06.09.2018: Rückblende (48) zum 6. September 1968 – Der Abriss von Kolls Ecke beginnt

Kolls Ecke in der Ansicht vor 1968.

 

(nob) Die 1960er-Jahre waren allgemein dafür bekannt, dass man in Bezug auf den Abriss alter Häuser relativ schmerzfrei war. Unabhängig von der Stadtkernsanierung in Hückeswagen wurden historisch bedeutende Bauten schnell dem Erdboden gleich gemacht, falls sie den immer breiter werdenden Straßen im Weg waren. Eines dieser Häuser war Kolls Ecke. Nach Meinung von Rat und Verwaltung stellte diese einfach nur eine Sichtbehinderung und Gefährdung für den Verkehr dar. Und der Berichterstatter schreibt am 6. September 1968 in der Bergischen Morgenpost in Bezug auf den Abriss fast erwartungsvoll: „Lange kann es nicht mehr dauern.“ Tatsächlich waren die letzten Mieter ausgezogen und das Schaufenster mit Brettern vernagelt. In der zweiten Oktoberhälfte war dann das Zerstörungswerk fast erledigt.

Kolls Ecke war nicht irgendein Haus. Schon der Name hat sich im Volksmund durchgesetzt und er diente bei der Stadtverwaltung als feststehende Ortsangabe für den Kreuzungsbereich Lindenbergstraße/Friedrichstraße/Bachstraße unterhalb der heutigen Stadtbibliothek. Noch heute ist der Begriff vielen Hückeswagenern geläufig, wenngleich die Erinnerung so langsam verblasst.

Folgt man dem Heimatforscher Arno Paffrath, war 1834 in dem Haus Franz Steinkäuler ansässig, der dort eine Weinwirtschaft betrieb. Historische Bedeutung erlangte das Gebäude, weil dort von 1842 bis zum 22. Februar 1879 die Poststation untergebracht war, bevor sie an den „Stricks Platz“ (Wilhelmsplatz) verlegt wurde. Steinkäuler wurde Postmeister und das Gebäude fortan „Posthaus“ oder später dann „alte Post“ genannt.

Der eigentliche Namensgeber von Kolls Ecke war Friedrich Wilhelm Koll, der im Jahr 1905 auf den Plan trat. Er kaufte das Anwesen und richtete dort sein Polster- und Dekorationsgeschäft ein. Vier Jahre später kam es dann zur Katastrophe: Am 16. Dezember 1909 – Koll hatte noch am Tag zuvor für das Weihnachtsgeschäft geworben – brannte es bis auf die Außenmauern nieder. Doch er gab nicht auf. Größer und architektonisch ansprechender ließ er es im Jahr 1910 dreigeschossig wiederaufbauen, wobei die Gebäudeecke hin zum Kreuzungsbereich abgerundet wurde. Der verrohrte Brunsbach verlief interessanterweise unter dem Haus.

Bis 1936 blieb Koll ansässig, bis der nächste berühmte Hückeswagener einzog: Wilhelm Distelmeier, später FDP-Ratsmitglied und Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins, verlegte sein Lebensmittelgeschäft von der Bachstraße 2 in Kolls Ecke. Noch bis 1968 wurde es noch unter anderem von Heinrich Menke und Herbert Mörl als Geschäft genutzt, bevor der Beschluss zum Abriss fiel, um einer neuen Verkehrsführung der Lindenbergstraße Platz zu machen.

Info: Hella Krumm hat die Geschichte von Kolls Ecke in Leiw Heukeshoven Nr. 45 zusammengefasst, unabhängig dazu berichtete Arno Paffrath aus der Entstehungszeit. Umfangreiches Material inklusive eines Lageplans zur Verdeutlichung befindet sich im Stadtarchiv.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 6.9.2018. 

 

09.08.2018: Rückblende (46) zum 9. August 1968 – Die Hauptschule nimmt ihren Betrieb auf

Das Lehrerkollegium der neu gegründeten Hauptschule, Foto vom 12.08.1968 in der BM, Fotograf nicht genannt.

(nob) Es war eine logistische Meisterleistung, die die Verantwortlichen bei der Stadt und den Schulen vollbracht hatten: Am 9. August 1968 nahm die neue Hauptschule ihren Betrieb auf, obwohl das zentrale Gebäude „im Talgrund zwischen Lindenberg und Pixwaag“, wie es damals hieß, erst in der Planung war. Stattdessen begann der Unterricht in drei teilweise weit voneinander entfernten Gebäuden. Belegt wurden die Schule in Scheideweg sowie die Evangelische und die Katholische Stadtschule (beide gegenwärtig Teil der Löwen-Grundschule). Auch die Eltern wussten bis zuletzt nicht, an welchem Ort genau ihre Sprösslinge demnächst unterrichtet werden, bis zum letzten Tag hatte die Verwaltung daran gefeilt. Betroffen waren 509 Kinder, wo denen alleine 146 die 5. Klasse besuchen würden.

