08.10.2018: Rückblende (52) zum 8. Oktober 1918 – Gemeinde bietet baltische Landarbeiter an

Das Inserat mit der Offerierung der baltischen Landarbeiter durch die Gemeinde Neuhückeswagen am 8. September 1918.

(nob) Es ist ein Inserat der Gemeinde Neuhückeswagen, das stutzig macht und alleine schon wegen des Inhalts bemerkenswert. Am 8. Oktober 1918 lässt Bürgermeister Richard Leyhausen in der Bergischen Volkszeitung folgenden Text veröffentlichen:

„Es besteht die Möglichkeit für Landwirte tüchtige baltische Landarbeiter zur Arbeitsleistung anzufordern. Die Leute werden wie Deutschrussen behandelt und brauchen nicht bewacht zu werden, außerdem können sie einzeln untergebracht werden. Anträge sind schriftlich unter der Größe der Ackerfläche spätestens bis zum 12. des Monats hierhin einzureichen.“

Die Passage „…brauchen nicht bewacht zu werden…“ offenbart somit in aller Öffentlichkeit ein System, dem sich die Geschichtsforschung systematisch erst seit wenigen Jahren widmet: Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg. Der Historiker Christian Westerhoff veröffentlichte 2012 ein weithin anerkanntes Werk, in dem er sich speziell der deutschen Arbeitskräftepolitik in Polen und Litauen widmet.

Teile des Baltikums waren von 1915 bis 1918 von Deutschland besetzt und standen unter dem Namen „Ober Ost“ de facto unter Militärverwaltung. Heute gehört dieses Gebiet östlich von Königsberg in Teilen zu Lettland, Litauen, Polen und Weißrussland. Da während des Ersten Weltkriegs im Kernland in Industrie und Landwirtschaft Arbeitskräftemangel herrschte, warb man ausländische Kräfte an, zunächst freiwillig, später dann zwangsweise. Letzteres heißt konkret, dass kräftig aussehende Männer bei regelrechten Razzien festgenommen und zur Arbeit gezwungen worden. Zwangsarbeit war also nicht nur ein Phänomen des Zweiten Weltkrieges, wo diese allerdings im noch größeren Stil angewandt wurde. Nach den Schätzungen Westerhoffs wurden während des Ersten Weltkriegs zirka 24.000 Menschen aus Ober Ost zwangsweise vermittelt, aus dem ungleich größeren Weichselgebiet, der westlichen Provinz des Russischen Reiches (damals auch „Russisch-Polen“ genannt), waren es zirka 220.000 Menschen.

Obwohl schon im August 1918 die Kriegsniederlage des Deutschen Reiches abzusehen war, setzten die Militärverwaltung die Rekrutierungsmaßnahmen fort, so dass eben noch im Oktober 1918 Bürgermeister Leyhausen „seinen Landwirten“ das Angebot machen konnte. Doch nach dem Waffenstillstandsabkommen von Compiègne am 11. November 1918 brach die Verwaltung im besetzten Gebiet zusammen und der Arbeitskräftezufluss versiegte. Nur noch wenige kamen danach freiwillig ins Kernland, denn der Arbeitsmarkt wurde nun mit rückkehrenden Soldaten gefüllt, die alle wieder an ihren Arbeitsplatz wollten.

Leyhausen erwähnt in seinem Inserat auch die Deutschrussen, die während des Ersten Weltkrieges als Landarbeiter sehr willkommen waren. Der Spiegel-Autor Uwe Stock stellt einem Artikel dazu fest, dass viele von ihnen in Russland nun plötzlich als „Vorposten des mächtigen Deutschen Reiches und als potentielle Vaterlandsverräter“ gebrandmarkt wurden.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 19.10.2018.

13.09.2018: Rückblende (49) zum 13. September 1918 – C.F. Schroeder dementiert Daimler-Ansiedlung

Eberhard Schroeder mit Tochter Herta neben einem Auto in Hückeswagen im Jahr 1925.

(nob) Gerüchte sind für einige Zeitgenossen in einer Stadtgesellschaft das Salz in der Suppe, zum Beispiel um sich wichtig zu machen. Andere sehen darin ein Mittel zur Rufschädigung oder sogar mehr. Wie Gerüchte genau zustande kommen, ist oftmals geheimnisvoll und unergründlich, doch versuchen wir es im Fall von C.F. Schroeder trotzdem einmal. Unter anderem haben bereits Ingo Schaffus und Hella Krumm (beide BGV) sowie Wolfgang Schuler, ein Urenkel des Firmengründers, Informationen zu C.F. Schroeder in diversen Publikationen zusammengetragen, die nun hilfreich sind.

