05.06.2018: Rückblende (39) zum 4. Juni 1968 – Pfingstchaos an der Bever und ein geschlachtetes Rind

(nob) Ein scheint eine Art „Hückeswagener Naturgesetz“ zu sein: Immer an schönen Sommertagen und besonders zu Feiertagen bricht an der Bevertalsperre das Chaos aus. Zwar konnte eine im September 2004 gegründete „Ordnungspartnerschaft Bever-Talsperre“, an der der Wupperverband, die Städte Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth, das Regionalforstamt Bergisches Land, der Oberbergische Kreis, die Feuerwehr und die Polizei beteiligte sind, die Situation in den vergangenen Jahren entschärfen, doch immer noch bleibt genug zu tun.

Was allerdings der BM-Journalist Peter W. Schroeder an Pfingsten 1968 von der Bever berichtete, ist schon abenteuerlich genug obwohl „die große Invasion“, so der BM-Titel, aufgrund des durchwachsenen Wetters ausgeblieben war. Bereits am Samstag vor Pfingsten meldeten die Polizeibeamten an die Funkstreifenleitstelle der Kreispolizeibehörde: „Nichts geht mehr!“ Schuld war „das Nadelöhr Bundesstraße 237 in der Ortsdurchfahrt Hückeswagen“, dass für einen Rückstau bis hoch nach Kammerforsterhöhe sorgte. Nachdem der Verkehr auf eine Kreisstraße umgeleitet wurde, bekam die Polizei die Situation nach guten zwei Stunden in den Griff. Dass die Menschen damals im Straßenverkehr rücksichtsvoller gewesen wären als heute, kann man nach den Schilderungen Schroeders kaum glauben. So hagelte es gegenseitige Anzeigen von Fußgängern und Autofahrern, die sich wechselweise Rücksichtslosigkeit vorwarfen. In zwei weiteren Fällen musste sich jeweils ein Fußgänger auf dem Zebrastreifen mit einem Hechtsprung in Sicherheit bringen, weil es wartenden Autofahrern in der Autoschlange nicht schnell genug ging und zu rasanten Überholmanövern ansetzten.

Auch für die Diebe war die Bevertalsperre ein El Dorado: An einem parkenden Auto vor einer Gaststätte wurden kurzerhand die Halogenscheinwerfer abmontiert. Weiterhin liefen bei der Polizei Meldungen ein, wonach Vandalen Autoantennen und Scheibenwischer abbrachen.

Ein nahezu unglaublicher Zwischenfall ereignete sich an einem Hückeswagener Bauernhof, der in der Nähe der Bever lag. Unbekannte waren mit ihrem Fahrzeug dicht an das Gehöft herangefahren, stellten es dort ab und schlichen sich in die Stallungen. Unbemerkt führten sie ein sechs Monate altes Rind ins Freie, schlachteten das Tier noch auf dem Hof und verluden dann das Fleisch in ihren bereitstehenden Wagen! Wenige Minuten später waren sie in dem dichten Verkehrsgewühl zu Pfingsten, was die Viehräuber offenbar bewusst ausnutzten, verschwunden.

Diese Ereigniskette an einem leicht verregneten Pfingsten lässt erahnen, was in dieser Zeit los gewesen war, wenn es Kaiserwetter gab, vor 50 Jahren.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 5. Juni 2018, URL: https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/pfingstchaos-an-der-bever-und-ein-geschlachtetes-rind_aid-23216771

13.07.2006 (Artikel-Archiv BM): Serie 12 Uhr mittags: Kaiserhöhe

(nob) Die Kanalsanierung und ein großes gähnendes Loch sind zurzeit um zwölf Uhr Mittags Gesprächsthema Nummer 1 auf der Kaiserhöhe. Ansonsten genießen die Anwohner die herrliche Sicht auf die Schloss-Stadt.

Wer angenehme sommerliche Mittagsstunden auf einer Terrasse in einer ruhigen Wohngegend verbringen will, ist auf der Kaiserhöhe normalerweise genau richtig. Doch zurzeit ist auf der steil bergan gehenden Straße kaum ein Durchkommen, gerade einmal ein Auto passt an den Spezialfahrzeugen und den Containern vorbei. Ein Bautrupp aus dem mittelfränkischen Röthenbach an der Pegnitz saniert gerade das Kanalnetz. Fünf Leute sind gerade damit beschäftigt, einen großen Schlauch durch den geöffneten Schacht, der sonst durch einen Gullydeckel verschlossen ist, in den Untergrund zu schieben. Eigentlich hat der Vorarbeiter Roland Hoffmann keine Zeit, schließlich findet er dann doch eine kurze Minute für eine Erklärung. „Der Schlauch wird mit Wasserdruck an die alten Kanalrohre gepresst. Fünf Stunden lang wird dann 90 Grad heißes Wasser durchgepresst, bis die an der Außenhülle befindliche Kunstharzschicht fest verbacken ist“, erklärt der Fachmann. Kommt es zu keinen Komplikationen, schafft das Unternehmen mit dieser Methode 200 bis 300 Meter am Tag. Bei dem auffälligen Gerüstturm, übe den sich so mancher Anwohner wundert, handele es sich lediglich um eine Montagehilfe.

