01.09.2017: Rückblende (10) zum 1. September 1967 – Deutsche Meisterschaften im Kleingolf an der Bachstraße

Die Kleingolfanlage an der Bachstraße. Foto: Edith Gerhards.
Die Kleingolfanlage an der Bachstraße. Foto: Edith Gerhards.

(nob) Das war schon ein großer Bahnhof, der da am Abend des 2. September 1967 im Schlosshotel stattfand. Bürgermeister Josef Hackenbruch und Stadtdirektor Günter Kröning war gekommen, um den aus ganz Deutschland versammelten Freizeitsportlern die Ehre zu geben. Aus Ludwigshafen, Schifferstadt, Minden und weiteren Städten waren sie am Tag zuvor angereist, um die Wettkämpfe der 5. Deutschen Meisterschaften im Kleingolf zu beginnen.

Ort des Geschehens war die heute nicht mehr existierende und aus 18 Bahnen bestehende Anlage an der Bachstraße direkt neben der ehemaligen Gaststätte „Wichsdose“. Der ursprünglich aus 15 Bahnen bestehende Kurs, dessen Eigentümer die Familie Gerhards war, die auch die Gaststätte betrieb, musste im Vorfeld um drei Bahnen erweitert werden. Nur so konnte die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften ermöglicht werden.

Vier Jahre zuvor, am 29. Juni 1963, war die Bahn eröffnet worden. Damit einherging auch die Gründung des Kleingolf-Clubs Hückeswagen 1963. Noch bis April 1983 war die Anlage an der Bachstraße Spielort, bevor der neue Rundkurs im Brunsbachtal nahe der Mehrzweckhalle eröffnet wurde.
Von den glorreichen Meisterschaftszeiten verkünden Erinnerungen der Zeitzeugen, Bilder, Zeitungsartikel, ein umfangreiches Programmheft und das kleine Büdchen im Garten der Familie Gerhards.

Das Team des Kleingolf-Clubs Hückeswagen 1963 bei der Deutschen Meisterschaft. Foto: Edith Gerhards.
Das Team des Kleingolf-Clubs Hückeswagen 1963 bei der Deutschen Meisterschaft. Foto: Edith Gerhards.

Gekämpft wurde 1967 um Einzeltitel, aber auch um die Mannschaftsmeisterschaft der Herren und Damen. Junioren und Juniorinnen ermittelten ebenfalls ihre Besten. Insgesamt 140 Teilnehmer tummelten sich auf dem relativ engen Streifen zu Füßen von Marktstraße und Pauluskirche. Theo Dörpinghaus, der damals für die Bergische Morgenpost berichtete, schrieb, dass diese Bahn „bis dato noch niemals so viele Schläge hat hinnehmen müssen“. Tatsächlich wurde von Freitag bis Sonntag ununterbrochen gespielt.

Schirmherren der Veranstaltung waren Hückeswagens Bürgermeister und Stadtdirektor, deren Stadt vom Allgemeinen Deutschen Kleingolf-Sportverband als Spielort auserkoren worden war. Schlachtruf der Aktiven war ein „dreifach gut Schlag“, mit dem bei der Siegerehrung alle Förderer und Sponsoren symbolisch geehrt wurden.

Aus Hückeswagener Sicht war Edith Gerhards vom gastgebenden Team die positive Überraschung: Sie holte bei den Juniorinnen den Deutschen Meistertitel. Der MGC Ludwigshafen, der als Mannschaftsmeister anrückte, konnte zwar seine Titel bei den Damen verteidigen, musste sich bei den Herren allerdings dem MGV Wuppertal-Nordpark geschlagen geben. Goldmedaillen und Urkunden erinnern die Sieger noch heute an eine für Hückeswagen denkwürdige Veranstaltung.

Die Bedeutung des Bahnengolfs

Die Golfanlage an der Bachstraße.
Die Golfanlage an der Bachstraße.

Der seit 1963 unter dem Oberbegriff „Bahnengolf“ geführte Sport ist gegenwärtig eher ein reiner Freizeitspaß. Ein Indiz für den höheren Stellenwert vor 50 Jahren ist der hochoffizielle Charakter der Minigolf-DM. Ein Standardwerk aus dem Jahr 2002 von Michael Seiz macht deutlich, dass durchaus der Anspruch vorhanden war, diese Art des Golfens als Leistungssport anzusehen.

Diese Ambivalenz bestätigt auch die damalige Juniorenmeisterin Edith Gerhards in einem Gespräch mit unserem BM-Mitarbeiter. So gab es viele Erwachsene, die in festen Verbandsstrukturen wirkten. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, darunter die Hückeswagenerin, setzten jedoch andere Prioritäten. „Für uns standen Spaß und Geselligkeit im Vordergrund, wenngleich wir natürlich als Team nach dem Sieg strebten“, berichtet Gerhards. „Verbissenheit gab es bei uns nicht, und auch mit der Bekleidung nahmen wir es etwas lockerer.“

Allerdings gab es auch Spieler, die mit umfangreich ausgestatteten Spielkoffern anreisten, in denen sich verschiedene Schläger und Bälle befanden. Und für alle waren Grundkenntnisse über das Material, zum Beispiel die Elastizität des Balles, die Beschaffenheit der Bahn oder das Fachvokabular Pflicht.

Und noch etwas fällt auf: Die Rede war immer vom Kleingolfsport, und der ausrichtende Verein war der Kleingolf-Club Hückeswagen 1963. Wie dem Standardwerk zu entnehmen ist, herrschte Anfang der 60er-Jahre eine Art babylonische Begriffsverwirrung: „Mini-„, „Miniatur-„, „Stern-„, „Cobi-“ oder „Kleingolf“ lauteten die Bezeichnungen, die 1963 dann unter dem Oberbegriff „Bahnengolf“ zusammengefasst wurden. Es gab fast ebenso viele Namen wie Verbände, wobei der Verband, der die Meisterschaften in Hückeswagen ausrichtete, eher einer der kleineren war. Dass dann auch noch die Bahnen von unterschiedlicher Beschaffenheit und Normierung waren, fiel schon bald nicht mehr ins Gewicht.

Die beiden Artikel sind am 9. September 2017 in der Bergischen Morgenpost erschienen:

  • http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/deutsche-meisterschaften-im-kleingolf-an-bachstrasse-aid-1.7069233
  • http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/die-bedeutung-des-minigolfs-aid-1.7069232

20170909-rueckblende-deutsche-meisterschaften-kleingolf