05.03.2018: Rückblende 5. März 1968 – Gemeinsam „Geld machen“ im Investment-Klub

(nob) Selten erlangte ein Werbespot einen so hohen Bekanntheitsgrad wie der im Jahr 1996 mit dem Schauspieler Manfred Krug. Er warb für die so genannte „T-Aktie“ der Telekom und löste damit einen regelrechten Boom in der Bevölkerung aus. Menschen, die sonst niemals Aktien gekauft hätten, wagten sich auf unbekanntes Terrain und beschäftigten sich plötzlich mit DAX und Dow Jones.

Es ist jedoch ein weit verbreiteter Irrtum, dass dies die Geburtsstunde für den Aktienhandel des „kleines Mannes“ gewesen wäre. Genau am 5. März 1968 kommt es nämlich im „Hotel Zum Hofgarten“ zu einer ganz besonderen Versammlung. Namentlich nicht näher genannte „Aktieninteressierte“, die sich bis dato in regelmäßigen Abständen in Hückeswagen zu einem Erfahrungsaustausch getroffen hatten, stellten Überlegungen zur Gründung eines Investment-Klubs an. In diesem Zusammenhang wird in dem BM-Artikel „Umgang mit Aktien ein einträgliches Hobby“ ausdrücklich betont, dass bereits an vielen Orten der Bundesrepublik „nach dem Beispiel Amerikas“ Investment-Klubs in Leben gerufen worden seien und dass sich „immer breitere Sparerschichten jetzt wieder für Aktien interessieren“ würden.

Es waren drei Entwicklungen, die im Zusammenspiel die Spekulationslust entfachten. Zum einen wuchs in den 1960er-Jahren die Anzahl der Menschen, die finanzielle Mittel angespart hatten, die nicht unmittelbar für den Konsum oder die Lebenshaltung benötigt wurden. Zweitens nahm die Zahl der damals so titulierten „Spekulanten-Vereine“ zu, die sich 1960 zu einem Weltverband zusammengeschlossen hatten. So gab es 1968 in Deutschland 2000 derartige Vereine mit insgesamt 40000 Mitgliedern. Und drittens kam es Ende der 1960er-Jahre zu einer Aktien-Hausse, die den Menschen urplötzlich eine Möglichkeit aufzeigte, auf relativ schnelle Weise zu einem kleinen Vermögen zu kommen.

Doch schon das Jahr zuvor war offenbar kein schlechtes Börsenjahr. So heißt es in dem BM-Artikel: „Das Jahr 1967 […] war ein Traumjahr für den deutschen Aktiensparer: es brachte einen überdurchschnittlichen Kursgewinn von 42 Prozent innerhalb von knapp 12 Monaten“.

Kein Wunder also, dass sich nun auch die Hückeswagener von diesem Kuchen ein schönes Stückchen abschneiden wollten. Und so rief man für 19.30 Uhr an diesem 5. März 1968 zu einer „gemeinsamen Besprechung“ auf, zu der ausdrücklich auch erfahrene Aktiensparer eingeladen wurden. Der Zeitpunkt schien günstig, denn der Bundesbank-Bericht 1968 diagnostizierte für März eine „Aufwärtsbewegung mit raschem Tempo“. Es ist allerdings nicht überliefert, ob es tatsächlich zur Gründung des Vereins gekommen ist. In den Vereinsverzeichnissen von 1969 bis 1975 wird ein „Investment-Klub“ nicht erwähnt. Vielleicht war die Aussicht, Gewinne nicht teilen zu müssen, dann doch größer.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 27. März 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/gemeinsam-geld-machen-im-investment-klub-aid-1.7479589 

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23.02.2018: Rückblende 23. Februar 1968 – Karneval von Hückeswagen im Zeichen der Hippies

Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: "Zwei Klaviere auf einem Pritschenwagen - So wurde Musik gemacht.", Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.
Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: „Zwei Klaviere auf einem Pritschenwagen – So wurde Musik gemacht.“, Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.

Zu Karneval wird immer mal gerne das sogenannte Rheinische Grundgesetz zitiert. Ein Umstand, den wir dem Humoristen Konrad Beikircher zu verdanken haben, der es erstmals 2001 in einem Buch zusammengestellt hatte. Der Artikel 5 lautet: „Et bliev nix wie et wor.“ Dementsprechend müsste sich im Hückeswagener Karneval innerhalb von 50 Jahren so einiges verändert haben.