Vom Balkon des Hauses Kaiserhöhe 7 betrachtet Klaus Manns wohlwollend das Geschehen, denn auch sein Kanalanschluss wird ja saniert. In Gedanken ist er aber bei einer ganz andern Baustelle, die ebenfalls von seinem Aussichtspunkt zu sehen ist. Dabei handelt es sich aber um ein mit einem Bauzaun umfasstes metertiefes Loch direkt an seinem Grundstück an der Straße. „Im Mai hat die Telekom hier eine Telefonleitung repariert, da bei meiner Mieterin im Störungen vorhanden waren. Diese sind jetzt beseitigt. Wir wären ja auch zufrieden, wenn die Telekom nicht vergessen hätte, das Loch wieder zuzuschütten!“ Bereits viermal hat die Familie Manns bei der Servicehotline angerufen und interveniert, doch bisher ohne Erfolg, die Leitungen liegen nach wie vor offen da. „Das einzige was sich bewegt hat, sind die Bauhandschuhe. Die liegen jetzt im Loch, der Wind von der Absperrung, wo sie seit Ende der Arbeiten hingen, jetzt da reingeweht“, spöttelt Klaus Manns.

In der Zwischenzeit ist auch Hans Willi Kuech in seinem Haus auf der Kaiserhöhe eingetroffen. Mittags kehrt er meistens von dem kleinen Pferdestall nebst Koppel am Johannesstift zurück, der von ihnen bewirtschaftet wird. „Um zwölf Uhr kann ich kann ich beispielsweise mit der Motorsense nicht weiterarbeiten, denn ich muss die Ruhezeiten beachten. Genau seit dem 8. Mai 1972 wohnt er mit seiner Familie auf der Kaiserhöhe, denn an diesem Tag wurde das Fertighaus erstellt. Seine Frau Hildegard ist sogar dort aufgewachsen und will nicht wieder weg. „Immer wieder hat es mich hier hin gezogen. Die ruhige Lage und die Aussicht sind nur einige Vorteile und unsere vier Kinder und mittlerweile acht Enkel haben hier eine friedliche Kindheit erlebt“, schwärmt sie.

Info:

Obwohl Klaus Manns die Hauptverantwortung bei den Hückeswagener Schützen nicht mehr trägt (er war bis Anfang 2006 langjähriger Vorsitzender des Vereins), hat er nach wie vor alle Hände voll zu tun. Eine Tombola muss vorbereitet werden und auch das Festbuch 2006 ist so gut wie fertig. Vor seinem Haus versammeln sich übrigens jedes Jahr immer am Mittwoch vor dem Schützenfest viele Nachbarn von der Kaiserhöhe und hissen die Flagge des Schützenvereins.

07.07.2006 (Artikel-Archiv BM): Serie 12 Uhr mittags: Haus Hammerstein

(nob) Immer in den Sommerferien herrscht im Haus Hammerstein reges Treiben. In der Regel sind alle Zimmer der Bildungs- und Erholungsstätte der Lebenshilfe belegt. Im Wochenrhythmus geben sich die jeweiligen Gruppenleiter aus ganz Deutschland die Klinke in die Hand.

Gut 15 Minuten dauert ein gemütlicher Fußmarsch vom Wanderparkplatz Voßhagen bis runter nach Haus Hammerstein. Wer am Donnerstag um zwölf Uhr mittags diesen Weg ging, hatte durchaus seine Ruhe: Kein einziges Auto war zu sehen und je näher das letzte Waldstück vor der Wupper-Talsperre kam, desto ruhiger wurde es scheinbar. In der letzten Kurve und damit in Sichtweite der Erholungs- und Bildungsstätte der Lebenshilfe dann erste Lebenszeichen. Musik drang aus eines der vielen Gästezimmer und oben in der zweiten Etage waren schlug ein Hammer „ganz dezent“ auf einen Meißel ein. Handwerker renovierten gerade einen der altehrwürdigen Räume.

Vor der historischen Eingangstür der ehemaligen Jugendherberge sitzt Sarah Müller aus Siegen. Sie ist eine von mehreren Betreuerinnen zweier Besuchergruppen, die sich zurzeit in der Idylle an der Talsperre vom Alltag erholen. Sie kümmert sich gerade um Björn, einen der jungen Gäste, der ihr gegenüber sitzt. „Ein Teil der Gruppe macht gerade einen Ausflug in den Kölner Zoo. Andere sind hier geblieben und haben etwas länger geschlafen“, berichte sie. Kaum hatte sie es ausgesprochen, öffnete sich ein Fenster und einer der Gäste wünschte einen schönen guten Morgen, mittags in Haus Hammerstein.

