23.01.2019: Rückblende (62) zum 23. Januar 1974 – Verheerender Großbrand am Hallenbad

Laufende Löscharbeiten am Hallenbad am 23.01.1974. Foto: Stadtarchiv.

(nob) Treffender hätte es die BM am 24. Januar 1974 in ihrer Berichterstattung nicht ausdrücken können: „Der Wunschtraum vieler Hückeswagener wurde ein Raub der Flammen“ und die Augenzeugen „standen fassungslos an der Brandstelle“. Die Rede ist von einem spektakulären Großbrand am Tag zuvor im Brunsbachtal, der die geschilderten großen Emotionen bei den Menschen auslöste. Dort war das Hückeswagener Hallenbad, das den Namen „Willi-Daume-Bad“ trug, gerade im Bau und sollte drei Monate später im April 1974 eingeweiht werden. Dass daraus nichts werden würde, war jedem spätestens nach dem Betrachten der Fotos von der Unglücksstelle klar. Das Dach habe „wie Zunder“ gebrannt und wurde dementsprechend komplett zerstört.

Was war genau passiert? Gegen 15.20 Uhr des 23. Januars fanden Teerarbeiten am Dach statt, wobei offenbar ein kleines Feuer entstand. Da ein Feuerlöscher nicht sofort zur Hand war, breiteten sich die Flammen an hölzernen Leisten einer Seitenwand aus. Dann griffen sie auf die Skobalit-Abdeckung (ein Baumaterial aus Kunststoff) der Beleuchtungskörper und der hölzernen Dachkuppel über, wo sie sich innerhalb von Sekunden über die komplette Innenseite ausbreiteten. Trotz sofortiger Alarmierung konnte die Feuerwehr nur noch das Schlimmste verhindern. Sie musste zudem das Wasser anfänglich aus einem einzigen Hydranten entnehmen, tragischerweise kam man an die 600 Kubikmeter Wasser nicht heran, das sich bereits im Becken befand, da permanent brennende Holzteile von der Decke fielen. Die „dichte blauschwarze Rauchwolke“, so berichtete der BM-Journalist Lothar Kaiser, zog im Nu weitere Schaulustige aus der Innenstadt ins Brunsbachtal.

Das noch unfertige Hallenbad nach dem Brand. Foto: Stadtarchiv.

Offenbar noch unter dem Eindruck des Geschehens stehend, ging der Journalist in seinem Artikel relativ hart mit der Feuerwehr ins Gericht. Kaiser monierte erstens eine einmütige Verzögerung durch eine falsche Ventilstellung nach dem Anschließen des ersten Löschschlauchs am Hydranten und zweitens die Geschwindigkeit der Schlauchverlegung einer Zusatzleitung für Wasser aus dem Johannisteich, die angeblich „gemächlichen Schrittes“ erfolgt sei. Hinzu kam auch noch Pech, da der zuständige Versorger BEW den Druck auf die Wasserleitung nicht im erforderlichen Maß erhöhen konnte, weil an der Zuführung ins Brunsbachtal noch gearbeitet wurde.

Eine erste Schätzung der Schadenshöhe noch am Brandtag überschritt die Grenze von einer Million DM. Doch zur Beruhigung der vor Ort befindlichen Stadtverordneten konnte der Versicherungsfachmann Karl-Heinz Müller verkünden, dass ein Versicherungsschutz im Brandfall bestehen würde. Später stellte sich zudem heraus, dass die Schadenssumme nicht ganz so groß war. Der ausführenden niederländischen Firma Pellikaan gelang es schließlich, mit einer Zeitverzögerung von nur drei Monaten das Bauprojekt fertigzustellen. Am 20. Juli 1974 kam es unter Anwesenheit von Willi Daume zur Eröffnungsfeier.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 23.01.2019

04.10.2018: Rückblende (51) zum 4. Oktober 1993 – Frühschwimmer retten das Hallenbad

Die Mitgliederentwicklung der IG Frühschwimmer vom 4.10.1993 bis zum 04.10.2018.

