03.04.2018: Rückblende 3. April 1888 – Der „Gute Hirte“ Gerhard Rottlaender wird geboren

Pfarrer Gerhard Rottlaender, Bild Stadtarchiv Hückeswagen.

(nob) Der „Gute Hirte“ ist ein feststehender biblischer Begriff und steht heute nicht nur als Synonym für Jesus Christus, sondern auch für einen herausragenden Geistlichen. Der BM-Journalist Theo Dörpinghaus bezeichnete in einem Nachruf vom Februar 1972 den katholischen Pfarrer Gerhard Rottlaender als einen solchen und wenn man sich sein Wirken in Hückeswagen betrachtet durchaus zurecht.

Rottlaender wurde am 3. April 1888 als fünftes von acht Kindern in einer Arbeiterfamilie in Engelskirchen geboren. Trotzdem besuchte er das Humanistische Gymnasium in Krefeld, wo er im Frühjahr 1909 sein Abitur ablegte. Zum Studium der Theologie und der Philosophie besuchte er drei Jahre die Universität in Bonn, anschließend absolvierte er zwei Semester am Priesterseminar in Köln. Im Hohen Dom zu Köln erhielt Gerhard Rottlaender schließlich am 15. Februar 1913 die Priesterweihe.

Mit frischen Weihen und im Alter von 24 Jahren kam er dann nach Hückeswagen, wo er vom 1. März 1913 bis 1925 das Amt eines Vikars bekleidete. Direkt in seiner Anfangszeit wurde er 1914 bei einer Pfarrer-Vakanz kurzzeitig Pfarrverweser, bis Pfarrer Friedrich Uerlichs als Nachfolger von Joseph Heil das Leitungsamt der St. Mariä Himmelfahrt-Pfarrgemeinde übernahm.

Besondere Verdienste erwarb er sich als Präses im Gesellenverein (heute Kolpingsfamilie), wo er sich leidenschaftlich der Theatergruppe widmete. Auch gründete er ein Tambourcorps.

Im Jahre 1925 endete die erste Phase seines Wirkens in Hückeswagen, denn er wurde als Pfarrrektor und später als Pfarrer nach Bergneustadt versetzt. Ende 1936 übernahm er die Gemeinde „St. Severin“ in Lindlar, aber schon im April 1937 kehrte er nach Hückeswagen zurück, dieses Mal als Pfarrer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt sein Engagement dem Umbau der Katholische Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, der Erweiterung und der Modernisierung des Marienhospitals und dem Bau der „Kapelle Maria zur Mühlen“. In einem Nachruf wird vor allem seine Rolle als Kuratoriumsvorsitzender des Krankenhauses gewürdigt, da er wohl einen Sinn fürs kaufmännische entwickelte. Möglich wurde so der Bau eines neuen Schwesternhauses und eines Personalhauses.

Im Jahr 1955 ließ er für die Gemeinde in Voraussicht von steigenden Mitgliedszahlen ein Grundstück in Wiehagen erwerben, wo später die St. Katharina-Kapelle mit einem Gemeindezentrum entstand.

Zum 1. Oktober 1967 ging Rottlaender in den Ruhestand, wobei er mit einem feierlichen Hochamt verabschiedet wurde. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm Joseph Kardinal Frings den kirchlichen Ehrentitel „Erzbischöflicher Rat“.

Der Geistliche blieb in Hückeswagen wohnen, wo er in einem Schieferhäuschen an der Weierbachstraße seinen Lebensabend verbrachte. Noch bis zu seinem Tod am 3. Februar 1972 arbeitete er als Seelsorger im Marienhospital und kümmerte sich aufopferungsvoll um die Kranken. Sein diamantenes Priesterjubiläum, das Mitte Februar 1972 gefeiert werden sollte, durfte er nicht mehr erleben.

URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/der-gute-hirte-von-hueckeswagen-wird-geboren-aid-1.7505888, erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 11. April 2018.

05.04.2018: Rückblende 5. April 1868 – In Herweg wird ein Nebengebäude für die Landschule errichtet

Die ehemalige Schule Herweg am 8.3.2018. Foto: N. Bangert.
Die ehemalige Schule Herweg am 8.3.2018. Foto: N. Bangert.

(nob) Die ehemalige Schule Herweg, dessen Kerngebäude 1816/17 errichtet wurde, war wohl die renommierteste Landschule auf dem heutigen Stadtgebiet. Zu verdanken hatte sie diesen Ruf dem Lehrer Heinrich Wilhelm Dortkampf, dem seine Schüler noch viele Jahre nach seinem Tod (1863) ein Denkmal gesetzt hatten. Unter seiner Leitung von 1843 bis 1862 blühte die Schule derart auf, dass Schüler nicht nur aus den benachbarten Schulbezirken, sondern sogar aus Rheinland und Westfalen zu ihm geschickt wurden. Noch heute ist das gut erhaltene und ansehnliche Gebäude in Neuenherweg zu bestaunen, wo sich auch das Denkmal des Dorflehrers befindet.