Im Haus selber herrscht rund um die Küche eine geordnete Betriebsamkeit. Helga Czolbe, eine Mitarbeiterin des Hauses, bereitet gerade mit zwei andern zusammen das Mittagessen vor. „Es gibt Cordon bleu, Röstis, Gemüse und zum Nachtisch ein Eis“, verriet sie Einzelheiten des Speiseplans.

Claudia Marxen sitzt währenddessen am Empfang und ist erleichtert, dass sie gerade schon einmal einige Abrechnungen fertig machen konnte, denn am Samstag reisen die beiden Gruppen wieder ab und 48 neue Gäste treffen ein. „Durch den Ausflug einer Gruppe hatte ich etwas Luft“, berichtete sie.

Im „Raum Rheinland“ einem der großen Tagungsräume lächelt derweil ein Monster von der Leinwand. Es läuft der Disney-Klassiker „Elliot das Schmunzelmonster“. Die Betreuerin Nenya Schmitz-Schumachers aus Recklinghausen erläutert: „Der Film gehört zu einem Nebenprogramm des zweiwöchigen Aufenthalts. Es ist einfach ein weiteres Angebot.“

Buntes Treiben herrscht dagegen in einem Nebengebäude. Unter der Leitung der Künstlerin Erika Windemuth aus Dürhagen, die für die Sommerferien für die Ausrichtung des Kulturprogramms engagiert wurde, fanden kurz vor dem Mittagessen gerade die letzten Proben für ein Schwarzlichttheater statt. Eine Gruppe von zwölf Leuten plant für den Abend die Aufführung eines kleinen Stückes. „Es ist eine Mischung aus einem Tanzspiel, Bewegung und Musik“, erläuterte Windemuth während die Projektteilnehmer sich zum verdienten Mittagessen begaben.

Info:
Unter einem Schwarzlichttheater versteht man eine besondere Form des Theaterspiels, bei der in einem völlig verdunkelten Raum bzw. auf einer Bühne agiert wird. Als einzige Lichtquelle dient eine Schwarzlicht-Lampe die ausschließlich weiße oder neonfarbene Gegenstände oder Kleidungsstücke zum Leuchten bringen und somit für die Zuschauer sichtbar erscheinen lassen. Das Schwarzlichttheater ist eine Form des pantomimischem Theaters.

11.06.2006 (Artikel-Archiv BM): 50 Jahre Stadtsportverband Hückeswagen

(nob)  „The final Countdown“ spielte das Schulorchester der Realschule Hückeswagen am Samstagmittag bei einem Empfang im Festsaal des Kolpinghauses. Doch nach dem Willen der Gastgeber soll es nicht die letzte Feier gewesen sein, denn der Stadtsportverband Hückeswagen will es bei 50 Jahren Stadtsportverband – das war der Anlass – nicht belassen. Weitere 50 Jahre wünschten sich die Ehrengäste bei ihrem Grußworten.

Den Anfang einer ganzen Reihe von Festreden und Grußworten machte der Vorsitzende Jürgen Löwy, der mit einer Krawatte in Orange zur Feierstunde erschien. Ganz im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft stellte er launig klar: „Ich bin natürlich nicht für Holland sondern für Deutschland!“ Überhaupt wurden fast alle Reden humorvoll vorgetragen, während von draußen die Musik von einer Bühne auf dem gerade beginnenden Hückeswagener Handwerkermarkt hereindrang.

Löwy stellte vor allem die Dynamik des Stadtsportverbandes heraus. „Der SSV hat sich immer wieder erneuert. Alte Vereine wie der Motorsportverein sind verschwunden, neue dafür entstanden.“

Besonders stolz ist der Vorsitzende über die Weihnachtsfeier für Menschen mit Behinderten die seit 1975 regelmäßig einmal im Jahr stattfindet. „Ein besonderer Dank geht hier einmal an Hella Krumm, die sich seit dieser Zeit unentwegt darum bemüht“, sagte Jürgen Löwy unter dem großen Applaus.

An die anwesenden Vertreter aus Politik und Verwaltung appellierte der Vorsitzende: „Wenn der Pakt für den Sport ernst gemeint ist, dürfen sie nicht ernsthaft darüber nachdenken, das Hallenbad zu schließen. 1.400 Sportler würden dadurch auf der Stelle heimatlos.“ Der Stadtsportverband sei bereit, an der Finanzierung mitzuwirken und seinen Beitrag dazu zu leisten.

Bürgermeister Uwe Ufer ging bei seinem Grußwort nicht auf die Forderung Löwys ein, betonte aber: „Ohne die Sportvereine mit seinem Angebot wäre das Sozialleben in Hückeswagen ein Katastrophe.“

Die stellvertretende Landrätin des Oberbergischen Kreises stellte in ihrer Ansprache heraus, dass der Stadtsportverband der älteste Verband seiner Art im Kreis sei. Sie bedankte sich mit einer Geldspende an den Hückeswagener Dachverband.

