06.09.2018: Rückblende (48) zum 6. September 1968 – Der Abriss von Kolls Ecke beginnt

Kolls Ecke in der Ansicht vor 1968.

 

(nob) Die 1960er-Jahre waren allgemein dafür bekannt, dass man in Bezug auf den Abriss alter Häuser relativ schmerzfrei war. Unabhängig von der Stadtkernsanierung in Hückeswagen wurden historisch bedeutende Bauten schnell dem Erdboden gleich gemacht, falls sie den immer breiter werdenden Straßen im Weg waren. Eines dieser Häuser war Kolls Ecke. Nach Meinung von Rat und Verwaltung stellte diese einfach nur eine Sichtbehinderung und Gefährdung für den Verkehr dar. Und der Berichterstatter schreibt am 6. September 1968 in der Bergischen Morgenpost in Bezug auf den Abriss fast erwartungsvoll: „Lange kann es nicht mehr dauern.“ Tatsächlich waren die letzten Mieter ausgezogen und das Schaufenster mit Brettern vernagelt. In der zweiten Oktoberhälfte war dann das Zerstörungswerk fast erledigt.

Kolls Ecke war nicht irgendein Haus. Schon der Name hat sich im Volksmund durchgesetzt und er diente bei der Stadtverwaltung als feststehende Ortsangabe für den Kreuzungsbereich Lindenbergstraße/Friedrichstraße/Bachstraße unterhalb der heutigen Stadtbibliothek. Noch heute ist der Begriff vielen Hückeswagenern geläufig, wenngleich die Erinnerung so langsam verblasst.

Folgt man dem Heimatforscher Arno Paffrath, war 1834 in dem Haus Franz Steinkäuler ansässig, der dort eine Weinwirtschaft betrieb. Historische Bedeutung erlangte das Gebäude, weil dort von 1842 bis zum 22. Februar 1879 die Poststation untergebracht war, bevor sie an den „Stricks Platz“ (Wilhelmsplatz) verlegt wurde. Steinkäuler wurde Postmeister und das Gebäude fortan „Posthaus“ oder später dann „alte Post“ genannt.

Der eigentliche Namensgeber von Kolls Ecke war Friedrich Wilhelm Koll, der im Jahr 1905 auf den Plan trat. Er kaufte das Anwesen und richtete dort sein Polster- und Dekorationsgeschäft ein. Vier Jahre später kam es dann zur Katastrophe: Am 16. Dezember 1909 – Koll hatte noch am Tag zuvor für das Weihnachtsgeschäft geworben – brannte es bis auf die Außenmauern nieder. Doch er gab nicht auf. Größer und architektonisch ansprechender ließ er es im Jahr 1910 dreigeschossig wiederaufbauen, wobei die Gebäudeecke hin zum Kreuzungsbereich abgerundet wurde. Der verrohrte Brunsbach verlief interessanterweise unter dem Haus.

Bis 1936 blieb Koll ansässig, bis der nächste berühmte Hückeswagener einzog: Wilhelm Distelmeier, später FDP-Ratsmitglied und Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins, verlegte sein Lebensmittelgeschäft von der Bachstraße 2 in Kolls Ecke. Noch bis 1968 wurde es noch unter anderem von Heinrich Menke und Herbert Mörl als Geschäft genutzt, bevor der Beschluss zum Abriss fiel, um einer neuen Verkehrsführung der Lindenbergstraße Platz zu machen.

Info: Hella Krumm hat die Geschichte von Kolls Ecke in Leiw Heukeshoven Nr. 45 zusammengefasst, unabhängig dazu berichtete Arno Paffrath aus der Entstehungszeit. Umfangreiches Material inklusive eines Lageplans zur Verdeutlichung befindet sich im Stadtarchiv.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 6.9.2018. 

 

15.09.2017: Rückblende (11) zum 15. September 1997: Heike Wnuk eröffnet Postagentur in Wiehagen

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(nob) Die Jahre um 1997 waren für die Deutsche Post AG so etwas wie eine Zeitenwende: Unrentable Filialen des Unternehmens wurden geschlossen. Stattdessen wurden Postagenturen eingerichtet, die meistens in kleinen Geschäften, wie Lottoagenturen oder Schreibwarenläden, unterkamen. Heute ist das etwas ganz Normales, doch damals war das fast bundesweit eine Neuigkeit. „Ich erinnere mich noch, wie Post-Mitarbeiter auf uns zukamen und fragten, ob wir uns das vorstellen können“, sagt Heike Wnuk in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Nach einer längeren Phase des Nachdenkens und Abwägens entschloss sich die aus Chemnitz stammende Geschäftsfrau und Inhaberin eines Lotto-Geschäftes im mittlerweile abgerissenen Hochhaus Wiehagener Straße 43 dazu, diesen Schritt zu gehen. Die alte Verkaufstheke kam in den Keller, und die neue Posttheke wurde installiert. Ansonsten blieb fast alles, wie es zuvor war. Am 15. September 1997 und zwei Tage, nachdem die einen Steinwurf entfernt liegende Postfiliale am Brunnenweg geschlossen worden war, ging es los. Die knapp erscheinende Einarbeitungszeit von 14 Tagen war für Heike Wnuk kein Problem. „Eine Mitarbeiterin der Post stand uns zur Seite und hat uns die Dinge erklärt und notfalls unter die Arme gegriffen“, erinnert sie sich.

Die BM berichtete einen Monat vorher am 15. August 1997 über die geplante Eröffnung. Pressesprecher Johannes Webe stellte dabei den Vorteil heraus, dass die Gesamtöffnungszeit pro Woche sich nun von 24 auf 45 Stunden erhöhen würde. Im Fachjargon der Post hieß dieses Konzept damals „Verbundeinkauf“.
Was heutzutage mehr oder weniger Hauptgeschäft ist, war damals noch ein äußerst geringer Anteil. „Diesbezüglich fing es mit einer kleinen Postbox und einer Hand voll Paketen an“, sagt Wnuk. Was damals nur wenige ahnten: Aufgrund des zunehmenden Onlinehandels explodierte in den Jahren danach das Paketvolumen in einem unvorstellbaren Ausmaß. Das führte im Übrigen auch dazu, dass der alte Standort an der Wiehagener Straße schnell an die Kapazitätsgrenze kam. „Es war einfach kein Platz. Und dann die vielen Stufen, die die Kunden, aber auch die Postzusteller selber laufen mussten“, berichtet Wnuk. Am 28. Oktober 2003 ging es schließlich „nach oben“ an die Straßenecke Altenberger Straße/Wiehagener Straße. Dort standen auch im ausreichenden Maße Parkplätze zur Verfügung.

Mittlerweile hat sich die Technik weiterentwickelt, und das nicht nur im Postwesen. Heike Wnuk: „Den dreiteiligen Lottoschein, bei dem man im Kopf den Preis ausrechnen musste, gibt es nicht mehr. Mit der Technik kann man alles Mögliche machen, und auch der Euro-Jackpot wurde eingeführt.“ Und dann wendet sie sich einem Kunden zu, der eine Frage zu einem Handy loswerden will. Wieder ist es jemand mit einem „Verbundeinkauf“.

Diese Rückblende ist am 15. September 2017 in der Bergischen Morgenpost erschienen. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/heike-wnuk-eroeffnet-postagentur-in-wiehagen-aid-1.7079405

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