Zunächst zum Gerede: Am 13. September 1918 erscheint eine bemerkenswerte Anzeige in der Bergischen Volkszeitung. Das Unternehmen C.F. Schroeder tritt in diesem Inserat Gerüchten entgegen, wonach ihr im Jahr 1914 errichteter Neubau in Kobeshofen durch die Daimler-Motoren-Gesellschaft Stuttgart-Untertürkheim erworben worden sei. Auch habe sich das berühmte Werk aus Süddeutschland nicht am Unternehmen beteiligt, zudem erfolgte der verdeutlichende Hinweis: „Alleiniger Inhaber ist Eberhard Schröder“.

Um das zu verstehen, müssen wir uns die Geschichte des Unternehmens etwas genauer anschauen. Bei C.F. Schroeder handelt es sich um eine Firma mit zunächst einem, später zwei Zweigwerken in Hückeswagen. Der Hauptsitz befand sich in Volmarstein. Firmengründer ist Carl Friedrich Schroeder jun. (1838-1892), wobei der Sohn Eberhard (1879-1958) in seine Fußstapfen trat und später in Hückeswagen in der Villa Clarenbach in Kleineichen ansässig wurde. Im Jahr 1906 wurde zunächst in Tannenbaum die Tuchfabrik H.W. Kipper, R. Schnabel & Edelhagen angemietet. Sie wird gemäß dem Hauptprodukt von C.F. Schroeder in eine Schlossfabrik umgewandelt, eine Bezeichnung, die sich im Volksmund durchsetzt und Namens gebend für eine Straße wurde. 1914 errichtete das Unternehmen in Kobeshofen einen Neubau. Dieser war nötig geworden, da die Fabrik in Tannenbaum mit mehr als 100 Beschäftigten ausgelastet war. Allerdings stockte die Inbetriebnahme aufgrund des Ersten Weltkrieges, so dass im Neubau zunächst eine Gesenkschmiede eingerichtet wurde, in der für die Reichsbahn Teile des Oberbaus von Eisenbahngleisen gefertigt wurden. Der Aufbau des neuen Werkes in Kobeshofen gelang durch Hinzuziehung von Fachkräften aus Volmarstein. Neben anderen Produkten wurden auch Eisenteile für die Wagenbauindustrie gefertigt.

Und hier dürfte die Grundlage für diese Gerüchte liegen: Fachkräfte, die plötzlich von außen kommen in Kombination mit einer Planänderung in Form eines neuen Fahrzeug-Produktes. Und dann ist da noch der Autoliebhaber und Firmenleiter Eberhard Schroeder, der sich gerne in schönen Autos zeigt. Also ist es doch vollkommen klar: Daimler kommt nach Hückeswagen! Nun, Daimler kam nicht in die Schloss-Stadt und 1929 ist mit dem Konkurs eine knapp Vierteljahrhundert dauernde Unternehmens-Saga zu Ende.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 13.09.2018.

20.09.2018: Rückblende (50) zum 20. September 1968 – WDR-Prominentenmannschaft kickt an der Schnabelsmühle

Ein Gemeinschaftsfoto der beiden Prominentenmannschaften vom WDR und aus Hückeswagen mit der Reporter-Legende Ernst Huberty am Mittelkreis. Foto: Theo Dörpinghaus.

(nob) Es war der 20. September 1968, als in Hückeswagen ein Sportereignis stattfand, von dem der BM-Berichterstatter Theo Dörpinghaus schreibt: „Halb Hückeswagen war auf den Beinen […] und es war schon Wochen vorher in aller Munde.“ Die Rede ist allerdings nicht von einer Weltmeisterschaft, sondern vom Auftritt der WDR-Prominentenmannschaft an einem Freitagabend auf dem Sportplatz, dass für Hückeswagener Verhältnisse von unfassbaren 2500 Zuschauern verfolgt wurde. Tatsächlich gab es in der Bergischen Morgenpost zu diesem Fußballspiel eine ausführliche Vor- und Nach-Berichterstattung, ganz offenbar wurde der Stellenwert dieser Veranstaltung als sehr hoch eingeschätzt. Nicht nur Prominente traten auf, auch wurde Gutes getan, so war der Erlös für Waisenhäuser bestimmt.

Die Begeisterung von Dörpinghaus könnte auch damit erklärt werden, dass er als Linienrichter eingesetzt war, die Aufstellung der Teams war aber gewiss eine ganz besondere. Für den WDR spielten unter anderem: Paul Olpp (Handball-Nationalspieler, Olympia-Teilnehmer 1936 und später Architekt), Ernst Huberty (Sportmoderator), Willy Quator (Europameister im Boxen), Gerd Harpers (Fußball-Nationalspieler), Erich Schöppner (Profiboxer) und Reinhard Münchenhagen (Fernsehmoderator). Hier wollten die Hückeswagener nicht hintenanstehen und boten ihrerseits die geballte Lokalprominenz auf, zum Beispiel: Dr. Peter Bode (Allgemeinmediziner), Fred Purwin (Mitglied der legendären Raspo-Landesligaelf), Horst Flosbach (Langstreckenläufer und Olympia-Teilnehmer), Burkhard Moos (Pfarrer), Wilfried Stawicki (Gastwirt) und Fritz Krumm.