Der Kreissportbund-Vorsitzende Wolfgang Schuldner bemängelte, dass die Vereine in ihrer täglichen Arbeit durch neue Anforderungen fast überrollt werden und bat die Politik um Hilfe. „Der Breitensport hat noch keine Lobby“. Auch warnte er vor einem „Bazillus“, der immer mehr Menschen in Deutschland dazu bringen würde, ein Ehrenamt aus Bequemlichkeit abzulehnen.

Zum Abschluss kam das Gründungs- und Ehrenmitglied Ernst Müller zu Wort, der so einige Anekdoten aus der Anfangszeit zum Besten gab. So sei es dem ersten Vorsitzenden Heinrich Bergfeld gelungen, drei Jahre lang geheim zu halten, dass er nicht nur Vorsitzender des ATV sondern auch in Stadtverwaltung tätig war.

Info:
Der Stadtsportverband wurde am 9. August 1956 mit zehn Vereinen gegründet, die zusammengerechnet 1.700 Mitglieder in ihren Listen zählte. Heute sind es 5.200 Mitglieder, davon sind 1.850 Mitglieder unter 18 Jahren. Insgesamt gibt es zirka 200 unterschiedliche Übungsgruppen. Anlässlich des Jubiläums wurde auch eine Festschrift herausgegeben, in der unter anderem alle Vorsitzenden und eine kleine Chronik abgedruckt sind.

23.05.2018: Rückblende (38) zum 23. Mai 1863 – Heinrich Gottfried Eschmann wird Bürgermeister der Stadtgemeinde

(nob) Schon Napoleon Bonaparte wusste: „Ruhm ist vergänglich aber unbedeutend sein ist für immer“. Natürlich bezog sich der französische Kaiser damals auf sich selbst und nicht etwa auf den Hückeswagener Bürgermeister Heinrich Gottfried Eschmann. Aber es würde passen: Eschmann war der erste Bürgermeister der Stadtgemeinde, die am 4. April 1859 entsprechende Rechte bekam und somit auch die Trennung von Stadt- und Landgemeinde zur Folge hatte. Seine Amtszeit war äußerst erfolgreich: So sorgte er dafür, dass 1863 erstmals ein Polizeidiener eingestellt wurde und die Gasbeleuchtung auf dem Stadtgebiet in Gang kam. 1866 weihte er das Marienhospital ein und unter seiner städtischen Regie bildete sich drei Jahre später die Feuerwehr. Vor allem aber trug er in Gesprächen mit den anderen Kommunen schon im Juli 1869 dazu bei, dass Hückeswagen ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde.

Umso erstaunlicher ist es, dass es zu Heinrich Gottfried Eschmann im Stadtarchiv nur eine dünne Akte gibt, die einen einzigen Zeitungsausschnitt in Form einer kurzen BM-Rückblende aus dem Jahr 1982 enthält. Auch ein Foto sucht man vergebens. Und während die Bürgermeisternamen Wirth, Hagenkötter oder Leyhausen auch Nicht-Historikern in Hückeswagen ein Begriff sind, kommt bei dem ersten Stadtgemeindevorsteher meistens die Antwort: „Eschmann? Kenn ich nicht!“

Überliefert ist eine in Teilen schwer verständliche Pressenotiz über seine Wahl am 23. Mai 1863. Verkürzt gesagt wurde Eschmann nur deshalb Bürgermeister, weil ein Anwärter namens Pütz aus Gummersbach einen Rückzieher machte, obwohl er bereits hoheitlich bestätigt war. So kam es, dass eben Eschmann und nicht Pütz zirka drei Wochen später am 14. Juni in das Amt eingeführt wurde. Wir erfahren noch, dass er aus Langerfeld stammt (bis 1922 eine selbständige Gemeinde, heute zu Wuppertal gehörend) und dass die Stadtverordneten mit Eschmanns Persönlichkeit, Charakter und Vorleben zufrieden waren.

Über seine politische Einstellung ist nicht viel bekannt, mutmaßlich muss man ihn dem wirtschaftsliberalen Flügel zurechnen. Im August 1867 unterstützte er in einem öffentlichen Aufruf, genauso wie sein Neuhückeswagener Amtskollege Julius Wilhelm Wirth, anlässlich einer Reichstagswahl den Kandidaten Ludolf Camphausen. Dieser wird in diesem Zusammenhang porträtiert und als gemäßigt liberal tituliert. Deutlich wird im weiteren Kontext, dass er im zu wählenden Reichstag die Interessen der Unternehmer vertreten soll.