Es ist tatsächlich so, und Aufschluss hierüber gibt die ausführliche Berichterstattung in der BM vom 23. bis 27. Februar 1968. Meistens war Theo Dörpinghaus von Feier zu Feier unterwegs, der in seinem zusammenfassenden Artikel die Schloss-Stadt „von der rheinischen Luft angesteckt“ sah. Die Liste der Dinge, die auch heute noch geblieben sind, können wir kurzhalten: Den „Rä-Te-Ma-Teng“ gab es schon, geschrieben wurde er allerdings noch „Rä-Te-ma-Täng“. Den dazugehörigen etwas verunglückten Witz, wonach die plattdeutsche Übersetzung „Rette meine Zähne“ lautet, der Zug aber nicht an Karies leiden würde, lassen wir lieber im Dunkel der Karnevalsgeschichte verschwinden. An einem Aufruf in einem Vorbericht, man möge doch für den Zug zusammenhängende Gruppen von „Cowboys, Csárdásfürstinnen (Anm.: Operettenfigur), Negern und Märchengestalten“ bilden, sieht man auch, wie sich die Sprache mittlerweile verändert hat. Der Begriff „Neger“ hat heute einen faden Beigeschmack und wird allgemein als rassistisch bewertet, damals war es jedoch ein gebräuchlicher Ausdruck. Erwähnenswert ist noch, dass der Zug nur einmal durch die Innenstadt lief und nicht wie heute zweimal. Natürlich gab es auch schon die Galasitzung im Kolpinghaus, die auch damals schon „für den Humor bekannt“ war.

Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: "Die Märchengruppe", Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.
Eine Szenerie vom Rä-Te-Ma-Teng 1968: „Die Märchengruppe“, Foto publiziert am 27.02.1968 in der BM, Fotograf: Lutz Aldermann.

Der größte Unterschied zwischen 1968 und 2018 ist wohl die Anzahl der Karnevalsfeiern in den Gaststätten und bei den Vereinen. Der TBH, der ATV und zuallererst der „Quartett-Verein Rheingold“ hatten große Karnevalssitzungen, letzterer feierte damals seine 20. Sitzung seit 1948. In den Gaststätten Schoppmann, Haus Bucheneck, Seehotel, Hofgarten, Schnabelsmühle und Wupperschenke tobte samstags und sonntags der Bär. In Bergisch Born, dass damals zum Teil auch zu Hückeswagen gehörte und im Volksmund „Dreiländereck“ hieß, hatten die „Blau-Weißen Jungs“ ihr Zuhause. Zu Rosenmontag ging es mit voller Kraft weiter: Die Tanzschule Böhlefeld veranstaltete einen Kostümball und der Karnevalsclub der „Rot-Weißen von der Bever“ hatten ihr Tanzfest.

Schon wieder acht Jahre her: Der Rä-Te-Ma-Teng im Jahr 2010. Marc von der Neyen und Tobias Bosbach im Vordergrund verteilen Kamelle.
Schon wieder acht Jahre her: Der Rä-Te-Ma-Teng im Jahr 2010. Marc von der Neyen und Tobias Bosbach im Vordergrund verteilen Kamelle.

Die Kolpingjugend hatte natürlich ihre eigenen Veranstaltungen, was eine Parallelität zur Gegenwart ist. Statt der Kindertanzparty gab es jedoch einen „bunten Abend“ und das Kinderprinzenpaar wurde „demokratisch gewählt“, wie immer man sich das vorstellen muss.

