15.03.2019: Rückblende (67) zum 15. März 1959 – IG übernimmt Verwaltung der Zeltplätze

Campingplatz an der Bever, Foto von Ansichtskarte, zirka 1961.

(nob) Ganz offenbar um einen reinen Verwaltungsakt handelt es sich bei einem Ereignis, das die Chroniken für den 15. März 1959 an der Bevertalsperre festgehalten haben. Denn nicht eine einzige Zeile in der Bergischen Morgenpost beschäftigte sich vor 60 Jahren mit der Tatsache, dass der Wupperverband die Verwaltung der Camping-Zeltplätze an die „Interessengemeinschaft Zeltplätze Bever-Talsperre“ abgegeben haben. Stattdessen standen ganz andere Dinge im Blickpunkt: Die Arbeiter des Wupperverbandes konnten sich Anfang 1959 über ein neues Werkstatthaus freuen. So war man bis dato „unzulänglich in den Kellerräumen eines mit Schiefer bekleideten Wohnhauses“ untergebracht, wie es in einem BM-Bericht vom 20. März hieß. Gemeint ist damit das schöne Fachwerkhaus unmittelbar am Damm in Reinshagensbever an der K12, das bis heute noch ein Blickfang ist. Schlosserei und Schreinerei konnten sich damals auf zwei neue Räume ausdehnen, ebenso gab es Aufenthaltsräume für die Arbeiter „mit Zentralheizung und Toilettenanlage“.

Drei Tage später, am 23. März, gab die BM einen erneuten Lagebericht von der Bevertalsperre ab: Demnach war der Wupperverband nun damit beschäftigt, die Wochenendhäuser fit zu machen, da man zu Ostern und vor den folgenden Wochenenden mit dem ersten Gästeansturm des Jahres rechnete. Eine andere Aufgabe ruhte im wahren Sinne des Wortes noch still auf dem See: Es galt die seit 1956 existierende DLRG-Lehrschwimmanlage ans Ufer zu holen, die man aus Angst vor einer Beschädigung draußen auf dem Wasser und somit schwer zugänglich festgemacht hatte. Sie musste für den Betrieb vorbereitet werden, denn am 15. Mai 1959, so schrieb die BM, würde die neue Badesaison beginnen. Aber was war denn nun mit den Zeltplätzen? Immerhin, so lesen wir, war dem Wupperverband „sehr gelegen daran, die Ordnung der Talsperre aufrecht zu erhalten“. Denn es würden bald „jung und alt auf den frei gegebenen Wiesen lagern“. Ein Hinweis auf die IG Zeltplätze fehlt nach wie vor.

Fragen wir jemanden, der es wissen muss: den amtierenden Vorstand des Wupperverbandes Georg Wulf. „Primär ist die Bewirtschaftung der Talsperren unsere Aufgabe. Aber schon damals war klar, dass die Menschen ein legitimes Interesse an Naherholung haben und dazu eben auch die Bevertalsperre nutzen“, erläutert er die Ausgangslage. Um diesen kleinen Spagat zu vollziehen, holte man daraufhin die Städte Hückeswagen, Wuppertal und Remscheid, aber auch die Kirchen mit ins Boot. Wulf: „Wir mussten in irgendeiner Form die Dinge ordnen und es kam zur Gründung der Interessengemeinschaft Zeltplätze Bever-Talsperre.“ Zu ordnen waren zum Beispiel das wilde Parken und Campen aber auch das Einwirken auf Ruhestörer.

Die Vermüllung des Gewässers und vor allem der Randzonen war damals wie heute ebenfalls ein großes Thema. Zwar ist seit den 1980er-Jahren allgemein ein wachsendes Umweltbewusstsein zu beobachten, doch mit vorsichtiger Diplomatie gießt Wulf ein wenig Wasser in den Wein: „Ich würde mir wünschen, wenn selbige Entwicklung sich auch in der Sauberkeit an den Talsperren bemerkbar macht, doch noch müssen wir regelmäßig Aufräumaktionen veranstalten“.