Eschmann bleibt noch bis 1872 im Amt. Nach neun Jahren Tätigkeit wird Otto Paulussen sein Nachfolger.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 24. Mai 2018. URL: https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/eschmann-wird-buergermeister-der-stadtgemeinde_aid-22819153

17.05.2018: Rückblende (37) zum 17. Mai 1943 – Bomben fallen auf die Bevertalsperre

(nob) Wenn der ehemalige Rektor Wilhelm Stuckmann in seiner Zeitzeugen-Chronik des Zweiten Weltkrieges schreibt, dass viele Hü-keswagener Familie am 17. Mai 1943 ein „herrliches Fischgericht“ auf dem Tisch hatten, dann ist ein gewisser Galgenhumor unverkennbar. Denn die Zeiten vor 75 Jahren waren alles andere als vergnüglich.

Bei einem Fliegerangriff in der Nacht zuvor waren Bomben auf die Talsperre geworfen worden. Die Städtische Chronik berichtet von genau zwei Bomben, die eingeschlagen sind. Zwar blieb die Staumauer unbeschädigt und Menschen kamen auch nicht zu Schaden, jedoch wurde der Fischbestand stark in Mitleidenschaft gezogen. „Die Wasseroberfläche war mit Fischen bedeckt“, berichtet Stuckmann. Trotzdem waren die Fische offenbar genießbar.

Das Ereignis hatte noch eine weitere Folge: Noch am gleichen Tag wurde „leichte Flak“ an die Talsperre verlegt, um weiteren möglichen Angriffen nicht vollkommen wehrlos ausgesetzt zu sein. Später dann wurde das Personal durch Aushilfspolizisten ersetzt.

Doch warum nahmen die alliierten Kampfverbände überhaupt die Be-vertalsperre ins Visier? Auf der Casablanca-Konferenz am 21. Januar wird die Direktive für eine „gemeinsame Bomberoffensive“ der westlichen Alliierten USA und Großbritannien gegen das Deutsche Reich verabschiedet. Der Angriff auf die Talsperre ist mutmaßlich Teil einer Aktion, die in der Kriegsgeschichte unter dem Namen „Operation Chastise“ (dt.: „Züchtigung“) bekannt wird und zum Ziel hatte, Staumauern von Talsperren in Hessen und dem späteren Nordrhein-Westfalen durch eine spezielle Staffel der Royal Air Force anzugreifen. Das Bild der zerstörten Edertalsperre, bei dem ein großes Stück aus der Mauerkrone herausgesprengt wurde, ist ins kollektive Bildergedächtnis der Deutschen übergegangen. Die überregionalen Kriegschroniken berichtet zwar nicht über einen geplanten oder stattgefunden Angriff auf die Bevertalsperre, doch das Datum ist mit Sicherheit kein Zufall.

Der britische Premierminister Winston Churchill geht in einer Rede am 8. Juni 1943, also knapp einen Monat nach dieser Operation, nochmal in einem Propaganda-Flugblatt auf die Motivation der Bombenabwürfe ein, damit Ursache und Wirkung nicht verdreht werde: „Der Feind stimmt jetzt ein lautes Wehgeschrei darüber an, dass diese Form der Kriegsführung, durch die er selbst die Weltherrschaft zu erlangen gedachte, sich so entschieden zu ihrem Nachteil gewendet hat.“ Rektor Wilhelm Stuckmann beklagt in seiner Chronik, dass 1943 im zunehmenden Maße „die schönen deutschen Städte in Schutt und Asche gelegt werden“. Alleine in Hückeswagen gab es 34-mal Luftalarm und an 55 Ge-bäuden entstanden Schäden. Fünf Menschen kamen ums Leben, 14 Kühe und ein Pferd verendeten nach Bränden.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 17. Mai 2018, URL: https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/grosses-fischsterben-nach-bombenangriff-auf-die-bever-talsperre_aid-22686049

01.05.2018: Rückblende (36) zum 1. Mai 1893 – Winterhagen bekommt einen Eisenbahnhaltepunkt

Der Bahnhof Winterhagen mit dem alten und dem neuen Stationsgebäude. Foto Archiv Kux/Johann.

(nob) Der Tanz in den Mai 1893 war für die Menschen in Winterhagen ein ganz besonderes Fest. Der 1. Mai war ein Montag und würde ihre kleine Welt nachhaltig verändern. Angekündigt war nämlich die Eröffnung eines Eisenbahnhaltepunktes.

Als am 13. Mai 1876 die Bergisch-Märkische Eisenbahn die ersten Züge zwischen Lennep und Hückeswagen nach offiziellem Fahrplan rollen ließ, war davon noch keine Rede. Die Menschen in Winterhagen, wo die Trasse durch das Gebiet der Landgemeinde führte, blieben zunächst Zaungäste und mussten ihre Fahrkarten entweder in Hückeswagen oder in Bergisch Born lösen. Doch knapp zwei Jahrzehnte änderte sich das. Es stand der generelle zweigleisige Ausbau der Strecke von Lennep nach Bergisch Born an und Vorprüfungen kamen zu dem Ergebnis, dass sich nun die Eröffnung eines Haltepunktes in Winterhagen, dass an dem Abzweig von Bergisch Born nach Wipperfürth lag, für den Personenverkehr lohnen würde. Und so erfolgte am 2. März 1893 der erste Spatenstich. Voller Vorfreunde wertet die Bergische Volkszeitung den Beginn der Arbeiten „als einen weiteren Fortschritt für die Entwicklung unserer Verkehrsverhältnisse“.

