27.06.2017: Rückblende 27. Juni 1997: Der Dachdeckerbetrieb Riemer bezieht ein Lager im Stall der ehemaligen Ruhmeshalle.

Die Firma Riemer vor der ehemaligen Ruhmeshalle.
Die Firma Riemer vor der ehemaligen Ruhmeshalle.

(nob) Der schmucke weiße T4-Pritschenwagen, der ganze Stolz des Handwerksbetriebs, fährt am Lager vor. Die Brüder Frank und Thomas Riemer steigen aus, richten noch einmal ihre Dachdeckerkluft und betreten dann erstmals das Gebäude im Brunsbachtal. So oder ähnlich könnte es sich abgespielt haben am 27. Juni 1997, als das Hückeswagener Unternehmen die Räume bezieht. Später im Jahr 2006 wird dann Frank Riemer in einem Interview augenzwinkernd verkünden, dass in jenem Bauwerk, „im Lager Zur Ruhmeshalle“ im Sommer durchweg gearbeitet werde, aufräumen könne man auch noch im Winter. Dementsprechend werden sie damals auch kaum Zeit gehabt haben, den sprichwörtlichen Atem der Geschichte zu spüren, der zweifelsohne durch die Gemäuer weht. Handelt es sich dabei doch um das Überbleibsel eines Gebäudeensembles, in dessen Festsaal über viele Jahrzehnte rauschende Feste und großartige Konzerte gegeben wurden. Es muss ein prächtiger Saal gewesen sein mit einem Rundbogenfenster und einem Laubengang. Angeblich hat ein patriotisch gesinnter Gastwirt in Gedenken an die Freiheitskriege den Namen Ruhmeshalle sinniert, so die immer etwas mit Vorsicht zu genießende Aussage des Heimatforschers Wilhelm Blankertz.

Doch wo befand sich die Gaststätte genau? Sie war an der heutigen B 237 in Höhe des Kfz-Meisterbetriebs Heimchen, wo ab der Einmündung „Zum Sportzentrum“ stadtauswärts die Bundesstraße heute noch die Bezeichnung Ruhmeshalle trägt. Überhaupt haben alles Wissenswerte die Autoren Ingo Darvin und Hella Krumm in zwei Leiw Heukeshoven-Artikeln zusammengetragen. Darvin erwähnt die Existenz der Gaststätte vor 1830 und einen Gastwirt namens Heinrich Schmidt, weiterhin Eduard Schmidt, der dort bis 1925 tätig war. Krumm geht detaillierter auf die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Sie hebt die wichtige Rolle des rührigen Gastwirtes, Pferdeliebhabers und Plattkallers Willi Bever hervor, der im August 1995 starb. Wichtig ist zu wissen, dass die Ruhmeshalle aus mehreren Gebäuden bestand: Festsaal, gegenüberliegendem Gasthaus, Reithalle und Stallungen. Der Festsaal brannte im Jahr 1974 nieder, wobei er schon zu diesem Zeitpunkt nur noch als Unterstellraum diente. Die Reithalle wurde bereits im Jahr 1954 abgebrochen. Übrig blieb der Stall, der schließlich zu einem Lager umgebaut wurde und dann am besagten Tag im Jahr 1997 von den Brüdern Riemer bezogen wurde. Den T4 gibt es nicht mehr, nach 260.000 Kilometern hatte er seine Dienste eingestellt, Und auch das Lagergebäude wird bald Geschichte sein, wenn die aktuellen Planungen von der Politik bestätigt werden. Auf dem Areal der ehemaligen Gaststätte soll eine neue Feuerwache gebaut werden. „Mitte nächsten Jahres ist hier Schluss und wir suchen zurzeit in Hückeswagen einen neuen Standort, so Frank Riemer. Spätestens dann werden die letzten Spuren der Ruhmeshalle beseitigt sein.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost am 21. Juni 2017: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/dachdecker-bezieht-lager-in-ehemaligen-ruhmeshalle-aid-1.6894752

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