18.06.2018: Rückblende (40) zum 18. Juni 1968 – Stadtrat beschließt Grundzüge der Stadtsanierung

Der Plan zeigt ein geplantes Geschäftszentrum im Goethetal, das nie zustande gekommen ist. Foto: BM vom 11.12.1965.

(nob) Als am 18. Juni 1968 die Ratsmitglieder ihre Hände für eine Abstimmung erhoben, machte es den Eindruck einer wichtigen, aber eher routinierten Entscheidung. Das Gremium hatte soeben die Grundzüge für die Stadtkernsanierung beschlossen. Zuvor gemachte Einzelbeschlüsse wurden gebündelt, damit die Stadt einen Bebauungsplan aufstellen konnte. Doch der Eindruck täuschte: Die Ereignisse im Vorfeld und besonders die in der ersten Jahreshälfte 1965 waren ein Stück aus dem politischen Tollhaus und wohl bis heute in dieser Form einzigartig in der Geschichte der Stadt.

Was war passiert? In aller Stille hatte die Stadt 1964 den Architekten und Stadtplaner Drecker damit beauftragt, einen Entwurf für das Vorhaben zu fertigen. Seitens des Rates waren lediglich fünf Stadtverordnete in einem Ausschuss beteiligt. Dessen Existenz war zwar bekannt, aber ansonsten tagte man nichtöffentlich. Diese fast geräuschlose Arbeit dauerte noch bis zum 28. Januar 1965 an. An diesem Tag sollte der Rat – natürlich nichtöffentlich – über den Sachstand informiert werden. Als jedoch das FDP-Ratsmitglied Wilhelm Distelmeier eine öffentliche Debatte forderte, sein Ansinnen aber von CDU und SPD abgelehnt wurde, fiel der Startschuss für einen „heißen Frühling“ in der Schloss-Stadt. Immer neue Vermutung und Spekulationen wurden an den Stammtischen geäußert und durch die Geheimniskrämerei der Stadt in Kombination mit einer lokal befeuerten überregionalen Berichterstattung eskalierte die Diskussion. Vom „kompletten Abriss der Altstadt“ war die Rede. Man sprach von einem „teuflischen Plan“ sowie einer „Kulturschande und -vergewaltigung“. Die Krönung und die Spitze der Rhetorik war dann der öffentliche Vorwurf, dass man im Geheimen die „Aktion Bombenteppich“ plane. Alles das, was der Krieg nicht geschafft habe, sollte nun durch eine Sanierung erledigt werden.

In einer legendären Bürgerversammlung der CDU im Hofgarten am 15. Juli 1965, die zunächst komplett zu eskalieren drohte, kam die Wende. Bernhard Lampen, Fraktionschef der CDU, erklärte, dass es einen solchen Plan nicht geben würde und man alle im Rat am Erhalt des Stadtkerns interessiert sei. Zwar wurde der Dreckert-Plan noch am 9. Dezember 1965 im Stadtrat vorgestellt, doch der Architekt wurde 1966 durch den Dipl. Ing. Zlonicky abgelöst. Später räumten die Beteiligten dahingehend einen Fehler ein, dass man Dreckert für die Entwurfsplanung freie Hand gelassen und keine Vorgaben gemacht habe.

Mit dem Ratsbeschluss vom 18. Juni 1968 wurde dann auch auf ein neues Stadtzentrum im Bereich des Goethetals verzichtet. Im Gegenteil, es sollte die Altstadt als Zentrum erhalten bleiben, damit dort nicht eine reine Wohnbebauung übrig bleibe. Kernstück der Sanierung wurde der Bau der Goethestraße, weiterhin die Verbreiterung des Schmittweges. Verzichtet wurde auch auf eine Verbreiterung der Bongardstraße, die als Zufahrtsstraße zum Schloss dienen sollte. Die Marktstraße blieb unangetastet und die Islandstraße wurde in eine Fußgängerzone umgewandelt.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 20. Juni 2018.