Der neue Fahrplan hatte immerhin 15 Halts in Winterhagen in die eine oder andere Richtung vorgesehen. Der erste Zug startete um 6.17 Uhr nach Bergisch Born, der letzte fuhr um 22.17 Uhr nach Wipperfürth. Und die Menschen konnten dort nicht nur Fahrkarten kaufen. Die Landwirte konnten an der Station ihre Milchkannen verladen und eine neue Gaststätte eröffnete. Somit entstanden ein neuer Warenumschlagsplatz und ein Treffpunkt, an dem Neuigkeiten ausgetauscht wurden.

Eine erste Bilanz zwei Monate nach Eröffnung gab den Optimisten recht, die eine starke Frequenz vorhergesagt hatten: Alleine im Premierenmonat Mai wurden über 2400 Fahrkarten ausgegeben. Auch am anderen Ende der Landgemeinde an der Grenze zu Wipperfürth kam Vorfreude auf, denn noch für November war ein Halt in Hämmern geplant.

In den folgenden Jahren florierte die Bahnverbindung, so dass 1898 erste Erweiterungen erfolgten. Der Bahnsteig wurde um 50 Meter verlängert und das Stationsgebäude erhielt einen Wartesaal für die Passagiere der 1. und 2. Klasse. Der Höhepunkt der Winterhagener Eisenbahngeschichte kam am 1. Dezember 1906: Direkt neben dem ersten Stationsgebäude entstand ein neuer Bahnhof und wie es damals hieß, das schönste Bahnhofsgebäude der Region. Als die Familie Kux das Gebäude viele Jahrzehnte später erwarb und im Jahr 2006 im privaten Kreis „das Hundertjährige“ Bestehen feierte, war das erste Stationsgebäude schon lange abgerissen. Bilder im Eingangsbereich der Heilpraxis von Ute Kux künden noch heute von den ruhmreichen Zeiten.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 8. Mai 2018. URL: https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/winterhagen-bekommt-einen-eisenbahnhaltepunkt_aid-22487313

28.04.2018: Rückblende 28. April 1938 – Gründung einer Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) in Hückeswagen

Eine SGV-Jahreshauptversammlung im Jahr 1977 unter der Leitung von Werner Scheider. Foto: Kübach/Archiv SGV.

(nob) Es ist ein Phänomen in der Geschichtsschreibung über Vereine in Deutschland und war oft eine der ersten Fragen von Neumitgliedern: Warum gibt es außerhalb des Sauerlandes eigentlich Abteilungen des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV)? Dem Mitbegründer des Vereins, dem Forstrat Ernst Ehmsen aus Arnsberg, gelang es ab 1890 auf Dienstreisen in kurzer Zeit wichtige Persönlichkeiten aus anderen Städten zu einer Abteilungsgründung zu bewegen. Schon damals stand der Fremdenverkehr im Zentrum des Interesses der Aktiven, heute würden wir es Struktur- und Tourismusförderung nennen.

Schnell verbreitete sich diese Idee, die auch das Anlegen und Pflege von Wanderwegen oder die Ortsbildpflege enthielt, und es gelang sogar SGV-Ableger in Berlin und Warschau zu gründen. 1891 gab es bereits 44 Abteilungen, trotzdem sollte es zu einer Gründung in Hückeswagen noch bis 1938 dauern. Diese und auch andere Gründungen jener Zeit gingen jedoch auf Kosten der Naturfreunde, der großen Wanderbewegung der Arbeiter, die den Sozialisten nahestand. Diesen Strukturen wollten die Nationalsozialisten etwas entgegensetzen, was ihnen nach der Machtübernahme Hitlers und der Gleichschaltung der Vereine ungleich leichter fiel.

In Hückeswagen hatten die Naturfreunde zunächst eine Hütte, später ein Haus, auf der so genannten Himmelswiese im idyllischen Wiebachtal (heute Staugebiet der Wuppertalsperre). Kurzerhand zerschlugen 1933 Nazischergen die Inneneinrichtung. Fünf Jahre später trieb in Hückeswagen der NSDAP-Gefolgsmann und von den Machthabern eingesetzte Bürgermeister Albert Gimbel die Pläne für die Gründung einer SGV-Abteilung voran und lud für den 28. April 1938 zur ersten Versammlung ein. In den Chroniken und den sich darauf berufenden Texten und Jubiläumsankündigungen wird immer der 28. März 1938 angegeben, was jedoch auf eine missverständliche Notiz der Gründer im Protokollbuch zurückzuführen ist. Im Übrigen wurde das Vereinshaus im Wiebachtal ebenfalls vom SGV übernommen.