Unter Aufbruchstimmung wählten 25 Mitglieder Horst Hellerling zum ersten Vorsitzenden des Vereins. Es begann eine Erfolgsgeschichte, die bis in die Gegenwart andauert. Heute würdigen alle Seiten die IGF als wichtige Säule des Bades, doch der Erfolgsdruck ist nach wie vor groß.

(nob) Die Schlagzeile in der Bergischen Morgenpost in der Ausgabe vom 5. Oktober 1993 liest sich bereits wie eine Bilanz: „Private retten das Hallenbad“. Berichtet wird im Folgenden über die Gründungsversammlung der IG Frühschwimmer am Tag zuvor, bei der „25 feste Mitglieder“ zugegen waren. In der ansonsten faktischen Schilderung der Hintergründe gibt zumindest die Unterschrift unter einem Foto, das Menschen auf der Versammlung zeigt, eine kurze Auskunft über die damalige Gefühlslage der Akteure, so ist von „optimistischer Aufbruchsstimmung“ die Rede. Ein Indiz für die hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ist die Tatsache, dass an diesem Abend des 4. Oktober bereits Namen von 150 Interessenten vorlagen, die sich in dem Verein aktiv oder passiv engagieren wollten.

Wie wir heute wissen, sollte der Verfasser der damaligen Schlagzeile Recht behalten. Das Hallenbad, das damals noch Willi-Daume-Bad hieß, würde vorläufig gerettet werden, wenngleich es im Jahr 2008 noch einmal zu einer finanziellen Krise kam. Vor zehn Jahren schuf man dann die Bürgerbad gGmbH, da die Defizite der Einrichtung erneut in die Höhe schossen (Die BM blickte Anfang des Jahres darauf zurück).

Doch zurück zur Gründungsversammlung: Die Vorgehensweise, zu der sich die Versammlungsteilnehmer 1993 entschlossen, war zumindest auf Ebene des Deutschen Schwimmverbandes einzigartig. Deshalb berichtete der frisch gebackene Gründungsvorsitzende Horst Hellerling noch auf dem Treffen von der Absicht des Verbandes, dieses Verfahren als neue Idee überall publik machen zu wollen. Sie bestand im Kern darin, einerseits die öffentlichen Schwimmzeiten zu reduzieren, um so laufende Kosten zu sparen, womit vor allem die Personalkosten gemeint waren. Andererseits sollte den Menschen trotzdem ein Zugang zum Bad ermöglicht werden, in dem sie als Mitglied eines Fördervereins in eigenen Zeitfenstern unter vergünstigtem Eintritt schwimmen konnten. Auf die Mitgliedsbeiträge waren die IG Frühschwimmer in-sofern angewiesen, da die Aufsicht führenden Übungsleiter, aber auch die Versicherung für alle Schwimmer finanziert werden mussten. Eines dieser Zeitfenster war montags zwischen 7 und 8 Uhr, womit sich der Begriff „Frühschwimmer“ von selbst erklärt.

Über Auslöser und Motive zu dieser Art des Vorgehens berichtete Hellerling rückblickend in einem BM-Interview aus dem Jahr 2013. So kam der eigentliche Anstoß vom damaligen Stadtdirektor Hans-Jürgen Pauck und der damaligen Badleiterin Andrea Poranzke. Denn: „Es lag de facto ein Schließungsbeschluss vor und man fragte uns Schwimmer, ob wir nicht etwas zur Rettung des Bads unternehmen können“, so Hellerling. Hintergrund war eine Anordnung der Bezirksregierung, die aufgrund des großen städtischen Defizits erfolgte und zwingend Einsparungen vorsah.

Aus heutiger Sicht war die damalige Gründung der Rettungsanker für die Einrichtung und die Idee genau die Richtige. Thomas Cosler, aktueller Vorsitzender der Frühschwimmer, stellt heraus: „1900 Mitglieder der IGF stehen gemeinsam mit dem Stadtsportverband für die Idee eines Bades in Bürgerhand.“ Aus den anfänglich 25 Wahlberechtigten und 150 Interessierten ist einer der größten Vereine der Stadt geworden und stellen so eine „unmittelbare Überlebenshilfe für das Bad“ dar, wie Cosler weiter betont.