Ein wichtiger Schritt, die eine der Grundlagen für den späteren Bedeutungszuwachs bildete, war der Bau eines Nebengebäudes im Jahr 1868. Nur in einem Gebäude, das den damaligen Anforderungen einigermaßen gerecht wurde, konnte auch ein guter Unterricht gedeihen. In der Ausgabe vom 1. April der Bergischen Volkszeitung, dem Vorgänger der Bergischen Morgenpost, heißt es wörtlich: „Zu Herweg sollen ein Schulhaus-Anbau, sowie ein neues Stallgebäude, verbunden mit einer Retirade erbaut – und die zu 1600 Thlr. veranschlagte Arbeiten im Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die Vergantungs-Bedingungen nebst Plänen und Kosten-Anschlägen liegen im Amtslokale des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Unternehmungslustige wollen ihre schriftlichen Offerten versiegelt bis spätestens Montag den 6. k. Mts. bei mir einreichen. Die Eröffnung der eingegangenen Offerten findet am Dienstag, den 7. k. Mts. April, Vormittags 10 Uhr, in meinem Amtslokale statt. Hückeswagen, den 27. März 1868. Der Bürgermeister Wirth.“

Die Ausschreibung zeigt sehr schön, wie sich innerhalb von 150 Jahren Sprache verändern kann. Mit „Retirade“ ist eine Toilette gemeint, eine „Submission“ ist das veraltete Wort für eine Ausschreibung und „Vergantungs-Bedingungen“ sind die Konditionen für die Vergabe des Auftrages nach den Prinzipien des Höchstgebotes. Und mit „Unternehmungslustigen“ sind nicht etwa vergnügungssüchtigen Wochenendausflügler gemeint, sondern mögliche Auftragnehmer.

Die Bezeichnung „Hückeswagen“ in dieser Ausschreibung ist schlichtweg ein Irrtum. Julius Wilhelm Wirth war 1868 Bürgermeister von Neuhückeswagen, wie die Landgemeinde bezeichnet wurde, und nicht der Stadtgemeinde Hückeswagen. Das „Amtslokal“, von dem die Rede ist, befand sich im heutigen Gebäude Rader Straße, wo sich einst die Verwaltung der Landgemeinde befand.

18 Jahre nach der Errichtung des Nebengebäudes fand dann die entscheidende Erweiterung statt: 1886 wird die Nutzfläche des Schulgebäudes verdoppelt. Noch bis 1966 dauerte der Schulbetrieb in Neuenherweg an, 1971 kaufte dann der Stuckateur Karl-Heinz Reich das Haus und wandelte es in ein Wohnhaus um.

Info: Über die Schule Herweg, das Gebäude und das Denkmal liegen mehrere Aufsätze und Veröffentlichungen vor, u.a. im Jubiläumsbuch „900 Jahre Hückeswagen“, Leiw Heukeshoven Nr. 39 (Hella Krumm: Das Dortkamp-Denkmal in Herweg) und Zusammenfassungen und Materialien von Karl-Heinz Reich.

URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/in-herweg-wird-ein-nebengebaeude-fuer-die-landschule-errichtet-aid-1.7494165, erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 5. April 2018.

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05.03.2018: Rückblende 5. März 1968 – Gemeinsam „Geld machen“ im Investment-Klub

(nob) Selten erlangte ein Werbespot einen so hohen Bekanntheitsgrad wie der im Jahr 1996 mit dem Schauspieler Manfred Krug. Er warb für die so genannte „T-Aktie“ der Telekom und löste damit einen regelrechten Boom in der Bevölkerung aus. Menschen, die sonst niemals Aktien gekauft hätten, wagten sich auf unbekanntes Terrain und beschäftigten sich plötzlich mit DAX und Dow Jones.

Es ist jedoch ein weit verbreiteter Irrtum, dass dies die Geburtsstunde für den Aktienhandel des „kleines Mannes“ gewesen wäre. Genau am 5. März 1968 kommt es nämlich im „Hotel Zum Hofgarten“ zu einer ganz besonderen Versammlung. Namentlich nicht näher genannte „Aktieninteressierte“, die sich bis dato in regelmäßigen Abständen in Hückeswagen zu einem Erfahrungsaustausch getroffen hatten, stellten Überlegungen zur Gründung eines Investment-Klubs an. In diesem Zusammenhang wird in dem BM-Artikel „Umgang mit Aktien ein einträgliches Hobby“ ausdrücklich betont, dass bereits an vielen Orten der Bundesrepublik „nach dem Beispiel Amerikas“ Investment-Klubs in Leben gerufen worden seien und dass sich „immer breitere Sparerschichten jetzt wieder für Aktien interessieren“ würden.

