24.06.2018: Rückblende (41) zum 24. Juni 2008 – Die Ernst-Müller-Brücke an der Wuppervorsperre stürzt ein

Die eingestürzte Ernst-Müller-Brücke am 30.06.2008. Foto: N. Bangert.

(nob) Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht noch am Dienstagabend, den 24. Juni 2008, herumgesprochen, und am Mittwochmorgen setzte sich eine Heerschar von Schaulustigen in Richtung Wanderparkplatz Mühlenweg in Bewegung. „Hast Du schon gehört, die Brücke ist eingestürzt“ begann so oder ähnlich fast jedes Gespräch. Gemeint war die „Ernst-Müller-Brücke“, deren zerstörte Holzkonstruktion nun fast wie ein Ponton auf dem Wasser lag. Die Menschen am Ufer waren verblüfft, teilweise aber auch wurde ein Lob für den Wupperverband ausgesprochen. „Die wussten wohl doch sehr genau was sie taten“, sagte seinerzeit ein Anwohner bei einem Interview anerkennend. Er meinte damit die Entscheidung des Verbandes, das Bauwerk zu sperren, nachdem im November 2006 ein Gutachter Holzfäule und damit verbunden die Einsturzgefahr feststellte. Zwar wurde allgemein bedauert, dass aufgrund der Sperrung der bei den Erholungssuchenden und Sportlern sehr beliebte Rundweg um die Wuppervorsperre nicht mehr zu nutzen war, doch spätestens beim Anblick der kaputten Brücke setzte sich die Einsicht durch.

Gerade einmal 21 Jahre tat die Bogenbrücke ihren Dienst. Kurz vor Weihnachten 1985 wurde sie von Bürgermeister Helmut Ptock für die Öffentlichkeit freigegeben. Als Geschenk der Stadt an die Bürger anlässlich 900-Jahr-Feier wurde das Bauwerk deklariert, dessen Planung 1993 begann und mit der Errichtung im Oktober 1985 vollendet wurde. Lokalhistorisch bemerkenswert ist die Namensgebung. Die Brücke über die Wuppervorsperre trug niemals offiziell den Namen „Ernst-Müller-Brücke“ und trotzdem wurde sie von den Menschen so genannt. Dies geschah im Andenken an den SPD-Politiker Ernst Müller, der sich in besonderer Weise für die Freizeit-Infrastruktur an der Vorsperre eingesetzt hatte.

Auf den Zeitplan für die Errichtung des Nachfolgebauwerks hatte der Einsturz so gut wie keine Auswirkungen, denn die Montage war bereits auf ein Datum zwei Wochen später terminiert. Tatsächlich begannen Anfang August 2008 die Arbeiten, wobei man sich dieses Mal für eine Metallkonstruktion entschied, die einen markante blaue Farbe bekam. Interessanterweise setzte sich dieses Mal kein Spitzname durch, versuchte Namensgebebungen wie „Blauer Klaus“ oder „Blaues Wunder“ blieben erfolglos. Und so wurde beim offiziellen Festakt mit Bürgermeister Uwe Ufer und dem Vorstandsmitglied des Wupperverbandes Bernd Wille am 4. September 2008 einfach eine neue Brücke eingeweiht. Den Sportlern und Wanderern war der Name eh egal, sie hatten nach anderthalb Jahren endlich ihren geliebten Rundweg wieder.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 22. Juni 2018.

11.07.2018: Rückblende (43) zum 11. Juli 2008 – Erstes Sommerbob-Rennen in Hückeswagen

Shuttle-Fahrten für die Bergische Morgenpost am Renntag. Foto: Norbert Bangert am 12. Juli 2008.

(nob) Zu bestimmten Gelegenheiten fällt der Begriff „Chronistenpflicht“. Selten war der Ausdruck, den man auch mit „vollständigkeitshalber“ übersetzen könnte, zutreffender, wie beim Notieren der Resultate des „Ersten Internationalen Sommer Bob Grand Prix“ in Hückeswagen. Nach drei Tagen Training und Wettbewerb vom 11. bis 13. Juni 2008 stand bei den Männern das Team von Karl Angerer und bei den Frauen das von Anja Schneiderheinze auf dem Siegerpodest, Letztere mit einem Streckenrekord von knapp 85 Kilometern in der Stunde.