Bei den beliebtesten Motiven für Kostüme gab es 1968 drei Favoriten: Auf Platz 3 lag der Cowboy, auf Platz 2 der Indianer und unangefochtener Spitzenreiter war der Hippie! Verfolgt man die Berichte von den Feiern, müssen sich Zeitgenossen bei Auftritten der kostümierten Langhaarigen darüber köstlich amüsiert haben.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 13. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/jecke-schloss-stadt-von-rheinischer-luft-angesteckt-aid-1.7390158

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10.02.2018: Rückblende 10. Februar 1968 – Eier-Sortiermaschine „Liliput“ versetzt Berge

v.l.: Wilhelm Rüter, Ilse Rüter mit den Kindern Manfred in Ingrid. Fotograf war Theo Dörpinghaus, der die Familie Anfang 1968 bei der Arbeit an der Maschine ablichtete. Wilhelm Rüter war zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Besuch aus dem Westfälischen, da er dort zusammen mit dem Sohn Ernst Rüter einen Hof hatte. Der Hof in Buchholz, wo das Foto entstand, gehörte Manfred Rüters Mutter Ilse, die eine geborene Wirth war.
v.l.: Wilhelm Rüter, Ilse Rüter mit den Kindern Manfred in Ingrid. Fotograf war Theo Dörpinghaus, der die Familie Anfang 1968 bei der Arbeit an der Maschine ablichtete. Wilhelm Rüter war zum Zeitpunkt der Aufnahme zu Besuch aus dem Westfälischen, da er dort zusammen mit dem Sohn Ernst Rüter einen Hof hatte. Der Hof in Buchholz, wo das Foto entstand, gehörte Manfred Rüters Mutter Ilse, die eine geborene Wirth war.

Es war genau der 10. Februar 1968, als eine kreative Schlagzeile in der Bergischen Morgenpost die Aufmerksamkeit der Leser erregte: „Liliput versetzt Berge – Eiersortiermaschine erleichtert die Arbeit“. Auf einem Foto waren vier Mitglieder der Familie Rüter zu sehen, wie sie auf ihrem Hof in Buchholz an der neuen Maschine arbeitete, abgelichtet durch den BM-Journalisten Theo Dörpinghaus. Diese „neueste technische Errungenschaft“, wie es hieß, war mit einer geeichten Waage ausgestattet und sortierte die Eier nach sieben damals geltenden Gewichtsgruppen. Die Eier wurden zuvor auf einem Band liegend unter einer Leuchtröhre geprüft, so dass die mit den unappetitlichen – aber nicht lebensgefährlichen – Blutgerinnseln sowie kleinen kaum sichtbaren Beschädigungen aussortiert werden konnten. Es war eine immense Arbeitserleichterung für alle Mitarbeiter.

Als kleiner Junge ist Manfred Rüter auf dem Bild zu sehen. Heute, 50 Jahre später, führt er selber den Hof, doch diese Szenerie sieht er nun mit ganz anderen Augen. „Letztendlich war die Einführung dieser Maschine Teil eines stetig andauernden Prozesses der Rationalisierung, dem die Landwirtschaft unterworfen ist“, sagt er. So stand man damals wie auch später vor der Frage: „Wie können die eigenen begrenzten Ressourcen effektiver eingesetzt werden?“ Und genau dieser Aspekt erklärt die weiteren Veränderungen auf dem Hof. Die Sortiermaschine war bis in die 1990er-Jahre in Betrieb, anfangs auch noch kurzzeitig ein Eier-Verkaufsautomat. „Dann löste zunächst die Milchviehwirtschaft die Geflügelwirtschaft ab und seit dem Jahr 2011 haben wir nur noch Ammenkühe“, beschreibt Rüter die weitere Entwicklung.

1968 zum Zeitpunkt des Artikels war ein wichtiger Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft bereits erfolgt: Aus der alten Agrarfrage „Wer wird die Scheunen füllen?“, so beschreibt es der Autor Ulrich Kluge in einem wissenschaftlichen Fachbuch zur Geschichte der Landwirtschaft, entstand die Frage „Wer wird die Scheunen leeren?“. Alle Zeichen standen auf Expansion, insbesondere bei der Veredelungswirtschaft, beispielsweise bei der Rinderhaltung. Und so war es auch auf dem Hof Rüter. Der ständige Druck zwang die Betriebe zur weiteren Spezialisierung, bis man irgendwann eine Grenze kam, die nicht überschritten werden konnte, so dass man umdisponieren musste.

„Gegenwärtig kommt hinzu, dass wir eine hohe Reglementierung und Bürokratisierung haben. Der Landwirt ist zum mittelständischen Unternehmer geworden“, so Rüter. Zunehmend entfremde sich der Konsument auch von den landwirtschaftlichen Prozessen, denn so der Landwirt weiter: „Alle wollen kaufen und essen, einen Schlachthof will aber keiner mehr sehen.

