13.04.2019: Rückblende (69) zum 13. April 1954 – Großbrand an Karquelle durch Funken

Die Karquelle auf einer Ansichtskarte um 1916. Quelle> Archiv Bangert

(nob) Es war ein unheimlicher Zufall, als ein nicht namentlich genannter Journalist der Bergischen Morgenpost am 13. April 1954 einen Artikel über die Aufforstung an der bei Ausflüglern sehr beliebten Karquelle verfasste. In diesem betonte er, dass die Forstleute zwecks Aufwertung des Areals „beiderseits der Bahnlinie die Brandschutzstreifen verbreitert“ haben, um „Waldbrände durch Funkenflug von den Lokomotiven“ zu verhindern. Wie hätte er ahnen können, dass noch am selben Tag die Bemühungen der Fachleute durch ein Unglück ad absurdem geführt würden. Denn zwei Tage später, am 15. April 1954, lautete eine Schlagzeile in der BM: „5000 Mark Schaden bei Großbrand in der Karquelle – 16 Morgen Tannenschonungen vernichtet.“

Tatsächlich hatte ein Funkenflug am 13. April gegen 15 Uhr nahe des Höhsieper Tunnels ein Feuer entfacht. Von dort breitete es sich schnell Richtung Osten zur Karquelle aus. Ein schnelles Eingreifen des Löschzugs Stadt unter der Leitung von Hauptbrandmeister Mühleder nutzte nichts, denn die Flammen verbreiteten sich rasant. Die Löschzüge Herweg und Lüdorf rückten als Verstärkung an und sogar zwei Arbeitskolonnen der Rheinelektra (einem Vorläufer des Energieversorgers RWE) halfen bei der Brandbekämpfung mit. Insgesamt, so wird in dem Artikel Bilanz gezogen, seien 16 Morgen Tannenschonung (das entspricht 40.000 Quadratmetern oder fast sechs Fußballfeldern) zerstört worden.

Noch aus ganz anderen Gründen liegt in dem Vorfall eine gewisse Tragik. Bei der Karquelle handelte es sich zur damaligen Zeit um ein traditionelles und beliebtes Erholungsgebiet. Im Zentrum des ausgedehnten Waldgebietes befand sich eine mit Bruchsteinen eingefasste Quelle, die zur Verzierung einen Löwenkopf trug. Der Heimat- Verkehrs- und Verschönerungsverein (HVV) hatte zudem eine Reihe von Bänken aufgestellt. Die Quelle war von einer gepflegten Anlage umgeben, in deren Teichen zahlreiche Goldfische schwammen. Weiterhin gab es einen Pavillon im Jägerhausstil, eine Sennhütte und eine Klause mit Getränkeausschank.

Aufgrund der Nöte der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Waldbestand zwecks Brenn- und Bauholzgewinnung erheblich reduziert und das Gebiet verwilderte. Erklärtes Ziel war es nun, durch Anlegen einer eingezäunten Schonung und Befestigung der Wege ein wenig vom alten Glanz wiederherzustellen. Und ausgerechnet diese Setzlinge fielen nun dem Feuer zum Opfer.

Es tröstet im Nachhinein auch wenig, dass die Dampflokomotiven als Hauptverursacher vieler Brände, von denen einer die Karquelle traf, bis 1977 von der Bundesbahn aus dem Verkehr gezogen wurden. Die Maschinen hatten zwar einen Rauch- und Funkenfang, doch einen hundertprozentigen Schutz gegen Funkenflug konnte auch diese technische Vorrichtung nicht bieten. Gegenwärtig ist die Karquelle eingezäunt und nicht mehr zugänglich. Somit ist die Zeit von „herumlungernden Männern auf Parkbänken im Wald“, so kommentierte Cornelia Päper scherzhaft eine entsprechende Ansichtskarte, endgültig abgelaufen.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, 13. April 2019

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