Doch es war letztendlich eine Randnotiz, vielmehr war es das Ereignis an sich, das Geschichte in Form einer Weltpremiere schrieb: Fast wie Außerirdische wirkten die Vertreter der internationalen Bob-Elite in ihren Rennanzügen, die mitten im Sommer in der idyllischen Altstadt gelandet waren, um auf der Marktstraße beginnend mit einer spitzen Kurve in die Islandstraße einzubiegen und über den Wilhelmsplatz bis in die Bahnhofstraße hinunter zu rasen. Auf den Schlossplatz, wo man eher eine altertümliche Postkutsche vermuten würde, hatten die Stars zuvor ihr Fahrerlager aufgeschlagen.

Mangels eines Eiskanals hatte der Organisator Sven Schreiber von der Firma Hammerevents gemeinsam mit der „Professional Summer Bob Association“ (PSBA) kurzerhand eine 525 Meter lange Strecke auf einer Breite von 1,20 Metern mit einer Teerschicht belegen lassen und mit stabilen Banden versehen. Die Kufen wurden durch Rhombus-Rollen ersetzt, von denen der Hersteller aus Wermelskirchen 200 Stück zur Verfügung stellte. Zudem galt es, die sonstige Infrastruktur zu errichten: Eine kilometerlange Verkabelung für die Übertragungstechnik am Zieleinlauf, Aufstellen von Überquerungshilfen für die Zuschauer oder der Aufbau des Riesen-Zeltes „Pflitsch-Arena“ auf dem Etapler Platz.

Mit jedem Tag, an dem das Event näher rückte, wuchs auch die Vorfreude, während Veranstalter, Hauptsponsor Pflitsch und das Stadtmarketing unter der Regie von Uwe Ufer und Monika Winter kräftig die Werbetrommel rührten. Spätestens als die Teermaschine anrückte und auf der extra verlegten Kunststoffplane die Bahn ausrollte, war klar, dass aus einer verrückten Idee Wirklichkeit wurde. Auch die Bergische Morgenpost war mit der Partie: Sie sponserte das Team von Manual Machata, das am Ende Platz 3 belegte, und verloste zudem für die Leser Schussfahrten im Viererbob. Am 14. Juli 2008 titelte die BM „Zwei Tage Begeisterung pur“ und berichtete von etlichen tausend Menschen, die im Verlauf des Wochenendes die Strecke säumten. In den Rennpausen oder abseits der Strecke wurde eine Stuntshow oder Autogrammstunden geboten, während sich die Feierwütigen am Samstagabend in der Pflitsch-Arena versammelten, um Live-Musik von Olaf Henning oder den Alpenstürmern zu erleben.

Und die Sportler? Die waren begeistert und Karl Angerer fand die Sache „total crazy“. Die BM titelte am 15. Juli: „Alle wollen wiederkommen“. Und sie kamen wieder: 2009, 2012 und 2014 wurden weitere Feste gefeiert. Doch der Reiz des Neuen flaute ab und es kehrte wieder Ruhe ein in das beschauliche Hückeswagen.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 18. Juli 2018.

15.03.2018: Rückblende (31) zum 15. März 2008 – Hückeswagen gewinnt den WDR2-Tag

Ein Trabi auf dem Schloss-Platz als Werbeaktion für den WDR-2-Tag. Das Foto entstand am 23. Mai 2008 einen Tag zuvor.

(nob) Wenn der Begriff „bewegte Zeiten“ wirklich einmal zutrifft, dann für die denkwürdigen Tage im März 2008. Seit Anfang des Monats gab es kaum noch ein anderes Gesprächsthema in der Schloss-Stadt, denn man beim populären Radio-Wettbewerb „WDR 2 für eine Stadt“ ins Finale einzogen. Hückeswagen befand sich unter den zehn Städten, die im Internet relativ auf die Einwohnerzahl gesehen „am meisten angeklickt“ wurde. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass der Radiosender am 11. März über die Bemühungen der Einwohner berichten würde, den Wettbewerb zu gewinnen. Gespannt fieberte man dem Tag entgegen, doch was dann geschehen sollte, ist mit dem Wort „Krimi“ fast noch untertrieben.

Doch der Reihe nach: Einmal im Jahr versprach der Radiosender WDR 2 einer Stadt in NRW ein großes Event. Herzstück war ein Open-Air-Konzert mit einer bekannten Band (für 2008 wurde BAP angekündigt) und die Produktion von beliebten Radiosendungen vor Ort. Um Ausrichter werden zu können, mussten sich die Städte in einer Vorrunde und an einem Finaltag qualifizieren.

