10.12.2018: Rückblende (58) zum 10. Dezember 1978 – Hans-Jürgen Pauck wird überraschend zum Stadtdirektor gewählt

Das Bild zeigt Marie-Luise Recknagel bei der Stimmabgabe zur Wahl des Stadtdirektors am 10.12.1978. Foto: Kübach

(nob) Robert Zawada ist ein Mann der Hückeswagener Zeitgeschichte, allerdings ist er längst in Vergessenheit geraten und das hat einen Grund. Der Kämmerer aus der Gemeinde Tönisforst sollte 1978 eigentlich Stadtdirektor werden, doch daraus wurde nichts. Für Außenstehende vollkommen überraschend unterlag das ortsfremde CDU-Mitglied am 10. Dezember 1978 seinem einheimischen Gegenkandidaten Hans-Jürgen Pauck in einer Abstimmung des Stadtrats. Überraschend deswegen, weil Zawada der Kandidat war, dessen Partei im Stadtrat mit 18:15 die absolute Mehrheit der Mandate stellte. Doch nach Auszählung der geheimen Wahl hatte der Gegenkandidat der SPD 17 Stimmen bekommen und Zawada nur 16.

Was war passiert? Zwei CDU-Mitglieder hatten sich offensichtlich für den Kandidaten der Opposition entschieden. Die Christdemokraten wussten zwar, dass ein Fraktionsmitglied für Pauck stimmen würde, denn eine entsprechende Ankündigung erfolgte in einer vorhergehenden Fraktionssitzung. Dass jedoch noch ein zweites Mitglied die Seiten wechseln würde, hatte die Partei am Wahltag überrumpelt und sorgte nun für Unruhe.

In einer ersten Analyse machte der BM-Redakteur Udo Albiez unter anderem die Geheimniskrämerei des CDU-Fraktionsvorsitzenden Willi Brunsbach dafür verantwortlich, zumal ein auswärtiger Kandidat nominiert wurde, obwohl sich im konkreten Fall ein Hückeswagener anbot. Die CDU schoss öffentlich zurück und rügte Albiez für seinen Kommentar, da dieser erst „wenige Wochen Tätigkeit vor Ort“ nachweisen könne. Zudem wollte man einen Kandidaten haben, der nachweislich ein Fachmann und „unbeeinträchtigt von persönlichen Bindungen“ sei.

Am 17. Januar 1979 platzte dann die Bombe: Marie-Luise Recknagel, die seit 1975 Ratsmitglied war und im Vorfeld als eine von zwei Überläufern identifiziert wurde, wird aufgefordert, die Fraktion zu verlassen. Diese wehrt sich öffentlich und pocht darauf, dass es keinen Fraktionszwang gegeben habe. Tatsächlich war es der CDU aus Satzungsgründen in einem ersten Anlauf nicht gelungen, Recknagel auszuschließen.

In einem weiteren Leserbrief forderte eine Hückeswagenerin mit Bezugnahme auf Recknagels ostdeutschen Herkunft Thüringen den Rücktritt der Ratsfrau, da diese die CDU entgegen einer anfänglich gemachten Absichtserklärung nicht vertreten habe. Und die Eskalationsschraube dreht sich weiter: Friedhelm Schütte fordert unter Hinweis auf ein Demokratiedefizit öffentlich den Rücktritt des CDU-Ortsvorsitzenden Arno Biciste, den er als Schuldigen ausgemacht hatte. Ende Januar dann das letzte Kapitel: Es kam zum Fraktionsausschluss, dem sogar ein „öffentliches Redeverbot“ folgte. Jürgen Löwy war es schließlich, der nun in einem Leserbrief die Frage stellte: „Was passiert mit Andersdenkenden?“ Erneut musste sich die CDU rechtfertigen, was sie dann am 26. Januar 1979 mit einer Pressekonferenz tat. Tenor: Das Vertrauensverhältnis zwischen Fraktion und Recknagel sei schon zu Beginn zerstört gewesen. Zudem habe die Öffentlichkeit kein Recht „alles Schwebende zu erfahren“.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 10.12.2018.

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