11.06.2006 (Artikel-Archiv BM): 50 Jahre Stadtsportverband Hückeswagen

(nob)  „The final Countdown“ spielte das Schulorchester der Realschule Hückeswagen am Samstagmittag bei einem Empfang im Festsaal des Kolpinghauses. Doch nach dem Willen der Gastgeber soll es nicht die letzte Feier gewesen sein, denn der Stadtsportverband Hückeswagen will es bei 50 Jahren Stadtsportverband – das war der Anlass – nicht belassen. Weitere 50 Jahre wünschten sich die Ehrengäste bei ihrem Grußworten.

Den Anfang einer ganzen Reihe von Festreden und Grußworten machte der Vorsitzende Jürgen Löwy, der mit einer Krawatte in Orange zur Feierstunde erschien. Ganz im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft stellte er launig klar: „Ich bin natürlich nicht für Holland sondern für Deutschland!“ Überhaupt wurden fast alle Reden humorvoll vorgetragen, während von draußen die Musik von einer Bühne auf dem gerade beginnenden Hückeswagener Handwerkermarkt hereindrang.

Löwy stellte vor allem die Dynamik des Stadtsportverbandes heraus. „Der SSV hat sich immer wieder erneuert. Alte Vereine wie der Motorsportverein sind verschwunden, neue dafür entstanden.“

Besonders stolz ist der Vorsitzende über die Weihnachtsfeier für Menschen mit Behinderten die seit 1975 regelmäßig einmal im Jahr stattfindet. „Ein besonderer Dank geht hier einmal an Hella Krumm, die sich seit dieser Zeit unentwegt darum bemüht“, sagte Jürgen Löwy unter dem großen Applaus.

An die anwesenden Vertreter aus Politik und Verwaltung appellierte der Vorsitzende: „Wenn der Pakt für den Sport ernst gemeint ist, dürfen sie nicht ernsthaft darüber nachdenken, das Hallenbad zu schließen. 1.400 Sportler würden dadurch auf der Stelle heimatlos.“ Der Stadtsportverband sei bereit, an der Finanzierung mitzuwirken und seinen Beitrag dazu zu leisten.

Bürgermeister Uwe Ufer ging bei seinem Grußwort nicht auf die Forderung Löwys ein, betonte aber: „Ohne die Sportvereine mit seinem Angebot wäre das Sozialleben in Hückeswagen ein Katastrophe.“

Die stellvertretende Landrätin des Oberbergischen Kreises stellte in ihrer Ansprache heraus, dass der Stadtsportverband der älteste Verband seiner Art im Kreis sei. Sie bedankte sich mit einer Geldspende an den Hückeswagener Dachverband.

Der Kreissportbund-Vorsitzende Wolfgang Schuldner bemängelte, dass die Vereine in ihrer täglichen Arbeit durch neue Anforderungen fast überrollt werden und bat die Politik um Hilfe. „Der Breitensport hat noch keine Lobby“. Auch warnte er vor einem „Bazillus“, der immer mehr Menschen in Deutschland dazu bringen würde, ein Ehrenamt aus Bequemlichkeit abzulehnen.

Zum Abschluss kam das Gründungs- und Ehrenmitglied Ernst Müller zu Wort, der so einige Anekdoten aus der Anfangszeit zum Besten gab. So sei es dem ersten Vorsitzenden Heinrich Bergfeld gelungen, drei Jahre lang geheim zu halten, dass er nicht nur Vorsitzender des ATV sondern auch in Stadtverwaltung tätig war.

Info:
Der Stadtsportverband wurde am 9. August 1956 mit zehn Vereinen gegründet, die zusammengerechnet 1.700 Mitglieder in ihren Listen zählte. Heute sind es 5.200 Mitglieder, davon sind 1.850 Mitglieder unter 18 Jahren. Insgesamt gibt es zirka 200 unterschiedliche Übungsgruppen. Anlässlich des Jubiläums wurde auch eine Festschrift herausgegeben, in der unter anderem alle Vorsitzenden und eine kleine Chronik abgedruckt sind.