Bürgermeister Dietmar Persian, der bereits seit 1975 bei der Stadt arbeitet, hat persönlich keine Erinnerung an die Gründungsversammlung, ist jedoch selbst Mitglied bei den Frühschwimmern. „Dieser Verein war elementar für das Hallenbad und ist es nach wie vor“, stellt Persian heraus. „Ohne das persönliche Engagement der Menschen wäre eine Rettung undenkbar gewesen.“

Mitgliederentwicklung der IG Frühschwimmer:

  • 4.10.1993: 25 Menschen wählen den ersten Vorstand, noch 150 Interessierte vor der offiziellen Eintragung als Verein
  • 15.12.1993: mehr als 200
  • Ende 1997: 600
  • Anfang 2002: 800
  • 4.10.2003: 900
  • Januar 2005: 1000
  • Oktober 2008: mehr als 1200
  • Anfang 2012: 1406
  • Heute: 1900

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 10.10.2018.

01.01.2018: Rückblende (Sonderartikel) zum 1. Januar 2008 – Das Hallenbad wird eine Bürgerbad gGmbH

Das Bürgerbad in der Gesamtansicht am 24. September 2017. Foto: K.H. Eißner.
Das Bürgerbad in der Gesamtansicht am 24. September 2017. Foto: K.H. Eißner.

Am 1. Januar 2008 wurde der städtische Eigenbetrieb in eine gemeinnützige gGmbH überführt. Schwere finanzielle Verwerfungen bei einem wichtigen Teil der Infrastruktur zwangen zum Handeln.

(nob) Im Jahr 2007 gab es im Finanzhaushalt der Stadt einen Problemfall: Das Hallenbad im Brunsbachtal fraß jährlich ein gehöriges Loch in den Etat. Alleine das Wirtschaftsjahr 2007 schloss der Betrieb mit einem Verlust von 834.000 Euro ab. Politik, Verwaltung und Bürgerschaft standen nun vor Frage, wie es weitergehen sollte. Entweder gelang eine dauerhafte Senkung des Defizits oder aber das Bad würde schließen müssen. Im Vorfeld scheitere auch eine interkommunale Lösung mit der Nachbarstadt Wipperfürth. Letztendlich war man sich jedoch einig, dass das Bad erhalten bleiben sollte. Thomas Nebgen, seit Oktober 2011 einer von vier ehrenamtlichen Geschäftsführern der Gesellschaft und Vorstandsvorsitzender der GBS, formuliert den gemeinsamen Willen in einem BM-Gespräch: „Ziel war und ist es, eine solche Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Sie ist im Hinblick auf die Attraktivität einer Stadt wichtig, die Kinder können schwimmen lernen und letztendlich haben auch wir als GBS im Sinne unserer Mieter ein Interesse daran.“

Ein Ausweg bot sich nun den Akteuren in der Überführung des städtischen Eigenbetriebes in eine sogenannte gGmbH, einer relativ neuen aber einer normalen GmbH ähnelnden Rechtsform. Neben steuerlichen Gesichtspunkten, die aber aufgrund der hohen Verluste im operativen Geschäft keine Rolle spielten, war der Vorteil, dass der Betrieb von Ehrenamtlern geleitet werden konnte.
Und tatsächlich, am 1. Januar 2008 ging die Einrichtung mit einer neuen Struktur und unter dem Namen „Bürgerbad“ an den Start. Als Partner wurden die Interessengemeinschaft Frühschwimmer (IGF) sowie der Stadtsportverband mit ins Boot geholt und an der gGmbH beteiligt.