Linienrichter Herbert Orbach ritt zur Freunde der Zuschauer zu Beginn der zweiten Halbzeit als „Don Camillo“ auf einem Esel auf dem Platz. Bild: Theo Dörpinghaus.

Unter anderem Sportler des ATV und des Turnerbunds Hückeswagen gestalteten das Rahmenprogramm, in dem auch ein 800-Meter-Lauf stattfand. Köstlich amüsiert haben sich die Zuschauer den Berichten zu Folge über den Linienrichter Herbert Orbach. Als das Spiel zur zweiten Halbzeit angepfiffen wurde, ritt dieser unvermittelt als Don Camillo aufs Feld, eine Hommage an eine damals sehr populäre Fernsehfigur. Übrigens: Das Spiel endete 4:4, doch das Ergebnis interessierte am Ende niemanden, stand doch der Spaß und der gute Zweck im Vordergrund.

Der Tag klang mit einem gemütlichen Beisammensein im Hofgarten aus, wo nun auch der damalige RSV 09-Vorsitzende Friedhelm Bender zu Wort kam, der als Hauptorganisator galt und dabei von Bürgermeister und Politik unterstützt wurde. Initiator war jedoch Paul Olpp, der zwischen dem Prominententeam und Stadt vermittelt hatte. An diesem Abend erfuhren die Hückeswagener auch, dass das Prominententeam bereits seit zirka 1948 spielt und so über vier Millionen D-Mark für den guten Zweck eingespielt hatte. Die Kölner bekamen als Abschlussgeschenk ein Bild vom Schloss samt Signatur.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 20. September 2018.

04.10.2018: Rückblende (51) zum 4. Oktober 1993 – Frühschwimmer retten das Hallenbad

Die Mitgliederentwicklung der IG Frühschwimmer vom 4.10.1993 bis zum 04.10.2018.

Unter Aufbruchstimmung wählten 25 Mitglieder Horst Hellerling zum ersten Vorsitzenden des Vereins. Es begann eine Erfolgsgeschichte, die bis in die Gegenwart andauert. Heute würdigen alle Seiten die IGF als wichtige Säule des Bades, doch der Erfolgsdruck ist nach wie vor groß.

(nob) Die Schlagzeile in der Bergischen Morgenpost in der Ausgabe vom 5. Oktober 1993 liest sich bereits wie eine Bilanz: „Private retten das Hallenbad“. Berichtet wird im Folgenden über die Gründungsversammlung der IG Frühschwimmer am Tag zuvor, bei der „25 feste Mitglieder“ zugegen waren. In der ansonsten faktischen Schilderung der Hintergründe gibt zumindest die Unterschrift unter einem Foto, das Menschen auf der Versammlung zeigt, eine kurze Auskunft über die damalige Gefühlslage der Akteure, so ist von „optimistischer Aufbruchsstimmung“ die Rede. Ein Indiz für die hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ist die Tatsache, dass an diesem Abend des 4. Oktober bereits Namen von 150 Interessenten vorlagen, die sich in dem Verein aktiv oder passiv engagieren wollten.

Wie wir heute wissen, sollte der Verfasser der damaligen Schlagzeile Recht behalten. Das Hallenbad, das damals noch Willi-Daume-Bad hieß, würde vorläufig gerettet werden, wenngleich es im Jahr 2008 noch einmal zu einer finanziellen Krise kam. Vor zehn Jahren schuf man dann die Bürgerbad gGmbH, da die Defizite der Einrichtung erneut in die Höhe schossen (Die BM blickte Anfang des Jahres darauf zurück).

Doch zurück zur Gründungsversammlung: Die Vorgehensweise, zu der sich die Versammlungsteilnehmer 1993 entschlossen, war zumindest auf Ebene des Deutschen Schwimmverbandes einzigartig. Deshalb berichtete der frisch gebackene Gründungsvorsitzende Horst Hellerling noch auf dem Treffen von der Absicht des Verbandes, dieses Verfahren als neue Idee überall publik machen zu wollen. Sie bestand im Kern darin, einerseits die öffentlichen Schwimmzeiten zu reduzieren, um so laufende Kosten zu sparen, womit vor allem die Personalkosten gemeint waren. Andererseits sollte den Menschen trotzdem ein Zugang zum Bad ermöglicht werden, in dem sie als Mitglied eines Fördervereins in eigenen Zeitfenstern unter vergünstigtem Eintritt schwimmen konnten. Auf die Mitgliedsbeiträge waren die IG Frühschwimmer in-sofern angewiesen, da die Aufsicht führenden Übungsleiter, aber auch die Versicherung für alle Schwimmer finanziert werden mussten. Eines dieser Zeitfenster war montags zwischen 7 und 8 Uhr, womit sich der Begriff „Frühschwimmer“ von selbst erklärt.

