23.05.2018: Rückblende (38) zum 23. Mai 1863 – Heinrich Gottfried Eschmann wird Bürgermeister der Stadtgemeinde

(nob) Schon Napoleon Bonaparte wusste: „Ruhm ist vergänglich aber unbedeutend sein ist für immer“. Natürlich bezog sich der französische Kaiser damals auf sich selbst und nicht etwa auf den Hückeswagener Bürgermeister Heinrich Gottfried Eschmann. Aber es würde passen: Eschmann war der erste Bürgermeister der Stadtgemeinde, die am 4. April 1859 entsprechende Rechte bekam und somit auch die Trennung von Stadt- und Landgemeinde zur Folge hatte. Seine Amtszeit war äußerst erfolgreich: So sorgte er dafür, dass 1863 erstmals ein Polizeidiener eingestellt wurde und die Gasbeleuchtung auf dem Stadtgebiet in Gang kam. 1866 weihte er das Marienhospital ein und unter seiner städtischen Regie bildete sich drei Jahre später die Feuerwehr. Vor allem aber trug er in Gesprächen mit den anderen Kommunen schon im Juli 1869 dazu bei, dass Hückeswagen ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde.

Umso erstaunlicher ist es, dass es zu Heinrich Gottfried Eschmann im Stadtarchiv nur eine dünne Akte gibt, die einen einzigen Zeitungsausschnitt in Form einer kurzen BM-Rückblende aus dem Jahr 1982 enthält. Auch ein Foto sucht man vergebens. Und während die Bürgermeisternamen Wirth, Hagenkötter oder Leyhausen auch Nicht-Historikern in Hückeswagen ein Begriff sind, kommt bei dem ersten Stadtgemeindevorsteher meistens die Antwort: „Eschmann? Kenn ich nicht!“

Überliefert ist eine in Teilen schwer verständliche Pressenotiz über seine Wahl am 23. Mai 1863. Verkürzt gesagt wurde Eschmann nur deshalb Bürgermeister, weil ein Anwärter namens Pütz aus Gummersbach einen Rückzieher machte, obwohl er bereits hoheitlich bestätigt war. So kam es, dass eben Eschmann und nicht Pütz zirka drei Wochen später am 14. Juni in das Amt eingeführt wurde. Wir erfahren noch, dass er aus Langerfeld stammt (bis 1922 eine selbständige Gemeinde, heute zu Wuppertal gehörend) und dass die Stadtverordneten mit Eschmanns Persönlichkeit, Charakter und Vorleben zufrieden waren.

Über seine politische Einstellung ist nicht viel bekannt, mutmaßlich muss man ihn dem wirtschaftsliberalen Flügel zurechnen. Im August 1867 unterstützte er in einem öffentlichen Aufruf, genauso wie sein Neuhückeswagener Amtskollege Julius Wilhelm Wirth, anlässlich einer Reichstagswahl den Kandidaten Ludolf Camphausen. Dieser wird in diesem Zusammenhang porträtiert und als gemäßigt liberal tituliert. Deutlich wird im weiteren Kontext, dass er im zu wählenden Reichstag die Interessen der Unternehmer vertreten soll.

Eschmann bleibt noch bis 1872 im Amt. Nach neun Jahren Tätigkeit wird Otto Paulussen sein Nachfolger.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 24. Mai 2018. URL: https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/eschmann-wird-buergermeister-der-stadtgemeinde_aid-22819153

01.10.2017: Rückblende (13) zum 1. Oktober 1997: Hauptamtlicher Bürgermeister fürs Rathaus

Manfred Vesper 2009
Manfred Vesper 2009

(nob) Die neue Zeit in Hückeswagen begann mit einem kleinen Drama. Weil ein Elektriker bei Reparaturarbeiten im Schloss eine Sicherung auswechselte und der Stromfluss kurzzeitig unterbrochen wurde, fiel die Programmierung der ultramodernen Kaffeemaschine des neuen hauptamtlichen Bürgermeisters Norbert Jörgens aus, so dass dieser seinen ersten Arbeitstag am 1. Oktober 1997 mit kaltem Kaffee beginnen musste. Alles andere als kalter Kaffee waren jedoch die wichtigen Dinge, die sich im Rathaus abspielten. Gemäß der neuen Kommunalverfassung 1994 sollte der Bürgermeister im September 1999 erstmals direkt vom Volk gewählt werden und nicht mehr durch den Stadtrat. Doch die Abschaffung der „Norddeutschen Ratsverfassung“ hatte noch weitere Folgen. So sollte eben spätestens bis zu diesem Stichtag auch die „kommunale Doppelspitze“ abgeschafft werden. Einen Stadtdirektor, der bisher die Verwaltung leitete und neben dem vom Stadtrat gewählten Bürgermeister die Geschicke der Stadt leitete, gab es nun nicht mehr.

In Hückeswagen erfolgte die Wahl des hauptamtlichen Bürgermeisters schon zwei Jahre zuvor am 1. Juli 1997 durch den Stadtrat, sein Amtsantritt dann drei Monate später am 1. Oktober. Wie war das möglich? Da die Kommunalverfassung bereits 1994 in Kraft trat und der Wahltermin 1999 gesetzt war, konnten die Kommunen nun selbst entscheiden, wann der genaue Zeitpunkt für den „System-Übergang“ erfolgen sollte. Da der bisherige Stadtdirektor Hans-Jürgen Pauck zum 1. Oktober 1997 in den Ruhestand ging, hätte theoretisch für eine Übergangszeit von knapp zwei Jahren ein neuer Stadtdirektor gewählt werden müssen. In der Schloss-Stadt machte man Nägel mit Köpfen: Zeitgleich mit der Pensionierung Paucks verzichtete Bürgermeister Manfred Vesper auf sein Amt, so dass der Weg für die Wahl eines „neuen Hauptamtlichen“ frei war. Da die Direktwahl jedoch noch zwei Jahre hin war, übernahm der Stadtrat am 1. Juli 1997 diese Aufgabe und entschied sich mit 30 von 37 Stimmen für den Wermelskirchener Norbert Jörgens. Dieser trat drei Monate später mit der Pensionierung Paucks sein Amt an. Vesper ist in der Rückschau zufrieden mit dem Systemwechsel. „In den größeren Städten gab es durch die manchmal unklaren Machtverhältnisse ein großes Konfliktpotenzial. Zwar war das bei uns kein Problem, doch in einer Befragung durch das Land stimmten wir kleinen Städte auch für die Reform“, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister. Für Politik und Bürger hätte dieser Wechsel jedoch Vor- und Nachteile. Einerseits hätten die Bürger mit dem „starken Bürgermeister“ als Ansprechpartner nun einen klaren Verantwortlichen, andererseits sei der Einfluss der Parteien und des Stadtrates gesunken. Vesper: „Insgesamt ist der heutige Zustand eine bessere Lösung.“

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 2. Oktober 2017, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/hauptamtlicher-buergermeister-fuers-rathaus-aid-1.7117694

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