Es waren drei Entwicklungen, die im Zusammenspiel die Spekulationslust entfachten. Zum einen wuchs in den 1960er-Jahren die Anzahl der Menschen, die finanzielle Mittel angespart hatten, die nicht unmittelbar für den Konsum oder die Lebenshaltung benötigt wurden. Zweitens nahm die Zahl der damals so titulierten „Spekulanten-Vereine“ zu, die sich 1960 zu einem Weltverband zusammengeschlossen hatten. So gab es 1968 in Deutschland 2000 derartige Vereine mit insgesamt 40000 Mitgliedern. Und drittens kam es Ende der 1960er-Jahre zu einer Aktien-Hausse, die den Menschen urplötzlich eine Möglichkeit aufzeigte, auf relativ schnelle Weise zu einem kleinen Vermögen zu kommen.

Doch schon das Jahr zuvor war offenbar kein schlechtes Börsenjahr. So heißt es in dem BM-Artikel: „Das Jahr 1967 […] war ein Traumjahr für den deutschen Aktiensparer: es brachte einen überdurchschnittlichen Kursgewinn von 42 Prozent innerhalb von knapp 12 Monaten“.

Kein Wunder also, dass sich nun auch die Hückeswagener von diesem Kuchen ein schönes Stückchen abschneiden wollten. Und so rief man für 19.30 Uhr an diesem 5. März 1968 zu einer „gemeinsamen Besprechung“ auf, zu der ausdrücklich auch erfahrene Aktiensparer eingeladen wurden. Der Zeitpunkt schien günstig, denn der Bundesbank-Bericht 1968 diagnostizierte für März eine „Aufwärtsbewegung mit raschem Tempo“. Es ist allerdings nicht überliefert, ob es tatsächlich zur Gründung des Vereins gekommen ist. In den Vereinsverzeichnissen von 1969 bis 1975 wird ein „Investment-Klub“ nicht erwähnt. Vielleicht war die Aussicht, Gewinne nicht teilen zu müssen, dann doch größer.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 27. März 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/gemeinsam-geld-machen-im-investment-klub-aid-1.7479589 

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29.03.2018 – Leser-Info: Facebook- und Twitter-Account abgemeldet

Liebe Leser, seit heute können Sie meine Beiträge nur noch über diesen Blog einsehen, ich habe meinen Facebook- und Twitter-Account deaktiviert. Die aktuelle Diskussion um den Datenmissbrauch ist nur der Auslöser, schon länger habe ich mich in den Sozialen Medien sehr unwohl gefühlt. Der Grund liegt in den Nutzerbeiträgen und -reaktionen, die in ihrer Art und von ihrem Niveau her für mich nicht mehr tolerierbar waren. Die Sozialen Medien sind aus diesem Grund und aufgrund der versuchten politischen Einflussnahme außer Kontrolle geraten. Politische Beiträge jeder Colleur waren wird mich unerträglich geworden, der Missbrauch dieses Mediums durch Politiker haben ein Maß erreicht, das mich nun in die Flucht geschlagen hat. Als Medienschaffender sind die Sozialen Medien eine große Enttäuschung für mich und erfordern zu viel Zeit und Kraft, diese richtig zu händeln.

Ich bin mir bewusst, dass dieses eine große Einschränkung der Reichweite von Beiträgen bedeutet. Aber der Preis (Einflussnahme und Überwachung) ist mir persönlich zu hoch. Natürlich werde ich kritisch beobachten, wie sich die Sache weiter entwickelt, aber eine Rückkehr zu den Sozialen Medien erscheint mir zunächst einmal nicht in Sicht.

15.03.2018: Rückblende 15. März 2008 – Hückeswagen gewinnt den WDR2-Tag

Wenn der Begriff „bewegte Zeiten“ wirklich einmal zutrifft, dann für die denkwürdigen Tage im März 2008. Seit Anfang des Monats gab es kaum noch ein anderes Gesprächsthema in der Schloss-Stadt, denn man beim populären Radio-Wettbewerb „WDR 2 für eine Stadt“ ins Finale einzogen. Hückeswagen befand sich unter den zehn Städten, die im Internet relativ auf die Einwohnerzahl gesehen „am meisten angeklickt“ wurde. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass der Radiosender am 11. März über die Bemühungen der Einwohner berichten würde, den Wettbewerb zu gewinnen. Gespannt fieberte man dem Tag entgegen, doch was dann geschehen sollte, ist mit dem Wort „Krimi“ fast noch untertrieben.