Über Auslöser und Motive zu dieser Art des Vorgehens berichtete Hellerling rückblickend in einem BM-Interview aus dem Jahr 2013. So kam der eigentliche Anstoß vom damaligen Stadtdirektor Hans-Jürgen Pauck und der damaligen Badleiterin Andrea Poranzke. Denn: „Es lag de facto ein Schließungsbeschluss vor und man fragte uns Schwimmer, ob wir nicht etwas zur Rettung des Bads unternehmen können“, so Hellerling. Hintergrund war eine Anordnung der Bezirksregierung, die aufgrund des großen städtischen Defizits erfolgte und zwingend Einsparungen vorsah.

Aus heutiger Sicht war die damalige Gründung der Rettungsanker für die Einrichtung und die Idee genau die Richtige. Thomas Cosler, aktueller Vorsitzender der Frühschwimmer, stellt heraus: „1900 Mitglieder der IGF stehen gemeinsam mit dem Stadtsportverband für die Idee eines Bades in Bürgerhand.“ Aus den anfänglich 25 Wahlberechtigten und 150 Interessierten ist einer der größten Vereine der Stadt geworden und stellen so eine „unmittelbare Überlebenshilfe für das Bad“ dar, wie Cosler weiter betont.

Bürgermeister Dietmar Persian, der bereits seit 1975 bei der Stadt arbeitet, hat persönlich keine Erinnerung an die Gründungsversammlung, ist jedoch selbst Mitglied bei den Frühschwimmern. „Dieser Verein war elementar für das Hallenbad und ist es nach wie vor“, stellt Persian heraus. „Ohne das persönliche Engagement der Menschen wäre eine Rettung undenkbar gewesen.“

Mitgliederentwicklung der IG Frühschwimmer:

  • 4.10.1993: 25 Menschen wählen den ersten Vorstand, noch 150 Interessierte vor der offiziellen Eintragung als Verein
  • 15.12.1993: mehr als 200
  • Ende 1997: 600
  • Anfang 2002: 800
  • 4.10.2003: 900
  • Januar 2005: 1000
  • Oktober 2008: mehr als 1200
  • Anfang 2012: 1406
  • Heute: 1900

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 10.10.2018.

29.10.2018: Rückblende (53) zum 29. Oktober 1868 – Dienstjubiläum von Pfarrer Giesen wird groß gefeiert

Pfarrer Giesen, Foto Nachlass Paffrath, Stadtarchiv.

(nob) Wenn der Rauch von Kanonen durch eine Kleinstadt des 19. Jahrhunderts wabert und dazu noch der Donner der Geschütze die Menschen morgens aus den Betten wirft, ist das normalerweise kein gutes Zeichen. „Ist denn wieder Krieg?“, mögen sich so manche Uninformierte gefragt haben. Mitnichten war Krieg, vielmehr feierte Pfarrer Johann Peter Heinrich Giesen sein 25-jähriges Pfarrjubiläum.

Am 29. Oktober 1868 wird dieser Jubeltag in Hückeswagen groß gefeiert. Ein ausführlicher Bericht des Lenneper Kreisblatts, dessen Umfang für ein lokales Ereignis zu dieser Zeit eher ungewöhnlich ist, widmet sich diesem Geschehen. Schon am Abend des 28. Oktober begannen die Feiern mit einem Fackelzug. Dabei gebraucht der Verfasser des Artikels die Formulierung „eine große Anzahl seiner Verehrer“, womit wir einen weiteren Hinweis auf den Status dieses Mannes in der Stadt erhalten. Auch die zahlreichen weiteren Berichte vor und nach dem Jubiläum künden von der enormen Beliebtheit des Geistlichen.

Am Festtag selbst leiteten dann die schon beschriebenen Kanonenschläge die weiteren Feiern ein. Es folgte zunächst ein Gottesdienst in Form eines Hochamtes. Giesen wurde dabei mit einem Umzug von der Schuljugend in die Kirche geleitet. Nach dem Hochamt ging es dann in einem Festzug zur Schule, wo Ehrengeschenke überreicht wurden. Besonders betont wird im Bericht die Gratulation der Armen und Kranken des Marienhospitals, das von Giesen 1866 gegründet und eingerichtet wurde.

Nach den Gratulationen in der Schule erfolgte ein Festdiner im Hotel Königs mit 150 Gästen. Zum damaligen Zeitpunkt war das Hotel ein wichtiger Treffpunkt in der städtischen Gesellschaft.