Die allgemeinen politischen Ziele wurden damals vom Kultusminister Fritz Holthoff (SPD) definiert, der mit dieser Schulform das allgemeine Bildungsniveau heben und individuelle Bildungschancen für sozial benachteiligte Kinder erhöhen wollte. Mit CDU, SPD und FDP waren sich alle drei Parteien im nordrhein-westfälischen Landtag damals einig.

In Scheideweg begann in diesen August-Tagen das große Stühlerücken, denn alle vier Klassen des 5. Schuljahres wurden dort untergebracht. Die Schüler der Klassen 1 bis 4, die dort bis dato unterrichtet wurden, mussten nun in die Schule Straßweg ausweichen, da für alle kein Platz war.

In der Evangelischen Stadtschule, die später zur Gemeinschaftsgrundschule Stadt und schließlich zur Löwen-Grundschule wurde, kamen die drei Klassen des 6. Schuljahrs und zwei Klassen des 7. Schuljahrs unter. Dort standen auch der Physiksaal, der Werkraum und die Lehrküche zur Verfügung. Die katholische Stadtschule, die heute ebenfalls Teil der Löwen-Grundschule ist, beherbergte dann noch jeweils zwei Klassen des 7. bis 9. Schuljahrs. Dort gab es auch einen so genannten Nadelarbeitsraum (Handwerksraum) und eine Lehrküche.

Doch die Raumfrage war nur eines der zu lösenden Probleme. Mindestens ebenso kompliziert war die Frage, wie denn die Schüler zu den teilweise weit entfernten Unterrichtsstätten kamen. Dazu richtete die Stadt insgesamt fünf Schulbuslinien ein, die auf sehr kompliziert anmutenden Routen fuhren. Es mussten die verschiedenen Standorte der Schulen, die weit entfernten Wohnstätten in den Außenortschaften und auch der unterschiedliche Unterrichtsschluss unter einen Hut gebracht werden. Die BM brauchte damals einen seitenfüllenden Artikel, um die Routen den Eltern näher zu erläutern.

Personell ging man mit dem Hauptlehrer Rudolf Schäfer an den Start, der mit Franz Schmitz einen Konrektor zur Seite gestellt bekam.

Einem BM-Bericht ein paar Wochen nach dem Start der Hauptschule lässt sich entnehmen, dass die komplizierte Logistik gemeistert wurde, wenngleich auch die Zusatzbemerkung fiel: „Eine so zersplitterte Schule kann natürlich kein Dauerzustand sein.“ Das Provisorium mit den drei Standorten wurde insgesamt vier Jahre benötigt, am 7. August 1972 hatten alle Schüler ab der 5. Klasse dann erstmals an einem gemeinsamen Lernort Unterricht.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 15.08.2018.

18.06.2018: Rückblende (40) zum 18. Juni 1968 – Stadtrat beschließt Grundzüge der Stadtsanierung

Der Plan zeigt ein geplantes Geschäftszentrum im Goethetal, das nie zustande gekommen ist. Foto: BM vom 11.12.1965.

(nob) Als am 18. Juni 1968 die Ratsmitglieder ihre Hände für eine Abstimmung erhoben, machte es den Eindruck einer wichtigen, aber eher routinierten Entscheidung. Das Gremium hatte soeben die Grundzüge für die Stadtkernsanierung beschlossen. Zuvor gemachte Einzelbeschlüsse wurden gebündelt, damit die Stadt einen Bebauungsplan aufstellen konnte. Doch der Eindruck täuschte: Die Ereignisse im Vorfeld und besonders die in der ersten Jahreshälfte 1965 waren ein Stück aus dem politischen Tollhaus und wohl bis heute in dieser Form einzigartig in der Geschichte der Stadt.

Was war passiert? In aller Stille hatte die Stadt 1964 den Architekten und Stadtplaner Drecker damit beauftragt, einen Entwurf für das Vorhaben zu fertigen. Seitens des Rates waren lediglich fünf Stadtverordnete in einem Ausschuss beteiligt. Dessen Existenz war zwar bekannt, aber ansonsten tagte man nichtöffentlich. Diese fast geräuschlose Arbeit dauerte noch bis zum 28. Januar 1965 an. An diesem Tag sollte der Rat – natürlich nichtöffentlich – über den Sachstand informiert werden. Als jedoch das FDP-Ratsmitglied Wilhelm Distelmeier eine öffentliche Debatte forderte, sein Ansinnen aber von CDU und SPD abgelehnt wurde, fiel der Startschuss für einen „heißen Frühling“ in der Schloss-Stadt. Immer neue Vermutung und Spekulationen wurden an den Stammtischen geäußert und durch die Geheimniskrämerei der Stadt in Kombination mit einer lokal befeuerten überregionalen Berichterstattung eskalierte die Diskussion. Vom „kompletten Abriss der Altstadt“ war die Rede. Man sprach von einem „teuflischen Plan“ sowie einer „Kulturschande und -vergewaltigung“. Die Krönung und die Spitze der Rhetorik war dann der öffentliche Vorwurf, dass man im Geheimen die „Aktion Bombenteppich“ plane. Alles das, was der Krieg nicht geschafft habe, sollte nun durch eine Sanierung erledigt werden.

