05.06.2018: Rückblende (39) zum 4. Juni 1968 – Pfingstchaos an der Bever und ein geschlachtetes Rind

(nob) Ein scheint eine Art „Hückeswagener Naturgesetz“ zu sein: Immer an schönen Sommertagen und besonders zu Feiertagen bricht an der Bevertalsperre das Chaos aus. Zwar konnte eine im September 2004 gegründete „Ordnungspartnerschaft Bever-Talsperre“, an der der Wupperverband, die Städte Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth, das Regionalforstamt Bergisches Land, der Oberbergische Kreis, die Feuerwehr und die Polizei beteiligte sind, die Situation in den vergangenen Jahren entschärfen, doch immer noch bleibt genug zu tun.

Was allerdings der BM-Journalist Peter W. Schroeder an Pfingsten 1968 von der Bever berichtete, ist schon abenteuerlich genug obwohl „die große Invasion“, so der BM-Titel, aufgrund des durchwachsenen Wetters ausgeblieben war. Bereits am Samstag vor Pfingsten meldeten die Polizeibeamten an die Funkstreifenleitstelle der Kreispolizeibehörde: „Nichts geht mehr!“ Schuld war „das Nadelöhr Bundesstraße 237 in der Ortsdurchfahrt Hückeswagen“, dass für einen Rückstau bis hoch nach Kammerforsterhöhe sorgte. Nachdem der Verkehr auf eine Kreisstraße umgeleitet wurde, bekam die Polizei die Situation nach guten zwei Stunden in den Griff. Dass die Menschen damals im Straßenverkehr rücksichtsvoller gewesen wären als heute, kann man nach den Schilderungen Schroeders kaum glauben. So hagelte es gegenseitige Anzeigen von Fußgängern und Autofahrern, die sich wechselweise Rücksichtslosigkeit vorwarfen. In zwei weiteren Fällen musste sich jeweils ein Fußgänger auf dem Zebrastreifen mit einem Hechtsprung in Sicherheit bringen, weil es wartenden Autofahrern in der Autoschlange nicht schnell genug ging und zu rasanten Überholmanövern ansetzten.

Auch für die Diebe war die Bevertalsperre ein El Dorado: An einem parkenden Auto vor einer Gaststätte wurden kurzerhand die Halogenscheinwerfer abmontiert. Weiterhin liefen bei der Polizei Meldungen ein, wonach Vandalen Autoantennen und Scheibenwischer abbrachen.

Ein nahezu unglaublicher Zwischenfall ereignete sich an einem Hückeswagener Bauernhof, der in der Nähe der Bever lag. Unbekannte waren mit ihrem Fahrzeug dicht an das Gehöft herangefahren, stellten es dort ab und schlichen sich in die Stallungen. Unbemerkt führten sie ein sechs Monate altes Rind ins Freie, schlachteten das Tier noch auf dem Hof und verluden dann das Fleisch in ihren bereitstehenden Wagen! Wenige Minuten später waren sie in dem dichten Verkehrsgewühl zu Pfingsten, was die Viehräuber offenbar bewusst ausnutzten, verschwunden.

Diese Ereigniskette an einem leicht verregneten Pfingsten lässt erahnen, was in dieser Zeit los gewesen war, wenn es Kaiserwetter gab, vor 50 Jahren.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 5. Juni 2018, URL: https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/pfingstchaos-an-der-bever-und-ein-geschlachtetes-rind_aid-23216771

16.07.2017: Rückblende 16. Juli 2002 – Heute vor 15 Jahren: Belohnung für gestohlenen Adler auf dem Kriegermahnmal.

Montage des Adlers am 5. April 2010.
Montage des Adlers am 5. April 2010.

(nob) Ein Diebstahl der besonderen Art ereignete sich im Juli 2002 in der sonst meist so beschaulichen Schloss-Stadt. Für die Aufklärung dieser Tat, die tagelang für Gesprächsstoff in der Stadt sorgte, erreichte am 16. Juli 2002 die ortsansässige Presse eine Mitteilung eines Hückeswagener Unternehmens, die von Bürgermeister Norbert Jörgens übermittelt wurde. 500 Euro Belohnung hatte der Unternehmer Peter Recknagel ausgelobt, wenn es gelänge, den Adler wiederzubeschaffen, der vom kleinen Kriegermahnmal auf dem Bahnhofsplatz wenige Tage zuvor gestohlen wurde. Das ausgerechnet Peter Recknagel die Belohnung ausgesetzt hatte, war kein Zufall. Einer seiner Vorfahren gehörte zu den 24 Menschen, die in drei Kriegen des 19. Jahrhunderts ums Leben kamen und an die das Mahnmal erinnert.

Nachdem Deutschland den Krieg gegen das napoleonische Frankreich gewonnen hatte, wurden aus einer patriotischen Stimmung heraus überall im Land Denkmäler errichtet, so geschehen auch am 2. September 1875 in Hückeswagen. Ursprünglich befand sich auf dem Quader noch ein Sandsteinaufbau, der jedoch 1935 wegen schwerer Witterungsschäden abgebaut werden musste. Stattdessen wurde später der Bronzeadler, der zuvor auf dem Aufbau thronte, direkt auf den verbliebenen Quader gesetzt. Damit begann eine wechselvolle (Leidens-)Geschichte des Wappentieres. Ausgerechnet wenige Monate vor der 900-Jahr-Feier der Stadt wurde der Greiff 1984 erstmals durch Vandalen vom Sockel geholt und später in der Nähe des damaligen Bahnhofsgebäudes wiedergefunden. Im Herbst 1996 dann wurden Denkmal und Adler aufwändig restauriert, woran noch eine Plakette vor dem Quader erinnert. Schon damals hatte dies eine Spende durch die Firma Recknagel Präzisionsstahl möglich gemacht. Schließlich kam es dann im Juli 2002 zum besagten Diebstahl. Die ausgesetzte Belohnung führte nicht zum Erfolg, der Adler blieb verschwunden. Das vorerst letzte Kapitel in der Geschichte des Mahnmals wurde am 5. April 2010 geschrieben. Genau an diesem Tag installierte der Steinmetzbetrieb Schurg absolut diebstahlsicher einen „neuen“ Adler, nachdem zuvor sowohl der Bergische Geschichtsverein als auch erneut Peter Recknagel sich um einen Ersatz bemühten. Nachdem die Finanzierung stand und ein historisches Modell gefunden war, konnte im folgenden Monat bei der feierlichen Einweihung gemeldet werden: Der Adler ist gelandet.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost am 14. Juli 2017: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/belohnung-fuer-gestohlenen-adler-auf-kriegermahnmal-aid-1.6946893

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