Die große Beliebtheit von Johann Peter Heinrich Giesen erklärt sich in Teilen auch aus seiner Biografie. Als Geistlicher war er ein Seiteneinsteiger. In Hückeswagen wurde er am 28. September 1797 geboren. Ursprünglich lernte er das Gewerbe des Tuchmachers. Im Alter von 27 Jahren fand er noch Aufnahme in eine Schule, um mit 32 Jahren das Abitur zu machen. Es folgte eine vierjährige theologische Ausbildung. 1833, im Alter von 36 Jahren, wurde er Pfarrverwalter in Cronenberg, wo er sich auch den Rufnamen „dä Bettelpastur“ (der Bettelpastor) erwarb. Seine Beharrlichkeit in Sachen Geldeintreiben für die Belange der Kirche stellte er ab November 1843 auch in Hückeswagen unter Beweis, wo er zum Pastor der katholischen Gemeinde ernannt wurde. Für das Marienhospital sammelte er unermüdlich Geld und wurde sogar überkonfessionell tätig, in dem er Hauskollekten und Lotterielose auch an die Protestanten verkaufte. Giesen war in der Schloss-Stadt auch als Schulpfleger tätig und Mitgründer des „Katholischen Gesellenvereins zu Hückeswagen e.V.“, der heute Kolpingsfamilie Hückeswagen heißt.

Als krönender Abschluss des Festtages erhielt Giesen den preußischen Verdienstorden „Roten Adlerorden der IV. Klasse“.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 29.10.2018

20.08.2018: Rückblende (47) zum 20. August 2003 – Pilot stirbt nach Flugzeugabsturz in Hambüchen

Flugzeugabsturz am 20. August 2003 in Hambüchen, Foto Nico Hertgen für die Bergische Morgenpost, erneut publiziert am 28.08.2018 im Rahmen der BM-Rückblende.

(nob) Diesen Mittwochnachmittag im August des Jahres 2003 werden die Zeitzeugen soll schnell nicht vergessen. Es war gegen 14.45 Uhr, als einer von ihnen, der Anwohner Dieter Wurth auf dem Dierl, mit Arbeiten an seinem Haus beschäftigt war. Plötzlich tauchte ungewöhnlich dicht über dem Dach ein Kleinflugzeug mit einem Segler im Schlepptau auf. Nur zirka 20 Sekunden später war es auch schon passiert: Er hörte einen Knall. Nachdem er aufs Dach gestiegen war, sah er auf einem Feld in Hambüchen eine schwarze Rauchwolke emporziehen.

Vor 15 Jahren ereignete sich der bislang einzige in Hückeswagen bekannte Flugzeugabsturz zu Friedenszeiten. Der 73-jährige Pilot Heinz Spies verlor dabei sein Leben, und hinterließ trauernde Angehörige und Kameraden des Luftsportvereins Wipperfürth. Unterwegs war der Radevormwalder mit einer Maschine vom Typ „Robin DR 400/180R Remorqueur“. Er hatte zudem 600 Stunden Flugerfahrung, wobei er zirka 700 Starts absolvierte. Er wollte einen Segler, einen Amateurbau vom Typ „Condor IV/2“, in die Lüfte ziehen, wobei beide Maschinen aber kaum an Höhe gewannen. Nach dem Absturz des Motorflugzeugs auf einem Feld bei Hambüchen – der Segler hatte sich zuvor ausgeklinkt – brannte die Maschine aus und der Pilot starb am Unfallort. Die Feuerwehr war bereits wenige Minuten später zur Stelle, konnte aber nicht mehr viel ausrichten, da das Flugzeug im Wesentlichen aus Holz und Leinen bestand und so die Flammen schnell Nahrung fanden.

Spies gehörte einer Seniorengruppe des Vereins an, die sich in regelmäßigen Abständen traf. Er war in der Regel derjenige, der mit dem Motorflugzeug den Segler in die Höhe zog.

Auch die Tage danach wurde über die Ursachen des Absturzes gerätselt. Einen Notruf hatte der Pilot zumindest nicht abgesetzt. In der Zwischenzeit waren Sachverständige herbeigeeilt, um die Überreste der Maschine in einer Halle in Wipperfürth zu untersuchen. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vermerkt später in seinem Bericht, dass der Pilot plötzlich an Höhe verlor und das Flugzeug unkontrolliert in Rückenlage aufschlug. Die eigentliche Unfallursache wird aber auch in diesem wohl abschließenden Report nicht erwähnt.

Im Segelflieger saß ein 64-jähriger Mann aus Leichlingen. Dieser hatte eine so genannte Außenlandung nahe der Neye-Kapelle vollzogen, nachdem ihm klar wurde, dass das Fluggerät nicht genügend Thermik für einen normalen Landeanflug in Neye bekommen würde. Ein solches Flugmanöver wird von Segelflugpiloten regelmäßig trainiert.

Bei den Anwohnern löste der tödliche Absturz indes Besorgnis aus, nicht nur in Dierl, sondern auch in Kobeshofen oder Stahlschmidtsbrücke. Allerdings handelte es sich bei dem Kurs der Unglücksmaschine damals nicht um eine normale Route. Der Pilot wich nur deswegen ab, weil er nicht genug an Höhe gewann.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 28. August 2018.

06.09.2018: Rückblende (48) zum 6. September 1968 – Der Abriss von Kolls Ecke beginnt

Kolls Ecke in der Ansicht vor 1968.

