09.03.2019: Rückblende (66) zum 9. März 1839 – Das Ringen um das Andenken von Maria Zanders

Ein Porträt von Maria Zanders, veröffentlicht in „Köppe ut Heukeshoven“ Kalender des Jahres 1980, Archiv Bangert.

(nob) Nur den wenigsten Persönlichkeiten ist es vergönnt, über viele Generationen hinweg in Erinnerung zu bleiben. Herrscher aus der Frühen Neuzeit beispielsweise wähnten sich im ewigen Ruhm und sind doch heute vergessen, gleiches gilt für lokale Berühmtheiten. Und dann sind es die folgenden Generationen, die versuchen, gegen das Vergessen anzukämpfen.

Ein solcher Fall ist Maria Zanders, die am 9. März 2019 ihren 180 Geburtstag gefeiert hätte. Ihr Geburtshaus steht in Hückeswagen und trägt die Adresse Marktstraße 25. Sie war die Tochter des Tuchfabrikanten-Ehepaars Julius und Charlotte Johanny und wurde in einem vornehmen Düsseldorfer Pensionat erzogen. Aus der Kindheit in Hückeswagen wird berichtet, dass sie vom Großvater oder ihren Onkeln zu dem sonntäglichen Stammtisch in der Gaststädte Krone mitgenommen wurde und dieser durch ihre drolligen Einfälle belebt wurde.

Sie heiratete 1857 im Alter von 18 Jahren den Papierfabrikanten Carl Richard Zanders aus Bergisch Gladbach. Nach dem Tod ihres Mannes 1870 – er hinterließ drei kleine Kinder – führte Maria Zanders sein Werk als Unternehmerin fort. Von 1873 bis 1874 ließ sie sich nach Entwürfen des Architekten Hermann Otto Pflaume eine repräsentative Villa errichten, die heute in Bergisch Gladbach „Maria-Zanders-Haus“ oder auch „Villa Zanders“ genannt wird. In ihrem gastfreundlichen Heim verkehrten bedeutende Künstler und Gelehrte, unter ihnen der Komponist Max Bruch oder die Schriftstellerin Anna Caspary, die sie zum Teil auch förderte. Maria Zanders ist zudem Mitbegründerin des Altenberger Dom-Vereins und trug so maßgeblich zum Erhalt des berühmten bergischen Gotteshauses bei.

Obwohl sie lediglich ihre Kindheit in Hückeswagen verbrachte, wurden in der Schloss-Stadt erhebliche Anstrengungen unternommen, die Erinnerung an sie zu bewahren. Nachdem am 25. Mai 1963 an ihrem Geburtshaus eine Gedenktafel durch den BGV enthüllt wurde, erfolgte im Jahr 1968 die Benennung einer Straße nach ihr. Und am 16. Dezember 2011 beschloss der Rat der Stadt Hückeswagen nach einem vorhergehenden Wettbewerb und Prüfung einer Jury, die geplante (aber nicht realisierte) Sekundarschule „Maria-Zanders-Schule“ zu nennen. In der Begründung damals hieß es, dass das Leben und Wirken von Maria Zanders auch die neue Schule prägen soll. Man wolle an die enge Verzahnung von Industrie und Familie, sozialem Engagement und Menschlichkeit anknüpfen und den Schülern diese Werte vermitteln.

Weniger angestrengt hat man sich jedoch bei Carola Lepping. Die Literaturpreisträgerin und Schöpferin einer ehrenamtlichen Bibliothek, die zudem mehr als ihr halbes Leben in Hückeswagen verbrachte, blieb bis heute ohne Straßen- oder Gebäudebenennung. Immerhin erhielt sie 2008 den über die FDP-Grenzen hinweg viel beachteten Liberalen Bürgerpreis.

Was sind nun die Gründe, um längerfristig im Gedächtnis einer städtischen Gesellschaft hängen zu bleiben? Auf jeden Fall braucht man Fürsprecher und die hatte Maria Zanders zweifelsohne, zudem dürfte das begüterte Haus kein Hindernis gewesen sein. Und nicht zuletzt war sie eine Frau, die sich in der Männerwelt des 19. Jahrhunderts durchgesetzt hat. Vielleicht ist mit größerem zeitlichem Abstand betrachtet dieses die eigentliche Leistung. Denn auch 2019, 180 Jahre nach Maria Zanders, ringen Frauen immer noch um Chancengleichheit und gleiche Bezahlung.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen,  9. März 2019

Ein Gedanke zu „09.03.2019: Rückblende (66) zum 9. März 1839 – Das Ringen um das Andenken von Maria Zanders“

  1. Wobei man sagen muss, das die nach ihr benannte Straße eine kleine Sackgassenstraße im oberen Bereich der Lindenberstraße ist, die wohl kaum einer kennt.

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