Erschienen in leicht gekürzter Fassung in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 12. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/eier-sortiermaschine-liliput-versetzt-berge-auf-hof-in-buchholz-aid-1.7385759

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09.02.2018: Rückblende 9. Februar 1968 – Als das Farbfernsehen nach Hückeswagen kam

Inserat in der BM vom 9. Februar 1968.
Inserat in der BM vom 9. Februar 1968.

Es war ein komplett neues (Fern-)Sehgefühl: Die Olympischen Winterspiele von Grenoble in Farbe verfolgen zu können war Grund genug für den „Funk- und Fernsehberater Burghoff“ am 9. Februar 1968 in der Bergischen Morgenpost eigens eine Anzeige zu schalten: „Täglich während der Olympischen Winterspiele im Hotel zum Hofgarten“ hieß es im Inserat. Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals eine technische Revolution. Als Bundeskanzler Willy Brandt genau um 10:57 Uhr des 25. August 1967 auf der „Großen Deutschen Funkausstellung in Westberlin“ einen großen roten Taster (der eine Attrappe war) betätigte, wurde in den deutschen Wohnstuben aus dem Schwarz-Weiß-Bild ein farbiges. Vorausgesetzt es stand ein Farbfernseher in der Guten Stube, doch den hatten noch die Wenigsten.

Das Schaufenster von Elektro Burghoff an der Marktstraße zurzeit der Einführung des Farbfernsehgerätes um 1968.
Das Schaufenster von Elektro Burghoff an der Marktstraße zurzeit der Einführung des Farbfernsehgerätes um 1968.

Viele Monate zuvor begannen bundesweit die technischen Vorbereitungen: Pionier in Hückeswagen war Siegfried Burghoff, der in seinem bereits seit 1955 existierenden Geschäft an der Marktstraße nun derartige Geräte anbot. Der erste Farbfernseher der Firma Metz, heute Ausstellungsstück im Maschinenpark des Vereins „Drei-Städte-Depot“, kostete damals 2500 DM. Zum Vergleich: Ein nor-males Schwarz-Weiß-Gerät war 800 bis 1000 DM teuer. Beide Größenordnungen waren für die damaligen Verhältnisse ein stattliches Sümmchen.

Siegfried Burghoff erinnert sich: „Ich habe im Mai 1967 meinen ersten Farbfernseher-Lehrgang bei der Firma Philips in Hamburg absolviert, später war ich auch noch bei Grundig in Fürth.“ Im August 1967 kehrte Burghoff dann rechtzeitig aus dem Urlaub zurück, um beim großen Verkaufsstart im Laden stehen zu können.

In den Anfangsjahren galt die so genannte Konvergenz als großes technisches Problem. Es war notwendig, dass ein Fachmann nach dem ersten Aufstellen des Gerätes an 25 Reglern Einstellungen vornahm, weil je nach Standort unterschiedliche Magnetfelder auf das Gerät einwirkten. War die Justierung nicht ganz exakt oder wurde der Fernseher an einen anderen Platz gerückt, überlappten sich die mit dem Kathodenstrahl in der Röhre projizierten Grundfarben und das Bild wurde unansehnlich. Erst Mitte der 1970er-Jahre wurde das Problem gelöst. Viele Konsumenten hatten jedoch davon gar nichts mitbekommen, da sie erst später ein Farbgerät gekauft hatten.

Zu Beginn der Farbfernseh-Epoche konkurrierten drei Unternehmen um die Gunst der Kunden: Philips, Grundig und Metz. Burghoff hatte alle drei Marken im Laden stehen. Die Geräte arbeiteten mit dem bundesdeutschen Standard „PAL“, Frankreich und auch die DDR hingegen setzten auf „SECAM“. „Zu meinen ersten Kunden zählte Erich Sessinghaus und die Drogerie Zörner“, erinnert sich Siegfried Burghoff mit einem Lächeln. An die Olympia-Übertragungen hat er jedoch nur wenige Erinnerungen, allerdings arbeitete man mit dem Hofgarten öfters zusammen. Burghoff: „Wir haben dort in dem Saal des Hotels Verkaufsveranstaltungen gemacht, die waren sehr erfolgreich.“