Dass das erste Hindernis überwunden werden konnte, daran hatte die Bergische Morgenpost mit der Aktion „Wir klicken Hückeswagen“ entscheidenden Anteil. Durch die Aufrufe in der Presse gelang es, genügend Teilnehmer zu aktivieren, die wiederum Werbung für die Aktion machte. So kam man unter die letzten zehn.

Am Finaltag des 11. März dann begann das große Drama: Die Bürger sollten in der Stadt der Tuchweber spontan ein Riesen-Tuch zusammennähen und so die ersten fünf von möglichen 15 Punkten einfahren. Es gelang und auf dem Etapler Platz wurde das Gemeinschaftswerk entrollt. Es folgte der Auftritt von Bürgermeister Uwe Ufer. Seine Aufgabe war es, zehn Fehler zu finden, die in einem Stadtporträt versteckt waren. Neun fand er, der zehnte Punkt wurde dann zum Zankapfel. Ufer wähnte den Trabi-Club, der den letzten Trabi besaß, in Sachsen, während der WDR darauf hinauswollte, dass es auch in Hückeswagen eine Trabi-Club gebe. Beide Seiten interpretierten die Antwort Ufers entsprechend und sahen sich im Recht.

Zunächst sträubte sich der WDR, den nötigen 15. Punkt zu vergeben, um in ein Stechen mit drei weiteren Städten zu kommen. Doch sie hatten nicht mit Monika Winter gerechnet. Aufgrund ihrer energischen Vorsprache beim Radiosender bekam Ufer nochmal eine Chance. Drei Zusatzfragen waren zu beantworten und tatsächlich gelang es Ufer.

Am 15. März 2008 galt es dann, der Bürgermeister musste sich nun im Stechen einem weiteren Quiz in drei Runden stellen. In der ersten Runde wurde Attendorn besiegt, dann in Runde 2 Beckum. Als dann sein Finalgegner aus Lippstadt die entscheidende Frage falsch beantwortete, brachen im Rathaus alle Dämme: Hückeswagen wurde am 24. Mai 2008 einen Tag Gastgeber für den WDR 2.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen , 14. März 2018, URL: www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/schloss-stadt-gewinnt-den-wdr-2-tag-aid-1.7453430

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22.01.2018: Rückblende (26) zum 22. Januar 2008: Die Schloss-Stadt bekommt erstmals eine Autogas-Tankstelle

Der Gastank für Autogas wird auf das Gelände der Firma Kfz-Hövel gehievt. Foto: N. Bangert am 22. Februar 2008.
Der Gastank für Autogas wird auf das Gelände der Firma Kfz-Hövel gehievt. Foto: N. Bangert am 22. Februar 2008.

(nob) Ein kleines Stück Hückeswagener Technikgeschichte wird am 22. Januar 2008 an der Peterstraße geschrieben. Es entsteht die erste Autogastankstelle auf dem Stadtgebiet: Ein 4850 Liter umfassender Flüssiggastank wird mit einem Kran auf das Gelände der Firma Kfz-Technik Hövel gehievt. Allerdings sollte es noch bis zum 16. Februar dauern, bis der erste Kunde wirklich tanken konnte und so nicht mehr nach Wermelskirchen oder Lindlar fahren musste. Dann erst gab der Dekra-Sachverständige mit einer Unterschrift sein OK.

Nachdem die Planungen im Februar 2007 begonnen hatten und das Fundament Mitte Oktober des gleichen Jahres gegossen wurde, war zumindest bautechnisch mit dem Aufstellen und Anschließen des Tanks der letzte Schritt getan. Dass der Behälter auf dem erhöhten Firmengelände, und nicht unmittelbar an der Peterstraße installiert wurde, hatte damit zu tun, dass der Tank ansonsten zu nahe an den Kanalrohren gelegen hätte.

Ein Liter Flüssiggas kostete damals 0,59 € und lag somit auf dem heutigen Preisniveau. Über 100 Autos konnten mit dem Volumen des Hövel-Tanks gefüllt werden, bevor per GSM-Funkmodem automatisch Nachschub angefordert wurde.