Ein wichtiger Aspekt war die Reduzierung der Personalkosten eben durch das ehrenamtliche Team. „Die Führung des Bades kostet uns bei heute vier ehrenamtlichen Geschäftsführern zirka 1600 Euro im Monat“, rechnet Nebgen vor. Dadurch gelang es, alleine diese Kosten um 4/5 zu reduzieren, zuvor habe man zirka 8.000 Euro einkalkulieren müssen. Hinzu kam, dass die Aushilfslöhne frei aus-gehandelt werden konnten.

Was hat die Umwandlung nun konkret gebracht? Stadtkämmerin Isabel Bever zieht eine positive Bilanz: „Die Erwartungen sind bislang eingetroffen und der Badbetrieb gelingt sehr gut. Die finanziellen Verluste haben sich aus Sicht der Stadt um zirka 150.000 Euro reduziert“, so Bever. Hinzu kämen weitere positive steuerliche Effekte, die aber jährlich schwanken.

Nun sind finanzielle Betrachtungen die eine Seite, auch für die Menschen änderte sich so einiges. Und hier bot das neue Konstrukt anfangs auch ein paar Nachteile, die Nebgen wie folgt beschreibt: „Für die Mitarbeiter war es ein herber Einschnitt. Die ersten Jahre waren ein wenig turbulent, da zwei Welten aufeinandertrafen, die der städtischen Verwaltung und die der Außenstehenden mit teilweise gänzlich anderen Ansichten. Es musste sich zunächst einspielen und das ist mittlerweile der Fall. Die Stimmung hat sich deutlich zum Positiven verbessert.“

Eigentümer des Gebäudes blieb auch nach dem 1. Januar 2008 die Stadt, die es dann an die gGmbH verpachtete. Doch die Zeit bleibt bekanntlich nicht stehen und die Badeinrichtung war weiteren Veränderungen unterworfen. Das Bad, so ist sich Nebgen sicher, sei attraktiver geworden. „Wir haben den Saunabereich renoviert, die Rutschbahntreppe erneuert und ein neues Kinderbecken gebaut, da das alte kleine Becken absolut nicht mehr zeitgemäß war“, führt der Geschäftsführer aus. Als vorläufig letzte Veränderung kam im Jahr 2016 das neue Dampfbad hinzu.
In Anbetracht dieser positiven Entwicklung wünscht sich Nebgen, dass sich das aktuelle Konstrukt noch möglichst lange hält, um auch den Mitarbeitern eine sichere Perspektive zu bieten. Und dann trägt er noch einen Herzenswunsch in sich: „Es wäre toll, wenn wir in fünf Jahren alle gemeinsam über ein richtiges Außenbecken sprechen könnten, eingebunden in eine Teichlandschaft.“

Ehrenamtlichen Geschäftsführer: Tanja Bauer, Horst Lempke, Thomas Nebgen und Rene Greif, wobei Horst Lempke von Anfang an mit dabei war.

Meilensteine in zehn Jahren:

  • 1.1.2008: Umwandlung des städtischen Eigenbetriebs in eine gGmbH, noch im Sommer erste Renovierungsarbeiten.
  • Ende 2010: Große Renovierung: Einbau einer neuen energieeffizienten Wärmerückgewinnungsanlage, Erneuerung der Ablaufrinnen, der Rutschtreppe, der Beleuchtung im Bereich der Umkleidekabinen, der Fliesen in den Kabinen, Saunen und Saunaöfen. Außerdem Neugestaltung des Außenbereiches.
  • Februar 2014: Neugestaltung des Kinderbeckens, es entsteht die neue Kinderlandschaft „Jungle“, auch „Baby-Dschungel“ genannt.
  • Oktober/November 2016: Neue Dampfgrotte, aromatisierte Dampfkabine für bis zu acht Personen bei Feuchtklima um 48 °C.
  • Dezember 2017/Januar 2018: Neuer Anstrich, neue Verkleidungen für die Lichtkuppeln, Anstrich der Heizkörper und Sanierung der Überlaufrinnen.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 10. Januar 2018: URL: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/buergerbad-bleibt-wichtig-fuer-hueckeswagen-aid-1.731049220180110-bm-buergerbad-bleibt-wichtig-fuer-hueckeswagen