13.07.2006 (Artikel-Archiv BM): Serie 12 Uhr mittags: Kaiserhöhe

(nob) Die Kanalsanierung und ein großes gähnendes Loch sind zurzeit um zwölf Uhr Mittags Gesprächsthema Nummer 1 auf der Kaiserhöhe. Ansonsten genießen die Anwohner die herrliche Sicht auf die Schloss-Stadt.

Wer angenehme sommerliche Mittagsstunden auf einer Terrasse in einer ruhigen Wohngegend verbringen will, ist auf der Kaiserhöhe normalerweise genau richtig. Doch zurzeit ist auf der steil bergan gehenden Straße kaum ein Durchkommen, gerade einmal ein Auto passt an den Spezialfahrzeugen und den Containern vorbei. Ein Bautrupp aus dem mittelfränkischen Röthenbach an der Pegnitz saniert gerade das Kanalnetz. Fünf Leute sind gerade damit beschäftigt, einen großen Schlauch durch den geöffneten Schacht, der sonst durch einen Gullydeckel verschlossen ist, in den Untergrund zu schieben. Eigentlich hat der Vorarbeiter Roland Hoffmann keine Zeit, schließlich findet er dann doch eine kurze Minute für eine Erklärung. „Der Schlauch wird mit Wasserdruck an die alten Kanalrohre gepresst. Fünf Stunden lang wird dann 90 Grad heißes Wasser durchgepresst, bis die an der Außenhülle befindliche Kunstharzschicht fest verbacken ist“, erklärt der Fachmann. Kommt es zu keinen Komplikationen, schafft das Unternehmen mit dieser Methode 200 bis 300 Meter am Tag. Bei dem auffälligen Gerüstturm, übe den sich so mancher Anwohner wundert, handele es sich lediglich um eine Montagehilfe.

Vom Balkon des Hauses Kaiserhöhe 7 betrachtet Klaus Manns wohlwollend das Geschehen, denn auch sein Kanalanschluss wird ja saniert. In Gedanken ist er aber bei einer ganz andern Baustelle, die ebenfalls von seinem Aussichtspunkt zu sehen ist. Dabei handelt es sich aber um ein mit einem Bauzaun umfasstes metertiefes Loch direkt an seinem Grundstück an der Straße. „Im Mai hat die Telekom hier eine Telefonleitung repariert, da bei meiner Mieterin im Störungen vorhanden waren. Diese sind jetzt beseitigt. Wir wären ja auch zufrieden, wenn die Telekom nicht vergessen hätte, das Loch wieder zuzuschütten!“ Bereits viermal hat die Familie Manns bei der Servicehotline angerufen und interveniert, doch bisher ohne Erfolg, die Leitungen liegen nach wie vor offen da. „Das einzige was sich bewegt hat, sind die Bauhandschuhe. Die liegen jetzt im Loch, der Wind von der Absperrung, wo sie seit Ende der Arbeiten hingen, jetzt da reingeweht“, spöttelt Klaus Manns.

In der Zwischenzeit ist auch Hans Willi Kuech in seinem Haus auf der Kaiserhöhe eingetroffen. Mittags kehrt er meistens von dem kleinen Pferdestall nebst Koppel am Johannesstift zurück, der von ihnen bewirtschaftet wird. „Um zwölf Uhr kann ich kann ich beispielsweise mit der Motorsense nicht weiterarbeiten, denn ich muss die Ruhezeiten beachten. Genau seit dem 8. Mai 1972 wohnt er mit seiner Familie auf der Kaiserhöhe, denn an diesem Tag wurde das Fertighaus erstellt. Seine Frau Hildegard ist sogar dort aufgewachsen und will nicht wieder weg. „Immer wieder hat es mich hier hin gezogen. Die ruhige Lage und die Aussicht sind nur einige Vorteile und unsere vier Kinder und mittlerweile acht Enkel haben hier eine friedliche Kindheit erlebt“, schwärmt sie.

Info:

Obwohl Klaus Manns die Hauptverantwortung bei den Hückeswagener Schützen nicht mehr trägt (er war bis Anfang 2006 langjähriger Vorsitzender des Vereins), hat er nach wie vor alle Hände voll zu tun. Eine Tombola muss vorbereitet werden und auch das Festbuch 2006 ist so gut wie fertig. Vor seinem Haus versammeln sich übrigens jedes Jahr immer am Mittwoch vor dem Schützenfest viele Nachbarn von der Kaiserhöhe und hissen die Flagge des Schützenvereins.

