04.04.2018: Rückblende (34) zum 4. April 1968 – Der NS-Verfolgte Klaus-Heinrich Carl ist gestorben

Klaus-Heinrich Carl. Fotografie aus dem Bergischen Volksboten vom 30.12.1952.

Nur kurz ging vor 50 Jahren die ortsansässige Zeitung auf das Schicksal des in Hückeswagen aufgewachsenen Klaus-Heinrich Carl ein. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit den Nationalsozialisten verbrachte der Sohn des Rektors Matthias Carl, der in der Katholischen Stadtschule wirkte, einige Zeit in einem Konzentrationslager.

(nob) Es ist eine Geschichte, die sich in den 1930er- und 1940er-Jahren im Bergischen Land so oder ähnlich unzählige Male im Verborgenen abgespielt hatte. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgten in der Regel die NS-Täter bei den späteren Prozessen in Nürnberg oder der Rückblick auf spektakuläre Zwischenfälle, wie etwa den Hückeswagener Kommunistenmorden im Jahr 1932. Das stille Leiden der vielen Opfer hingegen vollzog sich im Privatbereich. Eine Passage in einem Nachruf der Bergischen Morgenpost vom 8. April 1968 anlässlich des Todes des Hückeswageners Klaus-Heinrich Carl am 4. April 1968 lässt daher aufhorchen: „Die Nationalsozialisten verhafteten ihn wegen einiger Meinungsäußerungen und brachten ihn in einem Konzentrationslager unter in dem er schwere Zeiten durchstehen musste.“

Im Kontrast hierzu steht ein Zeitungsartikel im Bergischen Volksboten vom 30. Dezember 1952 anlässlich des Abschiedes aus Burscheid, wo Carl seit 1947 als Vikar tätig war. Es sei „aus der Kriegsgefangenschaft in Ägypten“ gekommen, hieß es dort. Die KZ-Haft wird jedoch mit keinem Wort erwähnt, wohl aber „harte, hinter ihm liegende Zeiten“. Diesem Kartell des Schweigens nach dem Zweiten Weltkrieg rund um die Vorgänge in den Konzentrationslagern vergrößerte nur noch das Leiden der Überlebenden. Richter, Juristen und Politiker, aber auch Journalisten, Beamte sowie Menschen aus vielen andere Schichten der Gesellschaft kehrten diese Dinge unter den Teppich. Erst mit den Auschwitz-Prozessen kam gesellschaftlich etwas in Bewegung und ein schmerzhafter Konflikt der Generationen brach sich Bahn. Die Fragen: „Warum?“ und „Was wusstet ihr?“ wurden zum Schrecken so mancher Menschen aus der Täter- und Mitläufer-Generation.

Wer war nun Klaus-Heinrich Carl? Er wurde am 6. Juli 1911 in Hückeswagen geboren. Er war der Sohn des Rektors Matthias Carl, der viele Jahrzehnte an der katholischen Stadtschule (heute Löwen-Grundschule) wirkte. Klaus-Heinrich Carl verbrachte seine Jugendzeit in Hückeswagen. 1939 wurde er nach dem theologischen Studium im Hohen Dom zu Köln zum Priester geweiht und seine Primiz (erste Messe) feierte er in seinem Heimatort. Seine erste Kaplanstelle erhielt er in St. Wendel an der Saar. Aber nur kurze Zeit konnte er hier seines Amtes walten: Die Nationalsozialisten verhafteten ihn wegen einiger (nicht näher ausgeführten) Meinungsäußerungen und brachten ihn in ein (ebenfalls nicht näher bezeichnetes) Konzentrationslager. Inwiefern die Haft im KZ und die Kriegsgefangenschaft in Ägypten im Zusammenhang stehen, lässt sich aus den bisher vorliegenden Informationen nicht rekonstruieren. Am 1. April 1947 jedenfalls trat der Hückeswagener als Vikar eine Stelle in Burscheid an und verbliebt dort bis Weihnachten 1952. Von dort ging es weiter zur Gemeinde St. Antonius in Essen-Frohnhausen. Die letzte berufliche Station war die Berufung als Pfarrrektor nach Westerhausen, wo er 1968 an einem Gehirnschlag starb.