Doch der Reihe nach: Einmal im Jahr versprach der Radiosender WDR 2 einer Stadt in NRW ein großes Event. Herzstück war ein Open-Air-Konzert mit einer bekannten Band (für 2008 wurde BAP angekündigt) und die Produktion von beliebten Radiosendungen vor Ort. Um Ausrichter werden zu können, mussten sich die Städte in einer Vorrunde und an einem Finaltag qualifizieren.

Dass das erste Hindernis überwunden werden konnte, daran hatte die Bergische Morgenpost mit der Aktion „Wir klicken Hückeswagen“ entscheidenden Anteil. Durch die Aufrufe in der Presse gelang es, genügend Teilnehmer zu aktivieren, die wiederum Werbung für die Aktion machte. So kam man unter die letzten zehn.

Am Finaltag des 11. März dann begann das große Drama: Die Bürger sollten in der Stadt der Tuchweber spontan ein Riesen-Tuch zusammennähen und so die ersten fünf von möglichen 15 Punkten einfahren. Es gelang und auf dem Etapler Platz wurde das Gemeinschaftswerk entrollt. Es folgte der Auftritt von Bürgermeister Uwe Ufer. Seine Aufgabe war es, zehn Fehler zu finden, die in einem Stadtporträt versteckt waren. Neun fand er, der zehnte Punkt wurde dann zum Zankapfel. Ufer wähnte den Trabi-Club, der den letzten Trabi besaß, in Sachsen, während der WDR darauf hinauswollte, dass es auch in Hückeswagen eine Trabi-Club gebe. Beide Seiten interpretierten die Antwort Ufers entsprechend und sahen sich im Recht.

Zunächst sträubte sich der WDR, den nötigen 15. Punkt zu vergeben, um in ein Stechen mit drei weiteren Städten zu kommen. Doch sie hatten nicht mit Monika Winter gerechnet. Aufgrund ihrer energischen Vorsprache beim Radiosender bekam Ufer nochmal eine Chance. Drei Zusatzfragen waren zu beantworten und tatsächlich gelang es Ufer.

Am 15. März 2008 galt es dann, der Bürgermeister musste sich nun im Stechen einem weiteren Quiz in drei Runden stellen. In der ersten Runde wurde Attendorn besiegt, dann in Runde 2 Beckum. Als dann sein Finalgegner aus Lippstadt die entscheidende Frage falsch beantwortete, brachen im Rathaus alle Dämme: Hückeswagen wurde am 24. Mai 2008 einen Tag Gastgeber für den WDR 2.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen , 14. März 2018, URL: www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/schloss-stadt-gewinnt-den-wdr-2-tag-aid-1.7453430

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23.02.2018: Rückblende 23. Februar 1968 – Karneval von Hückeswagen im Zeichen der Hippies

Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: "Zwei Klaviere auf einem Pritschenwagen - So wurde Musik gemacht.", Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.
Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: „Zwei Klaviere auf einem Pritschenwagen – So wurde Musik gemacht.“, Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.

Zu Karneval wird immer mal gerne das sogenannte Rheinische Grundgesetz zitiert. Ein Umstand, den wir dem Humoristen Konrad Beikircher zu verdanken haben, der es erstmals 2001 in einem Buch zusammengestellt hatte. Der Artikel 5 lautet: „Et bliev nix wie et wor.“ Dementsprechend müsste sich im Hückeswagener Karneval innerhalb von 50 Jahren so einiges verändert haben.

Es ist tatsächlich so, und Aufschluss hierüber gibt die ausführliche Berichterstattung in der BM vom 23. bis 27. Februar 1968. Meistens war Theo Dörpinghaus von Feier zu Feier unterwegs, der in seinem zusammenfassenden Artikel die Schloss-Stadt „von der rheinischen Luft angesteckt“ sah. Die Liste der Dinge, die auch heute noch geblieben sind, können wir kurzhalten: Den „Rä-Te-Ma-Teng“ gab es schon, geschrieben wurde er allerdings noch „Rä-Te-ma-Täng“. Den dazugehörigen etwas verunglückten Witz, wonach die plattdeutsche Übersetzung „Rette meine Zähne“ lautet, der Zug aber nicht an Karies leiden würde, lassen wir lieber im Dunkel der Karnevalsgeschichte verschwinden. An einem Aufruf in einem Vorbericht, man möge doch für den Zug zusammenhängende Gruppen von „Cowboys, Csárdásfürstinnen (Anm.: Operettenfigur), Negern und Märchengestalten“ bilden, sieht man auch, wie sich die Sprache mittlerweile verändert hat. Der Begriff „Neger“ hat heute einen faden Beigeschmack und wird allgemein als rassistisch bewertet, damals war es jedoch ein gebräuchlicher Ausdruck. Erwähnenswert ist noch, dass der Zug nur einmal durch die Innenstadt lief und nicht wie heute zweimal. Natürlich gab es auch schon die Galasitzung im Kolpinghaus, die auch damals schon „für den Humor bekannt“ war.

Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: "Die Märchengruppe", Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.
Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: „Die Märchengruppe“, Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.

Der größte Unterschied zwischen 1968 und 2018 ist wohl die Anzahl der Karnevalsfeiern in den Gaststätten und bei den Vereinen. Der TBH, der ATV und zuallererst der „Quartett-Verein Rheingold“ hatten große Karnevalssitzungen, letzterer feierte damals seine 20. Sitzung seit 1948. In den Gaststätten Schoppmann, Haus Bucheneck, Seehotel, Hofgarten, Schnabelsmühle und Wupperschenke tobte samstags und sonntags der Bär. In Bergisch Born, dass damals zum Teil auch zu Hückeswagen gehörte und im Volksmund „Dreiländereck“ hieß, hatten die „Blau-Weißen Jungs“ ihr Zuhause. Zu Rosenmontag ging es mit voller Kraft weiter: Die Tanzschule Böhlefeld veranstaltete einen Kostümball und der Karnevalsclub der „Rot-Weißen von der Bever“ hatten ihr Tanzfest.

Schon wieder acht Jahre her: Der Rä-Te-Ma-Teng im Jahr 2010. Marc von der Neyen und Tobias Bosbach im Vordergrund verteilen Kamelle.
Schon wieder acht Jahre her: Der Rä-Te-Ma-Teng im Jahr 2010. Marc von der Neyen und Tobias Bosbach im Vordergrund verteilen Kamelle.

Die Kolpingjugend hatte natürlich ihre eigenen Veranstaltungen, was eine Parallelität zur Gegenwart ist. Statt der Kindertanzparty gab es jedoch einen „bunten Abend“ und das Kinderprinzenpaar wurde „demokratisch gewählt“, wie immer man sich das vorstellen muss.

Bei den beliebtesten Motiven für Kostüme gab es 1968 drei Favoriten: Auf Platz 3 lag der Cowboy, auf Platz 2 der Indianer und unangefochtener Spitzenreiter war der Hippie! Verfolgt man die Berichte von den Feiern, müssen sich Zeitgenossen bei Auftritten der kostümierten Langhaarigen darüber köstlich amüsiert haben.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 13. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/jecke-schloss-stadt-von-rheinischer-luft-angesteckt-aid-1.7390158

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10.02.2018: Rückblende 10. Februar 1968 – Eier-Sortiermaschine „Liliput“ versetzt Berge

v.l.: Wilhelm Rüter, Ilse Rüter mit den Kindern Manfred in Ingrid. Fotograf war Theo Dörpinghaus, der die Familie Anfang 1968 bei der Arbeit an der Maschine ablichtete. Wilhelm Rüter war zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Besuch aus dem Westfälischen, da er dort zusammen mit dem Sohn Ernst Rüter einen Hof hatte. Der Hof in Buchholz, wo das Foto entstand, gehörte Manfred Rüters Mutter Ilse, die eine geborene Wirth war.
v.l.: Wilhelm Rüter, Ilse Rüter mit den Kindern Manfred in Ingrid. Fotograf war Theo Dörpinghaus, der die Familie Anfang 1968 bei der Arbeit an der Maschine ablichtete. Wilhelm Rüter war zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Besuch aus dem Westfälischen, da er dort zusammen mit dem Sohn Ernst Rüter einen Hof hatte. Der Hof in Buchholz, wo das Foto entstand, gehörte Manfred Rüters Mutter Ilse, die eine geborene Wirth war.

Es war genau der 10. Februar 1968, als eine kreative Schlagzeile in der Bergischen Morgenpost die Aufmerksamkeit der Leser erregte: „Liliput versetzt Berge – Eiersortiermaschine erleichtert die Arbeit“. Auf einem Foto waren vier Mitglieder der Familie Rüter zu sehen, wie sie auf ihrem Hof in Buchholz an der neuen Maschine arbeitete, abgelichtet durch den BM-Journalisten Theo Dörpinghaus. Diese „neueste technische Errungenschaft“, wie es hieß, war mit einer geeichten Waage ausgestattet und sortierte die Eier nach sieben damals geltenden Gewichtsgruppen. Die Eier wurden zuvor auf einem Band liegend unter einer Leuchtröhre geprüft, so dass die mit den unappetitlichen – aber nicht lebensgefährlichen – Blutgerinnseln sowie kleinen kaum sichtbaren Beschädigungen aussortiert werden konnten. Es war eine immense Arbeitserleichterung für alle Mitarbeiter.