27.06.2017: Rückblende 27. Juni 1997: Der Dachdeckerbetrieb Riemer bezieht ein Lager im Stall der ehemaligen Ruhmeshalle.

Die Firma Riemer vor der ehemaligen Ruhmeshalle.
Die Firma Riemer vor der ehemaligen Ruhmeshalle.

(nob) Der schmucke weiße T4-Pritschenwagen, der ganze Stolz des Handwerksbetriebs, fährt am Lager vor. Die Brüder Frank und Thomas Riemer steigen aus, richten noch einmal ihre Dachdeckerkluft und betreten dann erstmals das Gebäude im Brunsbachtal. So oder ähnlich könnte es sich abgespielt haben am 27. Juni 1997, als das Hückeswagener Unternehmen die Räume bezieht. Später im Jahr 2006 wird dann Frank Riemer in einem Interview augenzwinkernd verkünden, dass in jenem Bauwerk, „im Lager Zur Ruhmeshalle“ im Sommer durchweg gearbeitet werde, aufräumen könne man auch noch im Winter. Dementsprechend werden sie damals auch kaum Zeit gehabt haben, den sprichwörtlichen Atem der Geschichte zu spüren, der zweifelsohne durch die Gemäuer weht. Handelt es sich dabei doch um das Überbleibsel eines Gebäudeensembles, in dessen Festsaal über viele Jahrzehnte rauschende Feste und großartige Konzerte gegeben wurden. Es muss ein prächtiger Saal gewesen sein mit einem Rundbogenfenster und einem Laubengang. Angeblich hat ein patriotisch gesinnter Gastwirt in Gedenken an die Freiheitskriege den Namen Ruhmeshalle sinniert, so die immer etwas mit Vorsicht zu genießende Aussage des Heimatforschers Wilhelm Blankertz.

Doch wo befand sich die Gaststätte genau? Sie war an der heutigen B 237 in Höhe des Kfz-Meisterbetriebs Heimchen, wo ab der Einmündung „Zum Sportzentrum“ stadtauswärts die Bundesstraße heute noch die Bezeichnung Ruhmeshalle trägt. Überhaupt haben alles Wissenswerte die Autoren Ingo Darvin und Hella Krumm in zwei Leiw Heukeshoven-Artikeln zusammengetragen. Darvin erwähnt die Existenz der Gaststätte vor 1830 und einen Gastwirt namens Heinrich Schmidt, weiterhin Eduard Schmidt, der dort bis 1925 tätig war. Krumm geht detaillierter auf die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Sie hebt die wichtige Rolle des rührigen Gastwirtes, Pferdeliebhabers und Plattkallers Willi Bever hervor, der im August 1995 starb. Wichtig ist zu wissen, dass die Ruhmeshalle aus mehreren Gebäuden bestand: Festsaal, gegenüberliegendem Gasthaus, Reithalle und Stallungen. Der Festsaal brannte im Jahr 1974 nieder, wobei er schon zu diesem Zeitpunkt nur noch als Unterstellraum diente. Die Reithalle wurde bereits im Jahr 1954 abgebrochen. Übrig blieb der Stall, der schließlich zu einem Lager umgebaut wurde und dann am besagten Tag im Jahr 1997 von den Brüdern Riemer bezogen wurde. Den T4 gibt es nicht mehr, nach 260.000 Kilometern hatte er seine Dienste eingestellt, Und auch das Lagergebäude wird bald Geschichte sein, wenn die aktuellen Planungen von der Politik bestätigt werden. Auf dem Areal der ehemaligen Gaststätte soll eine neue Feuerwache gebaut werden. „Mitte nächsten Jahres ist hier Schluss und wir suchen zurzeit in Hückeswagen einen neuen Standort, so Frank Riemer. Spätestens dann werden die letzten Spuren der Ruhmeshalle beseitigt sein.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost am 21. Juni 2017: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/dachdecker-bezieht-lager-in-ehemaligen-ruhmeshalle-aid-1.6894752

20170621-rueckblende-dachdecker-bezieht-lager-ruhmeshalle