07.07.2006 (Artikel-Archiv BM): Serie 12 Uhr mittags: Haus Hammerstein

(nob) Immer in den Sommerferien herrscht im Haus Hammerstein reges Treiben. In der Regel sind alle Zimmer der Bildungs- und Erholungsstätte der Lebenshilfe belegt. Im Wochenrhythmus geben sich die jeweiligen Gruppenleiter aus ganz Deutschland die Klinke in die Hand.

Gut 15 Minuten dauert ein gemütlicher Fußmarsch vom Wanderparkplatz Voßhagen bis runter nach Haus Hammerstein. Wer am Donnerstag um zwölf Uhr mittags diesen Weg ging, hatte durchaus seine Ruhe: Kein einziges Auto war zu sehen und je näher das letzte Waldstück vor der Wupper-Talsperre kam, desto ruhiger wurde es scheinbar. In der letzten Kurve und damit in Sichtweite der Erholungs- und Bildungsstätte der Lebenshilfe dann erste Lebenszeichen. Musik drang aus eines der vielen Gästezimmer und oben in der zweiten Etage waren schlug ein Hammer „ganz dezent“ auf einen Meißel ein. Handwerker renovierten gerade einen der altehrwürdigen Räume.

Vor der historischen Eingangstür der ehemaligen Jugendherberge sitzt Sarah Müller aus Siegen. Sie ist eine von mehreren Betreuerinnen zweier Besuchergruppen, die sich zurzeit in der Idylle an der Talsperre vom Alltag erholen. Sie kümmert sich gerade um Björn, einen der jungen Gäste, der ihr gegenüber sitzt. „Ein Teil der Gruppe macht gerade einen Ausflug in den Kölner Zoo. Andere sind hier geblieben und haben etwas länger geschlafen“, berichte sie. Kaum hatte sie es ausgesprochen, öffnete sich ein Fenster und einer der Gäste wünschte einen schönen guten Morgen, mittags in Haus Hammerstein.

Im Haus selber herrscht rund um die Küche eine geordnete Betriebsamkeit. Helga Czolbe, eine Mitarbeiterin des Hauses, bereitet gerade mit zwei andern zusammen das Mittagessen vor. „Es gibt Cordon bleu, Röstis, Gemüse und zum Nachtisch ein Eis“, verriet sie Einzelheiten des Speiseplans.

Claudia Marxen sitzt währenddessen am Empfang und ist erleichtert, dass sie gerade schon einmal einige Abrechnungen fertig machen konnte, denn am Samstag reisen die beiden Gruppen wieder ab und 48 neue Gäste treffen ein. „Durch den Ausflug einer Gruppe hatte ich etwas Luft“, berichtete sie.

Im „Raum Rheinland“ einem der großen Tagungsräume lächelt derweil ein Monster von der Leinwand. Es läuft der Disney-Klassiker „Elliot das Schmunzelmonster“. Die Betreuerin Nenya Schmitz-Schumachers aus Recklinghausen erläutert: „Der Film gehört zu einem Nebenprogramm des zweiwöchigen Aufenthalts. Es ist einfach ein weiteres Angebot.“

Buntes Treiben herrscht dagegen in einem Nebengebäude. Unter der Leitung der Künstlerin Erika Windemuth aus Dürhagen, die für die Sommerferien für die Ausrichtung des Kulturprogramms engagiert wurde, fanden kurz vor dem Mittagessen gerade die letzten Proben für ein Schwarzlichttheater statt. Eine Gruppe von zwölf Leuten plant für den Abend die Aufführung eines kleinen Stückes. „Es ist eine Mischung aus einem Tanzspiel, Bewegung und Musik“, erläuterte Windemuth während die Projektteilnehmer sich zum verdienten Mittagessen begaben.

Info:
Unter einem Schwarzlichttheater versteht man eine besondere Form des Theaterspiels, bei der in einem völlig verdunkelten Raum bzw. auf einer Bühne agiert wird. Als einzige Lichtquelle dient eine Schwarzlicht-Lampe die ausschließlich weiße oder neonfarbene Gegenstände oder Kleidungsstücke zum Leuchten bringen und somit für die Zuschauer sichtbar erscheinen lassen. Das Schwarzlichttheater ist eine Form des pantomimischem Theaters.