Als kleiner Junge ist Manfred Rüter auf dem Bild zu sehen. Heute, 50 Jahre später, führt er selber den Hof, doch diese Szenerie sieht er nun mit ganz anderen Augen. „Letztendlich war die Einführung dieser Maschine Teil eines stetig andauernden Prozesses der Rationalisierung, dem die Landwirtschaft unterworfen ist“, sagt er. So stand man damals wie auch später vor der Frage: „Wie können die eigenen begrenzten Ressourcen effektiver eingesetzt werden?“ Und genau dieser Aspekt erklärt die weiteren Veränderungen auf dem Hof. Die Sortiermaschine war bis in die 1990er-Jahre in Betrieb, anfangs auch noch kurzzeitig ein Eier-Verkaufsautomat. „Dann löste zunächst die Milchviehwirtschaft die Geflügelwirtschaft ab und seit dem Jahr 2011 haben wir nur noch Ammenkühe“, beschreibt Rüter die weitere Entwicklung.

1968 zum Zeitpunkt des Artikels war ein wichtiger Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft bereits erfolgt: Aus der alten Agrarfrage „Wer wird die Scheunen füllen?“, so beschreibt es der Autor Ulrich Kluge in einem wissenschaftlichen Fachbuch zur Geschichte der Landwirtschaft, entstand die Frage „Wer wird die Scheunen leeren?“. Alle Zeichen standen auf Expansion, insbesondere bei der Veredelungswirtschaft, beispielsweise bei der Rinderhaltung. Und so war es auch auf dem Hof Rüter. Der ständige Druck zwang die Betriebe zur weiteren Spezialisierung, bis man irgendwann eine Grenze kam, die nicht überschritten werden konnte, so dass man umdisponieren musste.

„Gegenwärtig kommt hinzu, dass wir eine hohe Reglementierung und Bürokratisierung haben. Der Landwirt ist zum mittelständischen Unternehmer geworden“, so Rüter. Zunehmend entfremde sich der Konsument auch von den landwirtschaftlichen Prozessen, denn so der Landwirt weiter: „Alle wollen kaufen und essen, einen Schlachthof will aber keiner mehr sehen.

Erschienen in leicht gekürzter Fassung in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 12. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/eier-sortiermaschine-liliput-versetzt-berge-auf-hof-in-buchholz-aid-1.7385759

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09.02.2018: Rückblende 9. Februar 1968 – Als das Farbfernsehen nach Hückeswagen kam

Inserat in der BM vom 9. Februar 1968.
Inserat in der BM vom 9. Februar 1968.

Es war ein komplett neues (Fern-)Sehgefühl: Die Olympischen Winterspiele von Grenoble in Farbe verfolgen zu können war Grund genug für den „Funk- und Fernsehberater Burghoff“ am 9. Februar 1968 in der Bergischen Morgenpost eigens eine Anzeige zu schalten: „Täglich während der Olympischen Winterspiele im Hotel zum Hofgarten“ hieß es im Inserat. Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals eine technische Revolution. Als Bundeskanzler Willy Brandt genau um 10:57 Uhr des 25. August 1967 auf der „Großen Deutschen Funkausstellung in Westberlin“ einen großen roten Taster (der eine Attrappe war) betätigte, wurde in den deutschen Wohnstuben aus dem Schwarz-Weiß-Bild ein farbiges. Vorausgesetzt es stand ein Farbfernseher in der Guten Stube, doch den hatten noch die Wenigsten.

Das Schaufenster von Elektro Burghoff an der Marktstraße zurzeit der Einführung des Farbfernsehgerätes um 1968.
Das Schaufenster von Elektro Burghoff an der Marktstraße zurzeit der Einführung des Farbfernsehgerätes um 1968.

Viele Monate zuvor begannen bundesweit die technischen Vorbereitungen: Pionier in Hückeswagen war Siegfried Burghoff, der in seinem bereits seit 1955 existierenden Geschäft an der Marktstraße nun derartige Geräte anbot. Der erste Farbfernseher der Firma Metz, heute Ausstellungsstück im Maschinenpark des Vereins „Drei-Städte-Depot“, kostete damals 2500 DM. Zum Vergleich: Ein nor-males Schwarz-Weiß-Gerät war 800 bis 1000 DM teuer. Beide Größenordnungen waren für die damaligen Verhältnisse ein stattliches Sümmchen.

Siegfried Burghoff erinnert sich: „Ich habe im Mai 1967 meinen ersten Farbfernseher-Lehrgang bei der Firma Philips in Hamburg absolviert, später war ich auch noch bei Grundig in Fürth.“ Im August 1967 kehrte Burghoff dann rechtzeitig aus dem Urlaub zurück, um beim großen Verkaufsstart im Laden stehen zu können.