Gründungsmitglieder des SGV Hückeswagen waren Menschen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, unter anderen der Sparkassendirektor Otto Schmitz, Hugo Stöcker, Hermann Heupel, Carl von Polheim, Eduard Schoppmann und Rektor Emil Stosberg. Den Aktiven vor Ort ging es in erster Linie, soweit es die Protokolle und Berichte erkennen lassen, um das Erleben der Natur, die Pflege des Ortsbildes und der Schaffung einer Infrastruktur zum Wandern. Erster Vorsitzender wurde Walter Kruse, prägend war danach vor allen Arnold Schmitz, der ab 1946 genau 30 Jahre den Verein führte.

Bis zur Auflösung der Abteilung am 31. Dezember 2012 wurde das Mitgliedsbuch akribisch geführt, zuletzt von Helga Bonell. Der Nachlass mit vielen Dokumenten aus den ersten Jahren ist mittlerweile gesichert und wird zurzeit geordnet und später dem Stadtarchiv Hückeswagen übergeben.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 3. Mai 2018. URL: www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/abteilung-des-sauerlaendischen-gebirgsvereins-entsteht-aid-1.7551595

21.04.2018: Rückblende 21. April 1968 – Der NS-Verfolgte Klaus-Heinrich Carl ist gestorben

Klaus-Heinrich Carl. Fotografie aus dem Bergischen Volksboten vom 30.12.1952.

Nur kurz ging vor 50 Jahren die ortsansässige Zeitung auf das Schicksal des in Hückeswagen aufgewachsenen Klaus-Heinrich Carl ein. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit den Nationalsozialisten verbrachte der Sohn des Rektors Matthias Carl, der in der Katholischen Stadtschule wirkte, einige Zeit in einem Konzentrationslager.

(nob) Es ist eine Geschichte, die sich in den 1930er- und 1940er-Jahren im Bergischen Land so oder ähnlich unzählige Male im Verborgenen abgespielt hatte. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgten in der Regel die NS-Täter bei den späteren Prozessen in Nürnberg oder der Rückblick auf spektakuläre Zwischenfälle, wie etwa den Hückeswagener Kommunistenmorden im Jahr 1932. Das stille Leiden der vielen Opfer hingegen vollzog sich im Privatbereich. Eine Passage in einem Nachruf der Bergischen Morgenpost vom 8. April 1968 anlässlich des Todes des Hückeswageners Klaus-Heinrich Carl lässt daher aufhorchen: „Die Nationalsozialisten verhafteten ihn wegen einiger Meinungsäußerungen und brachten ihn in einem Konzentrationslager unter in dem er schwere Zeiten durchstehen musste.“

Im Kontrast hierzu steht ein Zeitungsartikel im Bergischen Volksboten vom 30. Dezember 1952 anlässlich des Abschiedes aus Burscheid, wo Carl seit 1947 als Vikar tätig war. Es sei „aus der Kriegsgefangenschaft in Ägypten“ gekommen, hieß es dort. Die KZ-Haft wird jedoch mit keinem Wort erwähnt, wohl aber „harte, hinter ihm liegende Zeiten“. Diesem Kartell des Schweigens nach dem Zweiten Weltkrieg rund um die Vorgänge in den Konzentrationslagern vergrößerte nur noch das Leiden der Überlebenden. Richter, Juristen und Politiker, aber auch Journalisten, Beamte sowie Menschen aus vielen andere Schichten der Gesellschaft kehrten diese Dinge unter den Teppich. Erst mit den Auschwitz-Prozessen kam gesellschaftlich etwas in Bewegung und ein schmerzhafter Konflikt der Generationen brach sich Bahn. Die Fragen: „Warum?“ und „Was wusstet ihr?“ wurden zum Schrecken so mancher Menschen aus der Täter- und Mitläufer-Generation.

Wer war nun Klaus-Heinrich Carl? Er wurde am 6. Juli 1911 in Hückeswagen geboren. Er war der Sohn des Rektors Matthias Carl, der viele Jahrzehnte an der katholischen Stadtschule (heute Löwen-Grundschule) wirkte. Klaus-Heinrich Carl verbrachte seine Jugendzeit in Hückeswagen. 1939 wurde er nach dem theologischen Studium im Hohen Dom zu Köln zum Priester geweiht und seine Primiz (erste Messe) feierte er in seinem Heimatort. Seine erste Kaplanstelle erhielt er in St. Wendel an der Saar. Aber nur kurze Zeit konnte er hier seines Amtes walten: Die Nationalsozialisten verhafteten ihn wegen einiger (nicht näher ausgeführten) Meinungsäußerungen und brachten ihn in ein (ebenfalls nicht näher bezeichnetes) Konzentrationslager. Inwiefern die Haft im KZ und die Kriegsgefangenschaft in Ägypten im Zusammenhang stehen, lässt sich aus den bisher vorliegenden Informationen nicht rekonstruieren. Am 1. April 1947 jedenfalls trat der Hückeswagener als Vikar eine Stelle in Burscheid an und verbliebt dort bis Weihnachten 1952. Von dort ging es weiter zur Gemeinde St. Antonius in Essen-Frohnhausen. Die letzte berufliche Station war die Berufung als Pfarrrektor nach Westerhausen, wo er 1968 an einem Gehirnschlag starb.

