09.02.2018: Rückblende (27) zum 9. Februar 1968 – Als das Farbfernsehen nach Hückeswagen kam

Inserat in der BM vom 9. Februar 1968.
Inserat in der BM vom 9. Februar 1968.

(nob) Es war ein komplett neues (Fern-)Sehgefühl: Die Olympischen Winterspiele von Grenoble in Farbe verfolgen zu können war Grund genug für den „Funk- und Fernsehberater Burghoff“ am 9. Februar 1968 in der Bergischen Morgenpost eigens eine Anzeige zu schalten: „Täglich während der Olympischen Winterspiele im Hotel zum Hofgarten“ hieß es im Inserat. Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals eine technische Revolution. Als Bundeskanzler Willy Brandt genau um 10:57 Uhr des 25. August 1967 auf der „Großen Deutschen Funkausstellung in Westberlin“ einen großen roten Taster (der eine Attrappe war) betätigte, wurde in den deutschen Wohnstuben aus dem Schwarz-Weiß-Bild ein farbiges. Vorausgesetzt es stand ein Farbfernseher in der Guten Stube, doch den hatten noch die Wenigsten.

Das Schaufenster von Elektro Burghoff an der Marktstraße zurzeit der Einführung des Farbfernsehgerätes um 1968.
Das Schaufenster von Elektro Burghoff an der Marktstraße zurzeit der Einführung des Farbfernsehgerätes um 1968.

Viele Monate zuvor begannen bundesweit die technischen Vorbereitungen: Pionier in Hückeswagen war Siegfried Burghoff, der in seinem bereits seit 1955 existierenden Geschäft an der Marktstraße nun derartige Geräte anbot. Der erste Farbfernseher der Firma Metz, heute Ausstellungsstück im Maschinenpark des Vereins „Drei-Städte-Depot“, kostete damals 2500 DM. Zum Vergleich: Ein nor-males Schwarz-Weiß-Gerät war 800 bis 1000 DM teuer. Beide Größenordnungen waren für die damaligen Verhältnisse ein stattliches Sümmchen.

Siegfried Burghoff erinnert sich: „Ich habe im Mai 1967 meinen ersten Farbfernseher-Lehrgang bei der Firma Philips in Hamburg absolviert, später war ich auch noch bei Grundig in Fürth.“ Im August 1967 kehrte Burghoff dann rechtzeitig aus dem Urlaub zurück, um beim großen Verkaufsstart im Laden stehen zu können.

In den Anfangsjahren galt die so genannte Konvergenz als großes technisches Problem. Es war notwendig, dass ein Fachmann nach dem ersten Aufstellen des Gerätes an 25 Reglern Einstellungen vornahm, weil je nach Standort unterschiedliche Magnetfelder auf das Gerät einwirkten. War die Justierung nicht ganz exakt oder wurde der Fernseher an einen anderen Platz gerückt, überlappten sich die mit dem Kathodenstrahl in der Röhre projizierten Grundfarben und das Bild wurde unansehnlich. Erst Mitte der 1970er-Jahre wurde das Problem gelöst. Viele Konsumenten hatten jedoch davon gar nichts mitbekommen, da sie erst später ein Farbgerät gekauft hatten.

Zu Beginn der Farbfernseh-Epoche konkurrierten drei Unternehmen um die Gunst der Kunden: Philips, Grundig und Metz. Burghoff hatte alle drei Marken im Laden stehen. Die Geräte arbeiteten mit dem bundesdeutschen Standard „PAL“, Frankreich und auch die DDR hingegen setzten auf „SECAM“. „Zu meinen ersten Kunden zählte Erich Sessinghaus und die Drogerie Zörner“, erinnert sich Siegfried Burghoff mit einem Lächeln. An die Olympia-Übertragungen hat er jedoch nur wenige Erinnerungen, allerdings arbeitete man mit dem Hofgarten öfters zusammen. Burghoff: „Wir haben dort in dem Saal des Hotels Verkaufsveranstaltungen gemacht, die waren sehr erfolgreich.“