07.07.2006 (Artikel-Archiv BM): Serie 12 Uhr mittags: Haus Hammerstein

(nob) Immer in den Sommerferien herrscht im Haus Hammerstein reges Treiben. In der Regel sind alle Zimmer der Bildungs- und Erholungsstätte der Lebenshilfe belegt. Im Wochenrhythmus geben sich die jeweiligen Gruppenleiter aus ganz Deutschland die Klinke in die Hand.

Gut 15 Minuten dauert ein gemütlicher Fußmarsch vom Wanderparkplatz Voßhagen bis runter nach Haus Hammerstein. Wer am Donnerstag um zwölf Uhr mittags diesen Weg ging, hatte durchaus seine Ruhe: Kein einziges Auto war zu sehen und je näher das letzte Waldstück vor der Wupper-Talsperre kam, desto ruhiger wurde es scheinbar. In der letzten Kurve und damit in Sichtweite der Erholungs- und Bildungsstätte der Lebenshilfe dann erste Lebenszeichen. Musik drang aus eines der vielen Gästezimmer und oben in der zweiten Etage waren schlug ein Hammer „ganz dezent“ auf einen Meißel ein. Handwerker renovierten gerade einen der altehrwürdigen Räume.

Vor der historischen Eingangstür der ehemaligen Jugendherberge sitzt Sarah Müller aus Siegen. Sie ist eine von mehreren Betreuerinnen zweier Besuchergruppen, die sich zurzeit in der Idylle an der Talsperre vom Alltag erholen. Sie kümmert sich gerade um Björn, einen der jungen Gäste, der ihr gegenüber sitzt. „Ein Teil der Gruppe macht gerade einen Ausflug in den Kölner Zoo. Andere sind hier geblieben und haben etwas länger geschlafen“, berichte sie. Kaum hatte sie es ausgesprochen, öffnete sich ein Fenster und einer der Gäste wünschte einen schönen guten Morgen, mittags in Haus Hammerstein.

Im Haus selber herrscht rund um die Küche eine geordnete Betriebsamkeit. Helga Czolbe, eine Mitarbeiterin des Hauses, bereitet gerade mit zwei andern zusammen das Mittagessen vor. „Es gibt Cordon bleu, Röstis, Gemüse und zum Nachtisch ein Eis“, verriet sie Einzelheiten des Speiseplans.

Claudia Marxen sitzt währenddessen am Empfang und ist erleichtert, dass sie gerade schon einmal einige Abrechnungen fertig machen konnte, denn am Samstag reisen die beiden Gruppen wieder ab und 48 neue Gäste treffen ein. „Durch den Ausflug einer Gruppe hatte ich etwas Luft“, berichtete sie.

Im „Raum Rheinland“ einem der großen Tagungsräume lächelt derweil ein Monster von der Leinwand. Es läuft der Disney-Klassiker „Elliot das Schmunzelmonster“. Die Betreuerin Nenya Schmitz-Schumachers aus Recklinghausen erläutert: „Der Film gehört zu einem Nebenprogramm des zweiwöchigen Aufenthalts. Es ist einfach ein weiteres Angebot.“

Buntes Treiben herrscht dagegen in einem Nebengebäude. Unter der Leitung der Künstlerin Erika Windemuth aus Dürhagen, die für die Sommerferien für die Ausrichtung des Kulturprogramms engagiert wurde, fanden kurz vor dem Mittagessen gerade die letzten Proben für ein Schwarzlichttheater statt. Eine Gruppe von zwölf Leuten plant für den Abend die Aufführung eines kleinen Stückes. „Es ist eine Mischung aus einem Tanzspiel, Bewegung und Musik“, erläuterte Windemuth während die Projektteilnehmer sich zum verdienten Mittagessen begaben.

Info:
Unter einem Schwarzlichttheater versteht man eine besondere Form des Theaterspiels, bei der in einem völlig verdunkelten Raum bzw. auf einer Bühne agiert wird. Als einzige Lichtquelle dient eine Schwarzlicht-Lampe die ausschließlich weiße oder neonfarbene Gegenstände oder Kleidungsstücke zum Leuchten bringen und somit für die Zuschauer sichtbar erscheinen lassen. Das Schwarzlichttheater ist eine Form des pantomimischem Theaters.