In den Anfangsjahren galt die so genannte Konvergenz als großes technisches Problem. Es war notwendig, dass ein Fachmann nach dem ersten Aufstellen des Gerätes an 25 Reglern Einstellungen vornahm, weil je nach Standort unterschiedliche Magnetfelder auf das Gerät einwirkten. War die Justierung nicht ganz exakt oder wurde der Fernseher an einen anderen Platz gerückt, überlappten sich die mit dem Kathodenstrahl in der Röhre projizierten Grundfarben und das Bild wurde unansehnlich. Erst Mitte der 1970er-Jahre wurde das Problem gelöst. Viele Konsumenten hatten jedoch davon gar nichts mitbekommen, da sie erst später ein Farbgerät gekauft hatten.

Zu Beginn der Farbfernseh-Epoche konkurrierten drei Unternehmen um die Gunst der Kunden: Philips, Grundig und Metz. Burghoff hatte alle drei Marken im Laden stehen. Die Geräte arbeiteten mit dem bundesdeutschen Standard „PAL“, Frankreich und auch die DDR hingegen setzten auf „SECAM“. „Zu meinen ersten Kunden zählte Erich Sessinghaus und die Drogerie Zörner“, erinnert sich Siegfried Burghoff mit einem Lächeln. An die Olympia-Übertragungen hat er jedoch nur wenige Erinnerungen, allerdings arbeitete man mit dem Hofgarten öfters zusammen. Burghoff: „Wir haben dort in dem Saal des Hotels Verkaufsveranstaltungen gemacht, die waren sehr erfolgreich.“

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 8. Februar 2018, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/als-das-farbfernsehen-nach-hueckeswagen-kam-aid-1.7375806

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29.01.2018: Rückblick und Ausblick zu Geschichtlichem aus Hückeswagen – Ausgabe 01/02/2018

Liebe Geschichtsfreunde, im Monat Januar 2018 hatte sich so einiges getan: Zum Einem gab es insgesamt vier statt der sonst gewohnten drei Rückblenden, zum Zweiten ist zum ersten Mal die Online-Kolumne „Foto des Monats“ erschienen, die in Kooperation mit dem Fotografen und Filmemacher Karl-Heinz-Eißner entsteht.

Schon direkt zu Beginn des Jahres, am 1.1.2018, blickten wir auf zehn Jahre Bürgerbad gGmbH zurück. Es war ein neuartiges rechtliches Konstrukt für das Hallenbad, das letztendlich das Überleben des Bades sicherstellte. Das ist sicherlich unabhängig von der Frage zu sehen: Wie viel darf und soll man Ehrenamtlern aufbürden? Dahinter steht letztendlich immer die Grundsatzfrage: Soll ein Stück Angebot für den Bürger erhalten bleiben oder muss es wegfallen, weil es die Stadt nicht mehr bezahlt werden kann. Die Frage, was eigentlich grundsätzlich aus Haushaltsmitteln bezahlt werden soll, muss aber die Politik beantworten. Am 5.1.2018 erinnerten wir an den 75. Todestag des „Rosenprofessors“ Ewald Gnau. In Hückeswagen wenig diskutiert und bekannt sind die Umstände seiner letzten Lebensjahre, wo die Nationalsozialisten ihn aus politischen Gründen von seinem Lebenswerk, dem Rosarium in Sangerhausen, getrennt hatten. Am 20.1.2018 war das Möbelgeschäft Happel 50 Jahre in Hückeswagen ansässig. Man zog ins altehrwürdige Haus Zach, das ja heute ein Kulturzentrum ist. Markant sicher Adolf Happel als Kaufmann von altem Schrot und Korn, der kurzerhand eine Todesanzeige für eine Geschäftsstraße schalten ließ, als durch die Baustelle vor dem Haus der Kundenstrom gefährdet war. Am 22.1.2018 schließlich blickten wir auf ein Stück Technikgeschichte: Kfz-Hövel errichtete die erste Autogas-Tankstelle in der Schloss-Stadt. Es gab große Erwartungen an diesen Antrieb, die sich aber nur zum Teil erfüllte hatten, wie uns Dirk Hövel berichtete. Also „Foto des Monats Januar“ fiel die Wahl auf den Abriss des Hauses Hartmann. Es ist zweifelsfrei das markanteste Ereignis im ablaufenden Monat gewesen, hier wird tatsächlich ein Stück Geschichte eingerissen. Allerdings muss man betonen: Die Zeit des Gebäudes war gekommen, zumal es nicht unter Denkmalschutz stand. Und die neue Eigentümerin schlägt nun ein neues Kapitel „Schnabelsmühle“ auf.

