20.08.2018: Rückblende (47) zum 20. August 2003 – Pilot stirbt nach Flugzeugabsturz in Hambüchen

Flugzeugabsturz am 20. August 2003 in Hambüchen, Foto Nico Hertgen für die Bergische Morgenpost, erneut publiziert am 28.08.2018 im Rahmen der BM-Rückblende.

(nob) Diesen Mittwochnachmittag im August des Jahres 2003 werden die Zeitzeugen soll schnell nicht vergessen. Es war gegen 14.45 Uhr, als einer von ihnen, der Anwohner Dieter Wurth auf dem Dierl, mit Arbeiten an seinem Haus beschäftigt war. Plötzlich tauchte ungewöhnlich dicht über dem Dach ein Kleinflugzeug mit einem Segler im Schlepptau auf. Nur zirka 20 Sekunden später war es auch schon passiert: Er hörte einen Knall. Nachdem er aufs Dach gestiegen war, sah er auf einem Feld in Hambüchen eine schwarze Rauchwolke emporziehen.

Vor 15 Jahren ereignete sich der bislang einzige in Hückeswagen bekannte Flugzeugabsturz zu Friedenszeiten. Der 73-jährige Pilot Heinz Spies verlor dabei sein Leben, und hinterließ trauernde Angehörige und Kameraden des Luftsportvereins Wipperfürth. Unterwegs war der Radevormwalder mit einer Maschine vom Typ „Robin DR 400/180R Remorqueur“. Er hatte zudem 600 Stunden Flugerfahrung, wobei er zirka 700 Starts absolvierte. Er wollte einen Segler, einen Amateurbau vom Typ „Condor IV/2“, in die Lüfte ziehen, wobei beide Maschinen aber kaum an Höhe gewannen. Nach dem Absturz des Motorflugzeugs auf einem Feld bei Hambüchen – der Segler hatte sich zuvor ausgeklinkt – brannte die Maschine aus und der Pilot starb am Unfallort. Die Feuerwehr war bereits wenige Minuten später zur Stelle, konnte aber nicht mehr viel ausrichten, da das Flugzeug im Wesentlichen aus Holz und Leinen bestand und so die Flammen schnell Nahrung fanden.

Spies gehörte einer Seniorengruppe des Vereins an, die sich in regelmäßigen Abständen traf. Er war in der Regel derjenige, der mit dem Motorflugzeug den Segler in die Höhe zog.

Auch die Tage danach wurde über die Ursachen des Absturzes gerätselt. Einen Notruf hatte der Pilot zumindest nicht abgesetzt. In der Zwischenzeit waren Sachverständige herbeigeeilt, um die Überreste der Maschine in einer Halle in Wipperfürth zu untersuchen. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vermerkt später in seinem Bericht, dass der Pilot plötzlich an Höhe verlor und das Flugzeug unkontrolliert in Rückenlage aufschlug. Die eigentliche Unfallursache wird aber auch in diesem wohl abschließenden Report nicht erwähnt.

Im Segelflieger saß ein 64-jähriger Mann aus Leichlingen. Dieser hatte eine so genannte Außenlandung nahe der Neye-Kapelle vollzogen, nachdem ihm klar wurde, dass das Fluggerät nicht genügend Thermik für einen normalen Landeanflug in Neye bekommen würde. Ein solches Flugmanöver wird von Segelflugpiloten regelmäßig trainiert.

Bei den Anwohnern löste der tödliche Absturz indes Besorgnis aus, nicht nur in Dierl, sondern auch in Kobeshofen oder Stahlschmidtsbrücke. Allerdings handelte es sich bei dem Kurs der Unglücksmaschine damals nicht um eine normale Route. Der Pilot wich nur deswegen ab, weil er nicht genug an Höhe gewann.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 28. August 2018.