In einer legendären Bürgerversammlung der CDU im Hofgarten am 15. Juli 1965, die zunächst komplett zu eskalieren drohte, kam die Wende. Bernhard Lampen, Fraktionschef der CDU, erklärte, dass es einen solchen Plan nicht geben würde und man alle im Rat am Erhalt des Stadtkerns interessiert sei. Zwar wurde der Dreckert-Plan noch am 9. Dezember 1965 im Stadtrat vorgestellt, doch der Architekt wurde 1966 durch den Dipl. Ing. Zlonicky abgelöst. Später räumten die Beteiligten dahingehend einen Fehler ein, dass man Dreckert für die Entwurfsplanung freie Hand gelassen und keine Vorgaben gemacht habe.

Mit dem Ratsbeschluss vom 18. Juni 1968 wurde dann auch auf ein neues Stadtzentrum im Bereich des Goethetals verzichtet. Im Gegenteil, es sollte die Altstadt als Zentrum erhalten bleiben, damit dort nicht eine reine Wohnbebauung übrig bleibe. Kernstück der Sanierung wurde der Bau der Goethestraße, weiterhin die Verbreiterung des Schmittweges. Verzichtet wurde auch auf eine Verbreiterung der Bongardstraße, die als Zufahrtsstraße zum Schloss dienen sollte. Die Marktstraße blieb unangetastet und die Islandstraße wurde in eine Fußgängerzone umgewandelt.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 20. Juni 2018.

05.06.2018: Rückblende (39) zum 4. Juni 1968 – Pfingstchaos an der Bever und ein geschlachtetes Rind

(nob) Ein scheint eine Art „Hückeswagener Naturgesetz“ zu sein: Immer an schönen Sommertagen und besonders zu Feiertagen bricht an der Bevertalsperre das Chaos aus. Zwar konnte eine im September 2004 gegründete „Ordnungspartnerschaft Bever-Talsperre“, an der der Wupperverband, die Städte Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth, das Regionalforstamt Bergisches Land, der Oberbergische Kreis, die Feuerwehr und die Polizei beteiligte sind, die Situation in den vergangenen Jahren entschärfen, doch immer noch bleibt genug zu tun.

Was allerdings der BM-Journalist Peter W. Schroeder an Pfingsten 1968 von der Bever berichtete, ist schon abenteuerlich genug obwohl „die große Invasion“, so der BM-Titel, aufgrund des durchwachsenen Wetters ausgeblieben war. Bereits am Samstag vor Pfingsten meldeten die Polizeibeamten an die Funkstreifenleitstelle der Kreispolizeibehörde: „Nichts geht mehr!“ Schuld war „das Nadelöhr Bundesstraße 237 in der Ortsdurchfahrt Hückeswagen“, dass für einen Rückstau bis hoch nach Kammerforsterhöhe sorgte. Nachdem der Verkehr auf eine Kreisstraße umgeleitet wurde, bekam die Polizei die Situation nach guten zwei Stunden in den Griff. Dass die Menschen damals im Straßenverkehr rücksichtsvoller gewesen wären als heute, kann man nach den Schilderungen Schroeders kaum glauben. So hagelte es gegenseitige Anzeigen von Fußgängern und Autofahrern, die sich wechselweise Rücksichtslosigkeit vorwarfen. In zwei weiteren Fällen musste sich jeweils ein Fußgänger auf dem Zebrastreifen mit einem Hechtsprung in Sicherheit bringen, weil es wartenden Autofahrern in der Autoschlange nicht schnell genug ging und zu rasanten Überholmanövern ansetzten.

Auch für die Diebe war die Bevertalsperre ein El Dorado: An einem parkenden Auto vor einer Gaststätte wurden kurzerhand die Halogenscheinwerfer abmontiert. Weiterhin liefen bei der Polizei Meldungen ein, wonach Vandalen Autoantennen und Scheibenwischer abbrachen.

Ein nahezu unglaublicher Zwischenfall ereignete sich an einem Hückeswagener Bauernhof, der in der Nähe der Bever lag. Unbekannte waren mit ihrem Fahrzeug dicht an das Gehöft herangefahren, stellten es dort ab und schlichen sich in die Stallungen. Unbemerkt führten sie ein sechs Monate altes Rind ins Freie, schlachteten das Tier noch auf dem Hof und verluden dann das Fleisch in ihren bereitstehenden Wagen! Wenige Minuten später waren sie in dem dichten Verkehrsgewühl zu Pfingsten, was die Viehräuber offenbar bewusst ausnutzten, verschwunden.

Diese Ereigniskette an einem leicht verregneten Pfingsten lässt erahnen, was in dieser Zeit los gewesen war, wenn es Kaiserwetter gab, vor 50 Jahren.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 5. Juni 2018, URL: https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/pfingstchaos-an-der-bever-und-ein-geschlachtetes-rind_aid-23216771

04.04.2018: Rückblende (34) zum 4. April 1968 – Der NS-Verfolgte Klaus-Heinrich Carl ist gestorben

Klaus-Heinrich Carl. Fotografie aus dem Bergischen Volksboten vom 30.12.1952.