 

(nob) Die 1960er-Jahre waren allgemein dafür bekannt, dass man in Bezug auf den Abriss alter Häuser relativ schmerzfrei war. Unabhängig von der Stadtkernsanierung in Hückeswagen wurden historisch bedeutende Bauten schnell dem Erdboden gleich gemacht, falls sie den immer breiter werdenden Straßen im Weg waren. Eines dieser Häuser war Kolls Ecke. Nach Meinung von Rat und Verwaltung stellte diese einfach nur eine Sichtbehinderung und Gefährdung für den Verkehr dar. Und der Berichterstatter schreibt am 6. September 1968 in der Bergischen Morgenpost in Bezug auf den Abriss fast erwartungsvoll: „Lange kann es nicht mehr dauern.“ Tatsächlich waren die letzten Mieter ausgezogen und das Schaufenster mit Brettern vernagelt. In der zweiten Oktoberhälfte war dann das Zerstörungswerk fast erledigt.

Kolls Ecke war nicht irgendein Haus. Schon der Name hat sich im Volksmund durchgesetzt und er diente bei der Stadtverwaltung als feststehende Ortsangabe für den Kreuzungsbereich Lindenbergstraße/Friedrichstraße/Bachstraße unterhalb der heutigen Stadtbibliothek. Noch heute ist der Begriff vielen Hückeswagenern geläufig, wenngleich die Erinnerung so langsam verblasst.

Folgt man dem Heimatforscher Arno Paffrath, war 1834 in dem Haus Franz Steinkäuler ansässig, der dort eine Weinwirtschaft betrieb. Historische Bedeutung erlangte das Gebäude, weil dort von 1842 bis zum 22. Februar 1879 die Poststation untergebracht war, bevor sie an den „Stricks Platz“ (Wilhelmsplatz) verlegt wurde. Steinkäuler wurde Postmeister und das Gebäude fortan „Posthaus“ oder später dann „alte Post“ genannt.

Der eigentliche Namensgeber von Kolls Ecke war Friedrich Wilhelm Koll, der im Jahr 1905 auf den Plan trat. Er kaufte das Anwesen und richtete dort sein Polster- und Dekorationsgeschäft ein. Vier Jahre später kam es dann zur Katastrophe: Am 16. Dezember 1909 – Koll hatte noch am Tag zuvor für das Weihnachtsgeschäft geworben – brannte es bis auf die Außenmauern nieder. Doch er gab nicht auf. Größer und architektonisch ansprechender ließ er es im Jahr 1910 dreigeschossig wiederaufbauen, wobei die Gebäudeecke hin zum Kreuzungsbereich abgerundet wurde. Der verrohrte Brunsbach verlief interessanterweise unter dem Haus.

Bis 1936 blieb Koll ansässig, bis der nächste berühmte Hückeswagener einzog: Wilhelm Distelmeier, später FDP-Ratsmitglied und Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins, verlegte sein Lebensmittelgeschäft von der Bachstraße 2 in Kolls Ecke. Noch bis 1968 wurde es noch unter anderem von Heinrich Menke und Herbert Mörl als Geschäft genutzt, bevor der Beschluss zum Abriss fiel, um einer neuen Verkehrsführung der Lindenbergstraße Platz zu machen.

Info: Hella Krumm hat die Geschichte von Kolls Ecke in Leiw Heukeshoven Nr. 45 zusammengefasst, unabhängig dazu berichtete Arno Paffrath aus der Entstehungszeit. Umfangreiches Material inklusive eines Lageplans zur Verdeutlichung befindet sich im Stadtarchiv.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 6.9.2018. 

 

09.08.2018: Rückblende (46) zum 9. August 1968 – Die Hauptschule nimmt ihren Betrieb auf

Das Lehrerkollegium der neu gegründeten Hauptschule, Foto vom 12.08.1968 in der BM, Fotograf nicht genannt.

(nob) Es war eine logistische Meisterleistung, die die Verantwortlichen bei der Stadt und den Schulen vollbracht hatten: Am 9. August 1968 nahm die neue Hauptschule ihren Betrieb auf, obwohl das zentrale Gebäude „im Talgrund zwischen Lindenberg und Pixwaag“, wie es damals hieß, erst in der Planung war. Stattdessen begann der Unterricht in drei teilweise weit voneinander entfernten Gebäuden. Belegt wurden die Schule in Scheideweg sowie die Evangelische und die Katholische Stadtschule (beide gegenwärtig Teil der Löwen-Grundschule). Auch die Eltern wussten bis zuletzt nicht, an welchem Ort genau ihre Sprösslinge demnächst unterrichtet werden, bis zum letzten Tag hatte die Verwaltung daran gefeilt. Betroffen waren 509 Kinder, wo denen alleine 146 die 5. Klasse besuchen würden.

