14.12.2016: Heinrich Lübke – Aufsatz im Sammelband „Westfälische Erinnerungsorte“ erschienen

„Wer als [Historiker] gegenwärtig Heinrich Lübkes sauerländischen Geburtsort Enkhausen besucht, muss fast zwangsläufig zu dem Schluss kommen: Enkhausen ist Lübke und Lübke ist Enkhausen. Fast omnipräsent sind auch heute noch die Spuren der zweifelsohne wichtigsten Persönlichkeit dieser Region. Immerhin war Lübke nach Theodor Heuss der zweite Bundespräsident der damals noch jungen Bundesrepublik.“

(nob) Mit den oben angeführten Zeilen beginnt mein Aufsatz in dem von Dr. Lena Krull herausgegebenen Sammelband „Westfälische Erinnerungsorte“, in dem ich als einer von 42 Autoren einen Beitrag zur Frage leisten durfte, ob bestimmte Personen, Orte oder auch Ideen ein Erinnerungsort im Generellen und ein westfälischer im Besonderen sei. Meine Themenwahl fiel auf Heinrich Lübke, dessen Museum ich vor vielen Jahren einmal besuchen konnte. Nachdem mein Vorschlag erfreulicherweise im Rahmen eines Seminars von Dr. Krull aufgegriffen wurde, machte ich mich sogleich ans Werk. Entstanden ist ein kürzerer Aufsatz, der sich in erster Linie auf die Rezeptionsgeschichte konzentriert. Es sollte nicht das x-te Kurzporträt Lübkes erscheinen und es sollte auch keine Bewertung seines Wirkens vorgenommen werden. Wenn der Aufsatz beim Leser den Eindruck erwecken sollte, dass „wieder mal nur die negativen Dinge“ im Blickfeld stehen, hat dieses mit der öffentlichen Rezeption zu tun, die durch mächtige Player der damaligen Meinungsbildungslandschaft dominiert wurde. Politische Interessen in der Nachkriegszeit und der Kampf um die Meinungshoheit im Ost-West-Konflikt haben die Wahrnehmung Lübkes stark beeinflusst. Wie hoch der Eigenanteil Lübkes am entstandenen Bild ist, wäre eine weitere Frage. Noch immer klingt bei mir die Klage des Museumsleiters Gerhard Hafner nach, für den die politischen Leistungen Lübkes nicht ausreichend gewürdigt werden. Doch wie bereits erwähnt, war das nicht meine Aufgabe.

Im Ergebnis musste ich – auch dem Hinweis von Dr. Krull folgend – feststellen, dass Lübke eher ein lokaler und ein bundesweiter, weniger jedoch ein westfälischer Erinnerungsort ist. Manchmal drängte sich mir der Eindruck auf, dass im Falle Lübkes das Westfälische im tiefsten Westfalen gar nicht stattfand! Zwar war Lübke einer von ihnen, doch wenn er mit der Staatslimousine und dem Sicherheitstross in Enkhausen einfuhr, war er eben der Bundespräsident an erster Stelle und der Enkhauser Jung an zweiter Stelle, aber eben nicht der Westfale. Zum Westfalen wurde er meiner Auffassung nach erst in dem Moment, als man versuchte, die Stereotype des angeblich hinterwäldlerischen Sauerländers auf ihn anzuwenden, um ihn zu diskreditieren. Seine Herkunft wurde damit zum Spielball der tatsächlichen und vorgeblichen Meinungsführer der jungen Republik. Spannend wäre die Frage, ob diese veröffentlichte Meinung dann wiederum das Bild des Sauerländers in Westfalen beeinflusst hat. Doch diese Antwort kann der Aufsatz schon alleine aus Platzgründen nicht liefern, wäre aber ein interessanter Untersuchungsgegenstand für weitere Forschungen.

Das Buch „Westfälische Erinnerungsorte“ ist im Verlag Ferdinand Schöningh erschienen, kostet 34.90 € und ist über den Verlag oder im Buchhandel erhältlich.

Empfohlen sei in diesem Zusammenhang auch der Blog von Dr. Lena Krull, mit dem Titel: „Westfälische Erinnerungsorte“: Aus einem Lehrprojekt an der Universität Münster.

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