Was können wir nun im Monat Februar 2018 erwarten? Zu viel verraten will ich noch nicht, schließlich erschienen die Rückblenden exklusiv in der Bergischen Morgenpost und so muss es auch sein. Es wird nochmals um Technikgeschichte gehen, worauf sich alle Freunde der heimischen „Glotze“ freuen können, bei denen es fortan „bunt“ zuging. Dann manchen wir einen Ausflug in die Landwirtschaft und blicken auf einen Hof in Hückeswagen. Vordergründig geht es auch hier um Technik, die allerdings nicht immer nur positive Auswirkungen hatte. Und dann haben wir etwas für alle Freunde des Karnevals vorbereitet: Wir werden über einen markanten Schreibfehler lesen und über eine Feierkultur, die unterzugehen droht. Ende des Monats kommt dann das zweite Foto des Monats. Was es ist, wissen wir noch nicht, da es erst immer kurz vor Ultimo gewählt wird. Es kann ein historisches Foto sein, aber auch ein aktuelles.

22.01.2018: Rückblende 22. Januar 2008: Die Schloss-Stadt bekommt erstmals eine Autogas-Tankstelle

Der Gastank für Autogas wird auf das Gelände der Firma Kfz-Hövel gehievt. Foto: N. Bangert am 22. Februar 2008.
Der Gastank für Autogas wird auf das Gelände der Firma Kfz-Hövel gehievt. Foto: N. Bangert am 22. Februar 2008.

Ein kleines Stück Hückeswagener Technikgeschichte wird am 22. Januar 2008 an der Peterstraße geschrieben. Es entsteht die erste Autogastankstelle auf dem Stadtgebiet: Ein 4850 Liter umfassender Flüssiggastank wird mit einem Kran auf das Gelände der Firma Kfz-Technik Hövel gehievt. Allerdings sollte es noch bis zum 16. Februar dauern, bis der erste Kunde wirklich tanken konnte und so nicht mehr nach Wermelskirchen oder Lindlar fahren musste. Dann erst gab der Dekra-Sachverständige mit einer Unterschrift sein OK.

Nachdem die Planungen im Februar 2007 begonnen hatten und das Fundament Mitte Oktober des gleichen Jahres gegossen wurde, war zumindest bautechnisch mit dem Aufstellen und Anschließen des Tanks der letzte Schritt getan. Dass der Behälter auf dem erhöhten Firmengelände, und nicht unmittelbar an der Peterstraße installiert wurde, hatte damit zu tun, dass der Tank ansonsten zu nahe an den Kanalrohren gelegen hätte.

Ein Liter Flüssiggas kostete damals 0,59 € und lag somit auf dem heutigen Preisniveau. Über 100 Autos konnten mit dem Volumen des Hövel-Tanks gefüllt werden, bevor per GSM-Funkmodem automatisch Nachschub angefordert wurde.

Kfz-Meister Dirk Hövel blickt heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Maßnahme vor zehn Jahren: „Während der ersten fünf Jahre gab es keine Probleme. Der Höhepunkt des Autogas-Geschäftes war dann in den Jahren 2010 bis 2012, als eine immer größere Anzahl von Menschen ihre Fahrzeuge umrüsten ließen.“ Doch dann ereignete sich ein Unfall mit einem Smart an einer der im gesamten Bundesgebiet immer zahlreicher werdenden Autogas-Tankstellen und eine Sicherheitsdiskussion begann. Um den Anfahrschutz zu gewährleisten, wurden schließlich so gut wie keine oberirdischen Gastanks mehr genehmigt, da die Anforderungen vor allem in Bezug auf die LKWs zu groß gewesen wären.

Hövel: „Ab dem Jahr 2012 kam der Effekt hinzu, dass kaum noch neue Fahrzeuge umgerüstet wurden, da die Motorentechnik aufgrund der gestiegenen Abgasnormen zu komplex wurde.“ Zwar stießen die Autogas-Fahrzeuge seit jeher 15 Prozent weniger CO2 aus als ein Ottomotor, jedoch wurden die Umrüstungen teurer. Deren Anzahl ging auch bei Hövel, der extra dafür einen Mitarbeiter eingestellt hatte, zirka um den Faktor 10 zurück.

Aktuell ist für den Betrieb das Autogas-Geschäft immer noch ein sehr wichtiges Standbein. Das liege zum einen an der hohen Anzahl von Bestandsfahrzeugen, zudem sei nun wieder eine leicht steigende Nachfrage festzustellen. Hövel: „Der Anteil der Dieselfahrzeuge nimmt ab, was der aktuellen Diskussion um die Fahrverbote geschuldet ist. Alternative Antriebe sind im Kommen“, so Hövel. Der Chef selber setzt auf die Hybridtechnologie, mit der sich der persönliche Anfahrtsweg von zu Hause zur Firma gut bewältigen lässt. Die Elektromobilität sieht er erst dann im größeren Maßstab kommen, wenn die Probleme mit der Ladeinfrastruktur gelöst seien.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 25. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/schloss-stadt-bekommt-erste-autogas-tankstelle-aid-1.7344352.amp?__twitter_impression=true

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