Die Geschichtsschreibung der Interessengemeinschaft Zeltplätze Bever-Talsperre begann also mit dem Wunsch des Wupperverbandes, nicht mehr alles alleine schultern zu müssen. Daraus sind für die IG viele neue Aufgaben entstanden, nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass sich Form und Verhalten bei Freizeit und Naherholung stark verändert haben. Noch im Juli 2018 gab die Geschäftsführerin der IG, Claudia Krieger, in einem BM-Interview einen Einblick. Bei der Gelegenheit sprach sie auch die Gründungszeit an und zitierte einen ehemaligen Satzungsbestandteil. Demnach sei es Aufgabe gewesen, „den gesitteten Aufenthalt der Jugend in der Natur zu sichern“. Zwar würde man es heute anders formulieren, doch nach 60 Jahren ist klar: Es bleibt wohl eine Daueraufgabe.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen, am 15. März 2019.

24.06.2018: Rückblende (41) zum 24. Juni 2008 – Die Ernst-Müller-Brücke an der Wuppervorsperre stürzt ein

Die eingestürzte Ernst-Müller-Brücke am 30.06.2008. Foto: N. Bangert.

(nob) Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht noch am Dienstagabend, den 24. Juni 2008, herumgesprochen, und am Mittwochmorgen setzte sich eine Heerschar von Schaulustigen in Richtung Wanderparkplatz Mühlenweg in Bewegung. „Hast Du schon gehört, die Brücke ist eingestürzt“ begann so oder ähnlich fast jedes Gespräch. Gemeint war die „Ernst-Müller-Brücke“, deren zerstörte Holzkonstruktion nun fast wie ein Ponton auf dem Wasser lag. Die Menschen am Ufer waren verblüfft, teilweise aber auch wurde ein Lob für den Wupperverband ausgesprochen. „Die wussten wohl doch sehr genau was sie taten“, sagte seinerzeit ein Anwohner bei einem Interview anerkennend. Er meinte damit die Entscheidung des Verbandes, das Bauwerk zu sperren, nachdem im November 2006 ein Gutachter Holzfäule und damit verbunden die Einsturzgefahr feststellte. Zwar wurde allgemein bedauert, dass aufgrund der Sperrung der bei den Erholungssuchenden und Sportlern sehr beliebte Rundweg um die Wuppervorsperre nicht mehr zu nutzen war, doch spätestens beim Anblick der kaputten Brücke setzte sich die Einsicht durch.

Gerade einmal 21 Jahre tat die Bogenbrücke ihren Dienst. Kurz vor Weihnachten 1985 wurde sie von Bürgermeister Helmut Ptock für die Öffentlichkeit freigegeben. Als Geschenk der Stadt an die Bürger anlässlich 900-Jahr-Feier wurde das Bauwerk deklariert, dessen Planung 1993 begann und mit der Errichtung im Oktober 1985 vollendet wurde. Lokalhistorisch bemerkenswert ist die Namensgebung. Die Brücke über die Wuppervorsperre trug niemals offiziell den Namen „Ernst-Müller-Brücke“ und trotzdem wurde sie von den Menschen so genannt. Dies geschah im Andenken an den SPD-Politiker Ernst Müller, der sich in besonderer Weise für die Freizeit-Infrastruktur an der Vorsperre eingesetzt hatte.

Auf den Zeitplan für die Errichtung des Nachfolgebauwerks hatte der Einsturz so gut wie keine Auswirkungen, denn die Montage war bereits auf ein Datum zwei Wochen später terminiert. Tatsächlich begannen Anfang August 2008 die Arbeiten, wobei man sich dieses Mal für eine Metallkonstruktion entschied, die einen markante blaue Farbe bekam. Interessanterweise setzte sich dieses Mal kein Spitzname durch, versuchte Namensgebebungen wie „Blauer Klaus“ oder „Blaues Wunder“ blieben erfolglos. Und so wurde beim offiziellen Festakt mit Bürgermeister Uwe Ufer und dem Vorstandsmitglied des Wupperverbandes Bernd Wille am 4. September 2008 einfach eine neue Brücke eingeweiht. Den Sportlern und Wanderern war der Name eh egal, sie hatten nach anderthalb Jahren endlich ihren geliebten Rundweg wieder.

Erschienen in der Bergischen Morgenpost, Ausgabe Hückeswagen am 22. Juni 2018.