Info: In Hückeswagen oder Burscheid liegt bisher kein Aufsatz, etwa eine Kurz-Biografie über den Geistlichen Klaus-Heinrich Carl vor. In den beim Prälaten und bekannten Historiker Helmut Moll vorliegenden Verzeichnissen, der schon seit vielen Jahre im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz das Leben der katholischen Märtyrer des NS-Reiches untersucht, wird er unter Nikolaus-Heinrich Carl geführt.

Erschienen in gekürzter Fassung in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 21. April 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/klaus-heinrich-carl-stirbt-aid-1.7528043

 

10.12.2017: Rückblende (22) zum 10. Dezember 1967 – Pastor Burkhard Moos tritt sein Amt an

Pastor Burkhard Moos bei seiner Amtseinführung 1967.
Pastor Burkhard Moos bei seiner Amtseinführung 1967.

(nob) Es war genau der 10. Dezember 1967, als Heinrich Pohl vom Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt dem neuen Pfarrer Burkhard Moos „viele Jahre erfolgreichen Wirkens“ wünschte. Was Pohl bei der Feierstunde damals im „Parktheater“ noch nicht wissen konnte: 13 Jahre sollten es für den damals 39-jährigen Geistlichen werden und damit einige Amtsjahre weniger, als sein beliebter Vorgänger Gerhard Rottlaender, der zum 1. Oktober 1967 in den Ruhestand ging. In den späteren Porträts wird man Moos‘ Verdienste um den Bau der St.-Katharina-Kapelle in Wiehagen würdigen. Erinnert wird dann auch an sein freundliches Wesen mit einer angenehmen Stimme sowie an das bis zu seinem Tod im September 2011 gute Verhältnis zu Schwester Theogonia, die er stets als „Goldstück“ bezeichnete.

BM-Journalist Theo Dörpinghaus beschrieb den Tag der Amtseinführung in einer poetischen Anwandlung als einen, wo sich die Stadt „im winterlichen Gewand“ befindet und von „der Wintersonne bestrahlt“ wird. Zunächst gab es eine Prozession vom Schulplatz der katholischen Stadtschule (heute Löwen-Grundschule) zur Pfarrkirche. Vorweg gingen Fahnenabordnungen der kirchlichen Vereine.

Historisch interessant ist der Akt der Schlüsselübergabe vor der Kirchentür. Symbolisch übernahm Moos die Schlüsselgewalt über die Pfarrkirche, wobei gemäß „kirchlichem Brauch“ ein längerer Spruch aufgesagt wurde, der mit den Worten „Nimm hin die Schlüssel dieser Kirche…“ begann. Bereits im Gotteshaus warteten zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen auch eine große Abordnung aus seiner ehemaligen Wirkungsstätte Alfter bei Bonn. Diese ließen ihn, das wurde bei der anschließenden Feierstunde deutlich, nach fünfjährigem Wirken nur sehr ungern ziehen. Als weiteres Element der Amtseinführung schloss sich die Überreichung der Ernennungsurkunde an, die vor den Stufen des Altars verlesen wurde und von Kardinal Joseph Frings ausgestellt war.

Bei der sich anschließenden weltlichen Feierstunde im Parktheater fiel vor allem der vielköpfige Kirchenchor aus Alfter auf, der einen „Hymnus“ (feierlicher Lobgesang) darbot. Großen Beifall registrierte der Beobachter Theo Dörpinghaus, als ein Dechant aus Remscheid sich zu einem Vergleich der Mentalitäten hinreißen ließ. Er stellte fest, dass der neue Pfarrer „von der Riviera bei Bonn in die kalten Zonen des bergischen Winters“ gekommen sei. Die Menschen seien so rau wie das Klima, es sei aber nur die raue Schale für den guten Kern“. Nun wusste Burkhard Moos also Bescheid. Und der bedankte sich mit einer Formulierung, die fast eine Retourkutsche hätte sein können: „Ich habe mit Freude von der Bereitschaft der Mitarbeit von Laien gehört. Ich werde mich zu gegebener Zeit darauf berufen!“

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 11. Dezember 2017. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/vor-50-jahren-trat-pastor-burkhard-moos-sein-amt-an-aid-1.7257077

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