf dem Bild sind u. a. zu sehen: Die aktuelle Vorsitzende Brigitte Thiel (2.v.r.) und Andreas Gotter ihr Vorgänger (stehend).

(nob) Mit Zitaten von Pierre de Coubertin, dem in der Neuzeit maßgeblich die Wiederbelebung der Olympischen Spiele zu verdanken ist und wonach sinngemäß der Sport kein Müßiggang, sondern ein Geschenk und ein Mittel der inneren Vervollkommnung sei, eröffnete der Hückeswagener Arzt Dr. Peter Bode am 29. November 1968 in den Räumen der Realschule eine ganz besondere Versammlung. Die Versehrtensportgemeinschaft wurde gegründet und Horst Malek wurde von zirka 20 Mitgliedern zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt.

Zweimal berichtete die Bergische Morgenpost über das Ereignis, und in beiden Artikeln wird die Zielgruppe des neuen Vereins eindeutig benannt. Das Angebot galt den „Kriegsversehrten“, zumal die Anregung zur Gründung vom „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner“ kam. Unter ärztlicher Überwachung sollten unter anderem Prothesenträger ein größeres Selbstvertrauen gewinnen und so bessere Lebenschancen und mehr Selbstbestimmung im Alltag erfahren. Einmal in der Woche kam man anschließend zusammen, wobei abwechseln Schwimmen im Bad und Sport in der Turnhalle auf dem Programm stand. Mit der Gründung folgte man dem Beispiel aus den Nachbarstädten, so hatte sich unter anderem bereits in Wipperfürth ein derartiger Verein gegründet.

Heute heißt der Verein „Rehabilitations- und Behindertensportgemeinschaft Hückeswagen e.V.“, was ganz eindeutig ein Zeichen für die Veränderung der Zielgruppe ist. Als die heutige Vorsitzende Brigitte Thiel vor zirka 25 Jahren auf den Verein aufmerksam wurde, hieß er bereits „Behindertensportgemeinschaft“. „Der Grund für eine erste Namens- und Satzungsänderung waren die vermehrten Anfragen nach Herz-, Diabetikersport und Sport für Orthopädie, die bis dato aufgrund des Vorbehalts auf der Gruppe der Versehrten nicht befriedigt werden konnte“, so Thiel. Hinzu kam, dass die Versehrtensportler – dem natürlichen Lauf der Dinge folgend – immer weniger geworden waren. Und noch ein weiteres Mal kam es zu einer Veränderung, so wurde der Begriff der Rehabilitation in den Vereinsnamen aufgenommen. Brigitte Thiel: „Viele Patienten vermuteten beim Behindertensport keinen Rehasport.“ Eine grundsätzliche ärztliche Überwachung gibt es heute nicht mehr. Ein Vereinsarzt kann bei aufkommenden Fragen zu Rate gezogen werden, allerdings ist die Anwesenheit eines Mediziners bei der Herzsportgruppe noch zwingend erforderlich.

Die wohl größte Veränderung hat sich auf Verwaltungsebene ergeben. „Früher wurden für die Versehrten vom Landschaftsverband oder den Rentenversicherungen pro Teilnehmer Gelder bereit gestellt, und zwar ohne Zeitlimit und komplizierte Abrechnungen. Heute zahlen die Krankenkassen den Rehasport in der Regel einmalig für 50 Teilnahmen, die innerhalb von 18 Monaten erfolgen müssen. „Diese Abrechnungen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch, da die digitale Verarbeitung alleine noch nicht möglich ist und alles zusätzlich in Papierform eingereicht werden muss“, beschreibt Thiel das Problem. Die Geschichte des Vereins ist also noch nicht zu Ende geschrieben und Veränderungen wird es auch in Zukunft geben.

Erschienen am 27.11.2018 in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen.

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