26.12.2018: Rückblende (59) zum 26. Dezember 1863 – Großer Festball zur Einweihung der Gasbeleuchtung

Auf einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1906 von der Bahnhofstraße ist eine der Gaslaternen zu sehen.

(nob) Mit Sicherheit war es ein rauschendes Fest in Hückeswagen, als am 26. Dezember 1863 die Honoratioren der noch jungen Stadt (erst 1859 erhielt man die Stadtrechte) in der Ruhmeshalle zusammenkamen. Denn ihnen ist zuvor im wahren Sinne des Wortes ein Licht aufgegangen. Gefeiert wurde die Einweihung der Gasbeleuchtung. Nun lässt sich dem Chronikeintrag nicht entnehmen, an welchem Tag genau das erste Gas durch die extra hierfür gelegten Erdleitungen geflossen ist, denn schon im Jahr zuvor wurden die entsprechenden Verträge abgeschlossen.

Glücklicherweise sind uns Details durch einen Aufsatz von Willi Wörsdörfer überliefert, der im Heft 24 von Leiw Heuckeshoven im Jahr 1985 über die Eigenerzeugung von Gas im Städtischen Gaswerk schrieb. Das Werk an der Bachstraße wurde demnach eigens gegründet, um städtische Straßen, aber auch private und öffentliche Gebäude zu beleuchten. 33 Hückeswagener Bürger zeichneten Anteile, um die von der Stadt zu erbringenden 5000 Taler bereitzustellen. Zu ihnen zählten beispielsweise die Fabrikanten Ernst Johanny und Carl Bockhacker, die natürlich ein Eigeninteresse an dem Projekt hatten, wurden doch auch ihre Fabriken mit Gas beliefert.

Die Städtischen Gaswerke erhielten einen Exklusivvertrag über 50 Jahre, kein anderer durfte Leitungen in der Straße verlegen. Zu Beginn bestand die Straßenbeleuchtung aus 24 Laternen. Verlegt wurden die Rohre in die Peterstraße, die Islandstraße bis hoch zur „Kreuzstraße“ (Einmündung Marktstraße/Kölner Straße), in die Kölner Straße, die Friedrichstraße und die Bachstraße bis zur Kolls Ecke (ehemaliges Gebäude in Höhe der Stadtbibliothek). Damit profitierten viele der damals 2700 Einwohner der Stadtgemeinde, während die Landgemeinde erst einmal leer ausging.

Nun berichtet Wörsdörfer, dass „1863 mit der Inbetriebnahme des Gaswerkes zu rechnen (gewesen) sei“, denn im Januar seien bereits vier der vorhandenen alten Straßenlaternen „nebst (Öl)-Brenner“ an die Gemeinde Ründeroth verkauft worden. Daraus folgt, dass zwischen diesem Zeitpunkt und dem 26. Dezember die Premiere stattgefunden haben muss, allerdings ist im Lenneper Kreisblatt (einem Zeitungsvorläufer der BM) darüber keine Notiz zu finden. Wir wissen noch, dass am 7. November 1862 der entsprechende Vertrag für eine „Lieferung ab 1863“ abgeschlossen wurde.

Die Ära der Eigenerzeugung des Gases für die Laternen dauerte bis 1933, dann wurde das Gaswerk aus Rentabilitätsgründen geschlossen. Vorher aber wurde nach der Erfindung des Glühstrumpfes im Jahr 1885 die Leuchtkraft des Gaslichtes erhöht und Zubehörteile zwecks Nachrüstung in einem kleinen Ladengeschäft am Gaswerk angeboten. 1911 erfolgte noch eine Innovation: Der bis dato benötige Laternenanzünder verliert seinen Job, denn fortan wurden die mittlerweile 70 Laternen mittels Druckwellen-Zündung aktiviert. Trotz alledem, der Wettlauf mit den Stromerzeugern ging im 20. Jahrhundert verloren und die Technik wurde erneut umgestellt, die Gaslaternen waren Technikgeschichte.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 4. Januar 2019.

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