Nur kurz ging vor 50 Jahren die ortsansässige Zeitung auf das Schicksal des in Hückeswagen aufgewachsenen Klaus-Heinrich Carl ein. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit den Nationalsozialisten verbrachte der Sohn des Rektors Matthias Carl, der in der Katholischen Stadtschule wirkte, einige Zeit in einem Konzentrationslager.

(nob) Es ist eine Geschichte, die sich in den 1930er- und 1940er-Jahren im Bergischen Land so oder ähnlich unzählige Male im Verborgenen abgespielt hatte. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgten in der Regel die NS-Täter bei den späteren Prozessen in Nürnberg oder der Rückblick auf spektakuläre Zwischenfälle, wie etwa den Hückeswagener Kommunistenmorden im Jahr 1932. Das stille Leiden der vielen Opfer hingegen vollzog sich im Privatbereich. Eine Passage in einem Nachruf der Bergischen Morgenpost vom 8. April 1968 anlässlich des Todes des Hückeswageners Klaus-Heinrich Carl am 4. April 1968 lässt daher aufhorchen: „Die Nationalsozialisten verhafteten ihn wegen einiger Meinungsäußerungen und brachten ihn in einem Konzentrationslager unter in dem er schwere Zeiten durchstehen musste.“

Im Kontrast hierzu steht ein Zeitungsartikel im Bergischen Volksboten vom 30. Dezember 1952 anlässlich des Abschiedes aus Burscheid, wo Carl seit 1947 als Vikar tätig war. Es sei „aus der Kriegsgefangenschaft in Ägypten“ gekommen, hieß es dort. Die KZ-Haft wird jedoch mit keinem Wort erwähnt, wohl aber „harte, hinter ihm liegende Zeiten“. Diesem Kartell des Schweigens nach dem Zweiten Weltkrieg rund um die Vorgänge in den Konzentrationslagern vergrößerte nur noch das Leiden der Überlebenden. Richter, Juristen und Politiker, aber auch Journalisten, Beamte sowie Menschen aus vielen andere Schichten der Gesellschaft kehrten diese Dinge unter den Teppich. Erst mit den Auschwitz-Prozessen kam gesellschaftlich etwas in Bewegung und ein schmerzhafter Konflikt der Generationen brach sich Bahn. Die Fragen: „Warum?“ und „Was wusstet ihr?“ wurden zum Schrecken so mancher Menschen aus der Täter- und Mitläufer-Generation.

Wer war nun Klaus-Heinrich Carl? Er wurde am 6. Juli 1911 in Hückeswagen geboren. Er war der Sohn des Rektors Matthias Carl, der viele Jahrzehnte an der katholischen Stadtschule (heute Löwen-Grundschule) wirkte. Klaus-Heinrich Carl verbrachte seine Jugendzeit in Hückeswagen. 1939 wurde er nach dem theologischen Studium im Hohen Dom zu Köln zum Priester geweiht und seine Primiz (erste Messe) feierte er in seinem Heimatort. Seine erste Kaplanstelle erhielt er in St. Wendel an der Saar. Aber nur kurze Zeit konnte er hier seines Amtes walten: Die Nationalsozialisten verhafteten ihn wegen einiger (nicht näher ausgeführten) Meinungsäußerungen und brachten ihn in ein (ebenfalls nicht näher bezeichnetes) Konzentrationslager. Inwiefern die Haft im KZ und die Kriegsgefangenschaft in Ägypten im Zusammenhang stehen, lässt sich aus den bisher vorliegenden Informationen nicht rekonstruieren. Am 1. April 1947 jedenfalls trat der Hückeswagener als Vikar eine Stelle in Burscheid an und verbliebt dort bis Weihnachten 1952. Von dort ging es weiter zur Gemeinde St. Antonius in Essen-Frohnhausen. Die letzte berufliche Station war die Berufung als Pfarrrektor nach Westerhausen, wo er 1968 an einem Gehirnschlag starb.

Info: In Hückeswagen oder Burscheid liegt bisher kein Aufsatz, etwa eine Kurz-Biografie über den Geistlichen Klaus-Heinrich Carl vor. In den beim Prälaten und bekannten Historiker Helmut Moll vorliegenden Verzeichnissen, der schon seit vielen Jahre im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz das Leben der katholischen Märtyrer des NS-Reiches untersucht, wird er unter Nikolaus-Heinrich Carl geführt.

Erschienen in gekürzter Fassung in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 21. April 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/klaus-heinrich-carl-stirbt-aid-1.7528043

 

05.03.2018: Rückblende (30) zum 5. März 1968 – Gemeinsam „Geld machen“ im Investment-Klub

(nob) Selten erlangte ein Werbespot einen so hohen Bekanntheitsgrad wie der im Jahr 1996 mit dem Schauspieler Manfred Krug. Er warb für die so genannte „T-Aktie“ der Telekom und löste damit einen regelrechten Boom in der Bevölkerung aus. Menschen, die sonst niemals Aktien gekauft hätten, wagten sich auf unbekanntes Terrain und beschäftigten sich plötzlich mit DAX und Dow Jones.