Kfz-Meister Dirk Hövel blickt heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Maßnahme vor zehn Jahren: „Während der ersten fünf Jahre gab es keine Probleme. Der Höhepunkt des Autogas-Geschäftes war dann in den Jahren 2010 bis 2012, als eine immer größere Anzahl von Menschen ihre Fahrzeuge umrüsten ließen.“ Doch dann ereignete sich ein Unfall mit einem Smart an einer der im gesamten Bundesgebiet immer zahlreicher werdenden Autogas-Tankstellen und eine Sicherheitsdiskussion begann. Um den Anfahrschutz zu gewährleisten, wurden schließlich so gut wie keine oberirdischen Gastanks mehr genehmigt, da die Anforderungen vor allem in Bezug auf die LKWs zu groß gewesen wären.

Hövel: „Ab dem Jahr 2012 kam der Effekt hinzu, dass kaum noch neue Fahrzeuge umgerüstet wurden, da die Motorentechnik aufgrund der gestiegenen Abgasnormen zu komplex wurde.“ Zwar stießen die Autogas-Fahrzeuge seit jeher 15 Prozent weniger CO2 aus als ein Ottomotor, jedoch wurden die Umrüstungen teurer. Deren Anzahl ging auch bei Hövel, der extra dafür einen Mitarbeiter eingestellt hatte, zirka um den Faktor 10 zurück.

Aktuell ist für den Betrieb das Autogas-Geschäft immer noch ein sehr wichtiges Standbein. Das liege zum einen an der hohen Anzahl von Bestandsfahrzeugen, zudem sei nun wieder eine leicht steigende Nachfrage festzustellen. Hövel: „Der Anteil der Dieselfahrzeuge nimmt ab, was der aktuellen Diskussion um die Fahrverbote geschuldet ist. Alternative Antriebe sind im Kommen“, so Hövel. Der Chef selber setzt auf die Hybridtechnologie, mit der sich der persönliche Anfahrtsweg von zu Hause zur Firma gut bewältigen lässt. Die Elektromobilität sieht er erst dann im größeren Maßstab kommen, wenn die Probleme mit der Ladeinfrastruktur gelöst seien.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 25. Februar 2018. URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/schloss-stadt-bekommt-erste-autogas-tankstelle-aid-1.7344352.amp?__twitter_impression=true

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01.01.2018: Rückblende (Sonderartikel) zum 1. Januar 2008 – Das Hallenbad wird eine Bürgerbad gGmbH

Das Bürgerbad in der Gesamtansicht am 24. September 2017. Foto: K.H. Eißner.
Das Bürgerbad in der Gesamtansicht am 24. September 2017. Foto: K.H. Eißner.

Am 1. Januar 2008 wurde der städtische Eigenbetrieb in eine gemeinnützige gGmbH überführt. Schwere finanzielle Verwerfungen bei einem wichtigen Teil der Infrastruktur zwangen zum Handeln.

(nob) Im Jahr 2007 gab es im Finanzhaushalt der Stadt einen Problemfall: Das Hallenbad im Brunsbachtal fraß jährlich ein gehöriges Loch in den Etat. Alleine das Wirtschaftsjahr 2007 schloss der Betrieb mit einem Verlust von 834.000 Euro ab. Politik, Verwaltung und Bürgerschaft standen nun vor Frage, wie es weitergehen sollte. Entweder gelang eine dauerhafte Senkung des Defizits oder aber das Bad würde schließen müssen. Im Vorfeld scheitere auch eine interkommunale Lösung mit der Nachbarstadt Wipperfürth. Letztendlich war man sich jedoch einig, dass das Bad erhalten bleiben sollte. Thomas Nebgen, seit Oktober 2011 einer von vier ehrenamtlichen Geschäftsführern der Gesellschaft und Vorstandsvorsitzender der GBS, formuliert den gemeinsamen Willen in einem BM-Gespräch: „Ziel war und ist es, eine solche Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Sie ist im Hinblick auf die Attraktivität einer Stadt wichtig, die Kinder können schwimmen lernen und letztendlich haben auch wir als GBS im Sinne unserer Mieter ein Interesse daran.“

Ein Ausweg bot sich nun den Akteuren in der Überführung des städtischen Eigenbetriebes in eine sogenannte gGmbH, einer relativ neuen aber einer normalen GmbH ähnelnden Rechtsform. Neben steuerlichen Gesichtspunkten, die aber aufgrund der hohen Verluste im operativen Geschäft keine Rolle spielten, war der Vorteil, dass der Betrieb von Ehrenamtlern geleitet werden konnte.
Und tatsächlich, am 1. Januar 2008 ging die Einrichtung mit einer neuen Struktur und unter dem Namen „Bürgerbad“ an den Start. Als Partner wurden die Interessengemeinschaft Frühschwimmer (IGF) sowie der Stadtsportverband mit ins Boot geholt und an der gGmbH beteiligt.

