02.10.2017: Rückblende (14) zum 2. Oktober 1967 – Als zwei Straßennamen vornehmer klingen sollten

Straßenschild "Industriestraße" in Hückeswagen. Foto: Stephan Büllesbach im Oktober 2017.
Straßenschild „Industriestraße“ in Hückeswagen. Foto: Stephan Büllesbach im Oktober 2017.

(nob) Zum Zeitpunkt, zu dem Johann Wolfgang Goethe in Leipzig als junger Student den berühmten Ausspruch „Name ist Schall und Rauch“ („Faust 1“) tat, konnte er natürlich nichts von einer – aus heutiger Sicht denkwürdigen – Ratssitzung in Hückeswagen ahnen. Die sollte – etliche Jahrzehnte später – am 2. Oktober 1967 sein. Zeitzeuge war der Journalist Hans-Herbert Krämer, der damals für die BM berichtete und festhielt, wie die Stadtverordneten zwei alten Straßenbezeichnungen kurzerhand ein Ende setzten: Die „Iserstrote“ und „Ob der Schmitte“ waren Geschichte, aus ihnen wurden die Wiehagener Straße und die Industriestraße. Was war passiert? Ganz offenbar hatten sich „Siedler auf dem Industriegelände Wiehagen“, die im Weiteren nicht näher benannt werden, gegen diese beiden Begriffe stark gemacht. Bei der erstmaligen Namensgebung hatte sich der Bergische Geschichtsverein, ist dem Artikel zu entnehmen, für diese alten Flurbezeichnungen erfolgreich stark gemacht.

Die „Iserstrote“ erinnerte dabei an die alte Eisenstraße, die von Engelsburg kommend über Forsten ins Dörpetal und dann hoch nach Wiehagen verlief und von der Teile seit 1990 als Bodendenkmal unter Schutz stehen. Aus diesem Grund hatten die Verantwortlichen eine Straße, die heute als Wiehagener Straße bekannt ist, nach der historisch belegten und für das Bergische enorm wichtigen Handelsroute benannt. Pferde-Fuhrwerke, die das im Siegerland gewonnene Roheisen ins Bergische brachten, fuhren in größerer Anzahl des Weges entlang. Dort wurde das Material mit Hilfe der Wasserkraft in einer der zahllosen Hämmer oder Schmieden weiterverarbeitet. Doch die „Iserstrote“, hält Krämer in seinem Bericht fest, war den Siedlern in Wiehagen offenbar „recht volkstümlich“ vorgekommen, und auf jeden Fall musste ein „vornehm hochdeutscher“ Name her. Auch mit „Ob der Schmitte“ – so hieß zuvor die Industriestraße – war man alles andere als zufrieden. Der Name hatte, erläutert Krämer in seinem Text, zu „Naserümpfen und abfälligen Bemerkungen“ geführt.

Die Art und Weise, wie die Namen in der Ratssitzung wieder abgeschafft wurden, verglich der Journalist mit einem „wortlosen Begräbnis“. Als nämlich der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, meldete sich keines der Ratsmitglieder zu Wort, stattdessen wurde die Umbenennung einstimmig verabschiedet. Dieselbe Ratssitzung war übrigens auch die Geburtsstunde folgender Straßennamen: Gerhard-Hauptmann-Straße, Hochstraße, Parkweg, Beverstraße, Untere Straße, Waldstraße und Fritz-Zoll-Straße.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 6. Oktober 2017. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/als-zwei-strassennamen-vornehmer-klingen-sollten-aid-1.7125429

20171006-rueckblende-umbenennung-von-wiehagener-und-industriestrasse

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