Info: In Hückeswagen oder Burscheid liegt bisher kein Aufsatz, etwa eine Kurz-Biografie über den Geistlichen Klaus-Heinrich Carl vor. In den beim Prälaten und bekannten Historiker Helmut Moll vorliegenden Verzeichnissen, der schon seit vielen Jahre im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz das Leben der katholischen Märtyrer des NS-Reiches untersucht, wird er unter Nikolaus-Heinrich Carl geführt.

Erschienen in gekürzter Fassung in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 21. April 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/klaus-heinrich-carl-stirbt-aid-1.7528043

 

03.04.2018: Rückblende 3. April 1888 – Der „Gute Hirte“ Gerhard Rottlaender wird geboren

Pfarrer Gerhard Rottlaender, Bild Stadtarchiv Hückeswagen.

(nob) Der „Gute Hirte“ ist ein feststehender biblischer Begriff und steht heute nicht nur als Synonym für Jesus Christus, sondern auch für einen herausragenden Geistlichen. Der BM-Journalist Theo Dörpinghaus bezeichnete in einem Nachruf vom Februar 1972 den katholischen Pfarrer Gerhard Rottlaender als einen solchen und wenn man sich sein Wirken in Hückeswagen betrachtet durchaus zurecht.

Rottlaender wurde am 3. April 1888 als fünftes von acht Kindern in einer Arbeiterfamilie in Engelskirchen geboren. Trotzdem besuchte er das Humanistische Gymnasium in Krefeld, wo er im Frühjahr 1909 sein Abitur ablegte. Zum Studium der Theologie und der Philosophie besuchte er drei Jahre die Universität in Bonn, anschließend absolvierte er zwei Semester am Priesterseminar in Köln. Im Hohen Dom zu Köln erhielt Gerhard Rottlaender schließlich am 15. Februar 1913 die Priesterweihe.

Mit frischen Weihen und im Alter von 24 Jahren kam er dann nach Hückeswagen, wo er vom 1. März 1913 bis 1925 das Amt eines Vikars bekleidete. Direkt in seiner Anfangszeit wurde er 1914 bei einer Pfarrer-Vakanz kurzzeitig Pfarrverweser, bis Pfarrer Friedrich Uerlichs als Nachfolger von Joseph Heil das Leitungsamt der St. Mariä Himmelfahrt-Pfarrgemeinde übernahm.

Besondere Verdienste erwarb er sich als Präses im Gesellenverein (heute Kolpingsfamilie), wo er sich leidenschaftlich der Theatergruppe widmete. Auch gründete er ein Tambourcorps.

Im Jahre 1925 endete die erste Phase seines Wirkens in Hückeswagen, denn er wurde als Pfarrrektor und später als Pfarrer nach Bergneustadt versetzt. Ende 1936 übernahm er die Gemeinde „St. Severin“ in Lindlar, aber schon im April 1937 kehrte er nach Hückeswagen zurück, dieses Mal als Pfarrer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt sein Engagement dem Umbau der Katholische Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, der Erweiterung und der Modernisierung des Marienhospitals und dem Bau der „Kapelle Maria zur Mühlen“. In einem Nachruf wird vor allem seine Rolle als Kuratoriumsvorsitzender des Krankenhauses gewürdigt, da er wohl einen Sinn fürs kaufmännische entwickelte. Möglich wurde so der Bau eines neuen Schwesternhauses und eines Personalhauses.

Im Jahr 1955 ließ er für die Gemeinde in Voraussicht von steigenden Mitgliedszahlen ein Grundstück in Wiehagen erwerben, wo später die St. Katharina-Kapelle mit einem Gemeindezentrum entstand.

Zum 1. Oktober 1967 ging Rottlaender in den Ruhestand, wobei er mit einem feierlichen Hochamt verabschiedet wurde. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm Joseph Kardinal Frings den kirchlichen Ehrentitel „Erzbischöflicher Rat“.

Der Geistliche blieb in Hückeswagen wohnen, wo er in einem Schieferhäuschen an der Weierbachstraße seinen Lebensabend verbrachte. Noch bis zu seinem Tod am 3. Februar 1972 arbeitete er als Seelsorger im Marienhospital und kümmerte sich aufopferungsvoll um die Kranken. Sein diamantenes Priesterjubiläum, das Mitte Februar 1972 gefeiert werden sollte, durfte er nicht mehr erleben.

URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/der-gute-hirte-von-hueckeswagen-wird-geboren-aid-1.7505888, erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 11. April 2018.