Die allgemeinen politischen Ziele wurden damals vom Kultusminister Fritz Holthoff (SPD) definiert, der mit dieser Schulform das allgemeine Bildungsniveau heben und individuelle Bildungschancen für sozial benachteiligte Kinder erhöhen wollte. Mit CDU, SPD und FDP waren sich alle drei Parteien im nordrhein-westfälischen Landtag damals einig.

In Scheideweg begann in diesen August-Tagen das große Stühlerücken, denn alle vier Klassen des 5. Schuljahres wurden dort untergebracht. Die Schüler der Klassen 1 bis 4, die dort bis dato unterrichtet wurden, mussten nun in die Schule Straßweg ausweichen, da für alle kein Platz war.

In der Evangelischen Stadtschule, die später zur Gemeinschaftsgrundschule Stadt und schließlich zur Löwen-Grundschule wurde, kamen die drei Klassen des 6. Schuljahrs und zwei Klassen des 7. Schuljahrs unter. Dort standen auch der Physiksaal, der Werkraum und die Lehrküche zur Verfügung. Die katholische Stadtschule, die heute ebenfalls Teil der Löwen-Grundschule ist, beherbergte dann noch jeweils zwei Klassen des 7. bis 9. Schuljahrs. Dort gab es auch einen so genannten Nadelarbeitsraum (Handwerksraum) und eine Lehrküche.

Doch die Raumfrage war nur eines der zu lösenden Probleme. Mindestens ebenso kompliziert war die Frage, wie denn die Schüler zu den teilweise weit entfernten Unterrichtsstätten kamen. Dazu richtete die Stadt insgesamt fünf Schulbuslinien ein, die auf sehr kompliziert anmutenden Routen fuhren. Es mussten die verschiedenen Standorte der Schulen, die weit entfernten Wohnstätten in den Außenortschaften und auch der unterschiedliche Unterrichtsschluss unter einen Hut gebracht werden. Die BM brauchte damals einen seitenfüllenden Artikel, um die Routen den Eltern näher zu erläutern.

Personell ging man mit dem Hauptlehrer Rudolf Schäfer an den Start, der mit Franz Schmitz einen Konrektor zur Seite gestellt bekam.

Einem BM-Bericht ein paar Wochen nach dem Start der Hauptschule lässt sich entnehmen, dass die komplizierte Logistik gemeistert wurde, wenngleich auch die Zusatzbemerkung fiel: „Eine so zersplitterte Schule kann natürlich kein Dauerzustand sein.“ Das Provisorium mit den drei Standorten wurde insgesamt vier Jahre benötigt, am 7. August 1972 hatten alle Schüler ab der 5. Klasse dann erstmals an einem gemeinsamen Lernort Unterricht.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 15.08.2018.

07.08.2018: Rückblende (45) zum 7. August 1918 – Klammheimliche Suche in den Zügen nach Deserteuren

Ein Bild zur Illustration, der Bahnhof Hückeswagen in der 1970er-Jahren. Foto: Hans Dörner.

(nob) Auf einen US-amerikanischen Politiker der Republikaner, Hiram Johnson aus Kalifornien (1866-1945), geht der Satz zurück: „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“. 1918 war der Erste Weltkrieg bereits in seinem vierten Jahr und die Wahrheit lag derweil zigtausende Male auf den Soldatenfriedhöfen rund um Verdun und nicht etwa in den Artikeln der Bergischen Volkszeitung, die zu dieser Zeit mit Propaganda und Durchhalteparolen durchsetzt war.

Dort erfuhren die Leser aus Hückeswagen in der Heimatausgabe am 7. August 1918 zur Einleitung: „Die von den Militärbefehlshabern […] zum Schutze der militärischen Maßnahmen gegen die Betätigung feindlicher Agenten eingerichteten ‚Eisenbahnüberwachungsreisen‘ haben sich für die Sicherheit des Reiches als förderlich erwiesen“. Aus diesem Grunde appellierte nun der Verfasser des Artikels, dass man die „verantwortungsvolle Aufgabe der Eisenbahnüberwachungsreisenden“ auch in Hückeswagen bei Zugreisen dahingehend unterstützen könnte, Papiere mit zu nehmen, die über die eigene Persönlichkeit Aufschluss gäben. Als Vorschlag hat er in petto: Schulzeugnisse, Steuerquittungen oder Radfahrkarten. Die Vorlage eines Passes von deutschen Reisenden hingegen, so die damalige allgemeine Rechtsauffassung, konnte nicht verlangt werden, worauf die BVZ auch hinwies.