Es ist jedoch ein weit verbreiteter Irrtum, dass dies die Geburtsstunde für den Aktienhandel des „kleines Mannes“ gewesen wäre. Genau am 5. März 1968 kommt es nämlich im „Hotel Zum Hofgarten“ zu einer ganz besonderen Versammlung. Namentlich nicht näher genannte „Aktieninteressierte“, die sich bis dato in regelmäßigen Abständen in Hückeswagen zu einem Erfahrungsaustausch getroffen hatten, stellten Überlegungen zur Gründung eines Investment-Klubs an. In diesem Zusammenhang wird in dem BM-Artikel „Umgang mit Aktien ein einträgliches Hobby“ ausdrücklich betont, dass bereits an vielen Orten der Bundesrepublik „nach dem Beispiel Amerikas“ Investment-Klubs in Leben gerufen worden seien und dass sich „immer breitere Sparerschichten jetzt wieder für Aktien interessieren“ würden.

Es waren drei Entwicklungen, die im Zusammenspiel die Spekulationslust entfachten. Zum einen wuchs in den 1960er-Jahren die Anzahl der Menschen, die finanzielle Mittel angespart hatten, die nicht unmittelbar für den Konsum oder die Lebenshaltung benötigt wurden. Zweitens nahm die Zahl der damals so titulierten „Spekulanten-Vereine“ zu, die sich 1960 zu einem Weltverband zusammengeschlossen hatten. So gab es 1968 in Deutschland 2000 derartige Vereine mit insgesamt 40000 Mitgliedern. Und drittens kam es Ende der 1960er-Jahre zu einer Aktien-Hausse, die den Menschen urplötzlich eine Möglichkeit aufzeigte, auf relativ schnelle Weise zu einem kleinen Vermögen zu kommen.

Doch schon das Jahr zuvor war offenbar kein schlechtes Börsenjahr. So heißt es in dem BM-Artikel: „Das Jahr 1967 […] war ein Traumjahr für den deutschen Aktiensparer: es brachte einen überdurchschnittlichen Kursgewinn von 42 Prozent innerhalb von knapp 12 Monaten“.

Kein Wunder also, dass sich nun auch die Hückeswagener von diesem Kuchen ein schönes Stückchen abschneiden wollten. Und so rief man für 19.30 Uhr an diesem 5. März 1968 zu einer „gemeinsamen Besprechung“ auf, zu der ausdrücklich auch erfahrene Aktiensparer eingeladen wurden. Der Zeitpunkt schien günstig, denn der Bundesbank-Bericht 1968 diagnostizierte für März eine „Aufwärtsbewegung mit raschem Tempo“. Es ist allerdings nicht überliefert, ob es tatsächlich zur Gründung des Vereins gekommen ist. In den Vereinsverzeichnissen von 1969 bis 1975 wird ein „Investment-Klub“ nicht erwähnt. Vielleicht war die Aussicht, Gewinne nicht teilen zu müssen, dann doch größer.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 27. März 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/gemeinsam-geld-machen-im-investment-klub-aid-1.7479589 

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23.02.2018: Rückblende (29) zum 23. Februar 1968 – Karneval von Hückeswagen im Zeichen der Hippies

Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: "Zwei Klaviere auf einem Pritschenwagen - So wurde Musik gemacht.", Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.
Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: „Zwei Klaviere auf einem Pritschenwagen – So wurde Musik gemacht.“, Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.

(nob) Zu Karneval wird immer mal gerne das sogenannte Rheinische Grundgesetz zitiert. Ein Umstand, den wir dem Humoristen Konrad Beikircher zu verdanken haben, der es erstmals 2001 in einem Buch zusammengestellt hatte. Der Artikel 5 lautet: „Et bliev nix wie et wor.“ Dementsprechend müsste sich im Hückeswagener Karneval innerhalb von 50 Jahren so einiges verändert haben.

Es ist tatsächlich so, und Aufschluss hierüber gibt die ausführliche Berichterstattung in der BM vom 23. bis 27. Februar 1968. Meistens war Theo Dörpinghaus von Feier zu Feier unterwegs, der in seinem zusammenfassenden Artikel die Schloss-Stadt „von der rheinischen Luft angesteckt“ sah. Die Liste der Dinge, die auch heute noch geblieben sind, können wir kurzhalten: Den „Rä-Te-Ma-Teng“ gab es schon, geschrieben wurde er allerdings noch „Rä-Te-ma-Täng“. Den dazugehörigen etwas verunglückten Witz, wonach die plattdeutsche Übersetzung „Rette meine Zähne“ lautet, der Zug aber nicht an Karies leiden würde, lassen wir lieber im Dunkel der Karnevalsgeschichte verschwinden. An einem Aufruf in einem Vorbericht, man möge doch für den Zug zusammenhängende Gruppen von „Cowboys, Csárdásfürstinnen (Anm.: Operettenfigur), Negern und Märchengestalten“ bilden, sieht man auch, wie sich die Sprache mittlerweile verändert hat. Der Begriff „Neger“ hat heute einen faden Beigeschmack und wird allgemein als rassistisch bewertet, damals war es jedoch ein gebräuchlicher Ausdruck. Erwähnenswert ist noch, dass der Zug nur einmal durch die Innenstadt lief und nicht wie heute zweimal. Natürlich gab es auch schon die Galasitzung im Kolpinghaus, die auch damals schon „für den Humor bekannt“ war.

Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: "Die Märchengruppe", Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.
Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: „Die Märchengruppe“, Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.

Der größte Unterschied zwischen 1968 und 2018 ist wohl die Anzahl der Karnevalsfeiern in den Gaststätten und bei den Vereinen. Der TBH, der ATV und zuallererst der „Quartett-Verein Rheingold“ hatten große Karnevalssitzungen, letzterer feierte damals seine 20. Sitzung seit 1948. In den Gaststätten Schoppmann, Haus Bucheneck, Seehotel, Hofgarten, Schnabelsmühle und Wupperschenke tobte samstags und sonntags der Bär. In Bergisch Born, dass damals zum Teil auch zu Hückeswagen gehörte und im Volksmund „Dreiländereck“ hieß, hatten die „Blau-Weißen Jungs“ ihr Zuhause. Zu Rosenmontag ging es mit voller Kraft weiter: Die Tanzschule Böhlefeld veranstaltete einen Kostümball und der Karnevalsclub der „Rot-Weißen von der Bever“ hatten ihr Tanzfest.

Schon wieder acht Jahre her: Der Rä-Te-Ma-Teng im Jahr 2010. Marc von der Neyen und Tobias Bosbach im Vordergrund verteilen Kamelle.
Schon wieder acht Jahre her: Der Rä-Te-Ma-Teng im Jahr 2010. Marc von der Neyen und Tobias Bosbach im Vordergrund verteilen Kamelle.

Die Kolpingjugend hatte natürlich ihre eigenen Veranstaltungen, was eine Parallelität zur Gegenwart ist. Statt der Kindertanzparty gab es jedoch einen „bunten Abend“ und das Kinderprinzenpaar wurde „demokratisch gewählt“, wie immer man sich das vorstellen muss.

Bei den beliebtesten Motiven für Kostüme gab es 1968 drei Favoriten: Auf Platz 3 lag der Cowboy, auf Platz 2 der Indianer und unangefochtener Spitzenreiter war der Hippie! Verfolgt man die Berichte von den Feiern, müssen sich Zeitgenossen bei Auftritten der kostümierten Langhaarigen darüber köstlich amüsiert haben.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 13. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/jecke-schloss-stadt-von-rheinischer-luft-angesteckt-aid-1.7390158

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10.02.2018: Rückblende (28) zum 10. Februar 1968 – Eier-Sortiermaschine „Liliput“ versetzt Berge

v.l.: Wilhelm Rüter, Ilse Rüter mit den Kindern Manfred in Ingrid. Fotograf war Theo Dörpinghaus, der die Familie Anfang 1968 bei der Arbeit an der Maschine ablichtete. Wilhelm Rüter war zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Besuch aus dem Westfälischen, da er dort zusammen mit dem Sohn Ernst Rüter einen Hof hatte. Der Hof in Buchholz, wo das Foto entstand, gehörte Manfred Rüters Mutter Ilse, die eine geborene Wirth war.
v.l.: Wilhelm Rüter, Ilse Rüter mit den Kindern Manfred in Ingrid. Fotograf war Theo Dörpinghaus, der die Familie Anfang 1968 bei der Arbeit an der Maschine ablichtete. Wilhelm Rüter war zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Besuch aus dem Westfälischen, da er dort zusammen mit dem Sohn Ernst Rüter einen Hof hatte. Der Hof in Buchholz, wo das Foto entstand, gehörte Manfred Rüters Mutter Ilse, die eine geborene Wirth war.

(nob) Es war genau der 10. Februar 1968, als eine kreative Schlagzeile in der Bergischen Morgenpost die Aufmerksamkeit der Leser erregte: „Liliput versetzt Berge – Eiersortiermaschine erleichtert die Arbeit“. Auf einem Foto waren vier Mitglieder der Familie Rüter zu sehen, wie sie auf ihrem Hof in Buchholz an der neuen Maschine arbeitete, abgelichtet durch den BM-Journalisten Theo Dörpinghaus. Diese „neueste technische Errungenschaft“, wie es hieß, war mit einer geeichten Waage ausgestattet und sortierte die Eier nach sieben damals geltenden Gewichtsgruppen. Die Eier wurden zuvor auf einem Band liegend unter einer Leuchtröhre geprüft, so dass die mit den unappetitlichen – aber nicht lebensgefährlichen – Blutgerinnseln sowie kleinen kaum sichtbaren Beschädigungen aussortiert werden konnten. Es war eine immense Arbeitserleichterung für alle Mitarbeiter.