11.06.2006 (Artikel-Archiv BM): 50 Jahre Stadtsportverband Hückeswagen

(nob)  „The final Countdown“ spielte das Schulorchester der Realschule Hückeswagen am Samstagmittag bei einem Empfang im Festsaal des Kolpinghauses. Doch nach dem Willen der Gastgeber soll es nicht die letzte Feier gewesen sein, denn der Stadtsportverband Hückeswagen will es bei 50 Jahren Stadtsportverband – das war der Anlass – nicht belassen. Weitere 50 Jahre wünschten sich die Ehrengäste bei ihrem Grußworten.

Den Anfang einer ganzen Reihe von Festreden und Grußworten machte der Vorsitzende Jürgen Löwy, der mit einer Krawatte in Orange zur Feierstunde erschien. Ganz im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft stellte er launig klar: „Ich bin natürlich nicht für Holland sondern für Deutschland!“ Überhaupt wurden fast alle Reden humorvoll vorgetragen, während von draußen die Musik von einer Bühne auf dem gerade beginnenden Hückeswagener Handwerkermarkt hereindrang.

Löwy stellte vor allem die Dynamik des Stadtsportverbandes heraus. „Der SSV hat sich immer wieder erneuert. Alte Vereine wie der Motorsportverein sind verschwunden, neue dafür entstanden.“

Besonders stolz ist der Vorsitzende über die Weihnachtsfeier für Menschen mit Behinderten die seit 1975 regelmäßig einmal im Jahr stattfindet. „Ein besonderer Dank geht hier einmal an Hella Krumm, die sich seit dieser Zeit unentwegt darum bemüht“, sagte Jürgen Löwy unter dem großen Applaus.

An die anwesenden Vertreter aus Politik und Verwaltung appellierte der Vorsitzende: „Wenn der Pakt für den Sport ernst gemeint ist, dürfen sie nicht ernsthaft darüber nachdenken, das Hallenbad zu schließen. 1.400 Sportler würden dadurch auf der Stelle heimatlos.“ Der Stadtsportverband sei bereit, an der Finanzierung mitzuwirken und seinen Beitrag dazu zu leisten.

Bürgermeister Uwe Ufer ging bei seinem Grußwort nicht auf die Forderung Löwys ein, betonte aber: „Ohne die Sportvereine mit seinem Angebot wäre das Sozialleben in Hückeswagen ein Katastrophe.“

Die stellvertretende Landrätin des Oberbergischen Kreises stellte in ihrer Ansprache heraus, dass der Stadtsportverband der älteste Verband seiner Art im Kreis sei. Sie bedankte sich mit einer Geldspende an den Hückeswagener Dachverband.

Der Kreissportbund-Vorsitzende Wolfgang Schuldner bemängelte, dass die Vereine in ihrer täglichen Arbeit durch neue Anforderungen fast überrollt werden und bat die Politik um Hilfe. „Der Breitensport hat noch keine Lobby“. Auch warnte er vor einem „Bazillus“, der immer mehr Menschen in Deutschland dazu bringen würde, ein Ehrenamt aus Bequemlichkeit abzulehnen.

Zum Abschluss kam das Gründungs- und Ehrenmitglied Ernst Müller zu Wort, der so einige Anekdoten aus der Anfangszeit zum Besten gab. So sei es dem ersten Vorsitzenden Heinrich Bergfeld gelungen, drei Jahre lang geheim zu halten, dass er nicht nur Vorsitzender des ATV sondern auch in Stadtverwaltung tätig war.

Info:
Der Stadtsportverband wurde am 9. August 1956 mit zehn Vereinen gegründet, die zusammengerechnet 1.700 Mitglieder in ihren Listen zählte. Heute sind es 5.200 Mitglieder, davon sind 1.850 Mitglieder unter 18 Jahren. Insgesamt gibt es zirka 200 unterschiedliche Übungsgruppen. Anlässlich des Jubiläums wurde auch eine Festschrift herausgegeben, in der unter anderem alle Vorsitzenden und eine kleine Chronik abgedruckt sind.