05.01.2018: Rückblende (24) zum 5. Januar 1943 – 75. Todestag des „Rosenprofessors“ Ewald Gnau

v.l.: Rosenzüchter Peter Lambert und Prof. Ewakd Gnau in Sangerhausen.
v.l.: Rosenzüchter Peter Lambert und Prof. Ewald Gnau in Sangerhausen.

(nob) Bereits des Öfteren wurde in den letzten Jahrzehnten der gebürtige Hückeswagener Ewald Gnau gewürdigt. Über das Leben des Rosarium-Gründers in Sangerhausen schrieben Dr. Peter Bode, Carola Lepping, Arno Paffrath und weitere Autoren aus der Schloss-Stadt. Zu Anfang der Betrachtung stand immer der Umstand, dass der Rosenexperte von Weltruf am 1. März 1853 in einem Haus an der Marktstraße geboren wurde. Die ersten 16 Lebensjahre verbrachte er in Hückeswagen, um dann nach dem Abitur mit einem Stipendium ausgestattet an die Universitäten in Straßburg und Berlin Mathematik, Botanik und Physik zu studieren. Es begann seine Karriere als Akademiker und Rosenzüchter.

Nur vereinzelt thematisiert jedoch wurden seine letzten Lebensjahre. Zwei Jahre vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 5. Januar 1943, starb Ewald Gnau im Alter von 89 Jahren. Was wissen wir nun über die Umstände seines Todes und die unmittelbare Zeit davor?

37 Jahre lang lehrte er am Gymnasium Sangerhausen. 1921 wurde Gnau pensioniert, jedoch schon neun Jahre zuvor erkrankte er an Gelenkrheumatismus. Es folgten noch schaffensreiche Jahre am Rosarium, bevor für Gnau ein Leidensweg begann. Seine Tochter Gela Tepelmann-Gnau spricht diesen Wendepunkt deutlich an, während sich das 2003 erschienene Jubiläumsband „100 Jahre Rosarium Sangerhausen“ in die Floskel „Rückzug aus politischen Gründen“ flüchtet. Tepelmann-Gnau: „Dann kam das Jahr 1933, dass unserem Vater wohl die größte Enttäuschung seines Lebens brachte. Er verweigerte die Gleichschaltung (Anm.: durch die Nationalsozialisten) und verzichtete auf eine weitere Mitarbeit.“ Der im Jahr 1924 ernannte Ehrenbürger von Sangerhausen wird also 1934, ein Jahr nach der Machtergreifung Hitlers, politisch kaltgestellt. Dem Trägerverein des Rosariums, seinem Lebenswerk, musste er fernbleiben.

Seine Tochter führt weiter aus, dass er diese Zurücksetzung dennoch habe meistern können. Immerhin hatte man für den verdienten Bürger später noch die Verleihung der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft an seinem 90. Geburtstag vorgesehen, eine vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg 1932 gestiftete Auszeichnung (nicht zu verwechseln mit der Auszeichnung des Goethe-Instituts). Doch er sollte es nicht mehr erleben, wenige Wochen zuvor starb Gnau. Die Trauerfeier fand am 13. Januar 1943 im Sangerhäuser Gymnasium statt. Erwähnenswert ist dies deshalb, weil in einem Nachruf seiner Schule zu dieser Gelegenheit Zeilen aus einem Goethe-Brief zitiert wurden, die sowohl Lepping als auch Paffrath in ihren Texten aufgriffen. Der Gartenfreund Goethe schrieb bei einen seiner vielen Reisen durch Europa:

„Bringt mich wieder nach Hause,
Was hat ein Gärtner zu reisen?
Ehre ist es und Glück,
Wenn er sein Gärtchen besorgt“.

(zitiert nach Johann Wolfgang von Goethe, in: Poetische und prosaische Werke: in zwei Bänden, Band 1, Cotta 1837, S. 214.)

 

Artikel erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 5. Januar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/rosenprofessor-ewald-gnau-stirbt-am-5-januar-1943-aid-1.7301260

20180105-bm-rosenprofessor-ewald-gnau-stirbt-am-5-januar-1943

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