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 8. Februar 2018, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/als-das-farbfernsehen-nach-hueckeswagen-kam-aid-1.7375806

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20.01.2018: Rückblende 20. Januar 1968 – Möbel Happel zieht von Remscheid nach Hückeswagen ins Haus Zach

Möbel Happel am aktuellen Standort Industriestraße. 1997 zog man vom Haus Zach hier hin. Foto: N. Bangert
Möbel Happel am aktuellen Standort Industriestraße. 1997 zog man vom Haus Zach hier hin. Foto: N. Bangert

Eigentlich war Adolf Happel mit seinem Standort Burger Straße in Remscheid als solches ganz zufrieden. Das Geschäft lief gut und sein Sohn Werner war auch schon in den Betrieb integriert, obwohl er noch die Schulbank drücken musste. Wäre da nicht der Zustand des Gebäudes: Es waren nicht nur schon Wasserschäden vorhanden, auch regnete es hinein und der Vermieter hielt sich mit Investitionen auffallend zurück. „Mein Vater war ein Mann von schnellen Entschlüssen“, erinnert sich Werner Happel, der gegenwärtig die Geschicke des Unternehmens leitet, an das Geschehen. Kurzer Hand suchte der Senior eine neue Bleibe und rein zufällig stieß er in der Schloss-Stadt auf das Gebäude, das noch heute unter dem Namen „Haus Zach“ bekannt ist. Schließlich war es dann soweit. In einer BM-Anzeige kündigte der Inhaber zwei Tage vor dem großen Tag an: „Am Samstag dem 20. Januar eröffnet Möbel Happel in Hückeswagen, Islandstraße ein modernes Möbelhaus“.

Die Bergische Morgenpost widmete sich in einem Artikel einen Tag später dann noch ausführlicher der Eröffnung und vergaß auch nicht die Vergangenheit des Hauses zu schildern. Erbaut wurde das Geschäftshaus demnach von „Bergstede & Frerichs“. Nach einigen Besitzerwechseln folgte zuletzt das Kaufhaus Heka, bevor das dann bis 1968 eine längere Zeit leer stand. „Unseren neuen Vermieter Otto Zach kannten wie vorher nicht und der Umzug selber dauerte dann ein paar Wochen“, so Werner Happel. Erst später erfuhr er dann von der großen und stolzen Geschichte der Unternehmerfamilie Zach.

Doch auf welche Weise brachte nun Happel „Neues Leben ins alte Haus“, wie die BM damals titelte? Sowohl Erd- als auch Obergeschoss wurden renoviert und neu eingerichtet. Und das Vorhaben war ambitioniert, denn mit einer großen Auswahl wollte man sich in Hückeswagen vorstellen: Egal ob Wohn- oder Schlafzimmer, Klein- oder Polstermöbel, modern oder antik, alles sollte gezeigt werden. Während in der unteren Etage die Kleinmöbel wie Tische und die Teppiche Platz fanden, war der Ausstellungsbereich oben über die schöne Freitreppe zu erreichen.

Doch auch in der Schloss-Stadt musste das neue Unternehmen bald einen Strauß ausfechten. So wurde einige Zeit nach dem Umzug die Islandstraße aufgerissen, weil man diese zu einer Fußgängerzone umbauen wollte. Überall lagen plötzlich nur noch Bretter, die einen Zugang zum Geschäft mehr schlecht wie recht ermöglichten. „Daraufhin schaltete mein Vater eine Todesanzeige in der Zeitung, die vom Ableben des Geschäftsstandortes Islandstraße kündete. Am nächsten Tag wurde die Straße schnell wieder zu gemacht“, so Happel mit einem Lächeln.

Das Haus Zach sollte auch nur eine Durchgangsstation für die Firma sein, sie hat heute an der Industriestraße ihren Sitz. Und mit diesem Standort endet bis auf Weiteres der Zyklus der Standortwechsel, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem kleinen Textilhandel in der Nachbarstadt Remscheid begonnen hatte.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 19. Januar 2018, URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/moebel-happel-zieht-es-von-remscheid-nach-hueckeswagen-ins-island-aid-1.7330877

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