Als kleiner Junge ist Manfred Rüter auf dem Bild zu sehen. Heute, 50 Jahre später, führt er selber den Hof, doch diese Szenerie sieht er nun mit ganz anderen Augen. „Letztendlich war die Einführung dieser Maschine Teil eines stetig andauernden Prozesses der Rationalisierung, dem die Landwirtschaft unterworfen ist“, sagt er. So stand man damals wie auch später vor der Frage: „Wie können die eigenen begrenzten Ressourcen effektiver eingesetzt werden?“ Und genau dieser Aspekt erklärt die weiteren Veränderungen auf dem Hof. Die Sortiermaschine war bis in die 1990er-Jahre in Betrieb, anfangs auch noch kurzzeitig ein Eier-Verkaufsautomat. „Dann löste zunächst die Milchviehwirtschaft die Geflügelwirtschaft ab und seit dem Jahr 2011 haben wir nur noch Ammenkühe“, beschreibt Rüter die weitere Entwicklung.

1968 zum Zeitpunkt des Artikels war ein wichtiger Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft bereits erfolgt: Aus der alten Agrarfrage „Wer wird die Scheunen füllen?“, so beschreibt es der Autor Ulrich Kluge in einem wissenschaftlichen Fachbuch zur Geschichte der Landwirtschaft, entstand die Frage „Wer wird die Scheunen leeren?“. Alle Zeichen standen auf Expansion, insbesondere bei der Veredelungswirtschaft, beispielsweise bei der Rinderhaltung. Und so war es auch auf dem Hof Rüter. Der ständige Druck zwang die Betriebe zur weiteren Spezialisierung, bis man irgendwann eine Grenze kam, die nicht überschritten werden konnte, so dass man umdisponieren musste.

„Gegenwärtig kommt hinzu, dass wir eine hohe Reglementierung und Bürokratisierung haben. Der Landwirt ist zum mittelständischen Unternehmer geworden“, so Rüter. Zunehmend entfremde sich der Konsument auch von den landwirtschaftlichen Prozessen, denn so der Landwirt weiter: „Alle wollen kaufen und essen, einen Schlachthof will aber keiner mehr sehen.

Erschienen in leicht gekürzter Fassung in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 12. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/eier-sortiermaschine-liliput-versetzt-berge-auf-hof-in-buchholz-aid-1.7385759

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09.02.2018: Rückblende (27) zum 9. Februar 1968 – Als das Farbfernsehen nach Hückeswagen kam

Inserat in der BM vom 9. Februar 1968.
Inserat in der BM vom 9. Februar 1968.

(nob) Es war ein komplett neues (Fern-)Sehgefühl: Die Olympischen Winterspiele von Grenoble in Farbe verfolgen zu können war Grund genug für den „Funk- und Fernsehberater Burghoff“ am 9. Februar 1968 in der Bergischen Morgenpost eigens eine Anzeige zu schalten: „Täglich während der Olympischen Winterspiele im Hotel zum Hofgarten“ hieß es im Inserat. Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals eine technische Revolution. Als Bundeskanzler Willy Brandt genau um 10:57 Uhr des 25. August 1967 auf der „Großen Deutschen Funkausstellung in Westberlin“ einen großen roten Taster (der eine Attrappe war) betätigte, wurde in den deutschen Wohnstuben aus dem Schwarz-Weiß-Bild ein farbiges. Vorausgesetzt es stand ein Farbfernseher in der Guten Stube, doch den hatten noch die Wenigsten.

Das Schaufenster von Elektro Burghoff an der Marktstraße zurzeit der Einführung des Farbfernsehgerätes um 1968.
Das Schaufenster von Elektro Burghoff an der Marktstraße zurzeit der Einführung des Farbfernsehgerätes um 1968.

Viele Monate zuvor begannen bundesweit die technischen Vorbereitungen: Pionier in Hückeswagen war Siegfried Burghoff, der in seinem bereits seit 1955 existierenden Geschäft an der Marktstraße nun derartige Geräte anbot. Der erste Farbfernseher der Firma Metz, heute Ausstellungsstück im Maschinenpark des Vereins „Drei-Städte-Depot“, kostete damals 2500 DM. Zum Vergleich: Ein nor-males Schwarz-Weiß-Gerät war 800 bis 1000 DM teuer. Beide Größenordnungen waren für die damaligen Verhältnisse ein stattliches Sümmchen.

Siegfried Burghoff erinnert sich: „Ich habe im Mai 1967 meinen ersten Farbfernseher-Lehrgang bei der Firma Philips in Hamburg absolviert, später war ich auch noch bei Grundig in Fürth.“ Im August 1967 kehrte Burghoff dann rechtzeitig aus dem Urlaub zurück, um beim großen Verkaufsstart im Laden stehen zu können.

In den Anfangsjahren galt die so genannte Konvergenz als großes technisches Problem. Es war notwendig, dass ein Fachmann nach dem ersten Aufstellen des Gerätes an 25 Reglern Einstellungen vornahm, weil je nach Standort unterschiedliche Magnetfelder auf das Gerät einwirkten. War die Justierung nicht ganz exakt oder wurde der Fernseher an einen anderen Platz gerückt, überlappten sich die mit dem Kathodenstrahl in der Röhre projizierten Grundfarben und das Bild wurde unansehnlich. Erst Mitte der 1970er-Jahre wurde das Problem gelöst. Viele Konsumenten hatten jedoch davon gar nichts mitbekommen, da sie erst später ein Farbgerät gekauft hatten.