Diese „Eisenbahnüberwachungsreisenden“ gab es tatsächlich. Das Besondere an ihnen war, dass sie nicht an einer Uniform zu erkennen, sondern in Zivil unterwegs waren. Buchautor Christoph Jahr, international anerkannter Experte für den Ersten Weltkrieg, weist in seiner Dissertation aus dem Jahr 1998 das Wirken dieser Spezialkräfte ab 1915 nach. Ab dem Frühjahr 1918 häuften sich dann die Erlasse zum Thema „Ausweispflicht von Reisenden“. Doch der Grund für diese Maßnahmen waren mitnichten die „feindlichen Agenten“, die möglicherweise in Deutschland umherreisten. Christoph Jahr erläutert: „Es war eine konstante Sorge der Militärbehörden, dass die Soldaten die oft unübersichtlichen Verhältnisse des Frontbereichs und der Etappe zum Untertauchen nutzen könnten.“ Mit anderen Worten: Die „Eisenbahnüberwachungsreisenden“ waren nicht auf der Suche nach Agenten, sondern nach Deserteuren. Und in diesem Zusammenhang standen die Bahnlinien im Mittelpunkt ihres Interesses.

Ob der Artikelverfasser der BVZ zwangsweise oder aus Unwissen die falschen Motive für die Kontrollen nennt, wissen wir nicht, wir erfahren aber noch etwas über die polizeiartigen Befugnisse der Überwacher. Die waren berechtigt, Reisende solange an der Weiterfahrt zu hindern, bis die Persönlichkeit einwandfrei festgestellt war. Menschen konnten also auch am Bahnhof in Hückeswagen ohne weiteres aus dem Zug geholt werden.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 9.8.2018.

01.07.2018: Rückblende (42) zum 1. Juli 1933 – Langjähriger Bürgermeister Richard Leyhausen wird durch die Nationalsozialisten drangsaliert

Richard Leyhausen, Foto: Stadtarchiv Hückeswagen.

(nob) Die Machtergreifung der Nationalsozialisten hat politisch viele Facetten. Dieser Übergang von einer Republik zur Diktatur spiegelt sich nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in den Ereignissen vor Ort wider. Als am 1. Juli 1933 ein förmliches Dienstverfahren gegen den Hückeswagener Bürgermeister Richard Leyhausen begann, war dieser schon fast drei Monate nicht mehr im Amt. „Wegen Gehorsamsverweigerung“, so formulierte es Leyhausen selbst in einem der vielen im Stadtarchiv aufbewahrten Dokumente, hatte die NSDAP ihn aus dem Amt entfernt und stattdessen Albert Gimbel eingesetzt.

Dabei war Leyhausen schon lange Bürgermeister. Als Sohn von Franz Leyhausen und Ida Leyhausen, geb. Beckmann, wurde er am 23. Januar 1884 in Hoffnungsthal geboren. Der Protestant absolvierte ein juristisches Studium sowie eine Ausbildung, bevor er am 1. August 1910 als Bürgermeister nach Neuhückeswagen kam. Als Kriegsfreiwilliger wurde er am 15. Juni 1915 im Ersten Weltkrieg zum Heeresdienst eingezogen, den er bis Ende September 1916 absolvieren musste. Am 13. Oktober 1915 erhielt Richard Leyhausen das Eiserne Kreuz, am 27. August 1917 folgte, nun wieder zu Hause, das Verdienstkreuz für Kriegshilfe.

Der am 25. November 1917 geborene Sohn wird später im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront als vermisst gemeldet, zu einem Wiedersehen kam es bis zum Tod des Vaters 1949 nicht mehr.

Nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Hückeswagen und Neuhückeswagen im Jahr 1920 wurde Leyhausen auch Bürgermeister der neu gebildeten Kommune. In einem Nachruf der Bergischen Morgenpost wird ihm eine vornehme Art sowie ein offenes und gerades Wesen bescheinigt. Sein Einsatz, so hob es damals Pastor Henke in der Trauerrede hervor, galt vor allen Dingen der Landbevölkerung, wo er sich für eine Wegeinfrastruktur und die Landschulen einsetzte.

Die perfide Art, in der Leyhausens Nachfolger Albert Gimbel ihn auch persönlich zu diskreditieren versuchte, wurde ausführlich von der ehemaligen Hückeswagenerin Ingrid Betz in einem Aufsatz aus dem Jahr 2006 analysiert. So schrieb Gimbel an die Staatsanwaltschaft: „Zusammenfassend muss ich nochmals die sehr mangelhafte und unverantwortliche Ausführung des Bürgermeisters i.R. Leyhausen feststellen. Der durch persönliche oder auch andere leichtfertige Aufwendungen der Stadt Hückeswagen entstandene Schaden ist nicht gering. Wenn auch vielleicht einzelne Ausgaben aus formal-juristischen Gründen nicht beanstandet werden können, so ist doch die moralische Beurteilung einer solchen Handlungsweise eindeutig klar.“

Nachdem Leyhausen am 26. Juni 1945 nach Ende der NS-Herrschaft kurzfristig als Bürgermeister und danach als Stadtdirektor reaktiviert wurde, starb er am 27. August 1949 nach zweijährigen Leiden an einem Gehirnschlag. Mit einer Trauerfeier am 30. August 1949 in der Johanniskirche wurde einem Mann letztmalig in Hückeswagen gedacht, sein Leichnam wurde in Hagen eingeäschert.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 20. Juli 2018 in stark gekürzter Fassung.