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 8. Februar 2018, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/als-das-farbfernsehen-nach-hueckeswagen-kam-aid-1.7375806

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20.01.2018: Rückblende (25) zum 20. Januar 1968 – Möbel Happel zieht von Remscheid nach Hückeswagen ins Haus Zach

Möbel Happel am aktuellen Standort Industriestraße. 1997 zog man vom Haus Zach hier hin. Foto: N. Bangert
Möbel Happel am aktuellen Standort Industriestraße. 1997 zog man vom Haus Zach hier hin. Foto: N. Bangert

(nob) Eigentlich war Adolf Happel mit seinem Standort Burger Straße in Remscheid als solches ganz zufrieden. Das Geschäft lief gut und sein Sohn Werner war auch schon in den Betrieb integriert, obwohl er noch die Schulbank drücken musste. Wäre da nicht der Zustand des Gebäudes: Es waren nicht nur schon Wasserschäden vorhanden, auch regnete es hinein und der Vermieter hielt sich mit Investitionen auffallend zurück. „Mein Vater war ein Mann von schnellen Entschlüssen“, erinnert sich Werner Happel, der gegenwärtig die Geschicke des Unternehmens leitet, an das Geschehen. Kurzer Hand suchte der Senior eine neue Bleibe und rein zufällig stieß er in der Schloss-Stadt auf das Gebäude, das noch heute unter dem Namen „Haus Zach“ bekannt ist. Schließlich war es dann soweit. In einer BM-Anzeige kündigte der Inhaber zwei Tage vor dem großen Tag an: „Am Samstag dem 20. Januar eröffnet Möbel Happel in Hückeswagen, Islandstraße ein modernes Möbelhaus“.

Die Bergische Morgenpost widmete sich in einem Artikel einen Tag später dann noch ausführlicher der Eröffnung und vergaß auch nicht die Vergangenheit des Hauses zu schildern. Erbaut wurde das Geschäftshaus demnach von „Bergstede & Frerichs“. Nach einigen Besitzerwechseln folgte zuletzt das Kaufhaus Heka, bevor das dann bis 1968 eine längere Zeit leer stand. „Unseren neuen Vermieter Otto Zach kannten wie vorher nicht und der Umzug selber dauerte dann ein paar Wochen“, so Werner Happel. Erst später erfuhr er dann von der großen und stolzen Geschichte der Unternehmerfamilie Zach.

Doch auf welche Weise brachte nun Happel „Neues Leben ins alte Haus“, wie die BM damals titelte? Sowohl Erd- als auch Obergeschoss wurden renoviert und neu eingerichtet. Und das Vorhaben war ambitioniert, denn mit einer großen Auswahl wollte man sich in Hückeswagen vorstellen: Egal ob Wohn- oder Schlafzimmer, Klein- oder Polstermöbel, modern oder antik, alles sollte gezeigt werden. Während in der unteren Etage die Kleinmöbel wie Tische und die Teppiche Platz fanden, war der Ausstellungsbereich oben über die schöne Freitreppe zu erreichen.

Doch auch in der Schloss-Stadt musste das neue Unternehmen bald einen Strauß ausfechten. So wurde einige Zeit nach dem Umzug die Islandstraße aufgerissen, weil man diese zu einer Fußgängerzone umbauen wollte. Überall lagen plötzlich nur noch Bretter, die einen Zugang zum Geschäft mehr schlecht wie recht ermöglichten. „Daraufhin schaltete mein Vater eine Todesanzeige in der Zeitung, die vom Ableben des Geschäftsstandortes Islandstraße kündete. Am nächsten Tag wurde die Straße schnell wieder zu gemacht“, so Happel mit einem Lächeln.

Das Haus Zach sollte auch nur eine Durchgangsstation für die Firma sein, sie hat heute an der Industriestraße ihren Sitz. Und mit diesem Standort endet bis auf Weiteres der Zyklus der Standortwechsel, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem kleinen Textilhandel in der Nachbarstadt Remscheid begonnen hatte.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 19. Januar 2018, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/moebel-happel-zieht-es-von-remscheid-nach-hueckeswagen-ins-island-aid-1.7330877

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