05.04.2018: Rückblende 5. April 1868 – In Herweg wird ein Nebengebäude für die Landschule errichtet

Die ehemalige Schule Herweg am 8.3.2018. Foto: N. Bangert.
Die ehemalige Schule Herweg am 8.3.2018. Foto: N. Bangert.

(nob) Die ehemalige Schule Herweg, dessen Kerngebäude 1816/17 errichtet wurde, war wohl die renommierteste Landschule auf dem heutigen Stadtgebiet. Zu verdanken hatte sie diesen Ruf dem Lehrer Heinrich Wilhelm Dortkampf, dem seine Schüler noch viele Jahre nach seinem Tod (1863) ein Denkmal gesetzt hatten. Unter seiner Leitung von 1843 bis 1862 blühte die Schule derart auf, dass Schüler nicht nur aus den benachbarten Schulbezirken, sondern sogar aus Rheinland und Westfalen zu ihm geschickt wurden. Noch heute ist das gut erhaltene und ansehnliche Gebäude in Neuenherweg zu bestaunen, wo sich auch das Denkmal des Dorflehrers befindet.

Ein wichtiger Schritt, die eine der Grundlagen für den späteren Bedeutungszuwachs bildete, war der Bau eines Nebengebäudes im Jahr 1868. Nur in einem Gebäude, das den damaligen Anforderungen einigermaßen gerecht wurde, konnte auch ein guter Unterricht gedeihen. In der Ausgabe vom 1. April der Bergischen Volkszeitung, dem Vorgänger der Bergischen Morgenpost, heißt es wörtlich: „Zu Herweg sollen ein Schulhaus-Anbau, sowie ein neues Stallgebäude, verbunden mit einer Retirade erbaut – und die zu 1600 Thlr. veranschlagte Arbeiten im Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die Vergantungs-Bedingungen nebst Plänen und Kosten-Anschlägen liegen im Amtslokale des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Unternehmungslustige wollen ihre schriftlichen Offerten versiegelt bis spätestens Montag den 6. k. Mts. bei mir einreichen. Die Eröffnung der eingegangenen Offerten findet am Dienstag, den 7. k. Mts. April, Vormittags 10 Uhr, in meinem Amtslokale statt. Hückeswagen, den 27. März 1868. Der Bürgermeister Wirth.“

Die Ausschreibung zeigt sehr schön, wie sich innerhalb von 150 Jahren Sprache verändern kann. Mit „Retirade“ ist eine Toilette gemeint, eine „Submission“ ist das veraltete Wort für eine Ausschreibung und „Vergantungs-Bedingungen“ sind die Konditionen für die Vergabe des Auftrages nach den Prinzipien des Höchstgebotes. Und mit „Unternehmungslustigen“ sind nicht etwa vergnügungssüchtigen Wochenendausflügler gemeint, sondern mögliche Auftragnehmer.

Die Bezeichnung „Hückeswagen“ in dieser Ausschreibung ist schlichtweg ein Irrtum. Julius Wilhelm Wirth war 1868 Bürgermeister von Neuhückeswagen, wie die Landgemeinde bezeichnet wurde, und nicht der Stadtgemeinde Hückeswagen. Das „Amtslokal“, von dem die Rede ist, befand sich im heutigen Gebäude Rader Straße, wo sich einst die Verwaltung der Landgemeinde befand.

18 Jahre nach der Errichtung des Nebengebäudes fand dann die entscheidende Erweiterung statt: 1886 wird die Nutzfläche des Schulgebäudes verdoppelt. Noch bis 1966 dauerte der Schulbetrieb in Neuenherweg an, 1971 kaufte dann der Stuckateur Karl-Heinz Reich das Haus und wandelte es in ein Wohnhaus um.

Info: Über die Schule Herweg, das Gebäude und das Denkmal liegen mehrere Aufsätze und Veröffentlichungen vor, u.a. im Jubiläumsbuch „900 Jahre Hückeswagen“, Leiw Heukeshoven Nr. 39 (Hella Krumm: Das Dortkamp-Denkmal in Herweg) und Zusammenfassungen und Materialien von Karl-Heinz Reich.

URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/in-herweg-wird-ein-nebengebaeude-fuer-die-landschule-errichtet-aid-1.7494165, erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 5. April 2018.

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