Ein wichtiger Aspekt war die Reduzierung der Personalkosten eben durch das ehrenamtliche Team. „Die Führung des Bades kostet uns bei heute vier ehrenamtlichen Geschäftsführern zirka 1600 Euro im Monat“, rechnet Nebgen vor. Dadurch gelang es, alleine diese Kosten um 4/5 zu reduzieren, zuvor habe man zirka 8.000 Euro einkalkulieren müssen. Hinzu kam, dass die Aushilfslöhne frei aus-gehandelt werden konnten.

Was hat die Umwandlung nun konkret gebracht? Stadtkämmerin Isabel Bever zieht eine positive Bilanz: „Die Erwartungen sind bislang eingetroffen und der Badbetrieb gelingt sehr gut. Die finanziellen Verluste haben sich aus Sicht der Stadt um zirka 150.000 Euro reduziert“, so Bever. Hinzu kämen weitere positive steuerliche Effekte, die aber jährlich schwanken.

Nun sind finanzielle Betrachtungen die eine Seite, auch für die Menschen änderte sich so einiges. Und hier bot das neue Konstrukt anfangs auch ein paar Nachteile, die Nebgen wie folgt beschreibt: „Für die Mitarbeiter war es ein herber Einschnitt. Die ersten Jahre waren ein wenig turbulent, da zwei Welten aufeinandertrafen, die der städtischen Verwaltung und die der Außenstehenden mit teilweise gänzlich anderen Ansichten. Es musste sich zunächst einspielen und das ist mittlerweile der Fall. Die Stimmung hat sich deutlich zum Positiven verbessert.“

Eigentümer des Gebäudes blieb auch nach dem 1. Januar 2008 die Stadt, die es dann an die gGmbH verpachtete. Doch die Zeit bleibt bekanntlich nicht stehen und die Badeinrichtung war weiteren Veränderungen unterworfen. Das Bad, so ist sich Nebgen sicher, sei attraktiver geworden. „Wir haben den Saunabereich renoviert, die Rutschbahntreppe erneuert und ein neues Kinderbecken gebaut, da das alte kleine Becken absolut nicht mehr zeitgemäß war“, führt der Geschäftsführer aus. Als vorläufig letzte Veränderung kam im Jahr 2016 das neue Dampfbad hinzu.
In Anbetracht dieser positiven Entwicklung wünscht sich Nebgen, dass sich das aktuelle Konstrukt noch möglichst lange hält, um auch den Mitarbeitern eine sichere Perspektive zu bieten. Und dann trägt er noch einen Herzenswunsch in sich: „Es wäre toll, wenn wir in fünf Jahren alle gemeinsam über ein richtiges Außenbecken sprechen könnten, eingebunden in eine Teichlandschaft.“

Ehrenamtlichen Geschäftsführer: Tanja Bauer, Horst Lempke, Thomas Nebgen und Rene Greif, wobei Horst Lempke von Anfang an mit dabei war.

Meilensteine in zehn Jahren:

  • 1.1.2008: Umwandlung des städtischen Eigenbetriebs in eine gGmbH, noch im Sommer erste Renovierungsarbeiten.
  • Ende 2010: Große Renovierung: Einbau einer neuen energieeffizienten Wärmerückgewinnungsanlage, Erneuerung der Ablaufrinnen, der Rutschtreppe, der Beleuchtung im Bereich der Umkleidekabinen, der Fliesen in den Kabinen, Saunen und Saunaöfen. Außerdem Neugestaltung des Außenbereiches.
  • Februar 2014: Neugestaltung des Kinderbeckens, es entsteht die neue Kinderlandschaft „Jungle“, auch „Baby-Dschungel“ genannt.
  • Oktober/November 2016: Neue Dampfgrotte, aromatisierte Dampfkabine für bis zu acht Personen bei Feuchtklima um 48 °C.
  • Dezember 2017/Januar 2018: Neuer Anstrich, neue Verkleidungen für die Lichtkuppeln, Anstrich der Heizkörper und Sanierung der Überlaufrinnen.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 10. Januar 2018: URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/buergerbad-bleibt-wichtig-fuer-hueckeswagen-aid-1.731049220180110-bm-buergerbad-bleibt-wichtig-fuer-hueckeswagen