Zu Beginn der Farbfernseh-Epoche konkurrierten drei Unternehmen um die Gunst der Kunden: Philips, Grundig und Metz. Burghoff hatte alle drei Marken im Laden stehen. Die Geräte arbeiteten mit dem bundesdeutschen Standard „PAL“, Frankreich und auch die DDR hingegen setzten auf „SECAM“. „Zu meinen ersten Kunden zählte Erich Sessinghaus und die Drogerie Zörner“, erinnert sich Siegfried Burghoff mit einem Lächeln. An die Olympia-Übertragungen hat er jedoch nur wenige Erinnerungen, allerdings arbeitete man mit dem Hofgarten öfters zusammen. Burghoff: „Wir haben dort in dem Saal des Hotels Verkaufsveranstaltungen gemacht, die waren sehr erfolgreich.“

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 8. Februar 2018, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/als-das-farbfernsehen-nach-hueckeswagen-kam-aid-1.7375806

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20.01.2018: Rückblende (25) zum 20. Januar 1968 – Möbel Happel zieht von Remscheid nach Hückeswagen ins Haus Zach

Möbel Happel am aktuellen Standort Industriestraße. 1997 zog man vom Haus Zach hier hin. Foto: N. Bangert
Möbel Happel am aktuellen Standort Industriestraße. 1997 zog man vom Haus Zach hier hin. Foto: N. Bangert

(nob) Eigentlich war Adolf Happel mit seinem Standort Burger Straße in Remscheid als solches ganz zufrieden. Das Geschäft lief gut und sein Sohn Werner war auch schon in den Betrieb integriert, obwohl er noch die Schulbank drücken musste. Wäre da nicht der Zustand des Gebäudes: Es waren nicht nur schon Wasserschäden vorhanden, auch regnete es hinein und der Vermieter hielt sich mit Investitionen auffallend zurück. „Mein Vater war ein Mann von schnellen Entschlüssen“, erinnert sich Werner Happel, der gegenwärtig die Geschicke des Unternehmens leitet, an das Geschehen. Kurzer Hand suchte der Senior eine neue Bleibe und rein zufällig stieß er in der Schloss-Stadt auf das Gebäude, das noch heute unter dem Namen „Haus Zach“ bekannt ist. Schließlich war es dann soweit. In einer BM-Anzeige kündigte der Inhaber zwei Tage vor dem großen Tag an: „Am Samstag dem 20. Januar eröffnet Möbel Happel in Hückeswagen, Islandstraße ein modernes Möbelhaus“.

Die Bergische Morgenpost widmete sich in einem Artikel einen Tag später dann noch ausführlicher der Eröffnung und vergaß auch nicht die Vergangenheit des Hauses zu schildern. Erbaut wurde das Geschäftshaus demnach von „Bergstede & Frerichs“. Nach einigen Besitzerwechseln folgte zuletzt das Kaufhaus Heka, bevor das dann bis 1968 eine längere Zeit leer stand. „Unseren neuen Vermieter Otto Zach kannten wie vorher nicht und der Umzug selber dauerte dann ein paar Wochen“, so Werner Happel. Erst später erfuhr er dann von der großen und stolzen Geschichte der Unternehmerfamilie Zach.

Doch auf welche Weise brachte nun Happel „Neues Leben ins alte Haus“, wie die BM damals titelte? Sowohl Erd- als auch Obergeschoss wurden renoviert und neu eingerichtet. Und das Vorhaben war ambitioniert, denn mit einer großen Auswahl wollte man sich in Hückeswagen vorstellen: Egal ob Wohn- oder Schlafzimmer, Klein- oder Polstermöbel, modern oder antik, alles sollte gezeigt werden. Während in der unteren Etage die Kleinmöbel wie Tische und die Teppiche Platz fanden, war der Ausstellungsbereich oben über die schöne Freitreppe zu erreichen.

Doch auch in der Schloss-Stadt musste das neue Unternehmen bald einen Strauß ausfechten. So wurde einige Zeit nach dem Umzug die Islandstraße aufgerissen, weil man diese zu einer Fußgängerzone umbauen wollte. Überall lagen plötzlich nur noch Bretter, die einen Zugang zum Geschäft mehr schlecht wie recht ermöglichten. „Daraufhin schaltete mein Vater eine Todesanzeige in der Zeitung, die vom Ableben des Geschäftsstandortes Islandstraße kündete. Am nächsten Tag wurde die Straße schnell wieder zu gemacht“, so Happel mit einem Lächeln.

Das Haus Zach sollte auch nur eine Durchgangsstation für die Firma sein, sie hat heute an der Industriestraße ihren Sitz. Und mit diesem Standort endet bis auf Weiteres der Zyklus der Standortwechsel, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem kleinen Textilhandel in der Nachbarstadt Remscheid begonnen hatte.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 19. Januar 2018, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/moebel-happel-zieht-es-von-remscheid-nach-hueckeswagen-ins-island-aid-1.7330877

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