17.02.2019: Rückblende (64) zum 17. Februar 2004 – Der FC 04 Hückeswagen wird gegründet

Das Logo des FC 04 Hückeswagen.

(nob) Eingeweihte Eltern, Fußballfunktionäre und Fans wussten schon länger, was sich am 17. Februar 2004 ereignet hatte. Doch es dauerte noch weitere drei Monate, bis der breiten Öffentlichkeit in einem Pressegespräch verkündet wurde: Es gibt einen neuen Fußballverein in Hückeswagen. Die BM titelte sodann am 15. Mai: „Eltern-Initiative FC 04“. Schon die Schlagzeile machte deutlich, wo nach Meinung der Vereinsgründer im Hückeswagener Fußball der Hase im Pfeffer lag: Es galt Initiative zu ergreifen, denn die Elternschaft von zirka 20 Kindern, vorwiegend aus der Bambini-Elf, fühlten sich bei ihrem Stammverein RSV 09 nicht mehr richtig aufgehoben. Mit Kritik hielten sich der Gründungsvorsitzende Frank Jeschke, sein Stellvertreter Marcus Uppmann und Kassenwart Michael Czogalla bei ihrem ersten offiziellen Statement zurück. Deutlich wurde aber, dass es mit den Trainingsbedingungen, der internen Vereinskommunikation und der Organisation nicht zum Besten stand.

Anders und besser sollte alles werden und eine altersgerechte, attraktive und sportliche Alternative entstehen. Und die Startphase ließ sich vielversprechend an: Der junge Verein verzeichnete einen hohen Zustrom von Kindern und Jugendlichen, sogar ein komplettes Jugendteam wechselte zum FC 04. Dem Verein gelang es kurzfristig sogar, ein Mädchenteam zu etablieren. Zudem war das Konzept klar auf den Jugendfußball ausgerichtet. Ein Seniorenteam war anfangs nicht geplant, wurde allerdings auch nicht ausgeschlossen.

Angesichts der Aktivitäten verfiel man beim RSV 09 jedoch nicht in Schockstarre. Indirekt angefeuert durch die rührigen Eltern intensivierte nun auch der Raspo seine Bemühungen. Beide Vereine schafften es gemeinsam, die Anzahl der aktiven Kinder im Hückeswagener Fußball deutlich zu erhöhen, so wie es in den Zielen der Gründer auch angedacht war. Die immer wieder gestellte Frage, ob denn die Schloss-Stadt wirk-lich zwei Jugendvereine brauchen würde, wurde sozusagen auf den Platz beantwortet.

Alles wurde also gut? Mitnichten! Orts-Chronisten müssen 15 Jahre später emotionslos feststellen: Den RSV 09 gibt es immer noch, den FC 04 nicht mehr. Dafür spielt mit dem SC Heide ein komplett neuer Verein auf der Schnabelsmühle, der in seiner Gründungsgeschichte in keiner Weise mit dem FC 04 zu vergleichen ist.

Im Jahr 2016 wurde der FC 04 Hückeswagen mangels Aktiver abgewickelt. Irgendwann in diesem Zeit-raum ging die Anfangseuphorie verloren und mit ihr das stringente Konzept der Gründer, das den systematischen Aufbau von Jugendteams vorsah. Stattdessen wurde ein Seniorenteam gegründet, einem „normalen Fußballverein“ immer ähnlicher. Der Begriff „Eltern-Initiative“ hatte schon lange ausgedient. Um 2015 setzte dann ein rasanter Verfall ein und der Verein implodierte regelrecht. Der FC 04 Hückeswagen war zwölf Jahre nach seiner Gründung Geschichte.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 16.02.2019.

09.01.2019: Rückblende (61) zum 9. Januar 2004 – Meisterchor „Quartettverein Rheingold“ löst sich auf

Der Meisterchor „Quartett-Verein Rheingold“ tritt 1981 in der Hückeswagener Hauptschule auf. Foto: Stadtarchiv.

(nob) Das Maß aller Dinge für den Meisterchor „Quartett-Verein Rheingold“ schrieben die Gründungsmitglieder am 6. Oktober 1921 in die Satzung: Der Verein „bezweckt den Männergesang zu pflegen. […] Es können […] nur ausgesprochene Sänger mit gutem Stimmmaterial als [aktives] Mitglied aufgenommen werden.“ Etwas mehr als 82 Jahre später, am 15. Januar 2004, teilt der Vorsitzende Rolf Kottsieper in einem Pressegespräch mit: „Der Sängerschwund führt nun dazu, dass der Chor dem eigenen Anspruch an hohe musikalische Qualität nicht mehr genügen kann.“ Er sei daher am 9. Januar mit der erforderlichen Stimmenmehrheit auf einer Mitgliederversammlung aufgelöst worden. Ob Absicht oder nicht, der damalige BM-Mitarbeiter und Musik-Koryphäe der Schloss-Stadt Franz Mostert verwendet ebenfalls den Begriff „Maß“ und stellt in einem Zwischenruf für die BM am gleichen Tag fest: „Rheingold und Mittelmaß passen nicht zusammen.“

Ganz offenbar hatte man bei der letzten Mitgliederversammlung in der Geschichte des Vereins keine Öffentlichkeit zugelassen, so dass Zeitzeugen von außerhalb nicht zugegen waren. Folgt man den Worten von Kottsieper, hatte es an diesem Abend des 9. Januar eine lange und teils auch stark emotional geführte Diskussion gegeben, die der Vorsitzende auf dem Pressegespräch mit den Worten kommentierte: „Es war eine sehr traurige Veranstaltung“.

Auslöser der sehr konsequent erfolgten Auflösung war der starke Mitgliederrückgang. So war innerhalb von nur fünf Jahren die Anzahl der Sänger von 43 im Jahr 1999 auf zuletzt 21 gesunken. Die Stagnation setzte bereits 1991 ein, als die Statistik 44 Sänger aufführte. Zu diesem Zeitpunkt war der Vorstand allerdings noch zuversichtlich, obwohl damals schon das Chorsterben auf überregionaler Ebene ein Thema war. In einem Gespräch mit dem BM-Redakteur Stephan Büllesbach sagte der damalige Vorsitzende Friedrich Heinze: „Wir sind ein Verein, der sich glücklich schätzen kann, so viele Jugendliche zu haben.“ Das Durchschnittsalter lag noch bei 47 Jahren, was im Vergleich zu anderen Chören mit gleichem Anspruch ein recht guter Wert war.

Alles hat nichts genutzt und für die ruhmreiche Vergangenheit konnte sich der Chor nichts kaufen. Konzertübertragungen im WDR, Teilnahme an Bundessängerfesten und die fünffache Auszeichnung als Bundesmeisterchor standen auf der Habenseite. Die ARD machte 1986 sogar ein Fernsehporträt und die Mitglieder tourten durch ganz Europa. Selbst im heimischen Karneval war der Rheingold neben der Kolpingsfamilie nicht wegzudenken. Es ist viel geschrieben worden über den Meisterchor und die Erinnerung ist durch den Erhalt des Nachlasses im BGV-Archiv und vor allem durch die Rheingold-Frauen, die sich immer noch regelmäßig treffen, quicklebendig. Doch das Maß aller Dinge waren eben nur „ausgesprochene Sänger mit gutem Stimmmaterial“. Die vielen Pokale an der Wand können leider nicht singen

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 9.1.2019.