30.10.2017: Rückblende (15) zum 30. Oktober 1947 – Das Wilhelm-Millowitsch-Ensemble im Hofgarten

Programmheft vom 30.10.1947 vom Auftritt des Wilhelm-Millowitsch-Ensembles im Hofgarten.
Programmheft vom 30.10.1947 vom Auftritt des Wilhelm-Millowitsch-Ensembles im Hofgarten.

(nob) Dank der beiden Geschichtsvereine BGV und BZG ist das 20. Jahrhundert in Hückeswagen recht gut dokumentiert und erforscht. Doch es gibt immer wieder Dokumente, die Historiker oder Ein-heimische in Erstaunen versetzen und die noch nicht genauer untersucht wurden. So existiert ein Programmheft eines Theaterauftritts vom 30. Oktober 1947, wonach das „Wilhelm-Millowitsch-Ensemble“ die Komödie „Im Nachtjackenviertel“ im Hofgarten aufführte. Es war eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der „Körperbehinderten, Sozialrentner und Hinterbliebenen“, eine Formulierung, die an den VdK erinnert, der allerdings nicht genannt wird.

Dieses Zeugnis der Zeitgeschichte widersetzt sich zunächst hartnäckig einer ersten Recherche: Die lokalen Zeitungsbände von 1947 existieren zumindest im Stadtarchiv nicht mehr, womit schon frühere Chronisten zu kämpfen hatten. Schon der Titel „Nachtjackenviertel“ klingt für uns fremd und steht nicht zufällig auf einer Liste vom Aussterben bedrohter Wörter. Früher bezeichnete man mit dem Begriff ein unattraktives Wohnviertel mit Hinterhöfen. Die Handlung spielt im Jahr 1926. Eine Erbschaft sorgt in einem armen Wohnviertel für Unruhe und allerlei Rivalitäten. Der Erbe kann zudem dieses nur antreten, wenn er ein Jahr lang dem Alkohol und der Faulenzerei entsagt. Stoff genug also für eine turbulente Komödie, denn das Umfeld des Erbes hat das Ziel, dass der Hauptprotagonist an der Aufgabe scheitern möge.

Da es von dem Stück mehrere Bearbeitungen gibt, die zeitlich einen großen Abstand voneinander haben, kann es sich nur um die Version der Autoren Hans Lorenz und Wilhelm Wroost aus dem Jahr 1933 handeln. Ursprünglich stammt das Stück aus dem Jahr 1909 aus der Feder von Theodor Francke.

Die Besetzungsliste lässt zunächst aufhorchen, immerhin spielten drei Familienmitglieder mit. Stand etwa Willy Millowitsch persönlich im Hofgarten auf der Bühne? Erst eine genaue Recherche, unter anderem in der Millowitsch-Biografie von Dorothea Renckhoff aus dem Jahr 1996, gibt einige Antworten. Da Willys Vater Peter Wilhelm bereits 1945 gestorben war, kann es sich 1947 nur um den weniger bekannten Onkel Wilhelm handeln. Auch Wilhelms Schwester Hilde Fuchs-Millowitsch spielt mit, ebenso Mia Millowitsch. Alle weiteren Schauspieler des Stückes erlangten – vielleicht mit Ausnahme von Ully Engel – weniger große Bekanntheit.

Trotz der mutmaßlichen Abwesenheit des Theaterchefs Willy ist der Auftritt bemerkenswert. Der Hofgarten wurde spätestens nach Gründung der Kulturgemeinde 1951 durch den weltbekannten Tänzer Joachim von Seewitz ein kulturelles Epizentrum der Region. Allerdings fällt die Einordnung der Bedeutung des Ensembles von Willys Onkel Wilhelm schwer. Vielleicht ein Fall für Theaterhistoriker, denn die Geschichte der weitläufigen Millowitsch-Dynastie füllt im Rheinland ganze Bücher.

Artikel erschienen in gekürzter Fassung in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 3. November 2017. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/wilhelm-millowitsch-ensemble-tritt-im-hofgarten-auf-aid-1.7179266

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