29.03.2019: Rückblende (68) zum 29. März 1974 – Hückeswagener Rat will in den Oberbergischen Kreis

Das Foto zeigt wahrscheinlich CDU-Mitglieder und Vertreter des Rheinisch-Bergischen Kreises in Bergisch Gladbach.

(nob) Die endgültige Entscheidung, war es zwar noch nicht, jedoch geschah am 29. März 1974 im Rat der Stadt eine wichtige Weichenstellung. Das oberste Gremium von Hückeswagen entschied sich mit den 14 Stimmen von CDU und FDP, einen Beitritt zum Oberbergischen Kreis anzustreben, während die 12 SPD-Ratsmitglieder für den Rheinisch-Bergischen Kreis votierten. Zuvor hatte der nordrhein-westfälische Innenminister Willi Weyer die Stadt- und Gemeinderäte der betroffenen Kommunen aufgefordert, eine Stellungnahme zur anstehenden Neuordnung im Rahmen der Kommunalen Gebietsreform abzugeben, die in einem Entwurf und zwei Varianten vom 1. März 1974 vorlag. Zu diesem Zeitpunkt war nur klar, dass Hückeswagen eine selbstständige Gemeinde bleiben würde.

In der Rückschau wissen wir, dass dann tatsächlich am 5. November 1974 das „Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Köln“, kurz „Köln-Gesetz“ genannt, verabschiedet wurde und am 1. Januar 1975 in Kraft trat. Fortan war Opladen nicht mehr der Verwaltungssitz der Kreisbehörde, da der Rhein-Wupper-Kreis aufgelöst wurde: Das KfZ-Kennzeichen „OP“ verschwand aus dem Straßenbild und das „GM“ für Gummersbach verbreitete sich. Schmerzlich dürfte aus Sicht von Hückeswagen der Verlust von Bergisch Born gewesen sein, das nun nach Remscheid eingemeindet wurde.

Ungeachtet aller Folgen lohnt sich ein Blick zurück auf die Motiv- und Gefühlslage der damals politisch Handelnden. Warum entschieden sich einige für Oberberg, die anderen für Rhein-Berg? Nun haben wird das Glück, dass ein Ratsprotokoll die einzelnen Motive genau auflistet und auch der BM-Journalist Lothar Kaiser gab seine Eindrücke wieder.

Willi Brunsbach von der CDU sprach auch im Namen der FDP und begründete das gemeinsame Eintreten für Oberberg unter anderen damit, dass die zukünftigen Gemeinden etwa gleich groß seien, eine „Mentalitätsähnlichkeit“ bestehe, man dem Naturpark Bergisch Land angehöre und die Autobahnplanungen günstiger seien. Zu Letzterem muss man wissen, dass seinerzeit die Bundesautobahn 54 geplant war, die von Remscheid über Radevormwald nach Halver verlaufen sollte, aber niemals realisiert wurde.

Helmut Müller von der SPD führte in der Sitzung dann seine Argumente für einen Beitritt zum Rheinisch-Bergischen Kreis auf, die in erster Linie wirtschaftliche Gesichtspunkte beinhaltete. Und ergänzend gab er dann den be-merkenswerten Satz zu Protokoll: „Wir befinden uns dann mit den gleichen Nachbarn in einem Kreis (Anmerkung: Wie bei dem dann aufgelösten Rhein-Wupper-Kreis) und entgehen darüber hinaus der Gefahr mit Wipperfürth zusammengemeindet zu werden.“ Ganz offenbar gab es zwischen CDU und SPD verschiedene Sichtweisen, wie denn Wipperfürth zu bewerten ist. Während Brunsbach eine Mentalitätsähnlichkeit sieht, rückt der SPD-Mann die Gefahren in den Vordergrund. Kein Problem Letzterer aber damit, dass Wermelskirchen einige Kreisfunktionen bekommen würde, vielmehr sei dies „günstig für Hückeswagen“. Im Übrigen trieb das Stichwort Wipperfürth auch Helmut Ptock Schweißperlen auf die Stirn, denn auch er wusste zu berichten, dass die Nachbarstadt eine „kommunale Zusammenarbeit“ plane, die möglicherweise die Eingemeindung nach sich ziehen könnte.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 29. März 2019.

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